363
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.55-28.55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.55
German Translation
[1]  Mein Schmerz kommt von der Freundinn, Und auch die Arznei dazu. Mein Herz ist aufgeopfert, Und meine Seele auch dazu.
[2]  Die Leute sagen: dieses Ist besser als die Schönheit noch, Doch sie besitzet Schönheit, Und dieses Andre auch dazu.
[3]  Erinnert Euch der Freundinn, Die blos aus Durst nach meinem Blut Den Bund zuerst gebrochen, Und die Verträge auch dazu.
[4]  Ihr Freunde, ich erzähle Verhüllt im Schleier Euch das Wort, Doch sagt es immer wieder Und macht Erzählungen dazu. Die trunkene Narzisse, Die Locken helfen auch dazu.
[5]  Die Nächte des Genusses Mit ihrem Himmel sind vorbei, Doch tröstet Euch, die Nächte Der Trennung schwinden auch dazu. Das Bild von ihrem Maale, O weh! vergoß so oft mein Blut, Zuerst vor allen Leuten, Und später heimlich auch dazu.
[6]  Der beiden Welten Schimmer Ist nur ein Abglanz ihres Lichts, Dies sage ich vor Allen, Und sag' dies heimlich auch dazu.
[8]  Es fürchten sich Verliebte, Nur keinem Richter bringe Wein, Und wenn du willst, so bringe Des Sultans Wein-Verboth dazu.
[9]  Es weiß des Weines Wächter, Er weiß, Hafis sey tief verliebt, Und nicht allein der Weinvogt, Es weiß es der Wesir dazu.
460
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.32-32.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.32
German Translation
[1]  Seit meine Suleima nach Irack gewandert, Find' ich in ihrer Liebe Schmerz.
[2]  O Führer des Weges zur Wohnung der Freundinn, Wie gern bestieg ich deinen Gaul!
[3]  Beleb' den Verstand, und betrink dich mit Weine Beim Saitenton, nach Iraks Art.
[4]  Es grünet der Frühling auf Eueren Weiden, Beschütze, Herr, Genusseszeit! Vorbei ist schon lange die Zeit des Genusses, Ich schwimme jetzt im Trennungsquell.
[5]  Gieb mir, o Schenke, den schweresten Becher, Gott tränke dich aus vollem Glas!
[6]  Die Töne der Laute, das Händegewühle Erinnern an die Jugend mich.
[7]  O gieb mir den übrigen Wein, daß betrunken Den Freunden ich mein Leben weih'!
[8]  Mein Innres ist blutig von Freunden entfernt, Die Trennungsstunde geh' zu Grund!
[9]  Es folget die Thräne des Aug's mir oft rückwärts, Verschmäht sie nicht, sie ist ein Meer,
[10]  O sey mit den Freunden verträglich und einig, Benütze die Gelegenheit,
[11]  O Lieblicher! Spiele zum persischen Lied' Die Weisen von Iraks Gesang.
[12]  So schön bist du, Tochter der Rebe, so bist du Die Ehescheidung doch oft werth.
[13]  Mit Sonnen ein Bündniß zu schließen, geziemet Dem Herren Jesus nur allein. Das Alter verbietet mir Schöne zu lieben, Verbeut Umarmungen und Kuß.
[14]  Es ist noch mein Schicksal zu freu'n mich der Freunde, Hafis! nach Iraks Weise sing'.
253
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.9-12.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.9
German Translation
[1]  Du, deren WangenglanzErfrischt das Tulpenbeet des Lebens,Komm'! ohne dein GesichtVerwelkt der Frühlingsglanz des Lebens.
[2]  Recht ist's, wenn Thränen mirWie Regen von den Augen fließen,Denn wie der Blitz verschwandIm Gram um dich die Zeit des Lebens.
[3]  In diesem AugenblickWo du des Glückes Antlitz schauest,Bereite dir dein Loos,Verborgen ist das Loos des Lebens.
[4]  Wie lang' noch Morgenwein!Wie lang' noch süßer Schlaf am Morgen!Erwach! erwach! vorbeiIst längstens schon die freye Wahl des Lebens.
