333
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.25-28.25
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.25
German Translation
[1]  Wenn ich fremd in der Nacht beim Gebet zu weinen beginne, Bringt der Freundinn Haar Wundergeschichten ans Licht.
[2]  Weinen will ich, des Vaterlands und der Freunde gedenkend, Bis die Welt dereinst Reisen und Wandrer verbannt.
[3]  Ich bin vom Lande des Freunds, und nicht aus der Fremde gebürtig; Sende mich, o Herr! meinen Gefährten zurück.
[4]  Weiser des Wegs, ich beschwör' dich bei Gott, verschaff' mir ein Mittel, Daß ich im Schenkengau noch einmal pflanze die Fahn',
[5]  Wann werd' ich dem Verstand die Rechnung legen vom Alter? Leider! bin ich jetzt wieder in Knaben verliebt.
[6]  Außer dem Ost und außer dem West verstehet mich Niemand. O ich Seliger! der Keinem vertraut als dem Wind.
[7]  Ha! die Luft vom Wohnort des Freunds ist mir Wasser des Lebens, Bring von Schirasens Staub, Ostwind Gerüche mir her!
[8]  Meine Thräne verrieth mich von Angesicht zu Gesichte, Ach! wem klag' ich dieß, denn der Verräther bin ich.
[9]  Morgens hörte ich, wie die Leyer der Sterne getönt hat; Süßre Töne ward ich von Hafisen gelehrt.
438
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.10-32.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.10
German Translation
[1]  Leichten Schrittes gieng Selma am liebenden Herzen vorüber. Und es rief ihr zu jeglichen Tages, mein Geist!
[2]  Herzensgeliebter, o wirst du nicht mir Herzensverbrannten Schenken Arzney wider die Schmerzen des Feinds?
[3]  In den Schmerzen, worein mich deine Liebe versenket, Trau' ich nur Gott mich an, ihm dem Beherrscher der Welt.
[4]  Wenn du vielleicht noch läugnen sollst die Leidenschaft Leila's, Schaue mir in das Gesicht, daß deine Zweifel vergeh'n.
[5]  O mein Schönheitsgötz', ich ergreife so mancherlei Wege, Tief in Liebesgluth, tief ist versenket mein Herz.
[6]  Du empfehl' mir immer zum Heile der Seele die Reue, Ach! ich werde nicht klug durch der Erfahrungen Schein.
[7]  Siehe, dein Gram hat längst mir's Herz verzehrt und zerfressen, Und doch ruft man mich noch nicht zur edenischen Flur.
[8]  Sieh' Hafisens Herz steckt in der Krause des Haares, Und in finsterer Nacht leitet der Herr mich den Weg.
213
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.114-10.114
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.114
German Translation
[1]  Die Perle des Schatzes der Liebe ist Noch immer, was sie war, Der Becher der Lieb' ist versiegelt noch, Wie er versiegelt war.
[2]  Die Schaar der Verliebten bewahret stets Das angetraute Pfand, Deßwegen ist perlender Augenschmuck Noch stets so, wie er war.
[3]  Erkundige dich, ob die ganze Nacht Bis zu der Morgenzeit, Der Duft von dem Haare verbrannt nicht ist Wie er verbrannt einst war.
[4]  Rubinen und Perlen begehret nun Seit langer Zeit kein Mensch, Wiewohl noch die Sonne die Kraft besitzt, Die ihr längst eigen war.
[5]  O komm' und besuch' die Todten all', Die Gemordeten von deinen Brauen, Der Arme ist voll von Erwartungen, Wie es das Herz längst war.
[6]  Die blutige Thräne der heißen Brust Von mir mit Fleiß versteckt, Erscheint auf den Lippen mir abermal Wie sie erschienen war.
[7]  Ich sagte, die Locke wird Ausgeh'n auf Räuberei, Der Jahre verfloßen zwar viele schon, Sie ist, wie sie eh' war.
82
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.68-4.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.68
German Translation
[1]  Der Türke mit dem Feengesicht Der gestern von uns weggegangen, Welch' einen Fehler hat er gesehn, Daß er nach Chata fehlgegangen?
