153
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.54-10.54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.54
German Translation
[1]  Morgens als die Fahne der Sonne Aufgesteckt war auf den Bergen, Sieh da kam der Liebling des Herzens Aus Erbarmung an die Thüre.
[2]  Weil der Morgen deutlich erblickte, Was da sey des Glückes Liebe, Fieng er an im Ernste zu lachen Ueber jene, die d'rauf stolz sind.
[3]  Gestern als mein Schöner zum Tanze Aufgestanden war im Kreise, Löst' er auf die Bande der Locken, Warf dieselben auf die Freunde,
[4]  Als sein Wein ergründendes Auge, Die Vernünftigen zu rufen, Wusch ich über Frieden und Ruhe In dem Herzensblut die Hände.
[5]  Saget, welches eiserne Herz hat Diese List ihn wohl gelehret, Daß er so vor allem beginn't Nachtdurchwacher auszurauben?
[6]  Einen Reiter sah ich im Traume, Armes Herz! du war'st verloren, Herr, bewahr's vor allen Gefahren, Mitten unter Reiter fiel es.
[7]  Für den Glanz von seinem Gesichte, Wurden Blut und Geist geopfert, Doch erfüllt er einmal die Wünsche, Danken es ihm die Entseelten.
[8]  Ha! wie soll ich denn mit der Kutte Eine Locke Haar's erobern, Deren einz'le Härchen auf Straßen Tapfre Männer ganz ausrauben.
[10]  Seit der Stunde, da er das Weinglas Nahm zuerst in seine Hände, Gab die Zeit den Becher der Freude Allen Trinkern in die Hände.
[11]  Von dem Goldverspendenden Schwerte, Strahlte Sieg an jenem Tage, Als Er, wie die Sonne der Sterne, Tausende allein geschlagen.
[12]  Seines Lebens, seiner Regierung Dauer fleh', o Herz! vom Herren, Denn die Münze ward von dem Loose Nach dem Laufe der Zeit geschlagen.
[13]  Meines Muthes Loos ist gebunden An des Schahes Glück und Segen, Sey vergnügt Hafis, denn die Losung Ist auf's Beste ausgefallen.
151
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.52-10.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.52
German Translation
[1]  Verliere keine Zeit mit Gram, Im Ganzen ist die Welt nichts werth, Verkauf das Ordenskleid um Wein, Es ist ja sonsten zu nichts werth. Des Freundes Land sey mir geehrt, Weil es die Männer schützt und schirmt, Wenn nicht, was nützt mir Farsistan, Es ist so vieler Müh' nicht werth.
[2]  Man giebt nicht einen Becher Wein Für meinen Teppich in der Schenke, Was für ein Teppich! seh't, er ist Nicht einen Becher Weines werth. Du wasche deine Aengstlichkeit Vom Ordenskleide reinlich aus, Denn alle Kuttenflecken sind Kein Glas von rothem Weine werth.
[4]  Die Königskron', die von der Höh' Des Scheitels Seelen Furcht einflößt, Ist zwar ein schöner Kopfschmuck', doch Nicht den Verlust des Hauptes werth.
[5]  Wie leicht scheint anfangs nicht die Fluth Des Meeres, aus Hoffnung des Gewinnes! Doch weit gefehlt! denn diese Fluth Ist nicht zehntausend Perlen werth.
[6]  Weit beßer ist es, wenn du dein Gesicht den Liebenden verbirgst, Denn die Erobrung einer Welt Ist nicht der Müh des Krieges werth.
[7]  Sey, wie Hafis, genügsam, thu' Wie er auf diese Welt Verzicht, Ein Gran von Niederträchtigkeit Ist nicht zweyhundert Tonnen werth.
73
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.59-4.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.59
German Translation
[1]  Kein Blick der durch der Wangen Glanz nicht hell Geworden wäre! Kein Aug, in welches nicht dein Gnadenstaub Gekommen wäre!
[2]  Die ersten Seher sind damit beschäftiget, Dich anzuschauen. Kein Haupt, in das nicht deines Haars Begier Gekommen wäre!
[3]  Sind meine Thränen bluthroth aus Schmerz, Ists nicht zu wundern. Sie flößen ohne Scheu, wenn vor der Thür Ein Vorhang wäre.