[5]  Sie gieng bei mir vorbei,Doch ohne auf mich her zu sehen,O! armes Herz, das nichtsGenoß im Uebergang des Lebens.
[6]  Den grauen Schlund des NichtsWird jeder Glückliche verhöhnen,Der deines Mundes PunktErkohr zum Mittelpunkt des Lebens.
[7]  Von allen Seiten drohtIm Hinterhalt' ein Heer Gefahren,Verhängten Zaumes sprengtDavon der Reiter unsers Lebens.
[8]  Selbst lebenslos bin ichLebendig, dies soll dich nicht wundern,Wer zählt den TrennungstagWohl zu den Tagen seines Lebens.
[9]  Hafis, o sprich ein Wort,Denn auf der Erde weiter FlächeBleibt deiner Feder Bild,Ein Denkmal deines Lebens.
479
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.51-32.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.51
German Translation
[1]  Morgen ists; Thau entträufelt den Frühlingswolken, Grüße den Morgen, gieb mir ein Glas zu trinken.
[2]  Ueber das Ich und Wir bin verwirrten Sinns ich. Reiche mir Wein, das Ich und das Wir zu meiden.
[3]  Trinke des Bechers Blut, denn gerecht ist selbes. Erinnre dich nur der Freunde, dies heißet handeln. Sollte der Morgenrausch dir vielleicht in Kopf geh'n. Schaffe sogleich Geschämigkeit aus dem Kopfe.
[4]  Schenke sey nah', es lauert der Gram im Rücken, Horche dem Sänger, wo du auch wandeln mögest.
[5]  Reiche mir Wein, es sprach mir in's Ohr die Laute: Freu dich des Lebens, glaube dem Wort der Alten.
[6]  Nichts zu begehren ist, o Hafis, das Beste, Dies war der Wunsch, ertönet es dankbar dem Sänger.
227
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.128-10.128
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.128
German Translation
[1]  Wahr ist's, wie wohl das Wort Dem Prediger nicht behagen wird, Daß mit der Gleißnerei, Er nie rechtgläubig werden wird.
[2]  Betrinke dich und sey Freygebig, sittsam, weil ein Thier, Das keinen Wein berührt, Doch nie zum Menschen werden wird.
[3]  Des Menschen Herz sey rein, Daß es der Gnaden würdig sey, Indem nicht jeder Stein Zu Perlen und Korallen wird.
[4]  Der Name Gottes wirkt Schon von sich selber, o mein Herz! Indem aus Gleisnern nie Ein Salomon erstehen wird.
[5]  Die Liebe sing' ich nun, Und hoff', daß diese Wissenschaft, Nicht wie die übrigen, Mir Noth und Mangel bringen wird.
[6]  Noch gestern sagte sie: Thu' morgen, was du willst, Verspreche mir, o Herr! Daß sie ihr Wort nicht reuen wird.
[7]  Ich fleh' zu Gott für dich, Um eine mildere Natur, Weil sonst mein armes Herz Ein andermal zerstöret wird.
[8]  So lang dem Sonnenstaub An Muth es mangelt, o Hafis! Wiß, daß er nie sich auf Zum Aug' der Sonne schwingen wird.
62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.48-4.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.48
German Translation
[1]  Sey mir gegrüßt der Wünscher Bothe, Gieb uns Kunde der Freundinn, Daß auch ich die Seele opfern möge Für den Namen der Freundinn.
[2]  Närrisch und irr wie die Nachtigallen Hascht des trunkenen Sinnes, Papagey im Bauer gierig Nach dem Zucker der Freundinn.
[3]  Netze sind ihre Locken, und ihr Schwarzes Maal ist ein Körnlein; Sehnsuchtsvoll nach dem Körnlein fiel ich In die Netze der Freundinn.
[4]  Bis an den jüngsten Tag wird jener Nicht die Trunkenheit lassen, Der so wie ich am Tag des Looses Trank vom Becher der Freundinn.