[2]  Seit dieses weltensehende Aug' Von meinem Blicke sich entfernte, Weiß Keiner, was vor meinem Gesicht Für Bilder sind vorbeigegangen.
[3]  Der Rauch, der von den Gluthen der Brust Am Abend gestern aufgestiegen, Ist über den entzündeten Rauch Der Kerze weit hinausgegangen.
[4]  Entfernet von des Freundes Gesicht Vergießt die Quelle meines Auges, Von Zeit zu Zeit den reißenden Strom, Davon die Sündfluth ausgegangen.
[5]  Als mich der Krampf der Trennung befiel, Sank auf der Stelle ich zusammen, Zurückgeblieben bin ich mit Schmerz, Nachdem der Arzt davon gegangen.
[6]  Es sprach mein Herz: zu seinem Genuß Kann man wohl durch Gebet gelangen. Seitdem ist meines Lebens Genuß In Nichts, als im Gebet vergangen.
[8]  Als mich der Leibarzt gestern besucht', Sprach er zu mir bedaurungsweise, Dein Uebel ist, o Schade für dich! Die Heilung längst vorbeigegangen.
[9]  O gehe zu Hafisens Besuch, Erkund'ge dich nach seinem Wohlseyn, Noch eher als die Kunde dir kommt, Er sey aus dieser Welt gegangen.
354
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.46-28.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.46
German Translation
[1]  Deine Wimpern haben meinen Glauben tausendmal durchstochen, Komm', daß ich vom kranken Auge, Tausend Leiden für mich sammle.
[2]  Herz! das mir so nah' verwandt ist, Deiner Freunde denkst du nimmer, Ferne, fern von mir die Stunde, Wo du meiner nicht mehr denkest.
[3]  Wer kann auf die Welt noch bauen, Diese Mörderinn Ferhardens, Wehe! ihre Streiche bannen, Mich von meiner süßen Seele.
[4]  Unsrer Trennung Gluthen haben, Mich versenkt in Schweiß wie Rosen, Komm' o Nachtwind bring' mir einen Duft vom Freund der Schweiß austrinket.
[5]  Beider Welten Seligkeiten, Opfere ich auf dem Schenken, Denn es sind die Herrn der Erde, Knaben auf dem Weg der Liebe.
[6]  Wählt mein Liebster andre Freunde, Soll dies frey zu thun ihm stehen, Aber mir ist's streng verbothen, Andre Freunde mir zu wählen.
[9]  Alle Sagen der Begierde, Welche diese Blätter füllen, Sind kein Fehler, denn dieselben Hat Hafis mir eingegeben.
24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.10-4.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.10
German Translation
[1]  Fordre ja nicht von mir Trunknem Pflichterfüllung, gute Werke, Denn am Tage der Bestimmung Ward zum Becher ich bestimmet.
[2]  Seit ich an dem Quell der Liebe Mich nach Brauch gewaschen habe, Hab' ich ja mit einem Worte Allem übrigen entsaget.
[3]  Gieb mir Wein, daß vom Geheimniß Meines Looses ich dir sage, Welches Angesicht ich liebe, Welcher Duft mich trunken machte.
[4]  Berge trugen diese Lasten Nicht so sicher wie die Ameis. Trinker, du verzweifle niemals An der Pforte der Erbarmung.
[5]  Ausser dem Narzißenauge (Gott bewahr's vor bösen Augen) Hat im blauen Himmelskreise Alles seine Ruh verloren.
[6]  Willig werde meine Seele Deinem Munde hingeopfert, In der Garten schöner Ansicht Blühet keine schönre Knospe.
[7]  Deine Liebe hat Hafisen Salomonen gleich gemacht, Denn es bleibt ihm vom Genuße Nichts als Wind in leeren Händen.
473
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.45-32.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.45
German Translation
[1]  Schätze die Zeit nach ihrem Werth, und benütz' sie nach Kräften, Denn vom Leben gehört stets nur der Augenblick uns.
[2]  Wenn dir das niedrige Loos die Erfüllung des Wunsches verheißet, Trachte, daß du vom Glück Freudenmomente dir raubst.