[4]  Damit im Wind kein Stäubchen an den Saum Des Kleids sich setze, Ist keine Stelle, die vom Aug nicht rein Gewaschen wäre. Der Zartgebaute darf nicht geh'n Den Weg der Liebe, Denn keine Furcht, Besorgniß und Gefahr, Die dort nicht wäre!
[5]  Damit der Ost den Hauch vom finstern Haar Mir aufbehalte, Vergeht kein Morgen, wo ich nicht mit ihm Im Streite wäre.
[6]  Auf meines Schicksals Unglücksstern bin ich Im Ernste böse, Ich wär' es nicht, wenn Keiner sonst von Dir Beglücket wäre.
[7]  Weil deine Lippen so verschämet sind, O Honigquelle! Entströmt kein Zucker dir, der nicht in Schweiß Getauchet wäre. Ich armes irres Herz! blut' nicht allein Durch deine Hände, Kein Herz, das nicht von deiner Liebe Gram Verblutet wäre.
[8]  Es ist nicht gut, daß die Geheimnisse Entdecket werden, Bald giebt es kein Geheimniß mehr, das nicht Bei Trunk'nen wäre.
[9]  In einen Fuchs verwandelt sich der Leu Auf deinem Pfade, O! welch ein Pfad, wo ist Gefahr des Tods, Die drauf nicht wäre?
[10]  Der Augen Wasser hat vom Staub des Thors Erfahren Gnade. Kein Stäubchen, das für mich nicht hundertfach Noch Gnade wäre.
[11]  Von meinem Daseyn ist der Name mir Zurückgeblieben, Es wäre seltsam, wenn des Körpers Schein Geblieben wäre.
[12]  Die Kleinigkeit beiseit, daß dir Hafis, Nicht Lobspruch zollet, Ist keine Tugend, die vom Fuß zum Kopf In Dir nicht wäre.
437
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.9-32.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.9
German Translation
[1]  Was man vom Paradies erzählt, Ist eine Fabel deines Gaues, Was von Huris man uns erzählt, Das gilt von deinen Wangen.
[2]  Des Herren Jesus Wunderhauch Geht aus von deinen Lippen, Und deines Mundes Welle ist Das Lebenswasser Chisers.
[3]  Ein jedes Stück von meinem Herz Ist eine Gramgeschichte, Und jede Zeile deines Sinns Ist auch ein Vers im Himmel.
[4]  Wie würde von der Rose wohl Der geist'ge Kreis gewürzet, Wenn sie getreu zu bleiben dir Sich vorgesetzt nicht hätte.
[5]  Ich bin verbrennet aus Begier Nach meines Freundes Staube, Erinnre dich, o Morgenwind, Daß du uns nicht beschützest.
[6]  O Herz, umsonst verlorest du Die Wissenschaft, das Leben. Ein großes Kapital war dein, Doch warst du nicht zufrieden.
[7]  Des angebrannten Herzens Duft Ist überall verbreitet, Es wirket meines Innern Brand Daher nach allen Seiten.
[8]  Erscheint mir in der Hölle Gluth Der Zauber deines Bildes, Ich werde über Höllengluth, O Schenke, drum nicht klagen.
[9]  Errathest du Hafisens Wunsch, Wenn Er dir spricht von Leiden, Von dir ist's eine Schmeichelei, Vom Kaiser ist es Gnade.
21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.7-4.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.7
German Translation
[1]  Glauben und Herz sind weg, und die Geliebte Ist, mich zu schmähen, aufgestanden. Setze dich nicht zu mir! so sprach sie böse: Das Heil ist von dir aufgestanden.
[2]  Hast du gehört, es sey bei diesem Fenster Je Einer kurze Zeit geseßen, Welcher zuletzt nicht voll von Reue über Die Unterhaltung aufgestanden.
[3]  Weil sich die Kerze jüngst mit freyer Zunge Gerühmet hat der Flammenwangen, Ist sie dadurch zur Pein vor den Geliebten Durch ganze Nächte Wach' gestanden.
[4]  Siehe der Frühlingswind ist von den Rosen Und von dem Fuße der Cypreßen, Blos aus Begier und Lust nach deinem Wuchse Nach deinen Wangen aufgestanden.
