371
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.63-28.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.63
German Translation
[1]  Wir haben die Lehren der Zauberei In Schenken niedergeleget, Wir haben den guten Erfolg des Flehn's Vor's Liebchen niedergeleget.
[2]  Wohl hundert vernünftige Köpfe setzt Das Maal des Liebchens in Flammen. Ich habe in's närrische Herz das Maal Mit Liebe niedergeleget.
[3]  Es hat mir der ewige Herr den Schatz Des Grams der Liebe gegeben, Seitdem ich auf diesem zerstörten Platz Die Stirne niedergeleget.
[4]  Ich öffne der Liebe der Schönen nun In meinem Herzen den Weg nicht, Ich habe das Siegel von ihrem Mund Auf meine Thüre geleget.
[5]  Unmöglich erreicht die Verstellungskunst In Kutten höhere Stufen, Ich habe den Grundbau des Ordenskleids Wie Trunkne niedergeleget. Es reichte der fromme Geselle mir Die Hände hin, sie zu küssen, Ich habe den Kuß auf den Becherrand Des Schenken niedergeleget.
[6]  Wie könnte dies störrige Schiff zuletzt Wohl weiter segeln im Meere? Ich habe mein Herz aus Begierde nach Den Perlen niedergeleget.
[7]  Gedankt sey's dem Herren, ich bin ein Wirth, Beraubt des Herzens und Glaubens, Allein die Verständigen habe ich Jedoch zur Erde geleget.
[8]  Mit Schatten begnüge ich mich von dir, Hierin Hafisen vergleichbar, Ich habe die bettelnde Art vor dir, O Herr! längst niedergeleget.
406
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.2-30.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.2
German Translation
[1]  Sie sprach: du giengst hinaus den neuen Mond zu schauen, Als ob er nicht von meinen Brau'n beschämet würde.
[2]  Sie sprach: dein Herz ist längst in meinem Haar gefangen, Nicht sorglos sey deßhalb, die Freunde zu bewahren.
[3]  Verkauf' nicht den Verstand um's schwarze Haar der Freundin, Ihr gelten tausend Moschusblasen nicht ein Körnlein.
[4]  Es schießt empor der Treue und der Liebe Saamen. Sobald der Duft von dem Genuß der Freundinn wehet.
[5]  O Schenke bring' den Wein, ich will dir Etwas sagen, Vom alten Glücksgestirn, vom Lauf des neuen Mondes.
[6]  Es lehrt der neue Mond am Aufgang jeden Monats Die Krone Siameks und Schews sey längst verschwunden.
[7]  Hafis! beim alten Wirth ist alter Treue Zuflucht, Lies ihn, und hör', was er von Liebe lehret.
491
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.63-32.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.63
German Translation
[1]  Der Augenbrauen.
[2]  Ich hoffe, daß der Freiheitsbrief Des Liebespiels, Versiegelt wird mit dem Tugra,
[3]  Mein Kopf entfloh, mein Auge brennt Voll von Erwartung, In einen trauten Freundenkreis Geführt zu werden.
[4]  Betrübet ist mein Herz, ich will, Mein Kleid verbrennen, O kommet, kommet zu mir her Und schauet, schauet!
[5]  Macht, wenn ich sterbe, meinen Sarg Aus Cedernholze, Ich bin gestorben an dem Brand Von einer Ceder.
[6]  Ich habe meines Herzens Zaum Jemand gegeben, Der vor den Kronen, vor dem Thron, Nicht Scheu und Furcht hat.
[7]  Hier, wo die Schönen insgesammt Mit Schwertern morden, Sey nicht verwundert, wenn ein Kopf Hinfällt zum Fuße.
[8]  Ich, dessen Haus erleuchtet ist Vom Glanz des Mondes, Wie könnte ich denn tragen Scheu Vor Sternenschimmer?
[9]  Was ist die Trennung, was Genuß? Begehr' Erlaubniß, Denn jeder Wunsch, den du sonst thust, Geht in die Lüfte.