[4]  Freylich Derwisch, du möchtest kosten die Wonne des Weins, Bist du weise, so thu' nichts was Reue dir bringt.
[5]  Breche du immer den Topf, was kennet der Weise den Werth wohl Vom Granatrubin, den du im Hause dir hältst.
[6]  Vom Nachtwandler Gebet nicht verlange süßmundiger Knabe, Salomons Siegelring wirkt durch ein einziges Wort.
[7]  Höre den Rath der Verliebten, und komm' zur Freude zurücke, Denn sie wieget auf alle Geschäfte der Welt.
[8]  Mir ist entfloh'n mein geliebter Jusuf ihr freundlichen Brüder, So wie Chanaan's Greis härme ich Armer mich ab.
[9]  Hüte dich vor den Zellenbewohnern vom Rausche zu sprechen, Keinem profanen Arzt traue das Heimliche an.
[10]  Wo du geh'st vergießen das Blut des Volkes die Wimpern, Seele gehe geschwind, daß du nicht bleibest zurück.
[11]  Freilich hab' ich gewarnet mein Herz vom Pfeile der Augen, Aber der Brauen Schütz hat es gelocket hervor.
[12]  O versammle durch Güte und Huld die Zerstreuten, Es versammelt um sich alle Zerstreuten dein Haar.
[13]  Bist du mit mir zufrieden mein Abgott steinernen Herzens Will ich dem zweiten Aßaf gerne vertrauen mein Herz.
262
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.5-13.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.5
German Translation
[1]  Der blutigen Herzen LeidenWer sagt sie wieder!Vergoßnes Blut vom HimmelWer heischt es wieder!
[2]  Es schämen sich NarzissenVor trunknen Augen,Entsteigen sie der ErdeVon neuem wieder.
[3]  Platonen, die beim BecherDes Weines sitzen,Erzählten der NaturenGeheimniß wieder;
[4]  Wer Tulpen gleich den BecherIm Kreis' herumgiebt,Der wasche seine AugenMit Herzblut wieder.
[5]  Mein Herz hat sich eröffnetWie RosenknospeEs riecht die WohlgerücheDes Veilchen wieder.
[7]  Fürwahr Hafis besuchetMit Seel' und LeibeSobald er kann den UmkreisDer Kaaba wieder.
184
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.85-10.85
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.85
German Translation
[1]  Gestern sah ich, daß Engeln In der Schenke saßen, Adamslehmen zerrührten, Und in Becher goßen.
[2]  Die Besitzer der höchsten Reinigkeit und Herrschaft Haben mit mir Betrunknen, Becher angestoßen.
[3]  Nicht zu tragen vermochten Himmeln Last der Liebe Deßhalb wurde dies Loos mir Närrischen gegeben.
[4]  Du verzeihe dem Streite, Zwey und siebzig Sekten, Weil sie Wahrheit nicht kannten, Fielen in den Irrthum.
[5]  Gott sey Dank, daß nun Friede Zwischen mir und ihr ist! Tanzend haben Huris Wein des Dankes getrunken. Soll ich mich nicht verirren, Hundert tausendmale! Durch ein einziges Körnlein Ward einst Adam irre.
[6]  Was von Kerzen uns lachet, Ist nicht wahres Feuer, Wahres Feuer ist jenes, Das verzehrt die Mücke. Liebe machet die Herzen, Winkelsitzern blutig, Wie das Maal, das die Wangen Der Geliebten zieret.
[7]  Keiner hat noch Gedanken Wie Hafis entschleiert, Seit die Locken der Wortbraut Sind gekräuselt worden.
191
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.92-10.92
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.92
German Translation
[1]  Wer? wer bleibet mir treu, von eigener Milde beweget? Wer wird mir was Gutes erweisen?
[2]  Wer bringt Kunde vom Freund mit Tönen der Trommel und Flöte? Wer bleibt treu beim Becher voll Weines?
[3]  Laßt uns am Freund, der nichts des Guten uns that nicht verzweifeln, Denn vielleicht erweis't er sich gütig.
[4]  Keine Locke, so sprach ich, hab' ich vom Haare gelöset, Dich soll, so sprach sie, kränken die Locke.
