167
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.68-10.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.68
German Translation
[1]  Es ist ein Stern vom Himmel gefallen, Und ist zum Mond des Kreises geworden, Er ist zum Freund, und zum Vertrauten Von meinem scheuen Herzen geworden.
[2]  Mein Liebchen hat nie Schulen besuchet, Mein Liebchen hat nie schreiben gelernet, Und doch ist es durchs Winken der Augen Ein grundgelehrter Meister geworden.
[3]  Durch den Geruch des Herzens erkrankten Dem Morgenwinde gleich die Verliebten, Sie sind den Hyacinthen ein Opfer, Ein Opfer den Narzißen geworden.
[4]  O seht, wohin die Freundinn mich setzet, Sie setzt mich auf die Stelle der Ehren, Und so ist nun der Bettler der Straßen Zum Fürsten unsres Kreises geworden.
[5]  Er bildete sich viel von dem Quelle Des Lebens ein, vom Becher Keichorews, Er ist begierig nach dem Getränke Des Schahs, des Herrn der Reiter geworden.
[6]  Erfreuet euch! der Freude Palläste, Sie werden nun von neuem erbaut, Seitdem die Bogenbrauen des Freunds Zu Meistern sind im Bauen geworden.
[7]  O reinige von Tropfen des Weins Um Gottes willen Lippen und Hände, Von tausend Sünden, tausend Gebrechen Ist mein Gemüth verwirrt geworden.
[8]  Du reichtest mit Liebkosung Verliebten So einen Wundernektar zu trinken, Daß alle Kenntniß verlohren gegangen, Daß der Verstand ist sinnlos geworden.
[9]  Ja freylich werden alle Gesänge Hafisens gleich dem Golde geschätzet. Denn durch die Gunst des Herren des Glückes Sind sie zum Stein der Weisen geworden.
[10]  Freunde, Freude lenkt den Zügel Vom Weg ab, der zu Schenken euch führet, Hafis, der diese Straße gegangen, Ist bankerott auf selber geworden.
254
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.10-12.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.10
German Translation
[1]  Horchet die Nachtigall sing't nun wieder vom Zweig' der Cypreße.Böses Auge sey fern, fern von der Rose Gesicht!
[2]  Rose, aus Dank dafür, daß du bist der Schönheit SultaninnZeig' in der Liebe dich nicht gegen die Nachtigall stolz.
[3]  Klagen will ich fürwahr! nicht über deine Entfernung,Wer die Entfernung nicht kennt, kennt nicht der Gegenwart Glück.
[4]  Andern ist Freude und Lust der Quell des fröhlichen Sinnes,Mir ist der Liebe Gram Quelle von Freuden und Lust.
[5]  Hoffen die Frommen auf Köschk' und Mädchen im himmlischen Garten,Hab' ich hienieden schon Mädchen und Köschk in der Schenk'!
[6]  Trinke Wein bei der Laute Getön und wenn sie dir sagenEs ist verboten, so sag': Gott ist es, welcher verzeiht!
[7]  Sage Hafis was klagst du über die Trennung?Dann aus Finsterniß kömmt Licht und aus Trennung Genuß.
288
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.17-16.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.17
German Translation
[1]  Bacchusufer, Stämme der Weiden, Singkraft,Freunde treu, und in der Gesellschaft lieblich,Herzgeliebte, Schenken mit RosenwangenUnd dabei lieblich.
[2]  Merke auf mein Schicksal, erkenn' der ZeitenGanzen Werth, in denen du dies genießest,Wohl bekomme dieses Vergnügen dir, dieTage sind lieblich.
[3]  Jeder, der in seinem Gemüthe eineLast der Liebe für den Geliebten traget,Werf' sie in das Feuer, damit sein HandelnFrey sey und lieblich.
[4]  Von dem Schmucke meiner Gedanken hab' ichMeiner Seele Braut ein Geschmeid' geschenket,Einstens entsteiget eine Gestalt den ZeitenGlänzend und lieblich.