[5]  Ihren Genuß verlang ich sehnlichst, Ihr Verlangen ist Trennung, Gerne vergeß ich meine Wünsche, Wird vergnüget die Freundinn.
[6]  Meinem Gesichte will ich schwarzen Staub auflegen statt Schminke, Wenn mir ein gutes Glück den Staub bringt Von der Schwelle der Freundinn.
[7]  Meine Begierde hab ich weiter Nicht erläutert der Freundinn, Denn die Erklärung, ach! ich fürcht' es Wäre beschwerlich der Freundinn.
[8]  Feuer des Grams verzehrt Hafisen Ohne Rettung. Erduld' es! Nimmer gewährt verliebten Herzen Ruh' die Unruh' der Freundinn.
99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:9.1-9.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:9.1
German Translation
[1]  Mein Herz verlangt nach dem Gesicht Farruch's,Es ist verwirret wie das Haar Farruch's,
[2]  Ich nehme aus sein Hindufarbes Haar,Sonst Niemand naht sich dem Gesicht Farruch's,
[3]  O dreymal glücklich ist er, dieser Schwarze,Er, der Begleiter und Gefährt' Farruch's,
[4]  Wie Weiden zittert die Cypreß' im Garten,Sobald sie sieht den hohen Wuchs Farruch's
[5]  Gieb mir den safranfarben Wein, o Schenke,Zum Angedenken der Narziß' Farruch's.
[6]  Aus Gram hat sich mein Leib gekrümmt zum Bogen,Zum Bogen wie die Augenbraun' Farruch's,
[7]  Den Moschushauch vom Tartarland beschämet,Der Hauch des Ambradufts vom Haar Farruch's.
[8]  Wenn jedes Herz sich neigt nach einer Seite,So neiget meines sich ganz zu Farruch.
[9]  Ich diene gern dem hohen Geist von Jenem,Der wie Hafis sich nennt ein Sklav Farruch's.
154
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.55-10.55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.55
German Translation
[1]  Spiele eine Weise auf, Daß mit Seufzern wir dazu uns schlagen, Singe uns Gesänge vor, Daß wir Becher an einander schlagen.
[2]  Ist es uns gegönnet, Unsern Kopf auf ihre Thür zu legen, O so mag wohl das Geschrey Unsrer Herrschaft an den Himmel schlagen.
[3]  Meine krumm gebeugte Form Scheinet nur Verachtung zu verdienen, Doch ein Bogen ist sie nur Dessen Pfeile viele Feinde schlagen.
[4]  In das Kloster taugen nicht Die Geheimniße des Liebesspieles, Denn der Schenkenknaben Glas Muß in Schenken man zusammenschlagen.
[6]  Nur für einen einz'gen Blick Spielen beide Welten aus den Weisen, Auf den ersten Wurf muß man Seine Seele in die Schanze schlagen.
[7]  Wenn der Freundinn Hochgenuß Eine einz'ge Thür eröffnen wollte, Würden dieser Hoffnung voll Töpfe auf der Schwelle sich zerschlagen.
[8]  Jugend, Liebe, Trunkenheit Sind, was ich für mich beisammen wünsche, Sind die Wörter erst vereint, Dann ist's leicht, den Redeball zu schlagen.
[9]  Deine Locken rauben unser Heil, Und hierüber ist sich nicht zu wundern, Denn ein Räuber, der dir gleicht, Kann wohl hundert Karawanen schlagen. Wenn auf meines Auges Quell Meines Freundes Schatten fallen sollte, Will ich für den Staub des Weg's, Wasser aus dem Stein des Herzens schlagen. Die Erkenntniß, der Verstand Und die Wissenschaft verschönt die Rede, Wenn dies alles sich vereint, Ist es leicht, den Worteball zu schlagen.
[10]  Ich beschwöre dich, Hafis, Bei dem Koran! laß die Gleißnereyen, Denn nur die Aufrichtigen Können ihrer Wünsche Ballen schlagen.
371
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.63-28.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.63
German Translation
[1]  Wir haben die Lehren der Zauberei In Schenken niedergeleget, Wir haben den guten Erfolg des Flehn's Vor's Liebchen niedergeleget.