[10]  Die Fische streuen Perlen aus Aus Lust und Sehnsucht, Sobald das Schiff Hafisens sich Dem Meere nahet.
448
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.20-32.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.20
German Translation
[1]  Der du in allen wüsten Häusern Dein Plätzchen hast, Du herrschest, wenn du in den Händen Ein Gläschen hast.
[2]  Du der mit Locken und mit Wangen Die Zeit zubringst, O welchen Abend, welchen Morgen Du Froher hast! Du, der zu dem Genuß im Stillen Zurück dich ziehst, Halt' theuer jegliche Minute, Die du noch hast!
[3]  Ostwind, es harren auf dem Wege Verbrannte dein, Weil du von dem gereisten Freunde Die Kunde hast.
[4]  Dein grünes Maal ist ohne Zweifel Ein Liebeskorn, Doch weh der Netze, die am Rande Gestellt du hast.
[5]  Ich rieche an dem Rand des Busens Der Seele Duft, O rieche diesen Duft, wenn anders Geruch du hast.
[6]  Wiewohl du zu der Zeit der Treue Verstand nicht hast, Dank' ich doch Gott, daß du im Zürnen Verstand noch hast.
[7]  Was ist's, wenn dich um deinen Namen Ein Fremder frägt, Du bist es, der allein den Nahmen Im Volke hast.
[8]  Es soll die Seele dir bewahren Manch Zauberwort, Dir, der zu deinem wahren Diener Hafisen hast.
409
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.5-30.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.5
German Translation
[1]  Das Blutgeld für den Moschus aus Sina Ist deiner Füße Staub. Die Sonne selbst sie wurde genähret Im Schatten deines Orts.
[2]  O sieh! wie die Narzissen es treiben Mit ihren Schmeichelei'n; O zeig dich, und sie opfern die Seele Dem Nicken deines Augs.
[3]  O trinke kühn mein Blut, denn es waget Zu deiner Schönheit sich Kein Engel in die Nähe, daß selber Aufmerke deine Schuld.
[4]  Du bist die Ursach', daß hier auf Erden Die Menschen ruhig sind. Deßwegen ist mein Herz, und mein Auge Zum Wohnort dir geweiht.
[5]  Ich habe jede Nacht mit den Sternen Mein eigenes Geschäft, Aus Sehnsucht nach dem strahlenden Glanze Von deinem Mondgesicht.
[6]  Die Freunde, die vereiniget waren, Sind alle nun getrennt, Ich aber blieb als Schwelle der Zuflucht Vor deinem Glück zurück.
[7]  Hafis! verzweifle nicht an der Gnade Von deinem Gott und Herrn, Es wird des Grames Scheune verbrennen Bei deinem Seufzerrauch.
264
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.7-13.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.7
German Translation
[1]  Steh' auf! gieße mir fröhliches Naß in den goldenen BecherEhe dein Schädel zum Staube den Staub gießt.
[2]  Unsere Wohnung zuletzt ist die schweigende Wohnung der Gräber,Jetzt erhebe den Jubel zum Himmel,
[3]  Augen mit trübem Blick sind ferne vom Antlitz des FreundesSchau' ihn an mit der Reinheit des Spiegels.
[4]  Ich beschwöre dich Wuchs der Cypreße beim grünenden WipfelBin ich Staub beschatte mein Grabmal.
[5]  Meinen Lippen vom Pfeil der Schlangenlocken verwundetLeg Teriak aus dem heilenden Mund auf.
[6]  Alle Saaten der Erde vergehen das weißt du seit langenZünde die Welt mit dem Feuer des Weins an.
[7]  Thränen reinigen uns indem die Lehrer uns sagenSey erst rein, dann schaue den Reinen.
[8]  Herr! der selbstische Mönch, Er, welcher Gebrechen nur schauetWerde blind von dem Rauche der Seufzer.
[9]  Wie die Rose Hafis! zerreiß die Kleider vor ihremWohlgeruch, und verstreu' sie vor ihr hin.
