27
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.13-4.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.13
German Translation
[1]  Ins Kloster kam mein Freund, das volle Glas in Händen, Von Wein, die Anderen von seinen Augen trunken.
[2]  Der neue Mond erglänzt am Hufe seines Pferdes, Die Pinien sind klein, verglichen seinem Wuchse.
[3]  Mir nicht bewußt, wie kann ich sagen, daß ichs bin, Und daß ich ihn nicht schau', wenn ich ihn stets anschaue?
[4]  Des Kreises Licht erlöscht, so bald er geht von hinnen, Und wenn er kommt, verstummen die Beschwörenden.
[5]  Der Moschus riecht von der Berührung seines Haares Die Braunenschminke krümmt sich nach den schönen Augen.
[6]  O komm' zurück, dann kommt Hafisens Jugend wieder, Wiewohl der Pfeil nicht wiederkehrt zum Bogen.
114
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.15-10.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.15
German Translation
[1]  Der Vogel des Glücks ist in unser Netz gefallen, Sobald es bei uns dir vorbeizugeh'n gefallen.
[2]  Ich schleudre aus Freuden zum Himmel auf die Kappe, Sobald mein Glas des Gesichtes Glanz gefallen.
[3]  Geht einstens der Mond des Verlangens auf am Himmel, So wird auf die Hütte ein Strahl des Lichtes fallen.
[5]  Geopfert ist deinem Gesichte meine Seele, Vielleicht wird ein Tropfen der Lippen auf mich fallen.
[6]  Verzweifelnd verlaße die Thür nicht. Loose einmal! Vielleicht wird auf uns noch das Loos des Glückes fallen.
[7]  Wer immer Hafis! den Bezirk der Freundinn lobet, Dem wird von den Rosen des Geists ein Duft auffallen.
112
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.13-10.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.13
German Translation
[1]  Wer deinen Wangen den Schmelz Der Tulp' und Rose gegeben, Ist auch im Stande Geduld Und Ruh mir Armen zu geben.
[2]  Wer deinem finstern Haar Die Grausamkeit hat gelehret, Ist auch im Stande, das Recht Mir wider selbes zu geben.
[3]  Ich gab die Hoffnung Ferhards Für immer auf von dem Tage, Da ich vernahm, daß sein Herz Er an Schirin abgegeben.
[4]  Zwar ward kein Schatz mir zu Theil, Doch bin ich reichlich zufrieden, Der Herr hat jenes dem Schah, Dieses dem Bettler gegeben.
[5]  Die Braut der Welt ist, fürwahr! Von außen herrlich gestaltet, Wer sie genießet, der muß Den Geist zur Mitgift ihr geben.
[6]  Am Fuß der Zeder, am Bach Erheb' ich freyer die Hände, Da nun das Wehen des Osts Vom May die Kunde gegeben,
[7]  Hafisens Herz ist in Blut Vom Arm des Schicksals verwandelt, Hassan, die Stütze des Glaubens, Sie ward ihm nicht mehr gegeben.
9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.9-1.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.9
German Translation
[1]  Die Gärten blühn im frischen Reiz der JugendBulbul hört von der Rosen Freudenkunde.
[2]  O Morgenwind kömmst du zu jungen Wiesen,Grüß mir Basilikon, Cypreß, und Rose.
[3]  Wenn mich des Wirths Knabe süß liebkoset,So weih' ich meine Wimpern ihm zur Bürste.
[4]  Du der mit Ambraschlägeln Ballen spielestSchlag mich Geschlagenen nicht mehr zurücke.
[5]  Ich fürchte, jene, die der Trinker spotten,Verlieren ihren Glauben selbst in Schenken.
[6]  Sey Männern Gottes Freund, es ist ein StäubchenIm Schiffe Noahs, dem die Fluth nicht schadet.
[7]  Begehr' kein Brot, verlaß der Erde Gasthof!Der Erde Wirth ermordet seine Gäste.
[8]  Was brauchts Palläste die zum Himmel reichenFür jenen der zuletzt im Staube schlummert?