[2]  Wohl hundert vernünftige Köpfe setzt Das Maal des Liebchens in Flammen. Ich habe in's närrische Herz das Maal Mit Liebe niedergeleget.
[3]  Es hat mir der ewige Herr den Schatz Des Grams der Liebe gegeben, Seitdem ich auf diesem zerstörten Platz Die Stirne niedergeleget.
[4]  Ich öffne der Liebe der Schönen nun In meinem Herzen den Weg nicht, Ich habe das Siegel von ihrem Mund Auf meine Thüre geleget.
[5]  Unmöglich erreicht die Verstellungskunst In Kutten höhere Stufen, Ich habe den Grundbau des Ordenskleids Wie Trunkne niedergeleget. Es reichte der fromme Geselle mir Die Hände hin, sie zu küssen, Ich habe den Kuß auf den Becherrand Des Schenken niedergeleget.
[6]  Wie könnte dies störrige Schiff zuletzt Wohl weiter segeln im Meere? Ich habe mein Herz aus Begierde nach Den Perlen niedergeleget.
[7]  Gedankt sey's dem Herren, ich bin ein Wirth, Beraubt des Herzens und Glaubens, Allein die Verständigen habe ich Jedoch zur Erde geleget.
[8]  Mit Schatten begnüge ich mich von dir, Hierin Hafisen vergleichbar, Ich habe die bettelnde Art vor dir, O Herr! längst niedergeleget.
27
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.13-4.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.13
German Translation
[1]  Ins Kloster kam mein Freund, das volle Glas in Händen, Von Wein, die Anderen von seinen Augen trunken.
[2]  Der neue Mond erglänzt am Hufe seines Pferdes, Die Pinien sind klein, verglichen seinem Wuchse.
[3]  Mir nicht bewußt, wie kann ich sagen, daß ichs bin, Und daß ich ihn nicht schau', wenn ich ihn stets anschaue?
[4]  Des Kreises Licht erlöscht, so bald er geht von hinnen, Und wenn er kommt, verstummen die Beschwörenden.
[5]  Der Moschus riecht von der Berührung seines Haares Die Braunenschminke krümmt sich nach den schönen Augen.
[6]  O komm' zurück, dann kommt Hafisens Jugend wieder, Wiewohl der Pfeil nicht wiederkehrt zum Bogen.
263
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.6-13.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.6
German Translation
[1]  Laß mein Schiff vom Stapel hinab in die Fluten des Weinstroms!Seelen von Alt' und Jung wecke mit lautem Geschrey.
[2]  Wirf mich Schenk' ins Schiff des Weines, es saget das Sprichwort:Thue Gutes und wirfs dann in die Fluten hinab.
[3]  Seht! ich habe mich aus dem Wirbel der Schenke verirretSeyd so gnädig, Herr! leitet mich wieder zurecht.
[4]  Bring' mir ein moschusduftendes Glas vom rosigen WeineRosenwasser flammt sicher aus Eifersucht auf.
[5]  Zwar bin ich berauscht, doch sollst du mir Gnade erzeigen,Wirf nur einen Blick auf mein verwüstetes Herz.
[6]  Willst du um Mitternacht der Sonne Angesicht schauenNimm von dem Rosengesicht Schleier und Hülle hinweg.
[7]  Lasse nicht zu, daß sie mich einst in die Erde begraben!In der Schenke wirf mich in die Tonne voll Wein.
[8]  Weil das Loos Hafis aufs äußerste dich hat getrieben,Schleudre Diwe des Grams in die verzehrende Gluth.
226
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.127-10.127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.127
German Translation
[1]  Ich fürchte, daß durch meine Thränen Der Schleier zerrissen wird, Daß mein versiegeltes Geheimniß Den Leuten entdecket wird.
[2]  Man sagt, daß durch Geduld der Kiesel, Zuletzt zum Rubin wird, Wohl wahr! daß durch das Blut des Herzens Er röthlich gefärbet wird.