492
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.64-32.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.64
German Translation
[1]  Ich sende einen Gruß, der nach Bekanntschaft duftet, Ich sende ihn an deinen lichten Augenapfel,
[2]  Ich sende einen Gruß wie Herzenslicht der Frommen, Ich send' ihn an das Licht der lautesten Versammlung.
[3]  Ich sehe keinen Freund an seinem wahren Platze, Mein Herz ist blutig ob dem Gram, wo bist du, Schenke?
[4]  O wende dein Gesicht nicht ab vom Gau der Schenken, Es werden dort verkauft die Schlüssel für das Schwere.
[5]  Der Lauf der Welt ist schwer, das muß ich zwar gestehen, Doch treibet sie's zu arg mit ihrer Treue Schwanken.
[6]  Mein Herz hat hohen Muth, es ist sehr schwer verwundet, Es bettelt dennoch nicht um Balsam bei den Harten.
[7]  Wo wird der Wein verkauft, der Fromme niederschmettert? Ich bin in Angst und Qual in dieses Heuchlers Händen.
[8]  Die Freunde haben so den Freundschaftsbund gebrochen, Daß man wohl zweifeln kann, ob sie auch Freunde waren.
[9]  O harte Seele! wenn du mir die Freiheit ließest, Durch betteln würde ich zum Kaiserthum gelangen.
[10]  Den Stein der Weisen selbst, das Glück will ich dich lehren, Das Ganze liegt darin zu flieh'n der Bösen Umgang.
484
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.56-32.56
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.56
German Translation
[1]  Sitz' nicht voll Begier dort an den Ufern des Wassers, Widerfährt dir was, wahrlich allein hast du Schuld.
[2]  Ich beschwör' dich bei Gott, der dich vor andern erwählet, Zieh' dem Armen nicht andere Fremdlinge vor. Künftig will ich mich durchbetteln die Straße der Liebe. Es ist Demuth dort Pilgern der einzige Pfad.
[3]  Rett' ich den Glauben, und rett' ich mein Heil, so ist nichts zu fürchten, Ohne Gefühl wär's leicht, ohne den Glauben nicht so.
[4]  Schaam und Sitte hat dich zur Fürstinn der Schönen erkohren, Lob und Preis sey dir, weil du die Herrschaft verdienst.
[5]  O der Milde der Huld! du Rose sitzest mit Dornen, Aber doch ist's gewiß, daß du dort Alles vollbringst.
[6]  Was zu thun, wenn ich den Nebenbuhler nicht dulde, Liebenden bleibt zuletzt nichts als Verachtung zur Wahl.
[8]  Siehst du, wie mit den Flaschen ich spiel' zur Rechten, zur Linken, Schau, in meinem Aug' harret die Seele auf dich.
[9]  Hör' ein trauliches Wort von einem aufrichtigen Freunde, Du, auf dem das Aug' aller Erhabenen ruht.
[10]  Dir, o reines Herz, und reingesitteter Liebling, Wird's viel besser seyn, wenn du die Bösen vermeid'st.
[11]  Dieser Thränenstrom hat das Herz Hafisens zerschwemmet, Aus ist die Geduld, löse die Banden des Aug's.
[12]  Du, o lieblicher Knab! du leuchtende Kerze von Tschigil, Bist Dschelaleddins trauter Versammlungen werth.
397
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.16-29.16
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.16
German Translation
[1]  Herein zur Thür! Erleuchte nächtliches Dunkel, Durchwürz' die Luft Des Kreises geistiger Männer.
[2]  Räth dir der Mönch Nicht Liebesspiele zu spielen, Reich' ihm das Glas, Befeucht' damit sein Gehirne. Mit deiner Huld, Mit deiner lieblichen Tugend Heb' wie die Kerz' Empor das Haupt in Gesellschaft.
[3]  Dem Geist das Herz Empfehl' ich Augen und Brauen, O komm', o komm', Und schaue die Aussicht, den Bogen.
[4]  Der Stern der Nacht Der Trennung sendet nicht Strahlen. Steig' auf das Dach, Zünd' an die Leuchte des Mondes.
