464
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.36-32.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.36
German Translation
[1]  Deine Schönheit, meine Liebe, Beide sind vollkommen; Sey getröstet, meine Seele, Diese Schönheit stirbt nicht.
[2]  Ich begreife keinesweges, Daß noch größre Schönheit, Der Verstand in meinem Bilde, Mir entwerfen könnte.
[3]  Dann erst würde ich erlernen Den Genuß des Lebens, Wann nach meinem Wunsch mir einstens Dein Genuß zu Theil wird.
[4]  Bleibe ich bei dir, so scheinen Mir die Jahre Tage. Bin ich fern von dir, so scheinen Mir Minuten Jahre.
[5]  O Geliebte, sag', wie kann ich Seh'n dein Bild im Schlafe, Da ich von dem Schlafe selber Nur das Traumbild sehe.
[6]  Habe doch mit mir Erbarmen, Denn ob deinen Wangen Ist mein Leib so dumm geworden, Wie der Mond im Neuschein.
[7]  Wünsch'st du den Genuß des Freunds, O Hafis! so klag' nicht, Denn du hast noch mehr zu leiden, Als nur diese Trennung.
356
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.48-28.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.48
German Translation
[1]  Wenn es von mir abhängt beim Herzensfreund zu sitzen, Trink' ich vom Glas des Glücks, pflück' Rosen des Genußes.
[2]  Es reißt der bittre Wein den Bau der Ruhe um, Leg' Schenke deinen Mund auf meinen, raub' die Seele.
[3]  Ich werde rasend noch, indem bei Nacht und Tage Ich mit dem Monde sprech', im Traum Perien sehe.
[4]  Dein Aug' und Mund giebt Wein und Zucker Trunknen, Nur ich bin ganz beraubt von einem und von Anderen. Ich geh' vom Krankenbett geradewegs in Himmel, Wenn in dem letzten Zug du mir die Kerze haltest.
[5]  Der windentführte Staub ist schwer von deiner Anmuth, Gedenke auch an mich, ich bin ein alter Diener.
[6]  Nicht jeder Dichter singt begeisterte Gesänge, Mein schlauer Falke fängt des Liedes Rebhuhn sicher.
[7]  Glaubst du mir nicht, so geh' und frage Sina's Bilder, Ob Mani nicht den Strich von meinem Kiel sich wünsche. Es singt die Nachtigall: Auf Schenke! Guten Morgen. Noch braußt in meinem Kopf der Lautenton von gestern.
[8]  Nicht jedermann ist wahr, nicht Jedermann ist sicher, Ich bin der Sklav Dschelaleddin's des Großwesires.
[9]  Frag' nicht Hafisen, sondern mich um Rausch und Liebe; Denn Flasch und Gläser sind mir Mond, sind mir Plejaden.
233
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.134-10.134
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.134
German Translation
[1]  Ich zieh' die Hand nicht ab vom Wunsche, Als er nicht in Erfüllung kommt, Bis zu dem Freund der Leib, wenn nicht Die Seele aus dem Leibe kommt, Es finden nicht die Treulosen Zu allen Zeiten einen Freund, Ich aber bin ihr Staub, bis einstens Die Seele aus dem Leibe kommt.
[2]  Bin ich dereinst gestorben, schließe Das Thor des Grabmals auf, und schau', Wie aus der Glut des innern Feuer Der Rauch vom Leichenschleier kommt. O stehe auf, daß auf den Fluren, Um deinen Gang und Wuchs zu lernen, Cypreßen selber Früchte tragen, Und Duft aus wilden Bäumen kommt. Der Hoffnung, daß Er auf den Fluren, Wie deine Wangen, Rosen finde, Bemühet sich der Ost, daß er Im Kreis durch alle Fluren kommt.