[3]  Ich will mit Weinen und Flehen Nun einmal zur Schenke geh'n, Vielleicht daß von der Hand des Grams Die Seele befreyet wird.
[4]  Von allen Seiten flogen Pfeile Von meinem Gebete ab, Vielleicht daß einer von denselben Doch etwas erzielen wird. Die Schwelle des Pallasts der Herrschaft, Die du, o mein Mond! bewohnst, Sie ist die Werkstatt, wo aus Köpfen Der Mörtel zubereitet wird.
[5]  O Seel', erzähle unsre Sage Von neuem dem süßen Freund, Doch sag' ihm so, daß nichts davon Vom Ostwind gehöret wird. Wenn alles nicht nach Wunsche gehet, So kümmere du dich nicht, Ich danke Gott, daß, statt des Bösen Nichts Böseres auf dich kömmt. Mein Herz, geduldig trage Alles, Betrübe dich nicht, weil doch Zuletzt aus diesem Abend Morgen, Und Licht aus dem Schatten wird.
[6]  Es ward durch deinen Stein der Weisen Mein Antlitz in Gold verkehrt, Indem durch deine Huld selbst Erde In Goldstaub verwandelt wird.
[7]  Der Stolz des Nebenbuhlers bringt mich In Staunen und Aengstlichkeiten, O Herr! verhindre, daß ein Bettler In Ehren gehalten wird. Du hohe Ceder, bist so störrig, Du pochest auf deinen Wuchs, Zu dem von meinen kurzen Händen Nie eine gelangen wird.
[10]  Ist seiner Locken Moschusschleier In deinem Besitz, Hafis, So schweige still, weil sonst vom Ostwind Die Nachricht vernommen wird.
469
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.41-32.41
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.41
German Translation
[1]  Düfte des Weins sind gekommen, und meine Begier ist gewachsen, Für den Staub der Thür' werde geopfert mein Geist.
[2]  Immer ist es ein Glück zu vernehmen Kunde vom Freunde, Ha! wer bringt von mir freundliche Grüße zu Saad!
[3]  Komm' am Abend der Fremden, und schau' mein Auge voll Thränen, So schwimmt reiner Wein in dem kristallnen Gefäß.
[4]  Wenn ich bräche den Mund und hin nach Eden mich sehnte, Fliehe von mir der Schlaf, fliehe der schmeichelnde Traum!
[5]  Lang' ist's wahrlich nicht mehr bis zu dem Tage der Trennung, Denn ich erblickte schon über den Hügeln das Zelt.
[6]  Selig der Augenblick, wo ich dich einstens begrüße, Wo ich dir sage: gegrüßt! Sey mir von Herzen gegrüßt! Weinet der Vogel des Glücks im Garten genannt Sileroki, Wird die Taube doch nicht weinen im Garten von Saad.
[7]  Ferne bin ich von dir, und irre herum in der Fremde, Ob ich gleich den Mond niemals im Vollschein geseh'n.
[8]  Wenn ich gleich Nichts besitze, das werth ist des Umgangs der Fürsten, So erlaube mir doch, daß dein Bedienter ich sey.
[9]  Bald, o bald, so hoff' ich, erblick' ich ein besseres Schicksal, Herrschen erfreuet dich, mich dir gehorsam zu seyn.
[10]  Deine Verse, Hafis, sind Perlen süßer Sorbete, Uebertreffen gar manchmal die Verse Nisami's.
239
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.140-10.140
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.140
German Translation
[1]  Freudige Kunde ist da, Der Frühling kommt, das Grün entsprießt, Kommt die Belohnung nur ein, Sie geh' auf Wein und Rosen auf!
[2]  Stimmen der Vögel sind da! Wo ist die Liegerstatt des Weins? Klagen versendet Bülbül, Wer riß der Rosen Schleier weg? Rosengefärbet sey nun Die blaue Kutte mit dem Wein, Weil der weinschenkende Greis Dafür nicht einmal Hefen gab.
