333
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.25-28.25
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.25
German Translation
[1]  Wenn ich fremd in der Nacht beim Gebet zu weinen beginne, Bringt der Freundinn Haar Wundergeschichten ans Licht.
[2]  Weinen will ich, des Vaterlands und der Freunde gedenkend, Bis die Welt dereinst Reisen und Wandrer verbannt.
[3]  Ich bin vom Lande des Freunds, und nicht aus der Fremde gebürtig; Sende mich, o Herr! meinen Gefährten zurück.
[4]  Weiser des Wegs, ich beschwör' dich bei Gott, verschaff' mir ein Mittel, Daß ich im Schenkengau noch einmal pflanze die Fahn',
[5]  Wann werd' ich dem Verstand die Rechnung legen vom Alter? Leider! bin ich jetzt wieder in Knaben verliebt.
[6]  Außer dem Ost und außer dem West verstehet mich Niemand. O ich Seliger! der Keinem vertraut als dem Wind.
[7]  Ha! die Luft vom Wohnort des Freunds ist mir Wasser des Lebens, Bring von Schirasens Staub, Ostwind Gerüche mir her!
[8]  Meine Thräne verrieth mich von Angesicht zu Gesichte, Ach! wem klag' ich dieß, denn der Verräther bin ich.
[9]  Morgens hörte ich, wie die Leyer der Sterne getönt hat; Süßre Töne ward ich von Hafisen gelehrt.
477
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.49-32.49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.49
German Translation
[1]  Zwey schelmische Mädchen, zwey Eimer voll Wein, Die Muße, ein Buch, und ein Winkel im Haus,
[2]  Dies gieb um das andere Leben ich nicht, Und stünden auch Schaaren zu dienen bereit.
[3]  Wer ruhige Winkel für Schätze hingiebt, Verkauft den aegyptischen Joseph für Nichts.
[4]  Herein! denn es fehlt nicht herinnen an Raum, Für Fromme wie du, und für Sünder wie ich. Am Tage des Kummers vertraut euch dem Wein, Denn keinem sonst trauet in unserer Zeit. Sitz ruhig im Winkel, betrachte das Ding, Denn keiner gedenket so seltenen Streit; In niedrigen Händen erblick' ich mein Bild, So lohnet der Himmel den redlichen Dienst.
[5]  Die Stürme der Zeiten erlauben es nicht, Zu seh'n ob ein Schöner in Schiras noch sey.
[7]  O Wunder! es blies auf der Flur der Samum, Es blies doch Jasminen- und Rosengeruch.
[8]  O Herz sey geduldig, es rettet dich Gott, Ein Salomons-Ring in den Händen des Diw's.
[9]  Die Welt ist verderbt durch Uebel Hafis, Wo ist der Brahman, und wo ist der Arzt.
327
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.19-28.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.19
German Translation
[1]  Ich schloß ein Bündniß mit dem Liebchen, Daß ich, so lang ich Leben habe, Die Liebenden, die sie besuchen, So werth, wie meine Seele habe.
[2]  Hiemit sey kund: daß meine Freuden Durch diese Tschügilskerze leuchten, Daß ich das Licht des Aug's, des Herzens Von diesem Monde Chotens habe.
[3]  Wenn ich nach meines Herzens Wünschen Mich in der Einsamkeit befinde, Was ist's, was ich von bösen Zungen Der Neider dann zu fürchten habe?
[4]  In meinem Haus steht eine Ceder, In deren hohen kühlen Schatten, Ich weder Cedern noch Cypreßen, Noch Buchs und Ahorn nöthig habe.
[5]  Wenn wider mich im Hinterhalte Sich hundert Heere Schöner lagern, So dank' ich Gott, daß ich ein Liebchen, Das hundert Heere tödtet, habe.
[6]  Es ziemt sich, daß an ihrem Ringe Die Kräfte Salomons ich preise, Ich weiß nicht, was mit diesem Namen Vom Satan ich zu fürchten habe.
