364
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.56-28.56
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.56
German Translation
[1]  Wir haben ohne Gram und trunken Das Herz aus den Händen gegeben. Wir sind der Liebe Eingeweihte, Wir sind die Vertrauten des Glases.
[2]  Ich muß ja leiden! von den Leuten So Vieles dulden und leiden, Seitdem ich all mein Thun und Lassen Empfehle den Brauen der Augen.
[3]  O Rose mit dem Feuermaale, Du hast dich erst gestern gefärbet, Ich aber bin die Anemone, Die schon mit dem Maale zur Welt kam.
[4]  Der alte Herr der Schenke sollt' er Sich über die Reue betrüben, Ich bin bereit die Ehrenabbitt' Mit Gläsern voll Weines zu machen.
[5]  O Wegweiser! einen Blick nur, Denn alle Geschäfte vollbringst Du, Und ich gesteh' es herzlich gerne, Ich habe vom Weg mich verirret
[6]  O schau' nicht auf des Weines Tulpe, O schau' nicht auf's Glas in der Mitte; Du schau' vielmehr auf's Brandmaal, das du Ins blutige Innre gebrannt hast.
[7]  Du fragst mich, Hafis: was haben Denn diese Gemälde zu sagen? Ich sprach: Laß dich hiedurch nicht trügen, Denn rein ist die Tafel des Herzens.
296
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:23.1-23.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:23.1
German Translation
[1]  Wenn mein Glücksgestirn mir Hülfe gewähret,Leg' ich die Hand an ihren Kleidsaum,Wenn ich zu Handen ihn bring', o welche Wonne!Bringt sie mich um, o welch ein Adel!
[2]  Dieses Herz voll Hoffnung hoffet von KeinemGnädigen Blicks erhört zu werden,Ob ich gleich überall hin mit eignen Worten,Was ich erlitt, verkündet habe.
[3]  Dieser Augenbrauen Krause hat meinenBitten die Thür nie aufgemachet,Wehe mir! Daß ich verlor der schönsten Jahre,Besseren Theil in solchen Wünschen.
[4]  Ach, wann werden einst die Brauen des FreundesReichen die Hand uns armen Schwachen!Keinem gelang's noch den Pfeil der Herzbegierde,Solcher Gestalt in's Ziel zu schießen.
[5]  Ha wie lange soll ich steinerne HerzenKosend mit Schmeicheleien nähren!Diese verzärtelte Zucht von bösen KindernFraget nicht viel nach ihrem Vater.
[6]  In den Winkel zog ich mit Verlangen,Einsam zu seyn, und fromm zu leben,Wunderlich scheint mir's daher, daß aller Orten,Jünglinge Pauck' und Lauten schlagen.
[7]  Eremiten sind unwissend, o singeLustigen Ton, und laß den ersten,Suche den Wächter voll Wein, er ist von Sinnen,Bringe nur Wein und fürchte Nichts sonst.
[8]  Schauet nur den frommen Mann aus der Stadt an,Ißt er zu Nacht nicht Leckerbissen?Heilsam bekomme das Mahl, und die VerdauungDiesem mit Heu genährten Thiere.
[9]  Wenn Hafis du auf dem Pfade der Liebe,Weiter hinaus zu gehen verlangest,Diene als Führer des Wegs der Wächter,Heiligen Grabs, Ali's zu Redschef.
425
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.10-31.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.10
German Translation
[1]  Er schleppte nach die Schleppe Vom goldgestickten Hemd, Und hundert Mondgesichter Zerrissen ihr Gewand.
[2]  Der Schweiß trof auf die Wangen Von heißer Gluth des Weins, Wie auf die Rosenblätter Ein Tropfe frischen Thaus.
[3]  Voll süßer schöner Worte, Hochstämmig und gewandt, Vom lieblichen Gesichte Und anmuthsvollem Blick.
[4]  Es war aus Lebenswasser Geformt des Munds Rubin, Sein Buchs war aufgewachsen, Genährt mit Schmeichelei'n.
[5]  O schaue die Rubinen Und dieses Lächelns Reiz, Den Gang voll Huld und Anmuth, Den wohlgemeßnen Schritt.
[6]  Der Hirsch mit schwarzen Augen Entkam aus unsrem Netz, Was ist zu thun, o Freunde, Für ein zerschlagnes Herz!
