489
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.61-32.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.61
German Translation
[1]  Es strahlt in deinem Angesicht Der Herrschaft Schimmer, In deinem Sinn verstecket sich Die Weisheit Gottes.
[2]  elobt sey Gott, es hat dein Kiel Mit einem Tropfen Geöffnet hundert Quellen Licht Im Reich des Glaubens.
[3]  Der Schimmer Gottes strahlet nicht Auf Ahrimanen, Du hast das Reich, du hast den Ring, Herrsch' nach Belieben.
[4]  Wer über Salomons Gewalt Noch Zweifel heget, Dem lachet in das Angesicht So Fisch als Vogel.
[5]  Es setzt der Falke zwar auf's Haupt Ein kleines Häubchen, Doch wissen Herrscherrecht und Brauch Des Kafes Vögel.
[6]  Das Schwert, das selbst der Himmel tränkt Mit seinem Wasser, Erobert eine ganze Welt, Doch ohne Heere.
[7]  Es schreibet deine Feder schön Für Freund' und Feinde; Des Freundes Leben wird vermehrt, Des Feinds vermindert.
[8]  Du hast in dir das Element Des Steins der Weisen; Dein Glück ist von des Unglücks Sturm Sehr weit entfernet.
[9]  O Schenke, bringe mir ein Glas Vom Haus des Wirthes, Daß ich mir von dem Klosterstolz Die Kleider wasche. Seit daß die Herrschaft Anfang nahm Bei Adamssöhnen, Hat Keiner dieses noch so gut Wie du begriffen. Der Himmel thuet nichts zu leid Den reinen Engeln, Auf mich häuft sich des Unglücks Last O meine Zuflucht.
[10]  Mein Glas ist schon durch lange Zeit Geleert vom Weine, Sieh, so beginn' ich den Proceß, Der Vogt sey Zeuge.
[11]  Wenn deines Schwertes Funkelschein In Schachten fiele, So würden die Rubinen selbst Davor erblassen.
[12]  Ich weiß, daß du Erbarmung hast Mit Nachtdurchwachern. O frag' den Ost, er saget dir, Wie es mir gehet.
[13]  Hat der Empörung Wetterstrahl Bei Menschen eingeschlagen, Wer fraget ums Gebrechliche Von unsern Sünden.
[14]  Hafis sey gegen deinen Schah Nicht ungehalten, Wenn der dir auch den Namen raubt, So komm' zurücke! O du der Gnaden Zufluchtsort, Du Huldverspender! Erbarme dich, viel Unglücks kam Auf diesen Armen.
180
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.81-10.81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.81
German Translation
[1]  Ey Geliebter! was hast du gelächelt nun über den Zucker, Lächle, denn es sehnt mich nach dem Zucker fürwahr,
[2]  Siehe, Tuba vermag von deinem Wuchs nicht zu sprechen. Gehe darüber hinaus, lang ist die Sage davon.
[3]  Wenn du verlang'st, daß dem Aug' nicht blutige Thränen entströmen, Wähle zu Liebchen nicht Schönen von hohem Geblüth;
[4]  Immer sey dir erlaubt, zu zürnen oder zu spotten, Denn ich bin kein Mann nur in mich selber verliebt.
[5]  Ha! wie kann ein verirrtes Gemüthe begreifen, Dessen Herz nicht einst ähnliche Banden ertrug.
[6]  Meine Begier entbrennt, wo ist die Kerze der Wangen, Daß ich Seele und Herz weihe der Gluth des Gesicht's.
[8]  Weil du, Hafis, von kosenden Wangen der Türken nicht absteh'st, Schickt Choweresen, Chodschend sich noch am besten für dich.
481
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.53-32.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.53
German Translation
[1]  Höre den Rath, daß du dich selber vom Grame befreyest, Blut trinkst du, wenn du Anderen neidest ihr Glück.
[2]  Einstens wirst du zum Thon der Kannegießer und Töpfer, Denk' an Kannen daher, welchen entbrauset der Wein.
[3]  Bist du unter denjenigen, die nach Eden verlangen, Trinke zuvor mit dem, der den Perlen entstammt.
[4]  Stütze dich nicht auf Prahlereien und Worte der Großen, Trachte selber vielmehr, daß du zur Größe gelang'st.
[5]  Herr Süßlippigter! dir gebühret Belohnung und Dankpreis, Wenn du einen Blick schenkst dem gefallenen Ferhad.
[6]  Wann wird dein Gemüth mit Ziffern der Milde beschrieben? Wann vereinest du Blätter der Seele zerstreut.
[7]  Wenn du alles, Hafis, der Gnade des Herren vertrauest, Wie viel Freude wird dir noch durch das Schicksal bescher't.
[8]  In den Dienst Dschelaleddins begebe dich Ostwind, Daß du geben mögst Lilien, Jasminen der Welt.
185
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.86-10.86
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.86
German Translation
[1]  Ist's denn wahr, daß man Will nach allem Silber greifen, Um auf böser That Fromme zu ergreifen?
[2]  Meine Meinung ist, Alle Freunde sollen Nichts als ihres Freund's Krauses Haar ergreifen.
[3]  Wenn das Unglück stürmt, Werden fest sich halten, Alle, die das Haar Ihres Freund's ergreifen. Wenn der Rab' sich nicht Schämt zu geh'n auf Rosen, Mag die Nachtigall Kühn den Dorn ergreifen.