[5]  Trunkenen Schrittes giengst du vorüber, Da ist aus Sehnsucht deines Anblicks Mitten im hohen Kreis der Himmelsbürger Empörung und Gezänk entstanden.
[6]  Weil sich die Zeder schämt vor deinem Gange, Hat sie den Fuß nie aufgehoben, Schwankend mit hohem Wuchs ist sie bishero Auf einem Flecke still gestanden.
[7]  Werfe hinweg, Hafis, das Kleid des Truges Vielleicht kannst du die Seele retten. Flammen des Schimpfes sind aus dem Gewande Der frommen Mönchezunft entstanden.
427
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.12-31.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.12
German Translation
[1]  Als ein Schmetterlingslicht erblick' ich die Gluthen der Wangen,Durch dein Maal verlor ich die Sinnen.
[2]  Sieh' die Vernunft, die befahl, die Liebekranken zu binden,Ist durch den Haarring zum Narren geworden.
[3]  Wenn ob des Dufts von deinen Locken die Seele davon fliegt,Ist es recht, sie sey dir geopfert.
[4]  Gestern fiel ich armer Mann auf der Stelle zusammen,Als ich mit Freuden den Liebling geseh'n.
[5]  Was ich ersann von Wunderdingen, es nützte mir gar nichts,Alle Lust verflog vor der seinen.
[6]  Hat wohl Jemand was Besseres, als das Körnlein des MaalesAuf den Gluthen der Wangen gesehen?
[7]  Für die Kunde vom Glanz des Angesichts hat die KerzeIhre Seele dem Ostwind gegeben.
[8]  Zwischen den Lippen des Freunds und mir bestehet ein Bündniß,Daß wir von dem Bunde nur sprechen.
[9]  Rede mir nichts von der Schul', o rede mir nichts von dem Kloster,Denn Hafis ist in's Wirthshaus verliebet.
237
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.138-10.138
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.138
German Translation
[1]  Meine Seele verfliegt, doch ist mein Wunsch nicht erfüllet, Wehe! mein armes Glück ist von dem Schlaf nicht erwacht.
[2]  Morgens wehte der Ost mir ihren Staub in die Augen, So daß des Lebensquell nicht in das Auge mir kommt.
[3]  Bis ich deine Gestalt an meinen Busen nicht schlinge, Bringt des Verlangens Baum mir nicht erwünschliche Frucht.
[4]  Möglich, ich thu's dem schönen Gesicht des Freunds zu gefallen, Anders seh' ich fürwahr! keinen der Wege dazu.
[5]  Deine Locken sind von Herzen lieblich bewohnet, Zu mir Fremden kam leider die Kunde nicht her.
[6]  Tausend hab' ich geschnellt der Pfeile vom Bogen der Treue, Aber was nützt es mir, keiner erreichte das Ziel. Opfre den Kopf, dies fodert vor allem Andern die Treue, Hebe dich fort, wenn du, solches zu thun, nicht vermagst.
167
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.68-10.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.68
German Translation
[1]  Es ist ein Stern vom Himmel gefallen, Und ist zum Mond des Kreises geworden, Er ist zum Freund, und zum Vertrauten Von meinem scheuen Herzen geworden.
[2]  Mein Liebchen hat nie Schulen besuchet, Mein Liebchen hat nie schreiben gelernet, Und doch ist es durchs Winken der Augen Ein grundgelehrter Meister geworden.
[3]  Durch den Geruch des Herzens erkrankten Dem Morgenwinde gleich die Verliebten, Sie sind den Hyacinthen ein Opfer, Ein Opfer den Narzißen geworden.
[4]  O seht, wohin die Freundinn mich setzet, Sie setzt mich auf die Stelle der Ehren, Und so ist nun der Bettler der Straßen Zum Fürsten unsres Kreises geworden.
[5]  Er bildete sich viel von dem Quelle Des Lebens ein, vom Becher Keichorews, Er ist begierig nach dem Getränke Des Schahs, des Herrn der Reiter geworden.
[6]  Erfreuet euch! der Freude Palläste, Sie werden nun von neuem erbaut, Seitdem die Bogenbrauen des Freunds Zu Meistern sind im Bauen geworden.
[7]  O reinige von Tropfen des Weins Um Gottes willen Lippen und Hände, Von tausend Sünden, tausend Gebrechen Ist mein Gemüth verwirrt geworden.