[7]  O du verständ'ger guter Alter, O halte mich nicht ab von Schenken, Weil ich im Punkt der Becher-Untreu, Ein kitzliches Gewissen habe. Mir perlet süßer Wein in Bechern, Ein Liebchen habe ich zum malen, Ich weiß wohl, es besitzet Keiner Ein Liebchen, wie ich eines habe.
[8]  Bey Gott dem Herrn! o Nebenbuhler, Schließ diese Nacht durch deine Augen, Weil ich mit ihrem Mundrubin Viel Heimliches zu sprechen habe.
[9]  Wenn ich in ihrem Rosenbeete Herumgeh', so ist Gott mein Zeuge Daß ich nach Tulpen, nach Narzißen, Nach Lilien kein Verlangen habe.
[10]  Es lebte lang Hafis im Stillen, Nun kennet ihn die Welt als Trinker, Was fürchte ich, so lang' ich Schönheit Auf dieser Welt zum Hüter habe.
426
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.11-31.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.11
German Translation
[1]  Ich schrieb mit meinem Herzensblut Ein Briefchen an den Freund, Fürwahr durch deine Flucht ward mir Die Erde zum Gericht.
[2]  In meinem Auge trage ich Viel Zeichen von der Flucht, Doch meine Thränen sind davon Die einz'ge Kunde nicht.
[3]  Was ich auch immer noch versucht, Es nutzte mir doch nichts. Wer das Versuchte neu versucht, Beladet sich mit Reu.
[4]  Ich fragte einen Arzt um Rath Der Freundinn halb, er sprach: In ihrer Nähe harrt die Pein In der Entfernung Heil. Es hob der Ost von meinem Staub Den Schleier jählings auf, Es war als gieng die Sonne auf Aus Wolken in der Früh. Geh' ich herum um deinen Gau, So schmählet man mich aus. Bei Gott noch seh' ich Liebe, nicht Von andern ungeschmählt.
[6]  Hafis kam sehnsuchtsvoll zu dir, O reiche ihm ein Glas, Daß er von deiner milden Huld Noch koste einen Trunk.
83
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.69-4.69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.69
German Translation
[1]  Ward bei deinen Moschushaaren Fehler begangen, - Ist er vergangen. Wenn bey deinen schwarzen Locken Unrecht vor sich gieng, - Ist es vergangen.
[2]  Wenn der Blitzstrahl deiner Liebe Speicher verbrannte, - Ist er verbrennet. Wenn der Kaiser wie der Bettler Frevel begangen, - hat er's begangen.
[3]  Auf dem Pfade der Verliebten Ziemt es sich niemals, Andre zu reizen, Alle Leiden, die du schauest, Sind schon vorüber, - sind schon vergangen.
[4]  Tragen müßen wir der Liebe Bürden, o Herz! du bleibe beständig! Wenn ein Unrecht oder eine Unbild vor sich gieng, - Ist sie vergangen.
[5]  Wenn das Herz von deinen Wimpern Lasten getragen, - Hat es getragen Zwischen mir und der Geliebten, Wenn etwas vorgieng, - Ist's vorgegangen.
[6]  Freilich wißen Wörterklauber Vieles zu schmälen über die Freunde, Aber wenn im Kreis der Trauten Unrecht auch vorgieng, - Ist es begangen.
[7]  Sag' nichts Böses von Hafisen, Prediger! er verließ die Gemeinde. Kannst du einen Freien feßeln? Wenn er hinweggieng, - Ist er gegangen.
65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.51-4.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.51
German Translation
[1]  Schöner's als Gartengespräch und Frühlings Vergnügen, was ists? Wo ist der Schenke, warum zaudert er, sage was ists?
[2]  Jede fröhliche Zeit, die dir sich biete, ergreife, Keiner erfuhr das Geschäft, und an dem Ende, was ists?
[3]  Siehe das Leben, es hängt an einem einzigen Haare, Friß den eignen Verdruß, frage nicht weiter: was ists?
[5]  Fromme und Trunkene sind die Kinder des nämlichen Stammes, Wem ergab ich mein Herz? Was ist zu wählen? Was ists?
[6]  Wie erkennet die Welt, was in dem Innern versteckt liegt? Gegner, was streitest du wohl mit dem Verborgnen? Was ists?
