400
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.19-29.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.19
German Translation
[1]  Mein hohes Liebchen, voll Liebkosungen, Hat die Enthaltsamkeit mir abgekürzt.
[2]  Siehst du, was Alter, Tugend, Wissenschaft Mir angethan hat, sprach ich zu dem Liebchen.
[3]  Ich fürchte meiner Frömmigkeit Ruin. Der Brauen Hochaltar raubt mir die Ruhe.
[4]  Die Thränen haben mich in Gluth gestürzt, Sie haben mein Geheimniß ausgeplaudert.
[5]  Mein Freund ist trunken, denk' des Freundes nicht. Der Schenke gnädig für die Armen lebe.
[6]  O Herr! wann weht der Hauch des Morgenwinds, Durch dessen Duft ich einst gerettet werde?
[7]  Ich mahl' ein Bild auf meiner Thränen Fluth, Wann wird, o Herr! das Bildliche erst wirklich?
[8]  Wie Kerzen lächelnd wein' ich über mich. O steinern Herz, was macht die Fluth und Flamme!
[9]  O Mönch! Nichts kömmt aus dem Gebet heraus, Viel besser ists, bey Tag und Nacht zu trinken.
[10]  Der Gram verzehrt Hafisen, sag's, o Wind! Dem Schah, der Freunde nährt, und Feinde sengt.
192
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.93-10.93
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.93
German Translation
[1]  Warum, o schwankende Ceder Neigest du dich zur Wiese nicht! Warum vertraust du der Rose, Und gedenk'st der Narziße nicht!
[2]  Ich klagte über die Locken Und den Zauber derselben laut, Sie sprach: es folgt mir im Guten Dieser schwarze Verräther nicht.
[3]  Seitdem ich kleinlichen Herzens Locken-Bisam zusammen trag', Verlangt das Herz von entfernten Orten nicht nach der Heimath hin.
[4]  Vor ihrem Bogen und Pfeilen Hab ich Bitten und Flehen gewagt, Sie zog die Sehne des Bogens, Und verlieh ihr Gehör mir nicht.
[5]  Der Ostwind hauchet im Duften, Spezerei'n und Gewürze aus. Warum verwandelt der innre Sinn Veilchenerde in Moschus nicht?
[6]  Nun sind die Locken des Veilchens Aufgerißen vom Hauch des Osts. Warum erinnert mein Herz sich Dieses Bündnißzerreißers nicht.
[7]  Entbrannt von Gier nach deinem Genuße Traut der Seele das Herze nicht. Die Seele, dich nur verlangend, Dien't dem Leben des Körpers nicht.
[8]  Mein silberschenklichter Schenke, Schenket uns nur die Hefen ein! Wir wünschen ähnlich dem Glas ganz Mund zu werden; wer wünscht es nicht?
[9]  O zieh' zurücke die Hände, Meinen Wangen thu' nichts zu Leide! Der Tropfen Thaues wird ohne Meine Thränen zur Perle nicht.
[10]  Hafis befolgte dein Wort nicht, Deine Wimpern erstachen ihn Mit Recht! denn Jeder verdienet Tod, der freundlichem Rath nicht folgt.
176
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.77-10.77
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.77
German Translation
[1]  Heute früh ist das Glück zu mir ans Bette gekommen, Auf! so sprach es, es ist der süße König gekommen.
[2]  Leere das Glas, und wandere fort dich schaukelnd im Rausche, Daß du siehst, auf welche Art dein Schöner gekommen.
[3]  Mann der Einsamkeit, der des Moschus Gerüche verbreitet, Bringe die Kund', aus Choten sey ein Moschushirsche gekommen.
[4]  Thränen löschen die Gluth der Liebeverbrannten Gesichter, Seufzer und Weh! ist armen Verliebten zu Hülfe gekommen.
[5]  In ein Bogengesicht ist der Vogel des Herzens verliebet, Taube, nimm dich in Acht, es ist der Falke gekommen.
[6]  Schenke reiche den Wein, und frage um Freund und um Feind nicht, Jener hat sich entfernt, und dieser ist umgekommen.
[7]  Als die Frühlingswolke den Lauf der feindlichen Zeit sah, Ist sie weinend herab auf Jasmin und Narziße gekommen.
[8]  Als von Bülbül der Ost die Rede Hafisens gehört hat. Ist er, mit Ambraduft durchweht, zu den Kräutern gekommen.