[3]  Zeig' dein Gesicht, damit die Völker Erstaunet und verwirret werden, Mach' auf den Mund, daß von den Männern Und Weibern Weheklagen kommt. Es stecken mehr als fünfzig Angeln In jeder Locke deiner Haare, Wie ist es möglich, daß den Peinen, Ein Herz dem meinen gleich entkommt.
[5]  Aus Sehnsucht nach dem schönen Munde, Wird meine Seele eingeengt, Wo ist die Zeit, wo nicht Enghänd'ger Verlangen aus dem Munde kommt?
[6]  Die Liebesspieler sagen nur Des Guten viel, und viel des Schönen, In jedem Kreis Hafisens Name In das Gespräch der Freunde kommt.
384
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.3-29.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.3
German Translation
[1]  Ich brenne von der Trennung, Wend' mein Gesicht von Leiden ab, Ein Unglück ist die Trennung, O wende, Herr! von mir das Unglück ab.
[2]  Sieh, wie der Mond erglänzet Auf grünem Gaul des Himmels-Plans, Damit er flieh' nach Westen. Wend' dich von seinem Glücke ab.
[3]  O staube aus die Locken; Trag' Hyacinthen selbst zum Trotz Des Wohlgeruches Rauchfaß Dem Ost gleich Fluren auf und ab.
[4]  Damit Vernunft und Glauben Von Liebenden geplündert sey, Erscheine du betrunken, Und wirf so Kleid als Haube ab.
[5]  O Augenlicht der Trunknen, Ich harre deiner voll von Begier, O schlag' die Laute, oder Gieb uns den Becher auf und ab.
[6]  Es schrieb der Lauf der Zeiten Auf deinen Wangen schöne Schrift, O Herr! von meinem Freunde, Wend' böse Schriften von ihm ab.
[7]  Hafis, du darfst von Schönen Erwarten nicht ein anders Loos, Wenn dies dir nicht behaget, So wend' den Spruch des Schicksals ab.
491
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.63-32.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.63
German Translation
[1]  Der Augenbrauen.
[2]  Ich hoffe, daß der Freiheitsbrief Des Liebespiels, Versiegelt wird mit dem Tugra,
[3]  Mein Kopf entfloh, mein Auge brennt Voll von Erwartung, In einen trauten Freundenkreis Geführt zu werden.
[4]  Betrübet ist mein Herz, ich will, Mein Kleid verbrennen, O kommet, kommet zu mir her Und schauet, schauet!
[5]  Macht, wenn ich sterbe, meinen Sarg Aus Cedernholze, Ich bin gestorben an dem Brand Von einer Ceder.
[6]  Ich habe meines Herzens Zaum Jemand gegeben, Der vor den Kronen, vor dem Thron, Nicht Scheu und Furcht hat.
[7]  Hier, wo die Schönen insgesammt Mit Schwertern morden, Sey nicht verwundert, wenn ein Kopf Hinfällt zum Fuße.
[8]  Ich, dessen Haus erleuchtet ist Vom Glanz des Mondes, Wie könnte ich denn tragen Scheu Vor Sternenschimmer?
[9]  Was ist die Trennung, was Genuß? Begehr' Erlaubniß, Denn jeder Wunsch, den du sonst thust, Geht in die Lüfte.
[10]  Die Fische streuen Perlen aus Aus Lust und Sehnsucht, Sobald das Schiff Hafisens sich Dem Meere nahet.
144
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.45-10.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.45
German Translation
[1]  Einen Blick ins Glas Dschemschid's, Bist im Stand zu machen, Wenn den Staub der Schenk' zur Schmink', Bist im Stand zu machen.
[2]  Bleibe niemals ohne Wein, Niemals ohne Sänger, Allen Gram der Welt bist du, Fern im Stand zu machen.
[3]  Deines Wuchses Rose wird, Dann den Schleier lüften, Wenn du gleich dem Ost den Dienst Bist im Stand zu machen.
[5]  Setze vor den Fuß zur Reis', Auf dem Weg der Liebe, Viel Gewinnes auf der Reis' Bist im Stand zu machen.