[7]  Wird auf des Dieners Versehn nicht einige Rücksicht genommen? Was ist Erbarmung alsdann? Was ist Verzeihung? Was ists?
[8]  Fromme begehren den Quell Keweser, ich begehre des Weines, Zwischen beider Wunsch, was ist dazwischen, was ists?
15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.1-4.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.1
German Translation
[1]  O Schönheit aus des Himmels Kreis, Wer lüftet deinen Schleier! O Vogel aus dem Paradies, Wer giebt dir Korn und Wasser?
[2]  Der Schlaf entfloh aus meinem Aug' Vom brennenden Gedanken, In wessen Arm, an wessen Brust Des Nachts du liegst und ruhest.
[3]  Du fragst nicht viel um den Derwisch, Deßwegen fürcht' ich wahrlich, Du denkest nur auf heute stets, Und nicht auf gute Werke.
[4]  Dein trunknes Auge hat am Weg Die Liebenden gemordet, Wer dächte wohl von deinem Wein, Daß er so mördrisch wäre.
[5]  Verfehlet hat der Wimper Pfeil Mein Herz, worauf er zielte, Eröffne mir, was denkest du, Nun weiter noch zu machen.
[6]  Nie drang mein Klagen und Geschrey Hinauf zu deinem Ohre, Daraus Geliebter seh' ich wohl, Wie hoch du bist erhaben!
[7]  Von dieser Wüste führet weit Der Wasserschein den Wandrer; Gieb acht, daß dich Gespenster nicht Darinnen irre führen.
[8]  Mein Herz! mit welchem Angesicht Wirst du im Alter wandeln, O sieh! du hast der Jugend Zeit Blos in dem Wind vergeudet.
[9]  Pallast, der du entflammst das Herz, Du Aufenthalt der Freundschaft, Von dem Verfalle soll der Herr Auf immer dich bewahren!
[10]  Hafis ist ja kein neuer Sklav, Der vor dem Herren fliehet, Sey gnädig, kehr' zu mir zurück, Dein Zorn hat mich zerstöret.
19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.5-4.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.5
German Translation
[1]  O Morgenwind, der Freundin Ruheplatz wo ist er? Der Wohnort dieses seltnen Monds, Der die Verliebten mordet, Wo ist er?
[2]  Die Nacht ist finster, vor uns liegt das Thal der Ruhe, Wo ist das Feuer Sinais? Wo ist der verheißne Anblick? Wo ist er?
[3]  Wer auf die Welt kömmt, trägt in sich Zerstörung, Verstöret schauet er umher, Und fragt, wo ist der Weise? Wo ist er?
[4]  Wer Liebe kundig ist, darf gute Kunde bringen, Denn der Geheimnisse sind viel, Wem wurden sie vertraut? Wo ist er?
[5]  Mit jeder Spitze deines Haars hab' ich viel tausend Geschäfte abzuthun, ha! wo Bin ich? wo ist der Lästrer? Wo ist er?
[7]  O bind mit deinem Haare den Verstand, er raset. In einem Winkel sitzt mein Herz, Wo ist der Brauen Bogen? Wo ist er?
[8]  Bereitet sind der Wein, die Sänger und die Rosen, Doch ohne den Geliebten wird Kein Freudenfest bereitet. Wo ist er? Ich bin der Zelle und des Scheichs längst überdrüßig, Wo ist der Christenknab' mein Freund? Wo ist der Ort des Weines? Wo ist er?
[9]  Des Herbstwinds zürne nicht, vernünftig sollst du denken, Hafis, wo ist der Rosenstrauch Der keine Dornen hat? Wo ist er?
259
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.2-13.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.2
German Translation
[1]  Zwey Thränen, welche du, o Aug'!Geweinet hast,Versichern die LiebkosungenVon deinem Glück.
[2]  Ich bins, der's Auge aufgethanDen Freund zu seh'n,Wie dank' ich dir, o Gott,Vermitteler!
[3]  Wisch' nicht von deinem AngesichtDer Bitte Staub,Denn er ist für den WünschendenDer Weisen Stein.