[9]  O Kanaan's Mond! dein ist der Thron AegyptensZeit ists den finstern Kerker zu verlassen. Ich weiß nicht was du willst mit deinen Locken:Dein Moschushaar auf diese Art verwirrend.
[10]  Hafis trink Wein, betrinke dich, sey froh,Mach nicht zuletzt zum Fallstrick den Koran.
314
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.6-28.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.6
German Translation
[1]  Gestern hat mir dein schmachtendes Auge die Seele geraubet,Doch der Lippen Reiz gab sie mir wieder zurück.
[2]  Nicht seit heute bin ich in den Moschus des Bartes verliebet,Lange berauschte ich schon mich aus des Nuemonds Pokal.
[3]  Meiner Festigkeit kömmt ein einziger Umstand zu Guten,Daß ich nie in dem Gau hinter dem Fuße herlief.
[4]  O erwarte kein Heil, von mir, der die Schenken besuchet,Denn seitdem ich bin, dien' ich den Trunkenen stets.
[5]  Tausend Gefahren des Untergangs hat die Straße der Liebe,Glaube nicht, daß der Tod dich schon von allen befreyt.
[6]  Ha! was kümmern mich wohl die Bogen und Pfeile der Neider,Da mich der Hochaltar meines Geliebten empfängt.
[8]  Mit der geplünderten Brust ist der Krieger von hinnen gegangen,Weh! o wehe mir, wenn sich der Schah nicht erbarmt!
[9]  In den Himmel erhöht die Wissenschaft zwar Hafisen,Aber die Liebe zu dir hat ihn erniedrigt zu Staub.
91
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.77-4.77
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.77
German Translation
[1]  O Du, ferne von mir! sey Gott befohlen! Ich Verbrannter, ich bin Dir gut von Herzen.
[2]  Glaub' nicht, daß ich die Hand von deinem Saume Lasse, bis mich das Tuch des Grabes umwickelt.
[3]  Zeige mir den Altar von deinen Brauen, Daß zum Morgengebet die Händ' ich hebe.
[4]  Soll nach Babel ich gehen, zum Zaubrer Harut, Alles würde versucht, dich mitzunehmen.
[5]  Daß ich sterbe, das willst du ungetreuer Arzt! den Knaben besuch', er harret Deiner.
[6]  Sieh', es fließet der Strom von meinen Thränen, Daß der Saamen der Lieb' aus Dir entsprieße.
[7]  Du vergoßest mein Blut, den Gram der Trennung Nahmst du aber hinweg, mit deinen Dolchen.
[9]  Du, verleihe mir Kraft, daß zu den Füßen Perlen ich streu' aus meinen Augen.
[10]  Wein und Mährchen Hafis geziemen dir nicht, Auch das kleinste Vergehn werd' ich bestrafen.
411
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.7-30.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.7
German Translation
[1]  Veilchen brennet der Neid ob deinen Locken, Rosenschleier zerreißt dein holdes Lächeln.
[2]  Süße Rose verbrenn' die Nachtigall nicht, Welche Nächte hindurch für dich nur betet.
[3]  Ich, dem ehmals der Engel Hauch zur Last ward, Trage nun das Gerede deinetwegen. Deine Huld ist mein Loos, dein Staub mein Eden, Meine Ruh' dein Gebet, mein Seyn die Wangen.
[4]  Einen Schatz in dem Aermel tragen Bettler Deine Bettler gelangen schnell zur Herrschaft.
[5]  Zwar vereinen sich nicht der Wein, die Kutte, Doch vereine ich beide dir zu Liebe.
[6]  Wein und Liebegekos entflieh'n zur Stunde, Wo mein Haupt voll Begier zu deinem Staub wird.
[7]  Freund! gebrauche das Aug' als Erker; Laß es niemals allein, es ist ein Betort.
[8]  Wahrlich! schön ist der Wangen Flur, besonders Wenn Hafis der geliebte Sänger bleibt.