[6]  Das Gebäude deines Ichs Willst du nie verlassen, Bist zur Wahrheit einen Schritt, Nie im Stand zu machen.
[7]  Keinen Schleier hat der Freund, Laß den Wegstaub niedersinken, Daß du einen Blick auf ihn Seyst im Stand zu machen.
[8]  Komm! Denn alle Ruhe, Lust, Ordnung in Geschäften, Bist durch einen Mann von Kopf, Du im Stand zu machen.
[9]  Foderst du des Glases Rand, Und der Freundinn Lippen, Fodre nicht, daß du noch was Seyst im Stand zu machen.
[10]  Bist du o mein Herz bekannt, Mit dem Licht der Reinheit? Dann bist auf den Kopf Verzicht Du im Stand zu machen.
[11]  Hörst du diesen Rath Hafis, Wiß', daß du zum Wege Der Enthaltsamkeit den Schritt Bist im Stand zu machen.
88
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.74-4.74
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.74
German Translation
[1]  Ein Wörtlein hörte ich, das Jakob einst gesagt, Der Schmerz der Trennung von dem Freund wird nicht gesagt,
[2]  Was uns der Prediger vom jüngsten Tag erzählt, Hat er als Gleichniß nur vom Tag der Flucht gesagt.
[3]  Wer giebt mir Kunde von dem fortgereis'ten Freund, Der Ost hat alles so verwirret angesagt.
[4]  O weh! Der Freunde Feind, der liebelose Mond Hat ohne Müh' den Freunden Lebewohl gesagt.
[5]  Ich will getrost, selbst Nebenbuhlern dankbar seyn, Mein Herz, gewohnt an Schmerz, hat Arzney'n entsagt.
[6]  Vertreibt den alten Gram mit Wein, mit altem Wein, Dies macht das Herz vergnügt, so hat der schlaue Greis gesagt.
[7]  Vertrau nicht auf den Wind, selbst wenn er günstig bläst. Dies Sprichwort hat zu Salomon der Ost gesagt.
[8]  Giebt dir das Schicksal Frist, verlasse nicht den Weg, Wer sagt daß eine Metze dem Betrug entsagt?
135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.36-10.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.36
German Translation
[1]  Wie der Ostwind will ich einen Besuch Dem Haus des Freundes machen. Meinen Geist will ich durch seinen Geruch Durchschwärzt mit Moschus machen.
[2]  Ohne Wein und ohne Liebesgenuß Verfloß bisher mein Leben, Aber meinem Kaltsinn will ich von heut Gewiß ein Ende machen.
[3]  Meines Angesichts verlornen Glanz, Meine Wissenschaft und Glauben, Will ich alle zu dem Staube der Thür Von meinem Liebling machen.
[4]  Wie der Glanz der Morgenkerze ist mir Der Vorsatz klar geworden: All mein Leben will ich nur zum Geschäft Von seiner Liebe machen.
[6]  Ha wo ist der Ostwind? wo ist er denn? Ich will mein Herz, das blutet, Einem einz'gen Würzehauch des Haars Zum Brandesopfer machen.
[7]  Heuchelei Hafis verleihet dir nicht Die heitre Ruh' des Herzens, Beßer ist's zu meiner Straße den Pfad Von Lieb' und Wein zu machen.
19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.5-4.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.5
German Translation
[1]  O Morgenwind, der Freundin Ruheplatz wo ist er? Der Wohnort dieses seltnen Monds, Der die Verliebten mordet, Wo ist er?
[2]  Die Nacht ist finster, vor uns liegt das Thal der Ruhe, Wo ist das Feuer Sinais? Wo ist der verheißne Anblick? Wo ist er?
[3]  Wer auf die Welt kömmt, trägt in sich Zerstörung, Verstöret schauet er umher, Und fragt, wo ist der Weise? Wo ist er?