[7]  Hüt' dich, bist du's im Stande, Rühr' Liebende nicht an, Die Welt hat keine Treue, O du mein Augenlicht!
[8]  Wie lang schilt mich dein Auge, Das alle trüget, aus? Wann wirst du mir dann schmeicheln, Mein auserwählter Freund?
[9]  Hat deine edle Seele Beleidiget Hafis, So komm', denn That und Worte Will herzlich ich bereun.
[10]  Ich will den Herren loben Aus schuld'ger Dankbarkeit, Wenn diese Frucht gereifet In meine Hände fällt.
206
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.107-10.107
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.107
German Translation
[1]  Einstens ist in dir mehr Sinn Für die Liebenden gewesen, Deine Liebe gegen uns Ist gar weit berühmt gewesen.
[2]  Eingedenk bin ich der Nacht, Wo mit Schönen süßer Lippen Süße Liebeszauberei'n In dem Zauberkreis gewesen.
[3]  Vor des Himmels grünem Dom Vor dem blauen Luftgewölbe Sind schon ihre Augenbrau'n Meines Blickes Gewölb gewesen.
[4]  Von dem ersten Morgen an, Bis zur letzten Nacht der Nächte, Ist die Liebe immer gleich, Und die Treue gleich gewesen.
[5]  Wenn des Liebchens Schatte fällt Auf den Liebenden, was ist es? Er ist dessen dürftig, Sie Sehnsuchtsvoll darnach gewesen.
[6]  Raubte ihre Schönheit gleich Mit dem Herzen mir den Glauben, Bin ich denn doch mehr verliebt In der Sitte Reiz gewesen.
[7]  An des Freundes Thüre hat Mir ein Bettler angesagt: Wo ich immer saß am Tisch, Ist mein Nährer Gott gewesen.
[8]  Brach des Rosenkranzes Schnur Mir entzwei, halt' mich entschuldigt, Meine Hand ist bei dem Arm Silberschenklichter gewesen.
[9]  That ich in der heil'gen Nacht Einen Trunk, so sage nichts, Denn in meines Freundes Hand Ist ein volles Glas gewesen.
[10]  Deine Lieder, o Hafis, Sind einst in dem Paradiese, Auf den Blättern des Jasmins Und des Rosenstrauchs gewesen.
410
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.6-30.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.6
German Translation
[1]  Es ziemet deinem Wuchs der Herrschaft Kleid, Es schmückt dein hoher Sinn den Ring, den Thron.
[2]  Die Sonne der Erbarmung gehet auf Vor deinem wundervollen Angesicht;
[3]  Es sitzt des Paradieses Vogel auf, Wo deines Vogels Schatten niederfällt.
[4]  Man zankt sich tausendmal um das Gesetz, Und doch hältst du die Wissenschaft zurück.
[5]  Dein Papagey, das ist dein Zauberkiel, Verströmt die Fluthen der Wohlredenheit.
[6]  Wiewohl des Himmels Aug' die Sonne ist, Doch schmücket deiner Füße Staub ihr Licht.
[7]  Was Alexander wollt' und nicht erhielt Ist deines reinen Glases Hefen nur.
[8]  Was braucht es unsre Noth, dir kund zu thun! Nichts bleibt geheim vor deines Auges Strahl.
[9]  O Herr, Hafisens graues Haupt wird jung, In Hoffnung, daß du mir verzeihen wirst.
83
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.69-4.69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.69
German Translation
[1]  Ward bei deinen Moschushaaren Fehler begangen, - Ist er vergangen. Wenn bey deinen schwarzen Locken Unrecht vor sich gieng, - Ist es vergangen.
[2]  Wenn der Blitzstrahl deiner Liebe Speicher verbrannte, - Ist er verbrennet. Wenn der Kaiser wie der Bettler Frevel begangen, - hat er's begangen.
[3]  Auf dem Pfade der Verliebten Ziemt es sich niemals, Andre zu reizen, Alle Leiden, die du schauest, Sind schon vorüber, - sind schon vergangen.
[4]  Tragen müßen wir der Liebe Bürden, o Herz! du bleibe beständig! Wenn ein Unrecht oder eine Unbild vor sich gieng, - Ist sie vergangen.
[5]  Wenn das Herz von deinen Wimpern Lasten getragen, - Hat es getragen Zwischen mir und der Geliebten, Wenn etwas vorgieng, - Ist's vorgegangen.