[5]  Bring' einen Staub Von uns edenisches Lüftchen Ins Paradies Und würz' die Düfte desselben.
[6]  Die Kutte setzt Mich in nicht kleine Verwirrung. Mach' mich zum Mönch Mit einem schmeichelnden Blicke.
[7]  Es weichen dir An Reiz die Schönen der Fluren, Drum sprich mit Huld, Jasminen, Pinien an.
[8]  Der Schenke spricht Viel überflüssige Dinge, Dich kümmr' es nicht, Du füll' den Becher mit Wein an.
[9]  Der Schönheit Schein, Verhüllt das Licht des Verstandes, O komm'! erleucht' Damit die Fackel der Sonne.
[10]  Uns ziemt es nicht, Nach dem Genusse zu geizen, Du weise uns An zuckersüße Rubinen.
[11]  Du küß das Glas Und giebs den Trunkenen über, Mit diesem Wort Durchwürz' den Duft des Verstandes.
[12]  Nachdem du viel Mit Mondgesichtern geliebelt, Präg' deinem Sinn Hafisens Lieder mit Fleiß ein.
422
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.7-31.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.7
German Translation
[1]  Du der mit dem langen Haar' Wie mit eigenen Ketten gekommen, Dein sey die Gelegenheit, Weil du Narren zu schmeicheln gekommen.
[2]  Eine Stunde zeig' dich mild Und verändre deine Gewohnheit, Weil nur jene, welche fleh'n, Du zu fragen und forschen gekommen.
[3]  Sey's im Frieden, sey's im Krieg, Immer bin ich geweiht dir zum Opfer, Denn in jedem Zustand bist Du mit lieblichem Kosen gekommen.
[4]  Gluth und Wasser sind vermischt In den schwellenden Lippenrubinen, Böse Augen seyen fern! Als ein Gaukler bist du gekommen.
[5]  Lob sey deinem weichen Herz, Um ein löbliches Werk zu verrichten, Betest du für alle Todten, Welche du mit den Wimpern gemordet.
[6]  Sag', was meiner Tugend nützt, Daß du Schätze des Herzens zu plündern, Ganz betrunken und verwirrt In mein stilles Gemach bist gekommen.
[7]  Sieh Hafis! sprach sie zu mir, Deine Kutte mit Mackeln beflecket, Bist du wohl von dieser Zunft Endlich einmahl zurückgekommen.
105
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.6-10.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.6
German Translation
[1]  Der Fromme, trinket er mit Maaß, So soll es ihm gedeihlich seyn. Wenn aber nicht, so soll der Rausch Auch stets vergessen seyn.
[2]  Der Edle, dessen Hand ein Glas Von Hefewein mir reichen will, Soll stets mit seinen Händen nah Dem Arm' des Liebchens seyn.
[3]  Der Alte sprach: des Künstlers Schrift Ist ganz von allen Fehlern frey. Sein Blick voll Nachsicht soll dafür Von mir gepriesen seyn.
[4]  Der Schah der Türken hat das Wort Von den Verläumdern angehört, Es wird um Sejawuschens Blut Ein ew'ger Schade seyn.
[5]  Obwohl aus Hochmuth der Derwisch Zu mir kein Wörtchen sprach, So soll dem Schweigenden jedoch Mein Geist ein Opfer seyn.
[6]  Der Spiegelhalter vor dem Flaum, Und vor dem Maale ist mein Aug', Ich will am Nacken, an der Brust Der Küßerauber seyn.
[7]  Wenn dieser trunkene Narziß, Der aller Männer Herzen hat, Aus Gläsern Blut der Herzen trinkt, Soll's ihm gedeihlich seyn.
[8]  Es ist durch deinen Dienst, Hafis, Berühmt geworden in der Welt, Es soll der Ring von deinem Haar In seinem Ohre seyn.
460
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.32-32.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.32
German Translation
[1]  Seit meine Suleima nach Irack gewandert, Find' ich in ihrer Liebe Schmerz.