[4]  Wer Liebe kundig ist, darf gute Kunde bringen, Denn der Geheimnisse sind viel, Wem wurden sie vertraut? Wo ist er?
[5]  Mit jeder Spitze deines Haars hab' ich viel tausend Geschäfte abzuthun, ha! wo Bin ich? wo ist der Lästrer? Wo ist er?
[7]  O bind mit deinem Haare den Verstand, er raset. In einem Winkel sitzt mein Herz, Wo ist der Brauen Bogen? Wo ist er?
[8]  Bereitet sind der Wein, die Sänger und die Rosen, Doch ohne den Geliebten wird Kein Freudenfest bereitet. Wo ist er? Ich bin der Zelle und des Scheichs längst überdrüßig, Wo ist der Christenknab' mein Freund? Wo ist der Ort des Weines? Wo ist er?
[9]  Des Herbstwinds zürne nicht, vernünftig sollst du denken, Hafis, wo ist der Rosenstrauch Der keine Dornen hat? Wo ist er?
447
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.19-32.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.19
German Translation
[1]  Es ziemt sich nicht, daß wider mich Du einen Groll hast, Du der den langen Freundschaftsbund Mit mir gemacht hast.
[2]  O hör' genau auf diesen Rath, Denn diese Perle Ist besser als der Edelstein, Den du im Schatz hast.
[3]  Wie kannst du wohl dem Trunkenen Die Wangen zeigen, Du der von Sonne und von Mond Das Spiegelglas hast?
[5]  O Frommer, fürchtest du dich nicht Vor meinem Feuer? Vergaßest du, daß du ein Kleid Von Wollenstoff hast?
[6]  Um Gotteswillen komm' zu Hülf' Dem Fleh'n der Trunknen, Wenn du vom gestrigen Gelag' Noch Wein im Kopf hast.
[7]  Das schönste Lied, das ich je sah, Gehört Hafisen, Ich schwör' es beim Koran, den du In deiner Brust hast.
418
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.3-31.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.3
German Translation
[1]  Und regnet es Schwerter im Gau des Monds, So halte ich immer den Nacken hin.
[2]  Wir wissen nicht minder, was Sitte ist, Doch was ist mit bösem Gestirn zu thun!
[3]  Die Alten und Pred'ger versteh'n wir nicht, Den Becher und kurze Geschichten wohl.
[4]  Verliebt und betrunken nun Reue thun, Der Himmel bewahre, bewahre mich!
[5]  Von deinem Gesichte her schien kein Glanz, Ach Spiegelgesicht du bist zart und hell!
[6]  Das Dulden ist bitter, das Leben kurz, O fänd ich ein Mittel, zu ihr zu geh'n!
[7]  Was weinst du, Hafis, wenn du Liebe suchst? Muß es dir gefallen zu trinken Blut.
320
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.12-28.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.12
German Translation
[1]  Gestern Abends schnitt durch ThränenIch den Weg des Schlafes ab,Zeichnete in der ErinnrungAuf die Thränen hin dein Bild.
[2]  Vor mir schwebten deine Brauen,Und die Kutte war verbrannt,Auf des Hochalters GesundheitTrank ich dann den Becher aus.
[3]  Jeden Vogel der Gedanken,Der sich wiegte auf dem Ast,Schoß ich mit den LockenpfeilenDeines schwarzen Haars herab.
[4]  Dein Gesicht fieng mit LiebkosungMeinem sich zu nahen an,Und ich warf von fern dem MondlichtDeiner Wangen Küsse zu.
[5]  Auf dem Schenken lag mein Auge,Auf der Laute lag mein Ohr,Und so fiel dem Aug', dem OhreDiesesmal ein gutes Loos.
[6]  Bis der Morgen graute, schwebte,Deines Bildes Truggestalt,Vor dem leeren LustgebäudeMeines schlafenlosen Aug's.