[4]  O Herz! Lenk' nicht ob schlechtem WegDen Zügel ab,Es denken Reisende nicht aufBerg auf, Berg ab.
[5]  Wenn sich der Liebende mit BlutNicht reiniget,Gilt sein Gebet vor dem MuftiDer Liebe wohl? Was nützet mir der SchwätzermundDes Frühlingswind'sWenn die Cypreße selber nichtGeheimniß birgt.
[6]  In diesem Fabelort ergreiff'Nichts als das Glas,In diesem Spielerhause spiel'Nun Minnespiel.
[7]  Mit einem halben Kuß erkauf'Ein Herzgebet,Daß du an Seel und Leibe freyVon Banden seyst.
271
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.5-15.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.5
German Translation
[1]  Ueber schöne schwarze LockenKlag' ich so viel, frage mich nicht.Denn sie haben mich von meinenSinnen gebracht, frage nicht.
[2]  Hoffend auf die Treu' verlasseKeiner die Seel', oder das Herz.Denn ich habe oft genug schonDieses bereut, frage nicht.
[3]  Wegen eines HefenrestesWelcher kein Leid Menschen gethan,Muß ich Armer von den ThorenTragen zu viel, frage nicht.
[4]  Frommer Mann o geh' vorüberRuhig und still, denn der RubinIn dem Glase hat mir Seele,Glauben geraubt, frage nicht.
[5]  Manche Sage geht, es würdenSeelen zerschmelzt wandernd allhier,Jedermann ist in Verwirrung;Schaue du nicht, frage nicht.
[6]  In dem Winkel wollt' ich sitzenNur auf das Heil einzig bedachtDoch da schmeichelte so viel mirJene Narziß, frage nicht.
[7]  Fragen wollt' ich erst den HimmelUeber das Weh meines Gefühls;Himmel dienen mir statt BallenSagte der Freund, frage nicht.
[8]  Weßhalb sprach ich zu dem Freunde,Hast du das Haar zornig gekrümmt,Lang' sprach er ist die GeschichteWahrlich Hafis! frage nicht.
209
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.110-10.110
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.110
German Translation
[1]  Mein Loos war's nicht, Von deinem Degen ermordet zu werden; Doch lag die Schuld Nicht an dem Zauber der Wimpern der Augen.
[2]  Ich Närrischer! Von Lockenbanden befreyt' ich mich selber; Nun ist's wohl recht, Daß ich in Ketten gefesselt erscheine.
[3]  Geliebter sag, Von was für einem Gestein ist dein Spiegel, Daß auch mein Ach! Auf ihn die Wirkung des Eindrucks verfehlet?
[4]  Ich hob erstaunt An Schenkenthüren den Kopf in die Höhe, Indem ich dort Nicht einen, der dich gekennet, gefunden.
[5]  Es sproßet nicht Auf Fluren eine Cypreße dir ähnlich. Auf dieser Welt Giebt es kein schöneres Gebild, als du bist.
[6]  Damit ich wie Der Ost zum Wuchse des Haares gelangte, Verbrachte ich Die Nacht von gestern mit Weinen und Klagen.
[7]  O Trennungsgluth, So viel hab' ich von dir schon vernommen, Daß Kerzen gleich Mir nichts, als selbst zu vergehen, erübrigt.
[8]  Es ist Hafis Von dir entfernet ein Beispiel der Strafe, Die zu verstehn, Wahrhaftig weitre Erklärung nicht noth ist.
474
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.46-32.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.46
German Translation
[1]  Deiner begehr' ich, o Freund, auch weiß ich, daß du es wissest, Denn du siehst und hörst ohne die Augen und Ohr'.
[2]  Wacker schmählst du auf das, was zwischen Liebenden vorgeht, Kann ein Blinder wohl heimliche Dinge versteh'n? Dein gekräus'tes Haar ist der Sammelplatz von den Herzen, Wehet der Wind, so wend' solche Zerstörung von uns.
[3]  Löse das Haar, und du bringst die Frommen zum Spiel' und zum Tanzen, Tausendfacher Reiz fällt dir aus jeglichem Ring.