[5]  Schwer wird’s Bettlern, wie mir, einen Freund zu besitzen, Giebt sich mit Trunknen der Gasse der Fürst ab?
[6]  Unrecht ist's, wenn ich vom gekräuselten Haar gekränkt bin, Werden Betrüger um Banden sich kümmern?
[7]  Ohne Zahl sind die Heere des Grams, o günstiges Glück hilf! Abdußamed sey der Tröster der Schmerzen.
[8]  Habe Hafis nichts zu thun mit ihren listigen Augen, Ach die finsteren Locken sind trüglich.
462
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.34-32.34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.34
German Translation
[1]  Der du aus finsterer Nacht so freundlich mein Schicksal belächelst, Sage, was will der Hof dort um den leuchtenden Mond?
[2]  Deines Genusses Traum hat mich so lange betrogen, Wie viel Gestalten nimmt noch dein Zauberbild an! Blutigen Herzens bin ich durch sein betrunkenes Auge, In der Liebe folgt Wunder auf Wunder sich nach. Blutig sind Herz und Aug', und Körper und Seele vertrocknet, Dieses kommet mir, jenes der Liebe zu Schuld,
[3]  Bin ich gleich schwarz im Weltenbuche gezeichnet, gieb Wein her! Wer verzweifelt wohl je an der ewigen Huld!
[4]  Schenke bringe das Glas, entreiß' mich dem einsamen Leben, Daß ich von Thüren zu Thür' luftig geschürzet herumgeh'. Billig fand's die Geliebte, mit meinem Blute zu spielen, Molla's saget, was ist Inhalt des Liebefetwa? Reiter, zu was bedarfst du wohl Begleiter und Führer, Findest du einen aus Redschd, gieb ihm Kunde von mir. Nimmer ruhet mein Aug' aus Sehnsucht nach Redschedens Gebirgen, Und mein trübes Herz kämpfet mit großer Beschwerd'. Gott! dir gehöret die Wüste, worinn die Geliebte sich aufhält, Einer Gaselle Blick hat die Gemüther verwirrt.
[5]  Bist du weise und schlau, so thue Verzicht auf vier Dinge, Nämlich auf Ruhe und Wein, Liebchen und Einsamkeit auch.
[6]  Keine einzigen Augenblick ist das Schicksal beständig, Klag' nicht, Hafis, dafür wollen wir trinken jetzt Wein.
[7]  Rein ist das Glas des Gemüths zur Zeit Aßafes, des Weisen, Auf und schenke mir ein von dem lautersten Wein!
[8]  Weit hat sich vergrößert der König durch Herrschaft und Reichthum, Ewig daure, o Herr, ewig die Größe und Macht.
[9]  Sieh' es sitzet hoch auf dem Polster des Glückes des Reiches, Königen, Völkern ein Licht, Abunaßr voll Glanz.
64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.50-4.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.50
German Translation
[1]  Es ist zwar unverschämt, mit Tugenden Sich vor dem Freunde zu prahlen, O Zunge schweig! Wiewohl du von Reinem Arabischen strömst.
[2]  Des Angesichts Peri hat sich verstecket, Aber der Dive des Auges Hat mit des Staunens Flammen mich verbrannt. Ey wie das wunderbar ist!
[3]  Fürwahr! Noch keiner brach auf dieser Flur Ohne die Dornen die Rose, Und in die Lampen des Propheten sprühen Die Funken des Ebileheb.
[4]  Du frage nicht, warum des Himmels Kreis Niedrige Seelen begünstigt? Gerade Mangel des Verdienstes ist Ihm der genügende Grund.
[5]  Ich kauf nicht um ein halbes Gerstenkorn Kloster und Stiftsgebäu, Der Schenke Bank ist meines Dom's Gewölb, Meine Behausung das Glas.
[6]  In unsrem Augenlichte glänzet hell Tochter der Rebe! Dein Reiz Bald hüllt des Glases Schleierkleid, Bald Beerengewebe dich ein. Wenn du für deinen Gram ein Mittel suchst, Such', was die Herzen erfreuet. Du findest es in Flaschen voll Wein, Und in sinesischen Glas.