[5]  Eine Beute seyen die Nachtgespräche;Fodre nun die Rechtsgebühr froher Herzen!Denn der Mondesschimmer erhellt die Herzen,Bäche sind lieblich.
[6]  Wein entglänzt und perlet im Becher vor demAug' der Schenken. Wahrlich ein Namen Gottes!Er berauschet selbst die Vernunft und macht denRebensaft lieblich.
[7]  Sorglos ward das Leben Hafis versplittert,Komm', nun komm' zur Schenke mit uns, damit duLernest dieser lieblichen Sitte, denn ihrAnstand ist lieblich.
391
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.10-29.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.10
German Translation
[1]  Was kann wohl schöner als die Trinkgedanken seyn? Ich will nun sehen, was das End' hievon wird seyn,
[2]  Der Gram zerfrißt mein Herz, hinschwindet theure Zeit, Ist einst kein Herz, und keine Zeit, was wird dann seyn?
[3]  Du sag' dem armen Vogel, iß den eignen Gram, Kann bei dem Netzesteller wohl Erbarmung seyn?
[4]  Trink' Wein, nicht Gram, und hör' nicht auf der Künstler Rath, Was für ein Werth kann wohl im Wort des Pöbels seyn?
[5]  Weit besser ist's, du weihest deinem Wunsch den Schmerz. Du weißt, was, wenn den Wunsch du nicht erreichst, wird seyn.
[6]  Es gab der alte Wirth uns gestern Räthsel auf Von Becherschrift. Was wird hievon das Ende seyn?
[7]  Mit Liedern und mit Lauten ward Hafis verführt, Ey was wird wohl der Lohn des bösen Namens seyn!
315
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.7-28.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.7
German Translation
[1]  Außer daß so Glaub' als WissenMeiner Hand entfloh,Komm, und sag' ob ich durch LiebeAnderes gewann!
[2]  Zwar flog meines Lebens ScheuerAuf in Wind für dich,Doch beim Staub von deinen Füßen!Ich brach nicht den Bund.
[3]  Zwar bin ich ein Sonnenstäubchen,Unansehnlich klein,Fliege durch das Glück der Liebe,Wangensonnen zu.
[4]  Bringe Wein! jetzt sind die Tage,Lang' ist's, daß ich nichtIn des Seelenheiles Winkel,Voll von Liebe saß.
[5]  Du, der guten Rath ertheilest,Wenn du weise bist,Wirf das Wort nicht auf die Erde,Sieh! ich bin berauscht.
[6]  Kann aus Schaam den Kopf ich heben,Vor dem lieben Freund,Angenehmes hab' bisher ichIhm noch nicht gethan.
[7]  Flammen zehrten an Hafisen,Doch sie sagte nicht:Ihm will ich ein Pflaster schicken,Dem ich weh' gethan.
340
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.32-28.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.32
German Translation
[1]  Ich gähre zwar von Herzensgluth, Wie eine Tonne Wein, Daß ich versiegele den Mund, Trink' Wein und schweige still.
[2]  Der Seele Vorsatz ist der Wunsch Nach meiner Freundin Mund, O sieh, wie meine Seele sich Zu diesem Zweck bemühet.
[3]  Wie soll ich mich befreyen denn Von Herzensleid und Gram, Wenn mich mit jedem Augenblick Das Haar in Fesseln legt.
[4]  Bewahre Gott! daß ich vertrau' Auf eigenes Verdienst, Ich weiß nur, daß ich leere aus Von Zeit zu Zeit ein Glas.
[5]  Ich hoffe, daß zum Trotz des Feinds Am Tage des Gerichts Der Herr aus Huld die Sündenlast Nicht auf mich legen wird.
[6]  Mein Vater hat das Paradies Zwey Körner werth geschätzt, Man schelte nicht daher, wenn ich Um eines es verspiel.
[7]  Ich trage nicht mein Ordenskleid Aus bloßem frommen Sinn, Ich trage es vielmehr darum, Weil Fehler es verbirgt.