[6]  Freilich wißen Wörterklauber Vieles zu schmälen über die Freunde, Aber wenn im Kreis der Trauten Unrecht auch vorgieng, - Ist es begangen.
[7]  Sag' nichts Böses von Hafisen, Prediger! er verließ die Gemeinde. Kannst du einen Freien feßeln? Wenn er hinweggieng, - Ist er gegangen.
104
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.5-10.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.5
German Translation
[1]  Deine Schönheit aller Blicke Sonne sey! Und dein Antlitz schöner als die Schönheit sey!
[2]  Unter deines Himmelsvogels Flügelflaum, Jeder Schah der Erde sicher sey!
[3]  Wer nicht in dein Haar mit Lieb' verstricket ist, Wie dasselbe in sich selbst verwirret sey!
[4]  Jedes Herz, das nicht verliebet ist in dich, In der eignen Leber Blut getauchet sey!
[5]  Abgott! wenn du aus den Wimpern Pfeile wirfst, Dir mein wundes Herz zum Schirm und Schilde sey!
[6]  Wenn du Küße schenkest aus dem Zuckermund, Jeder Seelengaum davon verzuckert sey!
[7]  Jeden Augenblick ist meine Liebe frisch, Frisch auch deine Schönheit jede Stunde sey!
[8]  Ganzer Seele sehnet sich Hafis nach dir, Von dem Sehnsuchtsvollen fern dein Blick nicht sey.
198
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.99-10.99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.99
German Translation
[1]  Ich sprach: Wann wird dein Mund Theilhaftig mich des Wunsches machen? Er sprach: er würd' es nach dem Wort, Das du den Augen sagest, machen.
[2]  Ich sprach: dein Mund begehrt Den Zoll vom Zuckerrohr Aegyptens, Er sprach: dies ist bekannt, Wer wird darob viel Redens machen?
[3]  Ich sprach: wer hat zum Punkt, Von deinem Mund den Weg gefunden? Er sprach: dieß eben ist der Punkt, Den Pünktliche zur Fabel machen.
[4]  Ich sprach: o treibe nicht Abgötterei, und liebe Wahrheit, Er sprach: Im Haus der Liebe kann Man jenes und auch dieses machen.
[5]  Ich sprach: die Lust nach Wein Entfernet aus dem Herzen Kummer. Er sprach: Beglückt diejenigen, Die stets sich frohe Tage machen.
[6]  Ich sprach: Das Ordenskleid, Der Becher reimen schlecht zusammen, Er sprach: Das sind zwey Dinge, die Beim Wirth sich keinen Eintrag machen.
[7]  Ich sprach: Was nützet wohl Dem Alten der Rubin der Lippen, Er sprach: Daß sie mit einem Kuß Ihn wiederum zum Jüngling machen.
[8]  Ich sprach: Wann ists dem Herrn Vergönnt, um deinen Kopf zu gehen? Er sprach: Zur guten Stunde, wo Der Mond und Zeus ein Bündniß machen.
[9]  Ich sprach zuletzt: es tragt den Wunsch, Für dein Gedeihn Hafis im Herzen, Er sprach: Das ist derselbe Wunsch, Den in dem Himmel Engel machen.
380
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.72-28.72
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.72
German Translation
[1]  Oftmals hab' ich's gesagt, und abermal will ich es sagen, Ich Verlorener geh' nicht von mir selber den Weg.
[2]  Einem Papagey gleich wird mir der Spiegel gehalten, Was der Ewige sagt, plaudere lallend ich nach.
[3]  Gebe man mir, was es sey; Ich esse so Disteln als Rosen, Meine Nahrung gemäß, wachs' und gedeihe ich groß.
[4]  Schmähet mich nicht, und wißt, es ist die Perle mein eigen, Und ich suche nur einen Besitzer für sie.
[6]  Lachen und Weinen der Liebenden hat so mancherlei Gründe, Abend lach' ich vor Lust; Morgens bewein' ich mein Loos.
[7]  Riech' nicht, sagte Hafis, o riech' den Staub nicht der Schenke. Sag' ihm: schmähle nicht, denn Moschus entduftet dem Staub.
168
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.69-10.69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.69
German Translation
[1]  Die Seele schmolz für das Geschäft des Herzens, Nichts ist daraus geworden, Verbrennt bin ich in diesem rohen Wunsche, Es ist mir nichts geworden.