23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.9-4.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.9
German Translation
[1]  Der Schatten deines Bilds Mir überall Geleitsmann ist, Und deiner Locken Hauch Der Seele angehauchet ist,
[2]  Daß jedem Läugner, der Aus Blindheit Hohn der Liebe spricht, Der Reiz des Angesichts, Die klarste Widerlegung ist.
[3]  O siehe! was zu uns Des Kinnes Apfel lächelnd spricht, Mehr als ein Jusuf schon In diesen Brunn gefallen ist.
[4]  Wenn des Verliebten Hand Zu deinen Locken nicht gelang't, So ist es, weil die Hand, Zu kurz, sein Loos zerstöret ist.
[5]  Dem Hüter sag' am Thor, Des innern heimlichen Gemach's: "Vernimm, daß dieser ein "Bewohner meines Staubes ist.
[6]  "Es weilt auf ihm der Blick "Des unbefangenen Gemüth's, "Wiewohl dem Scheine nach "Er weit davon entfernet ist.
[7]  "Und klopfet an dem Thor' "Hafis der Bettler, öffne selbes, "Weil er seit manchem Jahr "Nach meinem Mond begierig ist.
216
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.117-10.117
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.117
German Translation
[1]  Der Freund, durch den mein Haus Die Wohnung der Perien war, Der von dem Fuß zum Kopf, Perien gleich untadlich war.
[2]  Es sprach mein Herz, ich will Mit seinem Duft verbleiben hier, Es wußte nicht mein Herz Daß Er, der Freund, auf Reisen war.
[3]  Der Schleier fiel nicht nur Von meinem Herzgeheimniß ab. So lang der Himmel steht, Weiß ich, daß so sein Handeln war.
[4]  Mein vielbetrachteter, Mein weisheitsvoller Mond, Der durch Liebkosungen Der Herr von allen Blicken war.
[5]  Ein böses Schicksal hat Gerißen ihn aus meiner Hand, Was sollt' ich thun, indem Die Frag' vom Mondenumkreis war.
[6]  O Herz, verzeih' dem Freund, Denn du warst immer ein Derwisch, Indessen in dem Reich Der Schönheit Er ein König war.
[7]  Das war die schöne Zeit, Die ich verlebte mit dem Freund, Indem die übrige Nur seelenlose Leere war.
[8]  Die Rose und das Grün Und Strömeufer sind wohl schön, Nur ewig Jammer ist's, Daß alles im Vorbeigehn war.
[9]  Es bringt die Nachtigall Aus Eifersucht sich selber um, Weil in der Morgenzeit Der Ost mit Rosen freundlich war.
[10]  Du wisse, daß der Schatz Des Glückes den Hafis erhielt, Die Frucht vom Nachtgebet Und von dem Morgensegen war.
159
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.60-10.60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.60
German Translation
[1]  Der Frommen Münze ist nicht rein, Die Kutten sind des Feuers werth;
[2]  Der Fromme, der am Morgen trank, Wird Abends erst betrunken seyn.
[3]  An einem Probstein würde schwarz, Wer nur den kleinsten Flecken hat.
[4]  Zeigt sich der Wiederschein vom Flaum, So steigt in viele Wangen Blut.
[5]  Ein Weichling leitet nicht den Weg Zum Freund, den der Bedrängte geht.
[6]  Was kümmerst du dich viel? trink' Wein, Weh! Weisen, die verwirret sind!
[7]  Den Teppich des Gebets verkauft Hafis für ein Glas Wein.
340
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.32-28.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.32
German Translation
[1]  Ich gähre zwar von Herzensgluth, Wie eine Tonne Wein, Daß ich versiegele den Mund, Trink' Wein und schweige still.
[2]  Der Seele Vorsatz ist der Wunsch Nach meiner Freundin Mund, O sieh, wie meine Seele sich Zu diesem Zweck bemühet.
[3]  Wie soll ich mich befreyen denn Von Herzensleid und Gram, Wenn mich mit jedem Augenblick Das Haar in Fesseln legt.
[4]  Bewahre Gott! daß ich vertrau' Auf eigenes Verdienst, Ich weiß nur, daß ich leere aus Von Zeit zu Zeit ein Glas.
[5]  Ich hoffe, daß zum Trotz des Feinds Am Tage des Gerichts Der Herr aus Huld die Sündenlast Nicht auf mich legen wird.