[8]  Ich, der vom reinsten Rebensaft Nur trinkt, was soll ich thun? Was thun? wenn ich dem Wirthe nicht Zu folgen Willens bin.
[9]  Wenn unser Sänger solch ein Lied Zu seiner Weise wählt, Wenn er Hafisens Lieder singt, So komm ich ausser mir.
282
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.11-16.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.11
German Translation
[1]  Ich klage über meine Leiden nicht,Denn keine Ros' ist ohne Dorn,Kein Honig ohne Stachel.
[2]  Geduld, Verstand und Kraft hat mir geraubtMein Götze mit dem Herzens-Stein,Dem Ohrgehäng' aus Silber;
[3]  Er wohlgebaut und schnell gleich den Peris,Ein zarter Knab', dem Monde gleich,Ein Türke grob gekleidet.
[4]  Vom Feuer seiner Liebe angebrannt,Und von Begier nach ihm entflammtSied' ich empor in Wallung.
[5]  Vergnügt bin ich, und wie mein Hemde still,Wenn mir den Freund, statt des Kaftans,Erlaubt ist zu umarmen.
[6]  Ist mein Gebein schon längst in Staub verweßt,So wird doch seine Liebe nieAus meiner Seele wandern.
[7]  Geraubt ist Herz und Glauben, Glaub' und HerzDurch seine Schultern, seine Brust,Durch seine Brust und Schultern.
433
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.5-32.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.5
German Translation
[1]  Um den Mond hast du den Schleier der Flaumen geworfen, Gnädig hast du sogar auf Sonnen den Schatten geworfen.
[2]  Ha! was wird mir noch thun die Farbe von deinem Gesichte, Da um selbes jetzt solch einen Schimmer geworfen.
[3]  Siegend trägst du den Ballen davon, deß magst du dich freuen. Nimm den Becher Chosrus, Efrasiab ist geworfen.
[4]  In den Augenglanz verliebte ein Jeder sich anders, Und den Schmetterling selbst hast du in Verwirrung geworfen.
[5]  Deiner Liebe Schatz verbargst du in unseren Herzen, Auf den Schatz hast du den Schatten voll Milde geworfen.
[6]  Schone, schone, o Schah! mit deinem funkelnden Schwerte, Löwen dürsten darnach, und Helden werden geworfen.
[7]  Wachenden hast du zuerst die Kraft zu schlafen benommen, Dann mit deinem Bilde in Schlaf Nachtwandler geworfen.
[8]  Einen Augenblick nur hast du gelüftet den Schleier, Sieh' da haben aus Schaam Peris sich in Schleier geworfen. Freilich bin ich berauscht, doch weis' mich nicht deßhalb zurücke, Denn zu löblichem Zweck hast du herein mich geworfen.
[9]  Trinke, o Schah! vom weltenerklärenden Becher Dschemschids, Weil du auf Salomons Thron den Schleier des Wunsches geworfen.
[10]  Durch die Betrügerei'n des Rubins der trunknen Narzisse Hast du Hafisen, der einsam lebt, zu den Trinkern geworfen.
[11]  Um sein Herz zu fangen hast du die Ketten der Locken Wie ein Band des Herrn um deinen Sklaven geworfen.
[12]  Er ist ein mächtiger Fürst, vor dem die Krone der Sonne Ehren halben sich hin zu seinen Füßen geworfen.
[13]  Naßreddinschah Jahja ist jener mächtige König, Der mit dem Schwerte den Feind in die Gluth, in das Wasser geworfen.
300
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:25.2-25.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:25.2
German Translation
[1]  Tausende Feinde mögen mir den Untergang drohen,Bist nur du mein Freund, fürcht' ich der Feinde nicht.
[2]  Mich erhält beim Leben, Hoffnung deines Genußes,Hunderfachen Tod fürcht' ich von deiner Flucht.
[3]  Bringt der Wind von Hauch zu Hauche deinen Geruch nicht,So zerspring' ich wie Rosen von Zeit zu Zeit.
[4]  Läßt dein Bild wohl Schlaf in meine Augen? Beyleibe!Bin ich fern von dir ruhig? Bewahre Gott!