[3]  Welchen Geschmack von der Frucht Des Paradieses hat der Mann, Der in den Apfel des Kinns Des Liebchens nie gebißen hat.
[4]  Klage nicht über den Schmerz, Denn auf dem Weg der Liebe hat Keiner gefunden die Ruh, Der nicht zuvor gelitten hat, Führer des innersten Wegs, Um Gottes willen komm' zu Hülf! Denn ich sehe kein End', In meiner Liebe Wüstenei'n, Trinke den Wein, und verschenk' Den goldnen Becher an Hafis, Weil ein König aus Huld Den Schuldigen verzeihen muß. Von des Geliebten Gesträuch Erhielt Hafis kein einz'ges Blatt, Ihm hat auf diesem Gefild Der Gnade Ostwind nicht geweht.
[5]  Sammle das Rosengeschlecht Vom Mondgesicht des Schenken ein, Weil in dem Umfang der Flur Der Veilchen Flaum so lieblich sprießt. Gehe den Weg nicht allein, Zum fernen Bau der Liebe hin, Sicher verlohren ist, wer Dahin sich ohne Führer wagt.
[6]  Durch die Gespräche des Freunds Ward ihm mein Herz so zugethan, Daß ich die Anderen nun Nicht hören und nicht sprechen mag. O mein Gefährte! der Weg Der Liebe hat der Wunder viele, Denn es verschrecket der Löw' Auf dieser Haid', der Hirschen viel.
127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.28-10.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.28
German Translation
[1]  Vor deinem Angesicht Der Mond nicht Schimmer hat, Die Rose keine Glanz Vor deinen Wangen hat.
[2]  Des Herzens Posten sind Der Augen hohe Brau'n; Solch einen schönen Ort Kein Fürst und König hat.
[3]  Was thut des Herzens Rauch Den Wangen denn zu Leid? Du weißt, ein Spiegel nichts Vom Hauch zu fürchten hat.
[4]  Wie frech ist die Narziß', Daß sie vor dir noch blüh't, Daß mit zerriß'nem Aug', Sie wenig Sitte hat.
[5]  Ich sehe, daß das schwarze Aug' Das dir im Kopfe rollt, Auf keinen alten Freund Die kleinste Rücksicht hat.
[6]  Herold, der Schenke gieb Mir nur ein Rotel Wein's, Auf's Wohlseyn unseres Scheihs Der keine Pfründe hat.
[7]  Du trinke Blut und schweig', Indem das zarte Herz, Für solche Klagen nicht Geduld und Muße hat.
[8]  Geh' hin und wasch' mit Blut Den Aermel Jedermanns, Der nicht zur Schwell' der Thür', Den Weg gefunden hat.
[9]  Ich bin es nicht allein, Den dieses Haar verfolgt, Wer ist's, der in der Brust Kein Brandmaal hat?
[10]  Hafisen schmähle nicht, Er liegt anbetend da, Ein Freygeist in der Lieb' Auch keine Sünde hat.
225
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.126-10.126
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.126
German Translation
[1]  O Schenke, höre, wie die Sage Von Cedern, Rosen, Tulpen geht, Du sieh darauf, daß sie nicht ohne Dreyfacher Becher Spende geht.
[2]  Du trinke Wein, die Braut der Erde Hat ihre Schönheit nun erreicht, Jetzt sind die Zeiten, wo die Tugend Der Kupplerinn im Schwunge geht.
[3]  Des Indus Papageyen werden Nun alle Zuckerfreßer seyn, Vom persischen berühmten Kandel, Der reißend nach Bengalen geht.
[4]  Gieb Acht auf des Gesanges Bahnen, Du siehst, was schnell fortschreiten heißt, Ein Kind in einer Nacht erzeuget, Das einen Weg von Jahren geht.
[5]  Betrachte dieses Schelmenauge, Das die Andächtigen betrügt, Siehst du, wie hinter Karawanen Der Zauberer von ferne geht. Mein Liebchen träuft von Schweißestropfen, Und wanket holden Schritts einher, So daß von Wangen der Jasminen In Form des Thau's der Angstschweis geht.