[6]  Mein Vater hat das Paradies Zwey Körner werth geschätzt, Man schelte nicht daher, wenn ich Um eines es verspiel.
[7]  Ich trage nicht mein Ordenskleid Aus bloßem frommen Sinn, Ich trage es vielmehr darum, Weil Fehler es verbirgt.
[8]  Ich, der vom reinsten Rebensaft Nur trinkt, was soll ich thun? Was thun? wenn ich dem Wirthe nicht Zu folgen Willens bin.
[9]  Wenn unser Sänger solch ein Lied Zu seiner Weise wählt, Wenn er Hafisens Lieder singt, So komm ich ausser mir.
38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.24-4.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.24
German Translation
[1]  Ohne deinen Wangenglanz Ist kein Tag für mich geblieben, Nichts als eine finstre Nacht Ist für mich zurückgeblieben.
[2]  Von dem vielen Thränennaß, So bei unsrer Trennung strömte, Ist mein Auge ohne Licht (Gott behüte dich!) geblieben.
[3]  Als dein Bild aus meinem Aug' Scheidend wanderte, da sprach es: Mir ist leid um diesen Ort Daß er leer und wüst geblieben.
[4]  Dein Genuß hielt meinen Tod Fern bis jetzt von meinem Haupte, Jetzt da wir getrennet sind, Ist er nicht mehr fern geblieben.
[5]  Sieh! es nahet sich die Zeit, Wo einst sagt mein Nebenbuhler: Nah' an deiner Thür ist krank Der Verwiesene geblieben. Was kann's nützen, daß der Freund Herzukommen sich bemühet, Wenn in meinem Körper einst Ist kein Odemzug geblieben.
[6]  Ach! ich weiß wohl, daß Geduld Deiner Trennung Schmerzen lindert, Aber zur Geduld ist mir Keine Kraft zurückgeblieben.
[8]  Ob des Weinens und des Klagens Kann Hafis nun nicht mehr lachen, Dem, der Trauerkleider traget, Ist kein Freudenkleid geblieben.
106
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.7-10.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.7
German Translation
[1]  Nie dein Leib des Arzt's bedürftig sey! Allem Uebel fremd er sey!
[2]  Heil der Erde liegt in deinem Heil, Nie ein Fußfall dir beschwerlich sey!
[3]  Auf Gesundheit ruhet Schönheit, Reiz; Sie bei dir von auß', von innen sey!
[4]  Kömmt der Ost zu plündern auf die Flur, Vor den Cedern fern sein Stürmen sey!
[5]  Dort, wo deiner Schönheit Anmuth spielt, Böser Neid und Spott unmöglich sey!
[6]  Wer dein Mondgesicht mit bösem Aug' Schaut, der Gluth des Grams geopfert sey!
[7]  Zuckerwort Hafisens ist Arzney, Kandel und Julep nicht nöthig sey!
438
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.10-32.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.10
German Translation
[1]  Leichten Schrittes gieng Selma am liebenden Herzen vorüber. Und es rief ihr zu jeglichen Tages, mein Geist!
[2]  Herzensgeliebter, o wirst du nicht mir Herzensverbrannten Schenken Arzney wider die Schmerzen des Feinds?
[3]  In den Schmerzen, worein mich deine Liebe versenket, Trau' ich nur Gott mich an, ihm dem Beherrscher der Welt.
[4]  Wenn du vielleicht noch läugnen sollst die Leidenschaft Leila's, Schaue mir in das Gesicht, daß deine Zweifel vergeh'n.
[5]  O mein Schönheitsgötz', ich ergreife so mancherlei Wege, Tief in Liebesgluth, tief ist versenket mein Herz.
[6]  Du empfehl' mir immer zum Heile der Seele die Reue, Ach! ich werde nicht klug durch der Erfahrungen Schein.
[7]  Siehe, dein Gram hat längst mir's Herz verzehrt und zerfressen, Und doch ruft man mich noch nicht zur edenischen Flur.
[8]  Sieh' Hafisens Herz steckt in der Krause des Haares, Und in finsterer Nacht leitet der Herr mich den Weg.
78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.64-4.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.64
German Translation
[1]  Hast du geseh'n, wie hart die Freundinn mich gehalten, Bundsbrüchig hat sie nichts auf meinen Gram gehalten.
[2]  Herr! zürne nicht auf Sie, wiewohl Sie harten Herzens, Mein armes Taubenherz der Jagd nicht werth gehalten.