[7]  Als das Lied entfloß den Saiten,Griff der Schenke um das Glas,Von der Leyer floßen Lieder,Aus dem Glase floß der Wein.
[8]  Fröhlich floßen hin die Stunden,Und zufrieden war Hafis,Sieh! da warf ich auf das Leben,Und der Freunde Glück das Loss.
87
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.73-4.73
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.73
German Translation
[1]  Deine Schönheit hat die Welt Ungefähr ergriffen; Wahrlich nur durchs Ungefähr Werden Welten ergriffen.
[2]  Seht die Kerze möchte gern Vom Geheimniß plaudern, Ihre Zunge, Dank sey Gott! Haben Flammen ergriffen.
[3]  Von der tief verborgenen Gluth, Die im Busen flammet, Ist die Sonne nur ein Funke, Den der Himmel ergriffen.
[4]  Von der Farbe meines Freundes Wollten Rosen schwätzen, Eifersüchtig hat der Ost Seinen Odem ergriffen.
[5]  Ruhig saß ich an dem Rand Wie des Zirkels Umkreis, Sieh da hat als Mittelpunkt Mich der Wirbel ergriffen.
[6]  Dazumal ward ich verbrannt Aus Begier des Weines, Als des Schenken Wangenschein Mich wie Feuer ergriffen.
[7]  Gieng ich in das Haus des Wirths Meine Aernte worfeln, Wär ich von den Uebeln frey Die zuletzt mich ergriffen.
[9]  Seht mit Anemonenblut Steht auf Rosenblättern: Wer vernünftig ist, er hat Rothen Nektar ergriffen. Reich' mir Wein im goldnen Glas Morgenwein der Trinker, Hat mit goldnem Schwerdt die Welt Wie ein Kaiser ergriffen.
[10]  Da aus deinem Lied Hafis Anmuthwasser träufelt Sag' mir welcher Punkt darinn Wird vom Neider ergriffen?
26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.12-4.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.12
German Translation
[1]  Mit zerwühlten Locken, Mit lächelndem Munde und trunken; Mit zerrißnem Hemde, Das Glas in den Händen, und singend,
[2]  Mit aufrührerischen Narzißen und zauberhaften Lippen Kam zu meinem Bette Um Mitternacht meine Geliebte.
[3]  Hielt ihr liebes Köpfchen Geschmeidig zum Ohre mir hin, und Sprach mit leiser Stimme: Mein alter Verehrer schläft noch?
[4]  Wann der Weise, welchem Ein ähnlicher Schlaftrunk gereicht wird, Nicht den Wein anbetet, So ist er ungläubig der Liebe.
[5]  Geh' o frommer Klausner Und spotte der Trinker mit nichten, Denn am Tag des Looses Ward ihnen nichts Anders beschieden.
[6]  Was uns eingeschenkt ward Haben wir redlich getrunken, Wars nun Nektar oder Ein dampfender Wein für Berauschte.
[7]  An dem Weinglas und an Gekräuselten Locken der Schönen, Wie viel Reue zerscholl, gleich Der Reue Hafisens an selben!
161
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.62-10.62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.62
German Translation
[1]  Kann ein trübes Gemüth sich freun an fröhlichen Liedern, Laßt uns sagen ein Wort, sey es nun, was es auch sey.
[2]  Fänd' ich nur einen Ring, verfertigt aus deinen Rubinen, Wäre mir hundertmal unterthan Salomons Reich.
[3]  Du betrübe dich nicht, mein Herz, wenn die Neider dein spotten, Denn es liegt vielleicht manches des Guten darinn.
[4]  Wer den Sinn nicht versteht von meinem beseelenden Pinsel, Macht kein gutes Gemäld', wär' er ein Maler aus Sin.
[5]  Herzensblut und Wein, ein jedes ward Einem gegeben, Solchergestalt wird im Kreis unseres Schicksals getheilt.
[6]  Sehr ist verschieden das Loos des Rosenwassers der Rose, Jenes sitzet zu Markt, diese im Winkel versteckt.