[8]  Du reichtest mit Liebkosung Verliebten So einen Wundernektar zu trinken, Daß alle Kenntniß verlohren gegangen, Daß der Verstand ist sinnlos geworden.
[9]  Ja freylich werden alle Gesänge Hafisens gleich dem Golde geschätzet. Denn durch die Gunst des Herren des Glückes Sind sie zum Stein der Weisen geworden.
[10]  Freunde, Freude lenkt den Zügel Vom Weg ab, der zu Schenken euch führet, Hafis, der diese Straße gegangen, Ist bankerott auf selber geworden.
230
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.131-10.131
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.131
German Translation
[1]  Billig ist's, wenn mein Herz zum Moschuswein sich zurückzieht, Aus der Verstellung kommt doch nichts besonders heraus,
[2]  Will die ganze Welt an meiner Liebe mich hindern, Thu' ich doch nur das, was von mir heischet der Herr.
[3]  Höre nicht auf, dich nach des Geliebten Milde zu sehnen, Eine holde Natur wird die Vergehen verzeih'n.
[4]  Immer bleibet das Herz im Reize deiner Erinnerung, Hoffend zu lösen einst Ringe der Locken des Haars.
[5]  Du, dem Schönheit verlieh'n, und günstiges Schicksal geschenkt ward, Dich zu schmücken, sag, braucht es der Kräuslerin wohl?
[6]  Dein ist der Wein, ergötzend die Fluren, und lieblich die Lüfte, Anders braucht es jetzt nichts, als ein fröhliches Herz.
[7]  Eine stattliche Braut wär' freilich die Schönheit der Erde, Doch das Mädchen , kann keiner erlangen zum Weib. Nie wird die Flur von Cypreßen und Tulpen entblöset erscheinen, Eines gehet davon, aber das Andere kommt. Frag' das bettelnde Herz ja nicht um unsere Sitte, Sieh es hält mein Gesicht alles im Spiegel dir vor.
[8]  Mondengesicht sag' an, so sprach ich zu meinem Geliebten, Sage, was ist's, wenn ein Kuß Herzen die Ruhe verleiht,
[9]  Lächelnd sprach sie: Hafis, bei Gott! es ist nicht erlaubet, Daß dein heißer Kuß trübe ein Mondengesicht.
125
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.26-10.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.26
German Translation
[1]  Derjenige ist noch nicht schön, Der seinen Wuchs, der Haarschmuck hat. Du sey ein Sklav desjenigen, Der dies und jenes hat.
[2]  Die Schmeicheleien der Huris Und der Peris sind liebevoll, Doch wahre Anmuth hat nur der, Der das Gewiße hat.
[3]  O Rose, lache du dem Groll Von meinem Auge freundlich zu, Indem dasselbe aus Begier Nach dir viel Wassers hat.
[4]  Wer unterstände sich, den Ball Der Schönheit zu entwenden dir, Die Sonne selber ist kein Held, Der festen Zügel hat.
[5]  Mein Wort dringt in die Herzen ein, Seitdem du's angenommen hast; Ja! Ja! gewiß, das Liebeswort Auch seine Wirkung hat.
[6]  Der Bogen deiner Augenbrau'n Hat übertroffen in der Kunst Zu schießen, jeden Bogenschütz, Der einen Bogen hat.
[7]  Es ward noch Keiner auf dem Pfad Der Liebe wahren Sinns gewiß, Wiewohl nach seiner Faßungskraft, Ein Jeder etwas hat.
[8]  Verschwend' mit Ausgelaß'nen nicht, Die Worte der Freygebigkeit, Weil jedes Wort und jeder Spruch Auch seine Zeit und Stelle hat.
[9]  Ein schlauer Vogel singet nicht Die Liebeslieder auf der Flur Im Frühling, welcher einen Herbst Noch hinter sich her hat.
[10]  Den andern Dichtern sey Hafis: O prahlet nicht mit Eurer Kunst, Vergeßt nicht, daß Hafisens Lied Die Kunst der Rede hat.