[3]  Das Leiden ist mir durch mein Loos zu Theil geworden Nicht weil Sie Ihre Huld mir Armen vorenthalten.
[4]  Doch einen Mann, der nicht von ihr hat Schmach gelitten, Hat nirgends noch die Welt in hoher Ehr gehalten.
[5]  O Schenke, bring das Glas, und sage nur dem Vogte: Er läugne, daß Dschemschid nie solch ein Glas gehalten,
[6]  Der Wandrer, der nicht bis in das Harem gelangte, Ist wie ein Pilger auf der Wallfahrt aufgehalten.
[7]  Hafis! schlag kühn den Ball des Wortes hin dem Gegner, Er weiß von Tugend nichts, hat nie darauf gehalten.
277
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.6-16.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.6
German Translation
[1]  Wenn die Begierde nicht die RuhIn deiner Seele störet,So findest du den Weg gewißZu ihrem Angesichte.
[2]  Es sinnt die Nachtigall, wie sieDie Rose zur Freundinn mache,Die Rose aber sinnt daraufDie Nachtigall zu kränken.
[3]  Der Mörder eines LiebendenIst noch kein Herzensräuber,Wer um die Dienerschaft sich sorgtIst wahrhaft ein Gebieter.
[4]  Es ist gerecht, daß der RubinIm Herzen blutig schäume,Wenn rothe Glaskorallen ihnIm Handel überwiegen.
[5]  Die Nachtigall hat den GesangGelernet von der Rose,Woher denn sonsten das GeschwätzDas Kosen ihres Schnabels?
[6]  Du, der vorbeigehst an dem HausVon dem geliebten Freunde,Gieb Acht, daß an der Mauer duDen Kopf dir nicht verschlagest.
[7]  O Gott! gieb dem gereißten Freund,Dem Hundert KarawanenDer Herzen folgen, gieb ihm stets,Wo er auch seyn mag, Wohlseyn!
[8]  O Herz! wie wohl dir das GesprächDes wahren Heils gefallen,Verlaß' du doch die Liebe nichtDenn sie ist hoch zu ehren.
[9]  Der Sofi, der im Rausche krummDie Mütze aufgesetzet,Zerwühlet (trinkt er noch ein PaarVon Gläsern) seinen Turban.
376
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.68-28.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.68
German Translation
[1]  Freunde die Tage der Rosen sind da, Besser ist's sich zu erfreuen. Höret so spricht der erfahrne Wirth, Höret mit Seele die Worte:
[2]  Keiner erbarmet Anderer sich, Zeiten der Freude verstreichen, Wahrlich ich kenne nicht besseren Roth, Kaufet Euch Wein für den Teppich.
[4]  Höret! der Himmel was orgelt er auf? Stiehlt er nicht ehrlichen Leuten? Sollen wir dieses mit Schweigen ansehn, Sollen hierob wir nicht schreyen?
[5]  Sehet! die Rose wie ist sie entflammt, Wein ist uns nöthig zum Löschen. Deßhalb entbrennen wir selber vor Lust, Flammen empor vor Begierde.
[6]  Denn im Gedanken nur trinken wir Wein, Schlürfen denselben aus Tulpen; Ferne die Neider! denn ohne den Wein, Ohne den Sänger behagt Nichts.
[7]  Welchem Vertrauten erzählst du Hafis, Dieses erstaunliche Wunder, Daß du wahrhaftig die Nachtigall bist, Schweigend in Tagen der Rosen.
409
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.5-30.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.5
German Translation
[1]  Das Blutgeld für den Moschus aus Sina Ist deiner Füße Staub. Die Sonne selbst sie wurde genähret Im Schatten deines Orts.
[2]  O sieh! wie die Narzissen es treiben Mit ihren Schmeichelei'n; O zeig dich, und sie opfern die Seele Dem Nicken deines Augs.
[3]  O trinke kühn mein Blut, denn es waget Zu deiner Schönheit sich Kein Engel in die Nähe, daß selber Aufmerke deine Schuld.
[4]  Du bist die Ursach', daß hier auf Erden Die Menschen ruhig sind. Deßwegen ist mein Herz, und mein Auge Zum Wohnort dir geweiht.
[5]  Ich habe jede Nacht mit den Sternen Mein eigenes Geschäft, Aus Sehnsucht nach dem strahlenden Glanze Von deinem Mondgesicht.