[2]  O Führer des Weges zur Wohnung der Freundinn, Wie gern bestieg ich deinen Gaul!
[3]  Beleb' den Verstand, und betrink dich mit Weine Beim Saitenton, nach Iraks Art.
[4]  Es grünet der Frühling auf Eueren Weiden, Beschütze, Herr, Genusseszeit! Vorbei ist schon lange die Zeit des Genusses, Ich schwimme jetzt im Trennungsquell.
[5]  Gieb mir, o Schenke, den schweresten Becher, Gott tränke dich aus vollem Glas!
[6]  Die Töne der Laute, das Händegewühle Erinnern an die Jugend mich.
[7]  O gieb mir den übrigen Wein, daß betrunken Den Freunden ich mein Leben weih'!
[8]  Mein Innres ist blutig von Freunden entfernt, Die Trennungsstunde geh' zu Grund!
[9]  Es folget die Thräne des Aug's mir oft rückwärts, Verschmäht sie nicht, sie ist ein Meer,
[10]  O sey mit den Freunden verträglich und einig, Benütze die Gelegenheit,
[11]  O Lieblicher! Spiele zum persischen Lied' Die Weisen von Iraks Gesang.
[12]  So schön bist du, Tochter der Rebe, so bist du Die Ehescheidung doch oft werth.
[13]  Mit Sonnen ein Bündniß zu schließen, geziemet Dem Herren Jesus nur allein. Das Alter verbietet mir Schöne zu lieben, Verbeut Umarmungen und Kuß.
[14]  Es ist noch mein Schicksal zu freu'n mich der Freunde, Hafis! nach Iraks Weise sing'.
311
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.3-28.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.3
German Translation
[1]  In einen frischen Jüngling bin ich verliebt,Ich habe von Gott mir diesen Gram erbeten;
[2]  Ich bin berauscht, verliebt, und sage es laut,Damit du hieraus erkennest meine Tugend.
[3]  Ich schäme mich des Weins beflecket mit Wein,Ich hab es mit Listen und mit Trug geflicket.
[4]  O Kerze! brenn' gelind vor Schmerzen bei ihm,Ich habe mich selber diesem Amt geeignet.
[5]  Ich staunte, und es floh von mir mein Gewinn,An Schmerzen gewann ich, was am Geist entflohen.
[6]  Daß mich vielleicht der frische Jüngling umarmt,Will ich Hafisen gleich die Schenken besuchen.
388
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.7-29.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.7
German Translation
[1]  Frühling und Rosen erwecken die Lust; magst brechen die Reue! Reißen aus trauriger Brust fröhlich die Wurzeln des Grams.
[2]  Sieh der Morgenwind weht, und alle Knospen der Rosen Haben zerrissen ihr Hemd, billig der Sinnen beraubt.
[3]  Lern', o Herz! die Reinheit der Sitten vom perlenden Wasser, Von der Geradheit stell' Cedern als Muster dir auf.
[4]  Siehe, wie hat der Räuber der Ost die Locken zerstöret, Hyacinthen zerstreut um das Jasminengesicht.
[5]  Ha! die Braut der Knospen, sie raubt mit schmeichelndem Lächeln Auf die schöneste Art uns so den Glauben als Herz.
[6]  Trauergesänge Bülbüls und Philomelens Geweine Kommen der Rose zu Lieb aus dem Gemache des Grams.
[7]  Dir erzählte das Glas Hafis den Umlauf der Dinge nach des Sängers Spruch, und nach des Wirths Fetwa.
221
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.122-10.122
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.122
German Translation
[1]  Berühr' ich mit meinen Händen das Haar, So wird sie in Hitze aufgeh'n. Verlang' ich hingegen Freundschaft von Ihr, So wird gleich das Schmählen angeh'n.
[2]  Dem Neumond vergleichbar leuchtet sie zwar Den Armen, die aufschau'n zu Ihr, Doch wird sie sogleich verziehen die Brau'n In Wolken sich bergen, und geh'n.