357
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.49-28.49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.49
German Translation
[1]  Ich werde in der Magenschenke Das Licht des Herren sehen. O schau' das Wunder! welcher Schimmer, Und wo kann ich ihn sehen? O Herr wer trinkt in dieser Schenke, Wer trinket wohl der Hefen? Denn Flehende sind an der Thüre, Wie am Altar zu sehen. Das Amt der Liebenden, der Trunknen Und süße Schmeicheleien, Dieß alles werde ich durch Eure Gefälligkeit noch sehen.
[2]  O prahle nicht du Fürst der Pilger Zu viel mit deinem Glücke, Du hast den Tempel, ich hingegen Des Tempels Herrn gesehen.
[3]  Ich möchte aus der Schönen Locken Den Moschus gerne ziehen. Doch dieses heißt weit in die Ferne Bis nach Chataja sehen.
[4]  Des Herzens Brand und Thränenströme Und Seufzer bis am Morgen, Dies Alles werde ich durchs Eure Gefälligkeiten sehen.
[5]  Mit jedem Augenblicke stellet Dein Bild sich mir im Wege; Wem kann ich sagen, was im Träume Vergönnt mir ist zu sehen?
[6]  Noch Keiner hat von Moschusblasen, Und von dem Morgenwinde Gesehn, was ich an jedem Morgen Im Stande bin zu sehen. Ein Mittelpunkt im Kreis der Einheit Besteht; nicht mehr nicht minder. Und ohne wie und ohne welches Vermag ichs einzusehen.
[7]  O Freunde tadelt nicht Hafisen, Weil er so liebeäugelt, Ich hab' in Ihm zu allen Zeiten Nur Euren Freund gesehen.
93
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.79-4.79
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.79
German Translation
[1]  Was für eine seltne Gnade War es, welche deiner Feder Alle Dienste unsrer vor'gen Freundschaft aufgezählet hat?
[2]  Mit der Spitze dieser Feder Hast du einen Gruß geschrieben, Nie soll das Gebäu der Erde Bleiben ohne deine Schrift! &#
[3]  Nimmer sag' ich: du hast Unrecht, Meiner dich noch zu erinnern, Denn es wird dir vom Verstande Nie ein Fehler aufgemerkt.
[4]  Dankbar für des Himmels Leitung Darfst du mich noch nicht verachten, Weil das Schicksal dich vor Allen Angesehn und groß gemacht.
[5]  Komm, ich will mit deinen Locken Auf beständig mich verbinden, Wenn ich dann den Kopf verliere, Hanget er an deinem Fuß.
[6]  Labe meine durst'ge Seele, Nur mit einem Tropfen Hefen, Weil man dich aus Dschemschid's Becher Mit den Fluthen Chiser's tränkt. Sieh! mein Herz steht vor der Thüre, Halt' es doch in Preis und Ehren, Schon deßhalben weil der Himmel Keine Qualen dir geschickt. Ueberall sind Hinterhalte, Gehe du nicht zu verwegen Von der Straße des Verderbens Flieget sonst der Staub dir an.
[8]  Ostwind; gleich dem Herren Jesus, Fröhlich seyen deine Zeiten! Denn Hafisens wunde Seele Ward durch deinen Hauch geheil't.
[150]  ;
290
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.19-16.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.19
German Translation
[1]  O Sklav! beklage dichNicht über deine Feinde,Der Liebe nicht zu sprechen ziemtZu wenig und zu viel.
[2]  Mein Herz ist aufgeschreckt,Ich sorg' nicht als Derwisch,Was vor der Jagd des störrigenVorhergegangen sey.
[3]  Wie Weiden zittre ichAus Furcht vor meinem Glauben,Es hält mein Herz ein BogenschützVon den Ungläubigen.
[4]  Ich trage mich herumMit der Idee des MeeresEin Tropfen ich! was denk' ich Tropf',Was für Unmöglichkeit!
[5]  Ich will ein Opfer seynDem Augenhaar des Mörders,Ich seh', auf seinen Spitzen wogtDes Lebenswassers Fluth.
[6]  Vom Arztesärmel strömtDas Blut aus tausend Strömen,Wenn er die Hand auf's wunde HerzEs zu befühlen leget.
[7]  Ich geh' mit ThränenfluthUnd mit gesenktem HaupteZur Schenke, denn ich schäme michVor meinen Handlungen.
[8]  Das Leben Chisers undDie Herrschaft AlexandersSind längst verschwunden, o DerwischZank' nicht um diese Welt!