[2]  Ich will einst bei der Nacht, so sprach der Liebling, Des Kreises Führer werden, Ich harrte sein; doch ist er nicht der Führer Von meinem Kreis geworden.
[3]  Er gab die Botschaft mir, ich will in's künft'ge Nur mit dem Trunknen sitzen, Im Rausch verlor ich meinen guten Namen, Er ist mir nicht geworden.
[4]  Wohl billig ist's, daß meine Herzenstaube Mit Wunsch umher sich treibet, Sie sah auf ihrem Weg das Netz der Locken, Und ihr ist's nicht geworden.
[5]  Der Wunsch, daß ich einst den Rubin der Lippen Im Rausche küssen möchte, Hat viel des Bluts auf's arme Herz gegoßen, Er ist mir nicht geworden.
[6]  Beginne deinen Weg nicht ohne Führer In das Gebieth der Liebe, Denn viel hab' ich mich drinn allein bemüht, Es ist mir nicht geworden.
[8]  Um's baare Geld die Gegenwart zu suchen, O wehe! mir o wehe! Gieng ich als Bettler zu dem Hochgeehrten, Es ist mir nichts geworden.
[9]  Es sann Hafis auf tausend neue Ränke In seinen Herzgedanken, Der Hoffnung, seinen Liebling zu bezähmen, Er ist nicht zahm geworden.
477
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.49-32.49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.49
German Translation
[1]  Zwey schelmische Mädchen, zwey Eimer voll Wein, Die Muße, ein Buch, und ein Winkel im Haus,
[2]  Dies gieb um das andere Leben ich nicht, Und stünden auch Schaaren zu dienen bereit.
[3]  Wer ruhige Winkel für Schätze hingiebt, Verkauft den aegyptischen Joseph für Nichts.
[4]  Herein! denn es fehlt nicht herinnen an Raum, Für Fromme wie du, und für Sünder wie ich. Am Tage des Kummers vertraut euch dem Wein, Denn keinem sonst trauet in unserer Zeit. Sitz ruhig im Winkel, betrachte das Ding, Denn keiner gedenket so seltenen Streit; In niedrigen Händen erblick' ich mein Bild, So lohnet der Himmel den redlichen Dienst.
[5]  Die Stürme der Zeiten erlauben es nicht, Zu seh'n ob ein Schöner in Schiras noch sey.
[7]  O Wunder! es blies auf der Flur der Samum, Es blies doch Jasminen- und Rosengeruch.
[8]  O Herz sey geduldig, es rettet dich Gott, Ein Salomons-Ring in den Händen des Diw's.
[9]  Die Welt ist verderbt durch Uebel Hafis, Wo ist der Brahman, und wo ist der Arzt.
96
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:5.1-5.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:5.1
German Translation
[1]  Schäferstunde, schaffe Recht den Armen;Wider der Tyrannen Trennung; Hülfe!
[2]  Meine Schmerzen stillt kein Mittel; Hülfe!Meine Trennung hat kein Ende; Hülfe!
[3]  Weg ist's Herz, nun suchen sie die Seele;Wider die Gewalt der Schönen, Hülfe!
[4]  Für den Kuß begehren sie die Seele;Wider diese Seelenräuber, Hülfe!
[5]  Unser Blut verzehren sie, die Gauern.O Moslime, wo sind Mittel, Hülfe! Jeden Augenblick drängt neues Leiden,Wider Herz und Seelenlose – Hülfe!
103
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.4-10.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.4
German Translation
[1]  Denket o Freunde, der Zeit des Genußes, Denket der Tage, gedenket daran,
[2]  Bitter und giftig von Schmerz ist mein Gaumen, Denket der Trinker, gedenket daran.
[3]  Wenn sich die Freunde nicht meiner erinnern, Denk ich derselben, gedenke daran.
[4]  Ach ich verstricke mich in die Gefahren, Dank sey den Rettern, gedenket daran.
[5]  Wenn gleich die Augen beständig mir strömen, Denk ich des Gärtners, gedenke daran. Ich bin entkräftet; vor Gram mich zu schützen, Denket des Mittels, gedenket daran.
[6]  Welcher bewahret Hafisens Geheimniß? O! der Vertrauten, gedenket daran.
47
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.33-4.33
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.33
German Translation
[1]  Daß es nicht gut an fremder Thür' zu klopfen, weiß Der Sucher, der den Weg zur Thür' der Schenke weiß.