[8]  Mein Meister! War ich eh' nicht an Verstand, Nicht eh' an Tugenden reich? Jetzt aber, da ich ganz betrunken bin, Lieb' ich den Mangel von Schaam.
[9]  Den Wein bring her! Denn dieses Eine ist, Welches Hafis sich erflehet, Wenn er des Morgens lange Klage weinet, Wenn er um Mitternacht fleht.
154
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.55-10.55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.55
German Translation
[1]  Spiele eine Weise auf, Daß mit Seufzern wir dazu uns schlagen, Singe uns Gesänge vor, Daß wir Becher an einander schlagen.
[2]  Ist es uns gegönnet, Unsern Kopf auf ihre Thür zu legen, O so mag wohl das Geschrey Unsrer Herrschaft an den Himmel schlagen.
[3]  Meine krumm gebeugte Form Scheinet nur Verachtung zu verdienen, Doch ein Bogen ist sie nur Dessen Pfeile viele Feinde schlagen.
[4]  In das Kloster taugen nicht Die Geheimniße des Liebesspieles, Denn der Schenkenknaben Glas Muß in Schenken man zusammenschlagen.
[6]  Nur für einen einz'gen Blick Spielen beide Welten aus den Weisen, Auf den ersten Wurf muß man Seine Seele in die Schanze schlagen.
[7]  Wenn der Freundinn Hochgenuß Eine einz'ge Thür eröffnen wollte, Würden dieser Hoffnung voll Töpfe auf der Schwelle sich zerschlagen.
[8]  Jugend, Liebe, Trunkenheit Sind, was ich für mich beisammen wünsche, Sind die Wörter erst vereint, Dann ist's leicht, den Redeball zu schlagen.
[9]  Deine Locken rauben unser Heil, Und hierüber ist sich nicht zu wundern, Denn ein Räuber, der dir gleicht, Kann wohl hundert Karawanen schlagen. Wenn auf meines Auges Quell Meines Freundes Schatten fallen sollte, Will ich für den Staub des Weg's, Wasser aus dem Stein des Herzens schlagen. Die Erkenntniß, der Verstand Und die Wissenschaft verschönt die Rede, Wenn dies alles sich vereint, Ist es leicht, den Worteball zu schlagen.
[10]  Ich beschwöre dich, Hafis, Bei dem Koran! laß die Gleißnereyen, Denn nur die Aufrichtigen Können ihrer Wünsche Ballen schlagen.
206
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.107-10.107
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.107
German Translation
[1]  Einstens ist in dir mehr Sinn Für die Liebenden gewesen, Deine Liebe gegen uns Ist gar weit berühmt gewesen.
[2]  Eingedenk bin ich der Nacht, Wo mit Schönen süßer Lippen Süße Liebeszauberei'n In dem Zauberkreis gewesen.
[3]  Vor des Himmels grünem Dom Vor dem blauen Luftgewölbe Sind schon ihre Augenbrau'n Meines Blickes Gewölb gewesen.
[4]  Von dem ersten Morgen an, Bis zur letzten Nacht der Nächte, Ist die Liebe immer gleich, Und die Treue gleich gewesen.
[5]  Wenn des Liebchens Schatte fällt Auf den Liebenden, was ist es? Er ist dessen dürftig, Sie Sehnsuchtsvoll darnach gewesen.
[6]  Raubte ihre Schönheit gleich Mit dem Herzen mir den Glauben, Bin ich denn doch mehr verliebt In der Sitte Reiz gewesen.
[7]  An des Freundes Thüre hat Mir ein Bettler angesagt: Wo ich immer saß am Tisch, Ist mein Nährer Gott gewesen.
[8]  Brach des Rosenkranzes Schnur Mir entzwei, halt' mich entschuldigt, Meine Hand ist bei dem Arm Silberschenklichter gewesen.
[9]  That ich in der heil'gen Nacht Einen Trunk, so sage nichts, Denn in meines Freundes Hand Ist ein volles Glas gewesen.
[10]  Deine Lieder, o Hafis, Sind einst in dem Paradiese, Auf den Blättern des Jasmins Und des Rosenstrauchs gewesen.