[5]  Besser ist ein Schlag von dir als Pflaster von Andern,Und ich zieh' dein Gift Anderer Theriak vor.
[6]  Mord mit deinem Schwerdte ist mir ewiges Leben,Meine Seel' ist gut dir sie zu opfern,
[7]  Lenk' nicht ab den Zügel, schlage mich mit dem Schwerdte,Denn ich zieh' die Hand nimmer vom Bügel ab.
[8]  Wo sah' je das Auge eine Schönheit, wie du bist,Jeder schaut nach Maß seines Vermögens dich.
[9]  Damals wird Hafis von allem Volke geehret,Wenn er sein Gesicht wälzet in deinem Staub.
225
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.126-10.126
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.126
German Translation
[1]  O Schenke, höre, wie die Sage Von Cedern, Rosen, Tulpen geht, Du sieh darauf, daß sie nicht ohne Dreyfacher Becher Spende geht.
[2]  Du trinke Wein, die Braut der Erde Hat ihre Schönheit nun erreicht, Jetzt sind die Zeiten, wo die Tugend Der Kupplerinn im Schwunge geht.
[3]  Des Indus Papageyen werden Nun alle Zuckerfreßer seyn, Vom persischen berühmten Kandel, Der reißend nach Bengalen geht.
[4]  Gieb Acht auf des Gesanges Bahnen, Du siehst, was schnell fortschreiten heißt, Ein Kind in einer Nacht erzeuget, Das einen Weg von Jahren geht.
[5]  Betrachte dieses Schelmenauge, Das die Andächtigen betrügt, Siehst du, wie hinter Karawanen Der Zauberer von ferne geht. Mein Liebchen träuft von Schweißestropfen, Und wanket holden Schritts einher, So daß von Wangen der Jasminen In Form des Thau's der Angstschweis geht.
[6]  Wirst du gelockt von Schmeicheleien Der Welt verlaß nicht deinen Weg, Weil diese alte Räuberhexe Aus auf Betrügereien geht. Sey nicht Samir in deinen Werken, Er, der aus Eselshaftigkeit Vom Führer Moses sich entfernet, Und nach dem goldnen Kalbe geht.
[7]  Des Frühlings Schmeichellüfte wehen Her aus des Schahes Rosenbeet, Indeß statt Wein ein Tropfen Thaues Hinein in Tulpenkelche geht.
[8]  Schweig nicht, Hafis, von dem Vergnügen, Des Hofs des Schahs Gajaßeddin Du weißt, daß das Geschäft am besten Durch Singen dir von statten geht.
203
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.104-10.104
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.104
German Translation
[1]  Viel Jahre sind es, daß mein Buch Für rothen Wein verpfändet ist, Und daß der Schenke Ruhm und Glanz Durch mein Gebet gestiegen ist.
[2]  O sieh, wie gut der alte Wirth, Wie mild er sich erzeigt, Indem, was Böses wir gethan, Ein Schmuck in seinen Augen ist.
[3]  Auf! lustig! wascht die Bücher aus, Wascht alle aus mit rothem Wein, Ich hab' gesehen, daß das Loos Nur Gram den weisen Herzen ist.
[4]  Mein Herz! von Schönen fodre viel, Wenn du auf Schönheit dich versteh'st, Denn dieses hat ein Mann gesagt, Der in der Welt erfahren ist.
[5]  Gleich einem Zirkel sah ich, daß Mein Herz sich umgedrehet hat, Und daß es dann verwirrt im Kreis Der Liebe fest gestanden ist.
[6]  Der Sänger hat von Liebesschmerz Ein Lied so traurig angestimmt, Daß allen Weisen in der Welt, Von Wimpern Blut gefloßen ist.
[7]  Aus Freude bin ich aufgeblüht, Der jungen Frühlingsrose gleich, Als an dem Bach das Schattenbild Der Ceder mein geworden ist.
[8]  Mein rosenfarber Alter gab Den Blauen die Erlaubniß nicht, Was Böses zu begeh'n, weil sonst Das Auge gleich geschäftig ist.