310
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.2-28.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.2
German Translation
[1]  Sey willkommen, o glücklicher Vogel,Gesegneter Bothe!Welche Kunde vom Freunde vom Guten?Wo führet sein Weg hin?
[2]  Herr! Du leite der Reisenden HeerzugDurch ewige Güte;Sie verstricken die Feinde in Schlingen,Sie beglücken Verliebte.
[3]  Was sich alles mit mir und dem LieblingHat Verschiednes ereignet,Hat kein Ende, denn leider! gebrichts hierSo am Ausgang wie Anfang.
[4]  Allzu üppig erscheinen die Rosen,Zeig' die Hülle des Geistes!Wohl bewegen sich schwankend Cypressen,Doch nicht lieblich, o Wandler!
[5]  Wenn der Liebling befiehlt, aus den LockenFeuergürtel zu machen,Dann, o Meister! ist's uns nicht erlaubet,Ordenskleider zu tragen.
[6]  Jüngst noch prahlte der Vogel des GeistesMit dem Lebensbaum Sidra,Sieh da hat ihn das Körnlein des MaalesIn die Schlingen gelocket.
[7]  Sage, ziemt es dem blutigen AugeZiemt es ihm wohl zu schlafen?Kann derjenige schlafen, der siechendStets in Todesgefahr liegt.
[8]  Du zeigst leider! mir Elenden keineHuld, keine ErbarmungDieses ist vorüber, ich klage,So bist du und die Zeiten.
[9]  Wenn Hafis zu den Brauen sich hinneigt,Ist's nicht anders als billig,Denn es machen die Künstler der RedeHochaltäre aus selben.
158
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.59-10.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.59
German Translation
[1]  Ich und Weinverleugnung! Was das für ein Fabeln ist! Hoffentlich daß mir doch Noch Verstand geblieben ist.
[2]  Selbst den Weg der Schenke Kennen wir nicht bis an's End', Sagt, zu welchem Ende Frömmigkeit gewesen ist.
[3]  Ich Betrunkner bettle, Klausner zaubern durch's Gebet, Wer von beiden ist's, dem Deine Huld gegeben ist.
[4]  Kommt der Klausner nicht zur Schenke, So sey's ihm verzieh'n, Liebe ist ein Zustand, Dem die Leitung nöthig ist.
[5]  Ich, der lange Zeit durch Auf der Laute närrisch war, Soll mich nun belehren! Was das für ein Fabeln ist!
[6]  Gerne dien' ich ihm, der Von der Dummheit mich geheilt, Meinem Wirth, weil, was er Thut, dem Land zum Besten ist.
[7]  Weil ein Weiser sagte, Die Betrunkenheit Hafisens Bringet Stoff zu klagen, Hatt' ich gestern keinen Schlaf.
480
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.52-32.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.52
German Translation
[1]  Du die, indem du mich ermord'st, Nichts weißt von Nachsicht, Du zehrst mein Lebenskapital Ganz ohne Schaam auf.
[2]  Es wohnet in den Leidenden Ein Gift, das tödtet, Drum nahe du dich ihnen nicht, Es ist gefährlich.
[3]  Du bist im Stand, mit einem Blick Mich auszuheilen, Es ist nicht billig, daß du mir Gar nichts verschreibest.
[4]  Du weißt, mein Auge ward durch dich Zum Thränenmeere, Warum gehst du zum Zeitvertreib Nicht an das Ufer?
[5]  Das Unrecht, welches man von dir Im Volk erzählet, Ward von den Neidern ausgesprengt, Du bist nicht schuldig.
[6]  O Frommer, wenn mein Schenke dir Zu schmeicheln anfängt, Verlangest du von Gott nur Wein, Genuß vom Liebenden.
[7]  Hafis bet' an den Hochaltar Der Augenbrauen, Denn betest du wohl irgendwo Mit größrer Innbrunst?
60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.46-4.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.46
German Translation
[1]  Der Both, der angekommen ist Vom fernen Land der Freundinn, Hat Seelenmittel mitgebracht Vom Moschushain der Freundinn.
[2]  Er hat ein Zeichen mitgebracht Von ihrer hohen Schönheit, Geschichten hat er uns erzählt Vom hohen Rang der Freundinn.