386
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.5-29.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.5
German Translation
[1]  Beim Herren! geselle dich nicht zu dem Mönch, Verhülle die Wangen vor Trunkenen nicht.
[2]  Befleckt ist die Kutte nur leider zu viel, Gesegnet die Zeiten der Kleider voll Weins!
[3]  Mir thaten die Weiseren nie was zu Leid, Die Freude der Trinker sey niemals getrübt.
[4]  Du bist von zu zarter und feiner Natur, Ertragest der Kutten Beleidigung nicht.
[5]  Du hast mich berauschet, verstecke mich nicht, Eröffne die Lippen, das trunkene Aug'! Es brauset der Wein aus Verlangen nach dir,
[6]  O schau, wie von diesen Bedrückern bedrängt, Die Flasche voll Blut ist, das Barbiton stürmt.
[7]  Nimm dich vor der Hitze Hafisens in Acht! Es brauset gleich siedenden Töpfen sein Herz.
315
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.7-28.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.7
German Translation
[1]  Außer daß so Glaub' als WissenMeiner Hand entfloh,Komm, und sag' ob ich durch LiebeAnderes gewann!
[2]  Zwar flog meines Lebens ScheuerAuf in Wind für dich,Doch beim Staub von deinen Füßen!Ich brach nicht den Bund.
[3]  Zwar bin ich ein Sonnenstäubchen,Unansehnlich klein,Fliege durch das Glück der Liebe,Wangensonnen zu.
[4]  Bringe Wein! jetzt sind die Tage,Lang' ist's, daß ich nichtIn des Seelenheiles Winkel,Voll von Liebe saß.
[5]  Du, der guten Rath ertheilest,Wenn du weise bist,Wirf das Wort nicht auf die Erde,Sieh! ich bin berauscht.
[6]  Kann aus Schaam den Kopf ich heben,Vor dem lieben Freund,Angenehmes hab' bisher ichIhm noch nicht gethan.
[7]  Flammen zehrten an Hafisen,Doch sie sagte nicht:Ihm will ich ein Pflaster schicken,Dem ich weh' gethan.
490
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.62-32.62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.62
German Translation
[1]  Ich bin allein der Narr Im Schenkenkloster, Es ist mein Buch und Kleid Für Wein versetzet.
[2]  Der Spiegel unseres Schahs Das Herz ist staubig, Ich fleh' deßhalb zu Gott Um Sinnserleuchtung.
[3]  Ich habe Buß' gethan Beim Weinverkäufer, Nun trink' ich nimmer Wein, Weil sie nicht da ist.
[4]  Erzürn' dich nicht, wenn dir Narzissen prahlen, Wer helle siehet, geht Nicht hinter Blinden.
[5]  Die Kerze sagt vielleicht Uns das Geheimniß, Es schenkt der Schmetterling Sich nicht des Wortes.
[6]  Es fließt ein steter Strom Vom Aug' zum Gürtel, O daß zum Ufer hin Man Cedern pflanze!
[7]  O bring' das Schiff des Weins! Ob ihren Wangen Ist jedes Aug' aus Gram Zum Meer geworden.
[8]  Sprich nur Verliebten nichts Als vom Geliebten, Ich achte Niemanden, Als Wein und Liebchen.
[9]  Wie lieblich klang mir nicht Die neue Sage, Erzählt am Schenkenthor Von meinem Christen;
[10]  Er sprach: wenn den Islam Hafis nicht achtet, Ach weh! was saget er Dann beim Gerichte!
488
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.60-32.60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.60
German Translation
[1]  Des Morgens sprach der Schenke Both' Zu mir mit einem Glückwunsch: O komm zurück, ich weiß du bist Hier Einer aus den Alten.
[2]  Setz' an den Becher, wie einst Dschem, Trink' ihn bis an die Hefen, Des Glases Schimmer thue kund, Die Gaben seiner Herrschaft.
[3]  Es liegen an der Schenke Thür' Berauschte Kalendere, Sie spielen mit der Herrschaft Thon, Den sie um nichts verschenken.