[9]  Hafisens vielgewandtes Herz, Ist wahrlich nicht dazu gemacht, Daß es von dem, was Andere Dir Böses thun, ein Wißer ist.
411
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.7-30.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.7
German Translation
[1]  Veilchen brennet der Neid ob deinen Locken, Rosenschleier zerreißt dein holdes Lächeln.
[2]  Süße Rose verbrenn' die Nachtigall nicht, Welche Nächte hindurch für dich nur betet.
[3]  Ich, dem ehmals der Engel Hauch zur Last ward, Trage nun das Gerede deinetwegen. Deine Huld ist mein Loos, dein Staub mein Eden, Meine Ruh' dein Gebet, mein Seyn die Wangen.
[4]  Einen Schatz in dem Aermel tragen Bettler Deine Bettler gelangen schnell zur Herrschaft.
[5]  Zwar vereinen sich nicht der Wein, die Kutte, Doch vereine ich beide dir zu Liebe.
[6]  Wein und Liebegekos entflieh'n zur Stunde, Wo mein Haupt voll Begier zu deinem Staub wird.
[7]  Freund! gebrauche das Aug' als Erker; Laß es niemals allein, es ist ein Betort.
[8]  Wahrlich! schön ist der Wangen Flur, besonders Wenn Hafis der geliebte Sänger bleibt.
70
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.56-4.56
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.56
German Translation
[1]  Mein Augenapfel schonet dein Angesicht, Mein irres Herz erinnert sich nur deiner.
[2]  Die Thräne nimmt das heilige Pilgerkleid, Wiewohl sie nie von Herzensblute rein ist.
[3]  Es bleibt der Vogel Edens im Käfichte, Ein Wildfang, wenn er nicht dich suchend ausfliegt.
[4]  Verschmäh' des armen Liebenden Herzgeld nicht, Er kann in baarer Münze dich nicht zahlen.
[5]  Ein Jeder, welcher muthigen Herzens ist, Gelanget zu der Höhe deines Wunsches.
[6]  Des Herren Jesus Leben verspendende Wunderkraft, sie gleicht nicht deinen Lippen.
[7]  In deiner Liebe Flammen erseufz' ich nicht. Wer sagt, ich trag nicht mit Geduld dein Brandmaal.
[8]  Als ich zuerst geschauet den Lockenschmuck, Sprach ich: O weh! Dies ist Verwirrung endlos.
[9]  Hafis ist's nicht allein, der sich sehnt nach dir, Wer ist es wohl, der sich nach dir nicht sehnte?
387
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.6-29.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.6
German Translation
[1]  Der Schah der Schlankgewachs'nen, Der Herr Süßmundichter, Der mit den Wimpern alle Herzen schlaget,
[2]  Vorüber gieng er trunken, Warf einen Blick auf mich, Und sprach: du Aug' und Lampe Süßberedter.
[3]  Wie lang von Gold und Silber Bleibt noch dein Beutel leer? Sey du mein Sklav und laß die Silbergötzen;
[4]  Gering wie Sonnenstäubchen, Verlier' nicht Lieb' und Lust, Daß zu der Sonne auf du kreisend steigest.
[5]  Die Welt ist keine Stütze, Du hast ein Glas voll Wein. O bring's schönstirnichten und zarten Schönen.
[6]  Es sprach's der alte Trinker. (Dafür ergeh's ihm wohl.) Er sprach: o hütet euch vor Bundesbrechern.
[7]  Ergreif' den Saum des Freunds, Sey unbesorgt um Feinde, Sey Gottes Mann und fürchte nicht den Teufel.
[8]  Ich sprach zum Wind des Ostens: Auf tulpenreicher Flur, Von welchem Märtyrer sind die blut'gen Leichentücher.
[9]  Er sprach: Hafis uns beiden Hat man es nicht vertraut; Erzähl' vom Weinrubin, vom Silberkinne.