[4]  Von dem Haar hängt Wunscherfüllung der schmachtenden Brust ab; Löse vor uns bei Gott! einen gekräuselten Ring.
[5]  Engel sahen in dir die übermenschliche Schönheit, Deßhalb fielen sie einst alle vor Adam auf's Knie.
[6]  Wind von den Locken des Freund's facht hell die Lampe des Aug's an, Gott bewahr'! daß der Wind diese Versammlung zerstör'!
[7]  Ach des nächtlichen Glücks! es zerrinnt mit dem Schlafe des Morgens, Lerne den Werth der Zeit jetzt in der bleibenden Stund.
[8]  Kundige Wandrer bekümmern sich um Gefährten der Reise, Durch die Erinn'rung des Freund's wird dir das Ungemach leicht.
[9]  Ein Haarring macht dir Hafis so viel zu schaffen, Sieh' umsonst ist's Bemüh'n nach dem Getriebe des Glücks.
450
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.22-32.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.22
German Translation
[1]  Es ist schon eine gute Zeit, Daß du mich in Erwartung hältst, Und daß du deinen Diener nicht Auf gleichen Fuß mit Andern hältst.
[2]  Der Winkel deines Auges ward Zu meinem Wohle aufgemacht, Ist's recht, daß du die Liebenden Auf solche harte Weise hältst?
[3]  Weit besser ist's, wenn du den Arm Vor aller Leute Blick versteckst; Du der die Hand stets in das Blut Der Redlichen getauchet hältst.
[4]  Es kann sich nicht die Nachtigall, Die Rose nicht von dir befreien, Weil du sie mit zerrißnem Kleid Und Wehgesang von dannen hältst.
[5]  O du der mit dem blauen Kleid Noch Ruhe und noch Frieden suchst, Ich weiß, daß auf Geheimnisse Unwissender du vieles hältst.
[6]  O meine Lampe, o mein Licht, Narzisse der Betrachtenden, Was treibet dich wohl an, daß du Den wunden Kopf so schwer nur hältst. So lang der Ost, die Nachtigall Den Rosen deine Schönheit liest, So sey versichert, daß du gleich Sie alle in Erwartung hältst.
[7]  Es kam der Stoff zum Glas Dschemschids Hieher aus einer andern Welt, Ich weiß, daß du auf Lehm und Thon Der Kannegießer vieles hältst.
[8]  Der Vater der Erfahrung bist Nur du mein Herz seit langer Zeit, Ich weiß nicht, wie du Lieb' und Treu' Von Jünglingen für möglich hältst.
[9]  Du leer vor allen Andern aus Den Beutel Silber oder Gold, Sobald nach Silberbusichten Du Sehnsucht und Verlangen hältst. Das Herz, der Glaube ist dahin, Doch sprechen kann ich nicht gerad Indem du mein verbranntes Herz Noch immer so von ferne hältst.
[10]  Wiewohl die Trunkenheit, der Rausch Nur meine eigne Sünde ist, So sprach ein Liebender doch jüngst, Daß du dazu uns unterhältst.
[11]  O bringe nicht mit Traurigkeit Hafis! den Tag des Heiles zu, Ich weiß nicht, was auf dieser Welt Du für Erwartung hegst und hältst
432
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.4-32.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.4
German Translation
[1]  Schenke betrunken vom Glase der Liebe Reiche den Wein! Fülle den Becher, denn traurig ist ohne Wein das Gelag.
[2]  Sieh'! wie der Mond sind die Wangen des Liebsten Schleier verhüllt; Spiele mir Sänger eins auf, und du Schenke Reiche den Wein!
[3]  Lege den Ring des gebogenen Körpers Dir um den Hals, Keine Erlösung sonst seh' ich von diesem Bitteren Schmerz.
[4]  In der Erwartung von deinem Gesichte Schwindet der Tag, Und die Gebilde des Traums sind von deinem Hochgenuß voll.
[5]  Ach! ich bin trunken von jenen zwei Augen, Wo ist das Glas? Ach! und ich kränkle ob jenen Rubinen, Wo ist der Schlaf?