[5]  Ich halte mich mit meiner Kraft Stets zu der Schenkenthüre, So steige ich, so klein ich bin, Bis an des Himmels Zinnen.
[6]  Begieb dich ohne Chiser nicht Auf diese weite Reise, Der Weg ist finster, fürchte dich Vor mancherlei Gefahren.
[7]  O Reisender, geh' höflich um Mit Bettlern an der Schenke, Das Reich von dem geringsten reicht Von einem Pol zum andern.
[8]  Vielleicht bist du gar nicht im Stand, An's Armuthsthor zu klopfen, Gieb wenigstens den Herrscherkreis Nicht so aus deinen Händen.
[9]  afis! du vielbegehrender, O schäme dich der Sage, Wo hast du Großes schon gethan, Daß du den Lohn begehrst?
262
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.5-13.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.5
German Translation
[1]  Der blutigen Herzen LeidenWer sagt sie wieder!Vergoßnes Blut vom HimmelWer heischt es wieder!
[2]  Es schämen sich NarzissenVor trunknen Augen,Entsteigen sie der ErdeVon neuem wieder.
[3]  Platonen, die beim BecherDes Weines sitzen,Erzählten der NaturenGeheimniß wieder;
[4]  Wer Tulpen gleich den BecherIm Kreis' herumgiebt,Der wasche seine AugenMit Herzblut wieder.
[5]  Mein Herz hat sich eröffnetWie RosenknospeEs riecht die WohlgerücheDes Veilchen wieder.
[7]  Fürwahr Hafis besuchetMit Seel' und LeibeSobald er kann den UmkreisDer Kaaba wieder.
15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.1-4.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.1
German Translation
[1]  O Schönheit aus des Himmels Kreis, Wer lüftet deinen Schleier! O Vogel aus dem Paradies, Wer giebt dir Korn und Wasser?
[2]  Der Schlaf entfloh aus meinem Aug' Vom brennenden Gedanken, In wessen Arm, an wessen Brust Des Nachts du liegst und ruhest.
[3]  Du fragst nicht viel um den Derwisch, Deßwegen fürcht' ich wahrlich, Du denkest nur auf heute stets, Und nicht auf gute Werke.
[4]  Dein trunknes Auge hat am Weg Die Liebenden gemordet, Wer dächte wohl von deinem Wein, Daß er so mördrisch wäre.
[5]  Verfehlet hat der Wimper Pfeil Mein Herz, worauf er zielte, Eröffne mir, was denkest du, Nun weiter noch zu machen.
[6]  Nie drang mein Klagen und Geschrey Hinauf zu deinem Ohre, Daraus Geliebter seh' ich wohl, Wie hoch du bist erhaben!
[7]  Von dieser Wüste führet weit Der Wasserschein den Wandrer; Gieb acht, daß dich Gespenster nicht Darinnen irre führen.
[8]  Mein Herz! mit welchem Angesicht Wirst du im Alter wandeln, O sieh! du hast der Jugend Zeit Blos in dem Wind vergeudet.
[9]  Pallast, der du entflammst das Herz, Du Aufenthalt der Freundschaft, Von dem Verfalle soll der Herr Auf immer dich bewahren!
[10]  Hafis ist ja kein neuer Sklav, Der vor dem Herren fliehet, Sey gnädig, kehr' zu mir zurück, Dein Zorn hat mich zerstöret.
161
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.62-10.62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.62
German Translation
[1]  Kann ein trübes Gemüth sich freun an fröhlichen Liedern, Laßt uns sagen ein Wort, sey es nun, was es auch sey.
[2]  Fänd' ich nur einen Ring, verfertigt aus deinen Rubinen, Wäre mir hundertmal unterthan Salomons Reich.
[3]  Du betrübe dich nicht, mein Herz, wenn die Neider dein spotten, Denn es liegt vielleicht manches des Guten darinn.
[4]  Wer den Sinn nicht versteht von meinem beseelenden Pinsel, Macht kein gutes Gemäld', wär' er ein Maler aus Sin.