84
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.70-4.70
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.70
German Translation
[1]  Schenke! bringe mir Wein, die Fasten ist vergangen, Gieb mir immer das Glas, mein Ruf ist längst vergangen.
[2]  Hin ist köstliche Zeit, o komm', laß uns ersetzen Zeit, die ohne den Wein, und ohne Glas vergangen.
[3]  Mach' mich trunken, daß ich von Sinnen selbst nicht wisse, Wer in meinem Gehirn gekommen, wer gegangen.
[4]  In der Hoffnung, daß mir der Duft des Hefens werde, Bin ich frühe und spät zu beten ausgegangen.
[5]  Das erstorbene Herz empfieng ein neues Leben, Seit von deinem Geruch ein Hauch ihm zugegangen.
[6]  Stolz auf frommes Verdienst, verfehlt den Weg der Klausner, Trunkene sind dafür ins Haus des Heils gegangen.
[7]  Meiner Seele Gewinn hab' ich auf Wein verwendet, Schwarz befleckt ist mein Herz, Verbotnem nachgegangen.
[8]  Gleich der Aloe brennt, die Seele voll von Reue Bring' mir Wein, denn es ist mein Leben leer vergangen.
[9]  Gieb Hafisen nicht Rath, den Weg hat nicht gefunden, Wem's mit köstlichen Wein, nach seinem Wunsch gegangen.
487
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.59-32.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.59
German Translation
[1]  Unkundiger, o höre mich, Daß du bekehret werdest, So lang den Weg du nicht betrittst, Wirst du kein Wegweiser.
[2]  In Gegenwart des Liebenden, Dort in der Wahrheit Schule O Knabe, merke fein und gut, Daß du einst Vater werdest.
[3]  Entferne deine Hand vom Erz, Wie die erfahrnen Leute, Daß du im Leben Alchymist Und ganz zu Golde werdest.
[4]  Der Schlaf, das Essen und der Trank Hat dich verführt vom Lieben, Wenn du nicht issest und nicht schlafst, Wirst du die Liebe finden.
[5]  Fällt in die Seele einst ein Strahl Vom Licht der Liebe Gottes, Bei Gott! ich weiß, du wirst alsdann Weit schöner seyn als Sonnen.
[6]  Stürz' dich auf eine Zeit in's Meer Und hege keinen Zweifel, Denn aller sieben Meere Fluth Wird dir kein Haar befeuchten.
[7]  Von deinem Fuße bis zum Kopf Ist alles ein Strahl Gottes, Sobald du ohne Fuß und Kopf Im Dienste Gottes weilest.
[8]  Wenn Gottes Angesicht auf dich Herab mit Milde blicket, Wer zweifelt noch, daß du alsdann Nicht ein Betrachter seyest.
[9]  Wird deines ganzen Wesens Bau Vom Grunde aus zerstöret, So glaube nicht, daß du auch ganz Vom Grund aus wirst zerstöret.
[10]  Hafis! hast du in deinem Kopf Die Hoffnung des Genusses, So werde du zuvor zum Staub Der Thüren der Betrachter.
347
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.39-28.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.39
German Translation
[1]  Mein Abgott, wie soll ich deinen Gram Mit Arzneien heilen? Wie lange soll ich ob deinem Gram, Die Nacht hindurch noch weinen!
[2]  Mein närrisches Herz verlor sich so, Daß mir kein Mittel bleibet, Als es an die Ketten deines Haars Gewaltsam anzufesseln.
[3]  Die Schmerzen, die ich, von dir getrennt, Ertragen mußte leider! Sind lang', ja so lang', daß ich sie kaum In Büchern fassen könnte.
[4]  Die Spitzen des Haares haben all Dies Unheil angerichtet, Wie ist es wohl möglich, alles dies Im Kleinen zu beschreiben.
[5]  Wenn es mich von Ungefähr verlangt, Zu schauen meine Seele, So bildet in meinem Auge sich Dein Wangenbild sich wieder.
[6]  O könnte auf deinen Hochgenuß Ich mit Gewißheit rechnen, Ich würde den Glauben und mein Herz Mit frohem Sinn dir opfern.