287
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.16-16.16
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.16
German Translation
[1]  Ha wie herrlich ist nicht deine Form!Dein Ort wie ist er lieblich!Von den Liebkosungen des Mund'sIst mir so im Herzen lieblich.
[2]  Gleich einem frischen RosenblattIst deines Daseyns Weise,Gleich der Cypreß' im ParadiesVom Fuß zum Kopfe lieblich.
[4]  Im Rosenbeet der Fantasie,Strahlt deiner Schönheit ZauberUnd meines Herzens WohlgeruchIst vom Jasmine lieblich.
[5]  Am Weg der Lieb' ist keine FurthIn dem Verderbnißstrome,Mir ist's im Innern des GemüthsDurch deine Freundschaft lieblich.
[6]  Vor deinem Aug' will ich vergeh'nAn dieser Krankheit sterben,Denn es wird aller Gram und SchmerzDurch Wangenglanz mir lieblich.
[7]  Ist in der Wüste gleich der WegUmringet mit Gefahren,So ist Hafisens Schritt dennochWenn er dort wandelt lieblich.
58
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.44-4.44
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.44
German Translation
[1]  Mein Kopf und Willen fügen sich Zur Schwelle meine Freundinn, Was über meinen Kopf ergeht, Ergeht nach Ihrem Willen.
[2]  Ich schaute Ihres gleichen nicht, Wiewohl dem Mond der Sonne, Den Spiegel ich entgegenhielt Blos des Vergleiches willen.
[3]  Was kann der Ostwind von der Qual Des armen Herzens sagen? Es ist verwickelt Blatt in Blatt Wie eine Rosenknospe.
[4]  In dieser trunknen bösen Welt, Sind außer mir noch Trunkne; Gar viele Köpfe sind allhier Geformt aus Thon der Kanne;
[5]  Vielleicht hast du mit einem Kamm Dein Ambrahaar durchfahren, Weil Moschusduft im Ostwind haucht Und Ambra aus der Erde.
[6]  Ein jedes Rosenblatt der Flur Sey deiner Wangen Streue, Und die Cypreßen an dem Fluß Ein Opfer deines Wuchses!
[7]  Die Sprach und Redekunst verstummet, Soll sie die Sehnsucht schildern, Wie könnte das, der Feder Rohr, Das schwätzende, gespaltne!
[8]  Dein Angesicht kam in mein Herz, Nun wird mein Wunsch erfüllet, Denn gute Dinge folgen stets Auf gute Vorbedeutung.
[9]  Es fiel Hafisens Herz nicht jetzt Ins Feuer der Begierde, Von ewig her ist dein Gesicht Gebrannt wie eine Tulpe.
490
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.62-32.62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.62
German Translation
[1]  Ich bin allein der Narr Im Schenkenkloster, Es ist mein Buch und Kleid Für Wein versetzet.
[2]  Der Spiegel unseres Schahs Das Herz ist staubig, Ich fleh' deßhalb zu Gott Um Sinnserleuchtung.
[3]  Ich habe Buß' gethan Beim Weinverkäufer, Nun trink' ich nimmer Wein, Weil sie nicht da ist.
[4]  Erzürn' dich nicht, wenn dir Narzissen prahlen, Wer helle siehet, geht Nicht hinter Blinden.
[5]  Die Kerze sagt vielleicht Uns das Geheimniß, Es schenkt der Schmetterling Sich nicht des Wortes.
[6]  Es fließt ein steter Strom Vom Aug' zum Gürtel, O daß zum Ufer hin Man Cedern pflanze!
[7]  O bring' das Schiff des Weins! Ob ihren Wangen Ist jedes Aug' aus Gram Zum Meer geworden.
[8]  Sprich nur Verliebten nichts Als vom Geliebten, Ich achte Niemanden, Als Wein und Liebchen.
[9]  Wie lieblich klang mir nicht Die neue Sage, Erzählt am Schenkenthor Von meinem Christen;
[10]  Er sprach: wenn den Islam Hafis nicht achtet, Ach weh! was saget er Dann beim Gerichte!