[2]  Das Loos giebt jenem nur den Thron der Trunkenheit, Der Erdenglück Schlafmützen gleich zu schätzen weiß.
[3]  Wohl dem, der zu dem Wirth den Weg gefunden hat, Weil er durchs Glas Geheimnisse des Klosters weiß.
[4]  Wer in des Schenken Angesicht sein Schicksal liest, Er ists, der uns das Glas Dschemschids zu deuten weiß.
[5]  Du fordre mir nichts mehr als Narrensitte ab, Indem mein Scheich Vernunft für Sünde hält und weiß.
[6]  Ich flehe nicht um Gnad' das Aug' des Schenken an, Weil ich die Tyrannei der schwarzen Türken weiß.
[7]  Ich weine über mein unglückliches Gestirn, So daß Nahid es hört, daß selbst der Mond es weiß. O glücklich wer im Becherrand den neuen Mond, Der Vollmond in dem Schenken selbst zu finden weiß.
[8]  Hafisens heimliches Gekos' und Trinkgelag Ist kein Gelag wovon der Fürst, der Richter weiß.
[9]  Des Schahes Macht weit höher als der Luft Gewölb Ist Probe nur, was ich vom Rang des Freundes weiß.
416
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.1-31.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.1
German Translation
[1]  Wie glücklich ist des Ostes Ambraroß! Früh steht er auf voll von Begier nach dir.
[2]  O schön beschwingter Vogel zeig' den Weg. Mein Aug' zerfloß aus Sehnsucht nach dem Staub.
[3]  Ich schwimm' im Blut, und meiner eingedenk Betrachtet man den neuen Mond mit Huld.
[4]  Ich lebe ohne dich, o pfui der Schaam! Vielleicht verzeihst du mir, wie thät ich's sonst.
[5]  Der Morgen hat von deinem Freund gelernt, Deßhalb zerreißet er der Wolken Kleid.
[6]  Aus Liebe deiner Wangen werden einst Auf meinem Grab statt Gräsern Rosen blüh'n.
[7]  O schmähle mich nicht aus du zarter Sinn, Im Namen Gottes hat's Hafis gesagt.
211
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.112-10.112
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.112
German Translation
[1]  Gestern kam der Wein, die Wangen waren entflammet, Ach wie lange noch wirst, elendes Herz, du verbrannt!
[2]  Liebender Mord, und die Kunst, die Städte in Aufruhr zu bringen, Sind ein Ehrenkleid, meinem Geliebten geweiht.
[3]  Seelen der Liebenden sind für ihn ein Schleier der Wangen, Dieser Funke hat mehreres Feuer entflammt:
[4]  Wenn er öffentlich spricht, ich will dich Armer ermorden, Seh' ich doch, wie er dabei manchmal verstohlen herblickt,
[5]  Zwar ergreift sein ungläubiges Haar die Pfade des Glaubens, Aber vom Herzen aus Stein sprangen mir Funken heraus.
[6]  Blut erwarb sich das Herz, vom Aug' ward's wieder vergoßen, Gott! mein Gott! was verlor und was gewinn' ich zuletzt.
[7]  Du verkaufe den Freund um alle Güter der Welt nicht, Denn mit nichten gewann, wer einst Jusufen verkauft.
[8]  Geh', verbrenne dein Kleid Hafis, so sprach der Geliebte, Herr! wo hat er so viel Herzenserfahrung gelernt.
402
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.21-29.21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.21
German Translation
[1]  Hör', herzraubendes Wort, und schau des Mondengesichts Maal, Vernunft und Herz sind durch das Maal gefangen.
[2]  Sey nicht so störrig und wild, so schalt ich das eigene Herz aus, Es sprach: o schau' des trunknen Hirschen Auge.
[3]  Ihrer Locken Ring ist das Freytheater des Ostwinds, An jedem Haare hängen hundert Herzen.
[4]  Wer die Sonne verehrt, hat keine Kunde vom Liebchen, Schmähst du den Herrn, so schau' ihr in die Augen.
[5]  Ihre Locken hat sich der Ost gewählet zum Halsband, Welch eine List des braunen Weggefährten!
[6]  Solch ein Liebchen wie das, so mich vom Wege verführt hat, Hat keiner je gesehen, wird keiner sehen.
[7]  Ziemt sich's Hafis, vor dem Brauenaltare die Stirne zu reiben, So lästre Gott, bet' an die Augenbrauen.