[3]  Mein Herz gab ich als Bothengeld Und schäme mich fast dessen, Solch eine schlechte Münze ziemt Nicht für die Hand der Freundinn.
[4]  Ich preise Gott, daß durch die Kraft Des mir gefallnen Looses Nach meinem Wunsch gegangen ist Das Herzgeschäft der Freundinn.
[5]  Was wollet ihr mir aus dem Lauf Des Monds, der Sonn' verrathen? Sie laufen, und sie drehen sich, Nach dem Befehl der Freundinn.
[6]  Wenn beide Welten in dem Sturm Des Untergangs zerstöben, So blieb mein Blick noch unverwandt Gesenkt zum Pfad der Freundinn.
[7]  O Morgenwind bring bring mir Kohol Bring mir Kohol der Perlen, Bring mirs vom hochbeglückten Staub, Vom Staub der Thür der Freundinn.
[8]  Ich harre an der Freundinn Thür Mit Bitten und mit Flehen. Ha! Wer? wer ruhet an der Brust Und in dem Arm der Freundinn?
[9]  Es mögen über dich Hafis Die Feinde Vieles sagen, Ich danke Gott, daß nimmer ich Mich schämen darf der Freundinn.
300
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:25.2-25.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:25.2
German Translation
[1]  Tausende Feinde mögen mir den Untergang drohen,Bist nur du mein Freund, fürcht' ich der Feinde nicht.
[2]  Mich erhält beim Leben, Hoffnung deines Genußes,Hunderfachen Tod fürcht' ich von deiner Flucht.
[3]  Bringt der Wind von Hauch zu Hauche deinen Geruch nicht,So zerspring' ich wie Rosen von Zeit zu Zeit.
[4]  Läßt dein Bild wohl Schlaf in meine Augen? Beyleibe!Bin ich fern von dir ruhig? Bewahre Gott!
[5]  Besser ist ein Schlag von dir als Pflaster von Andern,Und ich zieh' dein Gift Anderer Theriak vor.
[6]  Mord mit deinem Schwerdte ist mir ewiges Leben,Meine Seel' ist gut dir sie zu opfern,
[7]  Lenk' nicht ab den Zügel, schlage mich mit dem Schwerdte,Denn ich zieh' die Hand nimmer vom Bügel ab.
[8]  Wo sah' je das Auge eine Schönheit, wie du bist,Jeder schaut nach Maß seines Vermögens dich.
[9]  Damals wird Hafis von allem Volke geehret,Wenn er sein Gesicht wälzet in deinem Staub.
418
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.3-31.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.3
German Translation
[1]  Und regnet es Schwerter im Gau des Monds, So halte ich immer den Nacken hin.
[2]  Wir wissen nicht minder, was Sitte ist, Doch was ist mit bösem Gestirn zu thun!
[3]  Die Alten und Pred'ger versteh'n wir nicht, Den Becher und kurze Geschichten wohl.
[4]  Verliebt und betrunken nun Reue thun, Der Himmel bewahre, bewahre mich!
[5]  Von deinem Gesichte her schien kein Glanz, Ach Spiegelgesicht du bist zart und hell!
[6]  Das Dulden ist bitter, das Leben kurz, O fänd ich ein Mittel, zu ihr zu geh'n!
[7]  Was weinst du, Hafis, wenn du Liebe suchst? Muß es dir gefallen zu trinken Blut.
107
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.8-10.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.8
German Translation
[1]  Deine Schönheit stets vermehret sey! Deine Wange zu tulpenfärbig sey!
[2]  Deiner Liebe Bild in meinem Kopf Täglich mehr und größer sey!
[3]  Aller Schönen Wuchs zu deinem Dienst Wie ein C gekrümmet sey!
[4]  Jedes Auge, daß du nicht verwirrest, Thränenquell ein Blutmeer sey!
[5]  Zu dem Herzensraub dein schelmisch Auge Zaubereienkundig sey!
[6]  Jedes Herz, worauf dein Gram gewirkt, Ohne Rast und Ruhe sey!
[8]  Jedes Herz, das Trennungsschmerz nicht kennt, Vom Genußring ferne sey!
[9]  Meine Seele, nämlich dein Rubin, Fern von niedren Lippen sey!