394
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.13-29.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.13
German Translation
[1]  Dein Mondgesicht, o Liebchen! ist Ein Frühlingstag der Schönheit. Es ist dein Flaum, es ist dein Maal Der Mittelpunkt der Schönheit.
[2]  In deinem Funkelauge ist Ein Zauberspruch geschrieben, In den verwirrten Locken liegt Beständigkeit der Schönheit.
[3]  Ein Mond, dir ähnlich, gieng nie auf Am Himmel der Vollendung. Und keine Zeder, die dir gleicht, Wuchs je am Strom der Schönheit.
[4]  Der Lebenslauf der Schönen wird Erfreut durch deine Anmuth. Durch deine Lieblichkeit wird froh, Der Weltenlauf der Schönheit.
[5]  Die Locken sind ein Netz, es ist Das Maal ein Korn der Lockung, Darum ist jeder Vogel stets Die Beute deiner Schönheit.
[6]  Der Anmuth Amme nähret dich In unsrer Seelen Mitte, Sie nähret dich mit Schmeichelei'n Am Busenrand der Schönheit.
[7]  Um deine Lippen blüht so frisch Die Veilchensaat des Flaumes, Weil sie das Lebenswasser trinkt Frisch aus dem Quell der Schönheit.
[8]  Es hofft Hafis nun nimmermehr Dein Angesicht zu sehen. Denn außer deinen Wangen giebt Es Nichts im Land der Schönheit.
314
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.6-28.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.6
German Translation
[1]  Gestern hat mir dein schmachtendes Auge die Seele geraubet,Doch der Lippen Reiz gab sie mir wieder zurück.
[2]  Nicht seit heute bin ich in den Moschus des Bartes verliebet,Lange berauschte ich schon mich aus des Nuemonds Pokal.
[3]  Meiner Festigkeit kömmt ein einziger Umstand zu Guten,Daß ich nie in dem Gau hinter dem Fuße herlief.
[4]  O erwarte kein Heil, von mir, der die Schenken besuchet,Denn seitdem ich bin, dien' ich den Trunkenen stets.
[5]  Tausend Gefahren des Untergangs hat die Straße der Liebe,Glaube nicht, daß der Tod dich schon von allen befreyt.
[6]  Ha! was kümmern mich wohl die Bogen und Pfeile der Neider,Da mich der Hochaltar meines Geliebten empfängt.
[8]  Mit der geplünderten Brust ist der Krieger von hinnen gegangen,Weh! o wehe mir, wenn sich der Schah nicht erbarmt!
[9]  In den Himmel erhöht die Wissenschaft zwar Hafisen,Aber die Liebe zu dir hat ihn erniedrigt zu Staub.
414
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.10-30.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.10
German Translation
[1]  Es blüht der Wollust Rosenstrauch, Wo ist der Schenke mit den Rosenwangen, wo? Es wehet Frühlingshauch, Wo ist der Wein, leicht zu verdauen, wo?
[2]  Die neue Rose zeiget mir Ein frisches rosenwangichtes Gesicht. Wo ist ein Ohr, das auch mich hört, Ein Aug', das achtungsvoll mich schauet, wo?
[3]  Es ist die Lustgesellschaft nicht Geschmücket mit der Schminke meines Sinns. O du des Morgens milder Hauch, Wo ist der Freundinn Locken Moschus, wo?
[4]  O Morgenwind, ich dulde nicht Der Rosen eitle Schönheitsprahlerey, Die Hand befleckte Herzensblut, Wo zeih'st du sie der Lügen, Ostwind, wo?
[5]  Des Morgens Kerze rühmte sich Mit ihrem trüben Schleier gegen dich, Du wirst vom Feinde ausgeschmählt, Wo ist ein hellgeschliffner Degen, wo?
[6]  Sie sprach: vielleicht verlanget dich Nach den Rubinen meiner Küsse nicht, Ich sprach: aus Sehnsucht bin ich dort, Doch, wo ist meine Kraft und Stärke, wo?
[7]  Hafis bewahret zwar den Schatz Der hohen Weisheit in dem Wort des Lieds; Allein wo ist ein Dichtermund, Den nicht der Gram des Schicksals drücket, wo?