[6]  Die Freunde, die vereiniget waren, Sind alle nun getrennt, Ich aber blieb als Schwelle der Zuflucht Vor deinem Glück zurück.
[7]  Hafis! verzweifle nicht an der Gnade Von deinem Gott und Herrn, Es wird des Grames Scheune verbrennen Bei deinem Seufzerrauch.
215
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.116-10.116
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.116
German Translation
[1]  Ey, ey! was in der Schenke heut, Des Morgens für ein Lärmen war, Wo Schenke, Liebchen, Fackel, Licht Im heftigsten Tumulte war.
[2]  Und wo (wiewohl Erklärungen Die Lieb'geschichte nicht bedarf) Die Flöte und die Trommel doch Im lautesten Getöse war.
[3]  Wer blos aus Lieb' zu Streit und Zank In diesem Kreis von Narren gieng, Wohl weit entfernet von dem Streit Der Schulen und der Kanzeln war.
[4]  Mein Herz war für Liebkosungen Des Schenken voll von Dankbarkeit, Wiewohl ich auf des Glückes Gunst Nicht allzugut zu sprechen war.
[5]  Ich schloß aus dem Vergangenen, Daß dieses böse Gaukleraug' Wie einst Samir dem Zauberer Voll böser Zauberstücke war.
[6]  Ich sprach zum Liebchen: weis mir an, Auf deine Lippen einen Kuß, Sie lächelte und sprach: hast du Gehört, daß dies je Sitte war?
[7]  Es leuchtet mir ein Glücksgestirn, Weil gestern zwischen dem Gesicht Von meinem Freunde und dem Mond Ein Gegensatz im Werke war.
[8]  O wehe! wie der Freundinn Mund, Der einzig nur Hafisen heilt, Zur Zeit der Gnaden, und der Huld So wunder eng und lieblich war.
429
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.1-32.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.1
German Translation
[1]  Komm', o Schenke, mit Wein sind der Tulpen Kelche gefüllet, Wie lange noch den Mönchebrauch!
[2]  Laß den Stolz und laß Schmeicheleien bei Seite, Wo sind die Kaiser Sina's? Rom's?
[3]  Sey' vernünftig, es hat der Vogel sich eben betrunken. Erwach'! der Schlaf des Nichts harrt dein.
[4]  Ast des Frühlings, wie schön ist deine Schaukelbewegung! Dich treffe nicht der Sturm des Winters!
[5]  Freunde, glaubet mir, traut den glatten Worten des Glücks nicht, Weh' dem! der sich darauf verläßt.
[6]  Morgens warten Huris auf uns in Edens Gefilden, Und heut die Schenken mit dem Glas.
[7]  Es erinnert der Ost an die Zeiten der Fürsten von Saba, Gieb uns das Glas zur Seelenkur,
[8]  Sieh' nicht auf die Pracht, und auf den Schimmer der Rose, Der Wind zerstreut jedes Blatt.
[9]  Auf die Gesundheit Hatems gieb uns ein Glas von zwey Maaßen, Man bürde uns den Geiz nicht auf!
[10]  Dieser Wein von röthlicher Farb' und süßem Geschmack Macht meinen Liebling roth und süß.
[11]  Bringe den Polster heraus, es warten auf dich in dem Garten Die Ceder und die Flöte schon. Höre die Sänger der Flur, sie haben zusammengestimmet Die Flöten und das Barbiton.
[12]  Deine Zaubergesänge, Hafis, sind durchaus verbreitet, Von Sina bis nach Griechenland.
133
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.34-10.34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.34
German Translation
[1]  Der Frömmling hat gespannt sein Netz, Und seinen Becher aufgemacht, Er hat mit dem Gebäu des Trugs Dem Himmel Gaukelei gemacht,
[2]  Der Himmel aber schlägt sofort Ihm Eier auf dem Kopf entzwei, Weil er aus seiner Gaukelei Uns hat Geheimniße gemacht.
[3]  Komm Schenke, komm, und gieb mir Wein, Das schöne Kind des frommen Manns Hat sich in seinem Glanz gezeigt, Und mir Liebkosungen gemacht.
[4]  Was für ein Spieler ist denn dies, Der aus dem Ton Irak sein Lied Begonnen hat, und dann zum Ton Hedschas den Uebergang gemacht.
[5]  O komm mein Herz, wir flüchten uns Zum Zufluchtsort, zu unsrem Gott, Vor jenem, der die Aermel kurz, Die Hände aber lang gemacht.