[3]  Die Nächte verschwärm' ich, trink' und wach', Und dieses auf ihren Befehl, Und will ich des Tags erzählen von mir, So möcht' sie vor Schlafe vergeh'n.
[4]  Die Straße der Liebe ist voll von Gefahr, Voll Unruh' und Truges mein Herz! Du poltere her, so schnell als du kannst, Denn schnell ist die Straße zu geh'n. Wenn meinem Geliebten etwa beliebt, Ein wenig hochmüthig zu seyn, So wird ihm der Stolz durch Lust nach dem Wein, Ich hoff' es, schon wieder vergeh'n. Du bist nun zum Greis geworden mein Herz, Drum prahl' nicht mit Anmuth und Reiz, Denn solcherlei Prahlen, das lasset man nur Den Jünglingen ungestraft geh'n.
[6]  Ist einmal das Schwarz des dunkelen Haars Verbleichet durch Alter und Zeit, So gehen die weißen Haare nicht ab, So trefflich es möge sonst gehen. Des sträflichen Bruches unseres Bunds Beschuldigst du mich, ha! fürwahr! Ich fürchte, daß einst am Tag des Gerichts, An dich man deßhalben wird geh'n.
[8]  Hafis, du verhüllst der Liebenden Pfad, Auf! trolle dich fort aus dem Weg, Ach! glücklich ein jeder, welcher vermag, Hier ohne den Schleier zu geh'n.
369
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.61-28.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.61
German Translation
[1]  Freundschaft hab' ich von Freunden erwartet, Leider! hab' ich hierin mich geirret.
[2]  Ach wann tragen die Bäume der Freundschaft, Jetzt erst hab' ich den Saamen gepflanzet.
[3]  Leere Rede geziemt nicht Derwischen, Was geschehen, ist einmal geschehen.
[4]  Deine Augen betrogen mit List uns, Doch wir meinten, dies wäre nur Friede,
[5]  Deine Schönheit betrog sich allein nicht, Mit betrogen ward muthiger Sinn auch.
[6]  Vieles spricht man, doch keiner beklagt sich, Denn wir haben die Huld nicht vergessen,
[7]  Mein, so sprach sie, Hafis, du bist mein nun, Keinen Sammelnden hab' ich bestellet.
393
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.12-29.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.12
German Translation
[1]  Ich bin durch Liebeleien Zum Stadtgespräch geworden, Ich bins, der nie sein Auge Mit bösem Seh'n befleckt hat.
[2]  Wir sind getreu und traurig, Und sind dann wieder fröhlich. Dem Nächsten Böses thuen, Erkennen wir als Sünde.
[3]  Ich sagte zu dem Wirthe, Wo ist der Weg des Heiles? Er nahm ein Glas, und sagte: Geheimnisse bewahre!
[4]  Was ist wohl unsre Absicht, Wenn wir die Welt betrachten? Wir sammeln Wangenrosen Durch unsre Augenapfel.
[5]  Ich Weinverehrer habe Mein Bild in Naß gemahlet, Damit die Eigenliebe Um so viel eh' zerfließe.
[6]  Ich baue und vertraue Auf deiner Locken Milde, Wenn diese mich nicht heben, Was nützet mein Bemühen?
[7]  Ich möchte meinen Zügel Von hier zur Schenke lenken, Denn Pred'ger ohne Beispiel Ziemt sich nicht anzuhören.
[8]  Von ihren Flaumen lerne Die schönen Wangen lieben, Denn schön ist es die Wangen Der Schönen zu umkreisen.
[9]  Du küß' der Schönen Lippen, Du küß' das Glas Hafisens, Denn Sünde ist's, die Hände Der Heuchelnden zu küssen.
46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.32-4.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.32
German Translation
[1]  Rosen am Busen! Wein in der Hand, Die Liebste nach Willen! Dann sind Kaiser meine Sklaven
[2]  Weg mit den Lichtern, traget sie weg! In dieser Versammlung Scheinet heut der Liebsten Vollmond.