[7]  Ha! es wird nicht geschehn, daß Hafis vom Rausch sich ernüchtre, Denn von ewig her ward dieser zum Loos ihm bestimmt.
454
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.26-32.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.26
German Translation
[1]  Vom Gau des Freundes kömmt der Hauch des neuen Festes, Fach' an, wenn's dir gefällt, damit des Herzens Lampe.
[2]  Hast du wie Rosen Gold, bei Gott! verwend's auf Liebe. Das Gold hat in Ruin Karunen nicht gestürzet.
[4]  Geh' auf die Flur, und lern' von Nachtigallen Liebe, Komm' in den Freundenkreis, und lern' Hafisens Lieder.
[6]  Erreichet wird dein Wunsch, wenn du dich selbst verläugnest, Dir wird der Freiheitshut, wenn Allem du entsagest.
[7]  Ich spreche ja verhüllt, o komm' heraus wie Rosen. Es währet ja das Fest nur fünf der flücht'gen Tage.
[8]  Ich weiß nicht, was am Strom die Turteltaube girret, Vielleicht ist sie wie ich bei Tag und Nacht in Schmerzen.
[9]  Ich habe reinen Wein, auf den der Fromme schmählet, O Gott! den Weisen soll nichts Widriges begegnen!
[10]  Es floh' dein süßer Freund, nun bleib' allein, o Kerze! So ist das Loos, nun sey geduldig, oder brenne.
[11]  Bewundern und zugleich entbehren ist verboten, Komm' Schenk'! der Dumme wird um so viel mehr jetzt heucheln. Trink' Wein, berausche Dich, o Herz! laß Gleißnereien, Es wunderte mich sehr, wenn du was Bessers wüßtest.
238
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.139-10.139
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.139
German Translation
[1]  Die Zeit des Festes hat Sich mit dem Neumond geschmücket, Nun ziemt es sich, den Mond In ihren Brauen zu sehen.
[2]  In Bogenform gekrümmt, Dem neuen Monde vergleichbar, Weil sich der Freund die Brau'n Mit meiner Schminke geschminkt hat. Verdeck' nicht dein Gesicht, Entferne dich nicht von Freunden, Denn deines Bartes Flaum Zeigt uns die Verse des Korans.
[3]  Es kam vielleicht der Ost Mit deinem Duft in den Garten, Da ward der Rosen Kleid Wie Morgenröthe zerrißen.
[4]  Es gab noch keinen Wein, Noch keine Rosen auf Erden, Da ward mein Lehm mit Wein Und Rosenwasser geknetet.
[5]  Komm, daß ich dir den Gram Von meinem Herzen erzähle, Denn sonst vermag ich nichts Zu hören und zu erzählen.
[6]  Und wäre auch mein Geist Der Preis von deinem Genuße, So kauf' ich ihn; es kauft Ein guter Käufer auf's Anschau'n. O mach' nicht, daß mein Aug' Der Thränen viele vergieße. Es lief dir lange nach, Vermischte sich mit dem Staube.
[7]  Als in der Nacht des Haar's Ich deine Wangen erblickte, Da wurde meine Nacht Erhellet ähnlich dem Tage.
[8]  Auf meinen Lippen liegt Mein Geist, mein Wunsch ist vereitelt, Die Hoffnung ist schon aus, Doch nichts hab' ich noch erlanget.
[9]  Aus Sehnsucht hat Hafis So manche Zeilen geschrieben, O lies sein Herzgedicht, Häng an die Ohren die Perlen.
133
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.34-10.34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.34
German Translation
[1]  Der Frömmling hat gespannt sein Netz, Und seinen Becher aufgemacht, Er hat mit dem Gebäu des Trugs Dem Himmel Gaukelei gemacht,
[2]  Der Himmel aber schlägt sofort Ihm Eier auf dem Kopf entzwei, Weil er aus seiner Gaukelei Uns hat Geheimniße gemacht.