[5]  Herzensblut und Wein, ein jedes ward Einem gegeben, Solchergestalt wird im Kreis unseres Schicksals getheilt.
[6]  Sehr ist verschieden das Loos des Rosenwassers der Rose, Jenes sitzet zu Markt, diese im Winkel versteckt.
[7]  Ha! es wird nicht geschehn, daß Hafis vom Rausch sich ernüchtre, Denn von ewig her ward dieser zum Loos ihm bestimmt.
56
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.42-4.42
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.42
German Translation
[1]  Herz! du bist der Schleier Ihrer Liebe Aug! du bist der Spiegel Ihres Glückes;
[2]  Bei den Welten neiget sich mein Kopf nicht, Ihre Gnade beuget meinen Nacken.
[3]  Du und Tuba, ich und Wuchs der Freundin, Jeder denkt was seinem Sinn gemäß ist.
[4]  Ist mein Saum befleckt, was hat's zu sagen, Wenn die Welt von Ihrer Reinheit zeuget,
[5]  Was kann mir in dem Hareme werden, Wo der Ost selbst vor der Thüre stehet.
[6]  Meinem Auge sey Ihr Bild nie ferne, Denn Ihr Kämmerlein ist dieser Winkel.
[7]  Frische Rosen die der Flur entblühen Blühen glänzend, duften wie Ihr Umgang.
[8]  Hin sind Medschnun's Tage, nun sind meine, Jeder kömmt fünf Tage an die Reihe;
[9]  Alles, Liebeherrschaft, Freudenschätze Alles nur ein Seegen Ihres Glückes.
[10]  Sey ich selber, sey mein Herz geopfert, Ists kein Schade, wenn nur Sie gesundet.
[11]  Schaut nicht auf Hafisens äußre Armuth Denn sein Busen ist der Schatz der Liebe.
395
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.14-29.14
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.14
German Translation
[1]  Verhüll' mit Moschushyacinthen Die Rosenblätter, Das ist die Wangen mit den Locken, Verheer' die Welten.
[2]  Ström' Schweiß von deinem Angesichte, Füll' an die Gärten, Wie die Pokale unsrer Augen, Mit Rosenwasser.
[3]  Des Lebens Tage geh'n vorüber Schnell wie die Rosen, O Schenke! eil' die Weinrubinen Herumzureichen.
[4]  Schließ auf die schlafende und trunkne Narziß liebkosend, Daß die Narzissen eifersüchtig Sich schlafen legen.
[5]  Mach' dich bekannt mit Veilchendüften, Schau' an die Locken, Schau' an der Tulpen Flor, begehre Das Glas zum trinken.
[6]  Seitdem die Liebenden zu morden, Dir ward zur Sitte, Reichst du den Becher hin den Feinden Und schmählest unser.
[7]  Siehst du das Weinglas, o so rolle Dein Aug' wie Blasen, Und schließ' aus Blasen auf den Zustand Des Weltgebäudes.
[8]  Hafis gieng auf dem Weg des Betens Nach dem Genusse; O Herr, erhöre die Gebete Der kranken Herzen.
43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.29-4.29
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.29
German Translation
[1]  Des Gartens fröhliche Flur, Der Freunde Gespräch ist lieblich. Den Rosenhainen Heil! sie sind für Trinkende lieblich.
[2]  Das Morgenlüftchen erquickt, Die Seele mit frischen Düften, Fürwahr, fürwahr! verliebter Seelen Düfte sind lieblich.
[3]  Die Ros' ist unaufgeknospt Der Flur zu entfliehen willens, O klag' Bulbbul! der wunden Herzen Klagen sind lieblich.
[4]  Viel Glück dem Sänger der Nacht Im Liebesgebieth! die Klagen Verliebter so die Nacht durchwachen Dünken ihm lieblich.
[5]  Vergnügten Herzens allhier Ist Keiner, und wird es Einem, So wird es nur dem Schelmischen und Trunknen lieblich.
[6]  Der freyen Lilie Zung Ertheilte mir diese Kunde: Der Leichtgeschürzten Thun auf dieser Erden ist lieblich.