[7]  O Prediger ferne, ferne bleib', Von mir und schwatz' nicht weiter. Ich bin nicht der Mann, der aufs Geschwätz Der falschen Zeugen horchet.
[8]  Die Hoffnung des guten Weges ist Hafis nun einmal verloren, Mein Schicksal, es ist nun einmal so Was willst du anderes machen?
289
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.18-16.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.18
German Translation
[1]  Alles Holde vereint dies Mondenantlitz,Doch nicht Treue; o Gott! verleih' ihm Treue!
[2]  Mein Geliebter ist ein gepriesner Knabe,Schuldlos bringt er mich einstens um durch Klagen.
[3]  Besser ist's, ich verwahr' mein Herz; denn KnabenUnterscheiden das Böse nicht vom Guten.
[4]  Milch und Zuckergeschmack entströmt dem Monde,Wenn das Nicken des Augs gleich Blut vergießet.
[5]  Einen Götzen von vierzehn Jahren hab' ich,Dessen treu'ster Sklav der volle Mond ist.
[6]  Dieser Rose zu lieb entfloh mein Herz, o Gott!Lange hab' ich es nicht gesehen, wo ist es!
[7]  Weil die Heere des Freund's das Herz so schlagenWird der Kaiser dieselben hoch belohnen.
[8]  Dankbar will ich verspenden meine SeeleWenn die Perle des Aug's Hafisens ruhet.
181
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.82-10.82
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.82
German Translation
[1]  Mein ist künftig diese Hand, Und der hohen Ceder Saum, Deren luft'ge Höhe mich, Aus der Wurzel hat gerissen.
[2]  Keinen Sänger, keinen Wein Braucht es, heb' den Schleier auf, Deines Angesichtes Gluth Machet mich wie Sphären tanzen.
[3]  Nur dasjenige Gesicht Ist des Glückes Spiegelwand, Das gerieben ward am Staub, Von dem Hufe dieses Pferdes.
[4]  Dein Geheimniß habe ich, Aller Welt gesagt, nun sprich, Was du willst, unmöglich kann, Länger die Geduld mir dauern.
[5]  Bring mir diesen Moschushirsch, Jäger bring mir ihn nicht um, Schäm' vor seinem schwarzen Aug, Schäme dich ihn anzubinden,
[6]  Ich bin nicht im Stand den Staub, Aufzuheben von der Thür', Ach! wie könnte ich den Staub, Dieses Prachtpallastes küssen.
[7]  Wird Hafisens süßes Lied, Zu dem Saitenspiel gehöret, So verlieret selbst Kemal, In Chadschend den Muth zu singen.
307
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:27.6-27.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:27.6
German Translation
[1]  O weh! daß mir die Freundinn nichtZu ihr zu gehn erlaubte,So sehr von allen Seiten auchIch Stoff und Anlaß suchte.
[2]  Es sprach ein jeder, der mein WortZu Ihrem Lobe hörte,Das hat er recht und gut gethan,Es möge Gott ihm's lohnen!
[3]  Zwar schien es Anfangs mir so leichtZu trinken und zu lieben,Doch meine Seele ist zuletztIn dieser Kunst verbrennet.
[4]  Gar schön sprach jüngst vom Dach herabDer Reiniger der Wolle:O fragt den Schafiiten nichtUm Ausschluß dieser Fragen.
[5]  Ich sprach zur Freundinn: wann wirst DuDich meiner denn erbarmen?Sie sprach: am Tag wo Seelen einstSich ohne Schleier schauen.
[6]  Ich hab' mein Herz an einen Schelm,An eine zarte Schönheit,An eine Freundinn frommer Art,Und guten Sinns gegeben.
[7]  Ich zog' in Winkel mich zurück,Gleich deinem trunknen Auge,Und zu den Trunknen hab' ich michWie deine Braun geneiget.
[8]  Es zeigten meine Thränen mirWohl tausendmal die Sündfluth,Und doch ward aus der Brust dein BildKein einz'gesmal verwischet.