[3]  Komm Schenke, komm, und gieb mir Wein, Das schöne Kind des frommen Manns Hat sich in seinem Glanz gezeigt, Und mir Liebkosungen gemacht.
[4]  Was für ein Spieler ist denn dies, Der aus dem Ton Irak sein Lied Begonnen hat, und dann zum Ton Hedschas den Uebergang gemacht.
[5]  O komm mein Herz, wir flüchten uns Zum Zufluchtsort, zu unsrem Gott, Vor jenem, der die Aermel kurz, Die Hände aber lang gemacht.
[6]  Verleg dich nicht auf Künstelei, Denn Jedem, der in seinem Thun Nicht frey und offen handelt, wird Die Thür der Liebe zugemacht.
[7]  Am Tage des Gerichts, an dem Die Wahrheit aufgedecket liegt. Wird Jeder, der verborgene Bedeutung glaubt, beschämt gemacht.
[8]  Wohin so lieblich schwankest du? Du schönes Reh: wohin? bleib' stehn! Verlaß dich nicht auf das Gebet, Das der Scheinheilige gemacht.
[9]  O schmäh' die Trunknen nicht, Hafis! du bist von Ewigkeit Durch Gott zu einem Menschen, der Die Gleißnerei entbehrt, gemacht.
417
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.2-31.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.2
German Translation
[1]  Der Herzrubin erfreut mich stets, Mir geht's nach Wunsch, Gott sey's gedankt!
[2]  O Loos, zieh' ihn an deine Brust, Zieh' bald das Glas, bald den Rubin.
[3]  Im Rausche ward ich zum Gespräch Den Alten und Unwissenden.
[4]  Mich reuet, was der Fromme sprach, Und vor dem Mönche bewahr' mich Gott!
[5]  O Herz! fühlst du den Trennungsschmerz, Die hundert Thränen, hundert Ach!
[6]  Den Ketzer treff' nicht solcher Gram, Wie du dem Maale angethan. Den Liebenden gedeiht Geduld, Darum begehr' Geduld von Gott. Mein Gurt ist das befleckte Kleid, O Frommer laß das Gaukelspiel. In seinem Anschaun freut' ich mich, Gott wehre mir nicht den Genuß. Ich wende mich vom Dienst nicht ab, Im Staube bleibt mein Kopf versenkt.
[7]  Hafis vergaß durch dein Gesicht Das Nachtgebet, die Morgenzeit.
83
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.69-4.69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.69
German Translation
[1]  Ward bei deinen Moschushaaren Fehler begangen, - Ist er vergangen. Wenn bey deinen schwarzen Locken Unrecht vor sich gieng, - Ist es vergangen.
[2]  Wenn der Blitzstrahl deiner Liebe Speicher verbrannte, - Ist er verbrennet. Wenn der Kaiser wie der Bettler Frevel begangen, - hat er's begangen.
[3]  Auf dem Pfade der Verliebten Ziemt es sich niemals, Andre zu reizen, Alle Leiden, die du schauest, Sind schon vorüber, - sind schon vergangen.
[4]  Tragen müßen wir der Liebe Bürden, o Herz! du bleibe beständig! Wenn ein Unrecht oder eine Unbild vor sich gieng, - Ist sie vergangen.
[5]  Wenn das Herz von deinen Wimpern Lasten getragen, - Hat es getragen Zwischen mir und der Geliebten, Wenn etwas vorgieng, - Ist's vorgegangen.
[6]  Freilich wißen Wörterklauber Vieles zu schmälen über die Freunde, Aber wenn im Kreis der Trauten Unrecht auch vorgieng, - Ist es begangen.
[7]  Sag' nichts Böses von Hafisen, Prediger! er verließ die Gemeinde. Kannst du einen Freien feßeln? Wenn er hinweggieng, - Ist er gegangen.