[6]  Wirst du gelockt von Schmeicheleien Der Welt verlaß nicht deinen Weg, Weil diese alte Räuberhexe Aus auf Betrügereien geht. Sey nicht Samir in deinen Werken, Er, der aus Eselshaftigkeit Vom Führer Moses sich entfernet, Und nach dem goldnen Kalbe geht.
[7]  Des Frühlings Schmeichellüfte wehen Her aus des Schahes Rosenbeet, Indeß statt Wein ein Tropfen Thaues Hinein in Tulpenkelche geht.
[8]  Schweig nicht, Hafis, von dem Vergnügen, Des Hofs des Schahs Gajaßeddin Du weißt, daß das Geschäft am besten Durch Singen dir von statten geht.
495
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.67-32.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.67
German Translation
[1]  Fodre Wein, und streue Rosen, Alles von der Welt zu fodern; Sprach zur Nachtigall die Rose Auf der Gartenflur. Was sagst du?
[3]  Schreit' einher, mein holder Buchsbaum, Wandle durch die Rosenbeete, Daß von deines Glanzes Anmuth Die Cypresse Haltung lerne.
[4]  O mein süßes Rosenzweiglein, Du bewegst dich in dem Kreise, Um zu wählen, wem soll werden Der Genuß der Rosenknospen.
[5]  Giebt es auf der Welt was Bessers, Als mit Schenken und mit Mädchen Lippen fassen, Wangen küssen, Nektar trinken, Rosen riechen!
[6]  Sieh', es ist des Herzens Kerze Ausgesetzet jedem Winde, Deine übergroße Güte Wird gewiß des Flämmchens schonen.
[7]  Diese Locken, deren Ringeln Sina's Moschus überdüften, Würden mir noch süßer duften, Wär' es Duft von gutem Herzen.
[8]  Meine Lieder bringen alle Vögel in den Hain des Schahes, Du, o Nachtigall erscheine Mit Hafisens neuen Liedern.
53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.39-4.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.39
German Translation
[1]  Ich bins, der die Schenk' ins Kloster verkehrt, Worte des Wirths sind die Morgensegen.
[2]  Tönt die Laute keinem Morgengesang, Aergre dich nicht, mein Gesang ist Reue.
[3]  Lieber will ich seyn dein Bettler als Fürst, Daß du mich quälest, ist mir Ruhm und Ehre.
[4]  In Moscheen und Schenken ist dein Genuß Meine Begier; Gott ist Zeuge dessen!
[5]  Es zerstör' der Tod mein Lebensgezelt. Aber ich flieh' nicht vom Thor' des Glückes.
[6]  Auf der Sonne wohn' ich, seit mein Gesicht Unter der Thür' meiner Freundinn lieget,
[7]  Ist die Sünde gleich nicht unsere Wahl, Sage Hafis: Sünde dennoch ist es.
24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.10-4.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.10
German Translation
[1]  Fordre ja nicht von mir Trunknem Pflichterfüllung, gute Werke, Denn am Tage der Bestimmung Ward zum Becher ich bestimmet.
[2]  Seit ich an dem Quell der Liebe Mich nach Brauch gewaschen habe, Hab' ich ja mit einem Worte Allem übrigen entsaget.
[3]  Gieb mir Wein, daß vom Geheimniß Meines Looses ich dir sage, Welches Angesicht ich liebe, Welcher Duft mich trunken machte.
[4]  Berge trugen diese Lasten Nicht so sicher wie die Ameis. Trinker, du verzweifle niemals An der Pforte der Erbarmung.
[5]  Ausser dem Narzißenauge (Gott bewahr's vor bösen Augen) Hat im blauen Himmelskreise Alles seine Ruh verloren.
[6]  Willig werde meine Seele Deinem Munde hingeopfert, In der Garten schöner Ansicht Blühet keine schönre Knospe.
[7]  Deine Liebe hat Hafisen Salomonen gleich gemacht, Denn es bleibt ihm vom Genuße Nichts als Wind in leeren Händen.
398
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.17-29.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.17
German Translation