[6]  Sag' mir, Hafis, wie du magst dem Geliebten Weihen das Herz. Ward je ein Durst'ger in Wüsten vom Schein des Wassers gelabt.
184
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.85-10.85
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.85
German Translation
[1]  Gestern sah ich, daß Engeln In der Schenke saßen, Adamslehmen zerrührten, Und in Becher goßen.
[2]  Die Besitzer der höchsten Reinigkeit und Herrschaft Haben mit mir Betrunknen, Becher angestoßen.
[3]  Nicht zu tragen vermochten Himmeln Last der Liebe Deßhalb wurde dies Loos mir Närrischen gegeben.
[4]  Du verzeihe dem Streite, Zwey und siebzig Sekten, Weil sie Wahrheit nicht kannten, Fielen in den Irrthum.
[5]  Gott sey Dank, daß nun Friede Zwischen mir und ihr ist! Tanzend haben Huris Wein des Dankes getrunken. Soll ich mich nicht verirren, Hundert tausendmale! Durch ein einziges Körnlein Ward einst Adam irre.
[6]  Was von Kerzen uns lachet, Ist nicht wahres Feuer, Wahres Feuer ist jenes, Das verzehrt die Mücke. Liebe machet die Herzen, Winkelsitzern blutig, Wie das Maal, das die Wangen Der Geliebten zieret.
[7]  Keiner hat noch Gedanken Wie Hafis entschleiert, Seit die Locken der Wortbraut Sind gekräuselt worden.
138
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.39-10.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.39
German Translation
[1]  Denk daran, daß, als er gieng, Er aus mir gar nichts gemacht, Daß mit keinem Abschiedswort, Er mein Herz hat froh gemacht.
[2]  Diese junge Sohn des Glücks, Der des Guten viel versprach, Warum hat er mich, der Alt', Lang ihm dien', nicht freygemacht?
[3]  Waschen will ich jetzt mit Blut, Den papierenen Kaftan, Denn der Himmel hat uns nicht, Zu dem Rechte Weg gemacht.
[4]  In der Hoffnung einen Ton, Zu vernehmen macht das Herz, Mehr Geschrey und Klaggetön, Als Ferhad am Berg gemacht.
[5]  Seit du deines Schattensbild, Dieser Flur entzogen hast, Hat die Nachtigall kein Nest, Auf des Buxes Stamm gemacht.
[6]  Selbst der Ostwind könnte kühn, In die Schule geh'n zu dir, Schnellere Bewegungen, Hat er sicher nie gemacht.
[7]  Gottes Wunderfeder schreibt, Keinem seine Wünsche zu, Der nicht von dem Reiz des Freunds, Das Bekenntniß hat gemacht.
[8]  Flötenspieler spiele mir, Nur die Weise von Irak, Denn dahin entfloh der Freund, Der kein Lebewohl gemacht.
[9]  Die Gasel' Hafisens sind, Reine Töne aus Irack, Welchen, der sie angehöret, Haben sie nicht weich gemacht?
309
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.1-28.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.1
German Translation
[1]  Spiele der Liebe, Jugend,Wein gefärbt wie Rubinen,Freundeverein im Stillen,Stäter Trunk, und Gelage;
[2]  Schenken mit Rosenlippen,Sänger, liebliche Stimmen,Edele Welt zum Umgang,Wohlbekannte Vertraute.
[3]  Einen Geliebten, reinerAls das Wasser des Lebens,Eine Geliebte, derenSchönheit reizet den Vollmond.
[4]  Dann ein Gemach zu Festen,Wie die Köschke des Himmels,Rosengeländer, welcheFluren seliger Lust sind.
[5]  Redliche Tischgenossen,Feine Tafelvorsitzer;Freunde, die Zutrau'n werth sind,Und erwünschte Gesellen.
[6]  Rosichten Wein, ein wenigScharf, und leicht zu verdauen,Roth gefärbt, wie Purpur,Wie Rubinen zum mahlen;
[7]  Wimpern des Augs gespitzetZum Verstandes Verderben.Locken des Liebchens HerzenEinzufangen verspreitet.
[8]  Einen beliebten süßenSchwätzer, wie es Hafis ist.Einen erlauchten großenGönner, wie es Kawam ist.