[7]  Der Welt entsagen Hafis, Dies leitet zur Herzensfreude. Du meine nicht, es sey der Stand der Mächtigen lieblich.
482
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.54-32.54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.54
German Translation
[1]  Sag' Herz, du gehst bei'm Freunde nicht vorbei, Du bist im Geist versammelt, thust doch nichts.
[2]  Du hältst den Schlägel, schlägst den Ballen nicht, Den Falken hast du, und du jagest nicht.
[3]  Das Blut, das in dem Herzen brausend kocht, Verwend'st du für kein liebes Angesicht.
[4]  Dein Hauch ward durchwürzet, wie der Ost, Wiewohl vorbei du giengst am Freudengau.
[5]  Ich fürchte, daß du keine Rosen pflück'st, Den Dorn des Rosenbeetes nicht erträgst.
[6]  Viel Moschus hat der Aermel des Gemüths, Doch weih'st du selben nicht dem Freundeshaar,
[7]  Du gleichest einem Becher voll von Wein, Allein du selbst verkennest deinen Werth.
[8]  Hafis, geh' fort, du dienst dem Freunde nicht, Wenn alle Liebende es thun, du kannst es nicht.
10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.10-1.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.10
German Translation
[1]  Unser Scheich wallte gesternAus dem Bethaus in die Schenke.O ihr frommen Männer saget,Was ist uns forthin zu rathen?
[2]  Wie doch können wir die JüngerDas Gesicht zur Kaaba wenden,Wenn der alte Vater ScheichSelber in die Schenke gehet!
[3]  Ey so lasset mit dem WirtheUns gemeine Sache machen!Denn so wars von EwigkeitenIn das Schicksalsbuch geschrieben. Sieh ein Windhauch in die LockenHat die Welt für mich verfinstert!Dieses also ist der NutzenDen mir deine Locken bringen. Ruhe hatte sich mein HerzIn dem Netze aufgefangen,Sieh da rollten auf die Locken,Und entflohen war die Beute.
[4]  Wüßte der Verstand, wie seligHerzen in den Locken ruhen,O! es würden die Verständ'genUnsrer Bande wegen närrisch.
[5]  Einen Vers vom SchönheitskoranHat mir dein Gesicht enthüllet.Deßhalb athmen meine VerseHohe Schönheit, reine Anmuth.
[6]  Können meine FeuerseufzerUnd die Gluthen meines Busens,So die ganze Nacht durch brennenNicht dein steinern Herz bewegen!
[7]  Sieh Hafisens Seufzer-PfeileSind zum Himmel aufgeflogen,Haben Mitleid mit demselben,Fürchte dich vor meinen Pfeilen.
116
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.17-10.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.17
German Translation
[1]  Wer von dem Freund den Reiz des Flaums im Auge hat, Von dem ist es gewiß, daß er Geduld im Vorrath hat.
[2]  Wie eine Feder hab' ich mich nah hingelegt zum Flaum, Und bleib', bis mit dem Schwerdt er mich getrennet hat.
[3]  Wie Mücken zu dem Licht', so kömmt zu dem Genuß, Wer stets ein neues Haupt für deinen Degen hat.
[4]  Zu deinem Handkuß kommt nur jener, der den Kopf Der Pfortenschwelle gleich, stets an der Thüre hat. Der Nebenbuhler schoß in meine Brust den Pfeil, Weil meine Brust dein Pfeil nicht werth geachtet hat.
[5]  Mich eckelt längstens schon vor der Enthaltsamkeit, Bring Wein! weil vom Geruch mein Hirn Erfrischung hat.
[6]  Nützt dir zu Andrem nichts der Wein, ist's nicht genug, Daß er von dem Verstand dich heut entmündigt hat?
[7]  Wer sonst Enthaltsamkeit nie überschritt, ist nun Der Erste, der zur Schenk' den Weg gefunden hat.
[8]  Hafisens Herz will sich ergießen jetzt in Staub Wie eine Tulpe, die das Maal im Innern hat.