[3]  Wein ist erlaubt nach unserm Gesetz; Doch ohne dein Antlitz
[4]  Lautengetön erfreut das Ohr Das Auge verweilet Auf den Lippen, auf dem Glase.
[5]  Rosenceder ists verbothen. Rosengeruchs bedürfen wir nicht, Es duften die Seelen Vom Geruche deiner Locken.
[6]  Rede mir nicht vom Zuckergebäck! Der Zucker der Lippen Ist der höchste meiner Wünsche.
[7]  Seit im verstörten Busen der Schatz Des Kummers verwahrt liegt, Liege ich verstört in Schenken.
[8]  Sprich von Schimpf nicht, Schimpf ist mein Ruhm. Was fragst du vom Ruhme? Ruhm ist mir zum Schimpf geworden.
[9]  Rauschig und taumelnd schmachtenden Blicks Durchzieh' ich die Straßen, Zeige sich, der mir nicht gleichet!
[10]  Saget hievon der Obrigkeit nichts Begabet mit Trinklust Ist sie selber anzuschauen.
[11]  Bleibe nicht ohne Liebchen und Wein Hafis bei dem Feste Zu der Zeit der Rosenblüthe.
391
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.10-29.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.10
German Translation
[1]  Was kann wohl schöner als die Trinkgedanken seyn? Ich will nun sehen, was das End' hievon wird seyn,
[2]  Der Gram zerfrißt mein Herz, hinschwindet theure Zeit, Ist einst kein Herz, und keine Zeit, was wird dann seyn?
[3]  Du sag' dem armen Vogel, iß den eignen Gram, Kann bei dem Netzesteller wohl Erbarmung seyn?
[4]  Trink' Wein, nicht Gram, und hör' nicht auf der Künstler Rath, Was für ein Werth kann wohl im Wort des Pöbels seyn?
[5]  Weit besser ist's, du weihest deinem Wunsch den Schmerz. Du weißt, was, wenn den Wunsch du nicht erreichst, wird seyn.
[6]  Es gab der alte Wirth uns gestern Räthsel auf Von Becherschrift. Was wird hievon das Ende seyn?
[7]  Mit Liedern und mit Lauten ward Hafis verführt, Ey was wird wohl der Lohn des bösen Namens seyn!
461
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.33-32.33
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.33
German Translation
[1]  Meiner Sehnsucht Trauerkleid Schrieb ich auf, die Thränen floßen, Komm' denn, ohne dich bin ich Ganz entseelt von Gram und Leiden.
[2]  Sehnsuchtsvoll nach dir entflammt Sprach ich oft zum blut'gen Auge, Stete meiner Selma sag', Sage, wo ist deine Selma!
[3]  Aeußerst wunderlich fürwahr, Und ein nie gehörtes Ding wär's, Wenn der Mörder selbst den Schmerz Des Ermordeten beklagte.
[4]  Darf sich Einer unterstehn, Deinen reinen Saum zu schmähen? Rein bist du wie Tropfen Thau's, Die auf Rosenblättern hangen.
[5]  Von dem Staube deines Gau's, Gab der Herr der Ros' und Tulpe Glanz, als Er am Schöpfungstag' Erd' und Wasser formend mischte.
[6]  Ambra hauchend gieng vorbei Jetzt der Ostwind, auf! o Schenke! Bring' mir einen Becher Weins Lauter und Gerüche duftend.
[7]  Sag' dich von der Trägheit los, Nütz' die Zeit, es geht das Sprüchwort: List und Schlauheit suche du Bei dem Wanderer des Weges.
[8]  Ohne deine Milde bleibt Einst von mir kein Denkmal über, Meinen Thaten kannst nur du Leben in die Zukunft geben. Sieh' der Rose Wangenglanz, Und der Füßestaub der Ceder, Danken solchen Zauberreiz Nicht dem Wasser, nicht dem Staube.
[9]  Wie vermöchte wohl Hafis Deine Schönheit zu beschreiben, Da die göttliche Natur Unsre Hoffnung übersteiget?