[6]  Verleg dich nicht auf Künstelei, Denn Jedem, der in seinem Thun Nicht frey und offen handelt, wird Die Thür der Liebe zugemacht.
[7]  Am Tage des Gerichts, an dem Die Wahrheit aufgedecket liegt. Wird Jeder, der verborgene Bedeutung glaubt, beschämt gemacht.
[8]  Wohin so lieblich schwankest du? Du schönes Reh: wohin? bleib' stehn! Verlaß dich nicht auf das Gebet, Das der Scheinheilige gemacht.
[9]  O schmäh' die Trunknen nicht, Hafis! du bist von Ewigkeit Durch Gott zu einem Menschen, der Die Gleißnerei entbehrt, gemacht.
237
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.138-10.138
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.138
German Translation
[1]  Meine Seele verfliegt, doch ist mein Wunsch nicht erfüllet, Wehe! mein armes Glück ist von dem Schlaf nicht erwacht.
[2]  Morgens wehte der Ost mir ihren Staub in die Augen, So daß des Lebensquell nicht in das Auge mir kommt.
[3]  Bis ich deine Gestalt an meinen Busen nicht schlinge, Bringt des Verlangens Baum mir nicht erwünschliche Frucht.
[4]  Möglich, ich thu's dem schönen Gesicht des Freunds zu gefallen, Anders seh' ich fürwahr! keinen der Wege dazu.
[5]  Deine Locken sind von Herzen lieblich bewohnet, Zu mir Fremden kam leider die Kunde nicht her.
[6]  Tausend hab' ich geschnellt der Pfeile vom Bogen der Treue, Aber was nützt es mir, keiner erreichte das Ziel. Opfre den Kopf, dies fodert vor allem Andern die Treue, Hebe dich fort, wenn du, solches zu thun, nicht vermagst.
55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.41-4.41
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.41
German Translation
[1]  Ein Fallstrick ist dein Haar, Für Gläubige und Ungläub'ge, Dies ist ein Probestück, Von seiner selt'nen Eigenschaft.
[2]  Mit Wunderkraft begabt Sind deine Lippen, wie einst Jesus, Doch, was vom Wimpernhaar Die Sag' erzählt, ist Zauberei.
[3]  Von seinem Schelmenaug Wie kann die Seele ich befrey'n, Indem ich weiß, er sey Gewaffnet stets im Hinterhalt.
[4]  Es werde hoch, das schwarze Aug, Gepriesen und gebenedeit, Weil es im Seelenmord Ein solcher Zaubrer ist.
[5]  Ein wunderliches Ding Ists um der Liebe Wissenschaft. Der Himmeln siebenter, Ist ihr der Erden siebente.
[6]  O sage nicht daß er Mit bösem Ruf davon sich schlich, Er ließ die Rechenschaft Von seinen Thaten uns zurück.
[7]  Hafis, o traue du, Den Banden ihrer Locken nicht, Den Glauben wollen sie Dir rauben, nach geraubtem Herz. O Herz! schlürf wie Hafis Liebkosung in dein Innres ein, Denn die Liebkosungen Der Liebenden sind lieblich, süß.
308
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:27.7-27.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:27.7
German Translation
[1]  Die Wangen sind das Paradies,Der Mund der Selsebil,Es opfert dir der SelsebilDas Herz die Seele auf.
[2]  Der grüne Teppich deines Flaum,Der um die Lippen hängt,Gleicht Ameisen, die um den RandVereint der Selsebil.
[3]  An deinen spitzen Wimpern sindIn jeder Eck' des AugsNoch hundert andere wie ichGefallene gespießt.
[4]  O Herr erkälte du die Gluth,Die mir im Herzen flammet,So wie den Ofen Abraham's,Du abgekühlet hast.
[5]  Ihr Freunde sagt, wer schaffet mirVermögen oder Kraft,Denn die Geliebte ist so schönO weh! sie ist so schön.
[6]  Mein Fuß ist lahm, und fern der GauEntfernt wie's Paradies,Die Datteln hängen auf dem BaumDie Hand ist viel zu kurz.
[7]  In dich verliebet fiel HafisVon seiner Höh' herab,So fällt zum Elephanten FußDie Ameis aus der Luft.
[8]  Dem Herrn der Erde werde GlückUnd Huld und Ruhm zu Theil,Und was er immer anders nochVon dieser Art sich wünscht.