[9]  Wer sich nicht dieses wünschet,Grämle mir im Herzen,Wer sich nicht dieses suchet,Thu' Verzicht auf das Leben.
451
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.23-32.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.23
German Translation
[1]  Es stand der Himmel dir wohl bey Am Tag des Streites, Wie preisest du ihn wohl dafür, Wie zeigest du dich dankbar?
[2]  Der Mann, der fällt, und welchen Gott Dann bei der Hand ergreifet, Dem sage, dir gebühret es, Gefallene zu trösten.
[3]  Man kauft nicht in dem Liebesgau Die Glorie des Schahes, Bekenne dich zum Herrendienst, Zum frommen Sklavendienste.
[4]  O Schenke komm' zur Thür' herein Mit deinen Liebeswimpern, Dann geht der Gram der ganzen Welt Hinaus von meinem Herzen.
[5]  Es liegen auf der Größe Pfad Gar mancherlei Gefahren, Weit besser ist es, daß du leicht Dich auf den Weg begebest.
[6]  Der König denkt auf Stadt und Heer, Auf Kronen und auf Schätze, Derwische denken nur auf Ruh', Auf einen stillen Winkel.
[7]  Ich sage dir ein frommes Wort, Schenkst du mir nur Erlaubniß, Mein Augenlicht weit besser ist's Im Frieden seyn, als kriegen.
[8]  Es steht bei deinem Muth und Sinn Die Wünsche zu erreichen. Du brauchest nur des Schahes Gunst, Und dann die Hülfe Gottes.
[9]  Wasch' die Genügsamkeit Hafis Nicht ab von deinen Wangen, Denn dieser Staub ist besser als Der wahre Stein der Weisen.
382
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.1-29.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.1
German Translation
[1]  Bet', wenn du zum Kranken kommst, ein kleines Gebetlein, Oeffne deinen Rubin, daß er beseele den Leib.
[2]  Wer da kommt zum Besuch, ein Fatiha betet und gehet, Sag' ihm: Habe Geduld; siehe dann folget der Geist.
[3]  Du der Herzen Arzt, beschäme das Aeußre des Herzens, Meine Zunge beschwert Seufzer und Rauch von der Brust.
[4]  Fieberhitze verbrennt das Gebein, doch geht sie von hinnen, Liebesfieber verbrennt, aber es gehet nicht fort.
[5]  Wie das verbrannte Maal ist das Herz im Feuer zu Hause, Deinem Auge gleich schmachtet deßhalben der Leib.
[6]  Lösche nun wieder aus die Gluth mit den Thränen der Augen, Greife mir den Puls, zeiget er Leben noch an?
[7]  Jener, der mir zum Trunk die Flasche der Liebe gegeben, Sage, warum trägt er immer die Flasche zum Arzt.
[8]  Dein Gesang, o Hafis, hat mich mit dem Leben getränket, Laß den Arzt, und komm, singe vielmehr mir ein Lied.
135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.36-10.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.36
German Translation
[1]  Wie der Ostwind will ich einen Besuch Dem Haus des Freundes machen. Meinen Geist will ich durch seinen Geruch Durchschwärzt mit Moschus machen.
[2]  Ohne Wein und ohne Liebesgenuß Verfloß bisher mein Leben, Aber meinem Kaltsinn will ich von heut Gewiß ein Ende machen.
[3]  Meines Angesichts verlornen Glanz, Meine Wissenschaft und Glauben, Will ich alle zu dem Staube der Thür Von meinem Liebling machen.
[4]  Wie der Glanz der Morgenkerze ist mir Der Vorsatz klar geworden: All mein Leben will ich nur zum Geschäft Von seiner Liebe machen.
[6]  Ha wo ist der Ostwind? wo ist er denn? Ich will mein Herz, das blutet, Einem einz'gen Würzehauch des Haars Zum Brandesopfer machen.
[7]  Heuchelei Hafis verleihet dir nicht Die heitre Ruh' des Herzens, Beßer ist's zu meiner Straße den Pfad Von Lieb' und Wein zu machen.