[8]  Wend' nicht den Kopf von Manßurs des mächtigen Schahes Befehl ab, Sieh, wie sein Degen scharf, und stark sein Arm ist.
122
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.23-10.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.23
German Translation
[1]  Wer auf die Treuen Acht giebt, Der sey versichert, daß der Herr Auf seine Diener Acht giebt,
[2]  Des Freundes Sag' erzähl' ich Dem Freund, weil aufs bekannte Wort Nur der Bekannte Acht giebt.
[3]  So sollst du immer leben, Daß, wenn du strauchelst, aufs Gebet Dein Engel auf dich Acht giebt. Ihr Tapfern, ehr't den Herren, Daß auch er seinerseits auf Euch, Wie auf die Seele Acht giebt.
[4]  Wer Treue wünscht vom Liebchen, Behalt' den Faden, weil sonst nicht Das Liebchen auf ihn Acht giebt.
[5]  Wenn du im Haare Ostwind, Mein Herz erblick'st, sag' ihm mit Huld, Daß auf den Platz es Acht geb'.
[6]  Ich sprach zu ihm: Bewahre Mein Herz; Er sprach: was nützt es wohl, Wenn Gott auf Diener Acht giebt.
[7]  Ich opfre Herz und Seele, Und Haupt und Gold dem Liebling auf, Der auf die Worte Acht giebt.
[8]  Wo ist der Staub des Weges, Daß d'rauf Hafis, wie auf ein Maal Des Morgenwindes Acht giebt.
406
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.2-30.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.2
German Translation
[1]  Sie sprach: du giengst hinaus den neuen Mond zu schauen, Als ob er nicht von meinen Brau'n beschämet würde.
[2]  Sie sprach: dein Herz ist längst in meinem Haar gefangen, Nicht sorglos sey deßhalb, die Freunde zu bewahren.
[3]  Verkauf' nicht den Verstand um's schwarze Haar der Freundin, Ihr gelten tausend Moschusblasen nicht ein Körnlein.
[4]  Es schießt empor der Treue und der Liebe Saamen. Sobald der Duft von dem Genuß der Freundinn wehet.
[5]  O Schenke bring' den Wein, ich will dir Etwas sagen, Vom alten Glücksgestirn, vom Lauf des neuen Mondes.
[6]  Es lehrt der neue Mond am Aufgang jeden Monats Die Krone Siameks und Schews sey längst verschwunden.
[7]  Hafis! beim alten Wirth ist alter Treue Zuflucht, Lies ihn, und hör', was er von Liebe lehret.
255
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.11-12.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.11
German Translation
[1]  Der verlorene JusufKommt nach Kanaan, gräme dich nicht.Aus der Zelle des GramsWird ein Rosenbeet, gräme dich nicht.
[2]  Dieses traurige HerzWird beruhiget, werde nicht bös.Diesem störrigen KopfWird Vernunft zu Theil, gräme dich nicht.
[3]  Kehr't der Frühling des LebensZu des Wiesengrüns Brautbeet zurück,Wird die Nachtigall auchRosenzelte bau'n, gräme dich nicht.
[4]  Wenn der greisende HimmelEin Paar Tage nach Lust dir nicht thut,Denke, greisender LaufFodert Ungleichheit, gräme dich nicht.
[5]  Du verzweifle nicht, wenn duDas Geheimniß des Himmels nicht weißt.Denn es hüllet ein SchleyerViel Geheimniße des Himmels, gräme dich nicht.
[6]  Wenn der Strom des VerderbensDer Erwartung Gebäude zerstört,Bleibt im Wirbel der FluthRuh dein Steuermann, gräme dich nicht.
[7]  Willst du Wüsten durchwandern,Voll Begierde die Kaaba zu seh'n,Wenn die Distel dich sticht,Oder Dornenbusch, gräme dich nicht.
[8]  Zwar der Weg ist gefährlich,Und von ferne das Ziel nicht zu spähn,Doch bestehet kein Weg,Der nicht endiget, gräme dich nicht.
[9]  Meine Lage, die TrennungVom Geliebten, des Neiders Bemüh'n.Alles, alles durchschautGott, der Welten lenkt, sorge dich nicht.
[10]  Und so lange bei finstrerNacht im Wirbel der Armuth HafisDie Gebote vollzieht,Und den Koran lies't, gräme dich nicht.