[4]  Rühme deinem Freund Nicht des Armen Stärke, Denn Ein Mann genügt Vesten zu ergreifen.
[5]  Diese Türken, Herr! Was sind das für Schöne, Welche ihren Raub Mit den Brau'n ergreifen.
[6]  Schön ist Tanz beim Sang Und beim Ton der Laute, Wenn man eine schöne Hand dabey kann greifen.
[7]  Keine Huld, Hafis, Hat man für die Armen, Trachte einen Saum, Wie du kannst, zu greifen.
465
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.37-32.37
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.37
German Translation
[1]  Frühe gieng ich in Garten hinaus, um Rosen zu pflücken, Und der Nachtigall Laut tönte mir gählings in's Ohr.
[2]  Ach! die Arme, sie ist wie ich in Rosen verliebet, Und mit klagendem Lied, weint sie im Hain, auf der Flur.
[3]  Eine Weile gieng ich herum auf der Flur, in dem Garten, Dachte der Rose viel, dachte der Nachtigall nach.
[4]  Rosen lieben die Dornen, und Nachtigallen die Liebe, Jene wechseln nicht, und diese verändern sich nicht.
[5]  Als der Nachtigall Laut begann auf die Seele zu wirken, Blieb mir weder Kraft, Muth, noch Vermögen zurück.
[6]  Freilich blühen der Rosen gar viel im Garten der Erde, Aber wer sie pflückt, fühlet die Schmerzen des Dorns.
[7]  Hoffe, Hafis, nicht Bestand von diesem wechselnden Himmel, Weil er keinen Werth, tausend Gebrechen nur hat.
432
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.4-32.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.4
German Translation
[1]  Schenke betrunken vom Glase der Liebe Reiche den Wein! Fülle den Becher, denn traurig ist ohne Wein das Gelag.
[2]  Sieh'! wie der Mond sind die Wangen des Liebsten Schleier verhüllt; Spiele mir Sänger eins auf, und du Schenke Reiche den Wein!
[3]  Lege den Ring des gebogenen Körpers Dir um den Hals, Keine Erlösung sonst seh' ich von diesem Bitteren Schmerz.
[4]  In der Erwartung von deinem Gesichte Schwindet der Tag, Und die Gebilde des Traums sind von deinem Hochgenuß voll.
[5]  Ach! ich bin trunken von jenen zwei Augen, Wo ist das Glas? Ach! und ich kränkle ob jenen Rubinen, Wo ist der Schlaf?
[6]  Sag' mir, Hafis, wie du magst dem Geliebten Weihen das Herz. Ward je ein Durst'ger in Wüsten vom Schein des Wassers gelabt.
485
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.57-32.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.57
German Translation
[2]  Die Dinge behalten nicht einerlei Farb' und Gestalt, Deßwegen wasch' mit Wein die Kutten aus.
[3]  Die Welt ist so niedrig, du traue der Schmeichelnden nicht, Erfahrener! such' bei Niederen nicht Bestand,
[4]  O höre den doppelten Rath, und bereichere dich dann, Geh' durch der Liebe Thür, thu Schlechtes nicht.
[5]  Wir haben nun Frühling, der Himmel sey deßhalb gelobet! Thu' Gutes, und die Leitungsrose riech'!
[6]  Begehrst du die Freundinn, so reiche den Scheitel ihr hin, Narziß' und Rosen keimen nicht aus Stahl. Bevor du zum Staube der Schwelle der Thüre dich machst, Versteck' in Schenken ein Paar Tage dich.
[7]  Eröffne die Ohren, es weinet die Nachtigall nun, Die Leitungsrose riech', ermangle nicht!
[8]  Du sagtest, der Durst der Verstellung umgebe Hafis, Ey brav! wie trefflich ist nicht dein Geruch!
426
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.11-31.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.11
German Translation
[1]  Ich schrieb mit meinem Herzensblut Ein Briefchen an den Freund, Fürwahr durch deine Flucht ward mir Die Erde zum Gericht.
[2]  In meinem Auge trage ich Viel Zeichen von der Flucht, Doch meine Thränen sind davon Die einz'ge Kunde nicht.
[3]  Was ich auch immer noch versucht, Es nutzte mir doch nichts. Wer das Versuchte neu versucht, Beladet sich mit Reu.
[4]  Ich fragte einen Arzt um Rath Der Freundinn halb, er sprach: In ihrer Nähe harrt die Pein In der Entfernung Heil. Es hob der Ost von meinem Staub Den Schleier jählings auf, Es war als gieng die Sonne auf Aus Wolken in der Früh. Geh' ich herum um deinen Gau, So schmählet man mich aus. Bei Gott noch seh' ich Liebe, nicht Von andern ungeschmählt.
[6]  Hafis kam sehnsuchtsvoll zu dir, O reiche ihm ein Glas, Daß er von deiner milden Huld Noch koste einen Trunk.
192
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.93-10.93
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.93
German Translation
[1]  Warum, o schwankende Ceder Neigest du dich zur Wiese nicht! Warum vertraust du der Rose, Und gedenk'st der Narziße nicht!
[2]  Ich klagte über die Locken Und den Zauber derselben laut, Sie sprach: es folgt mir im Guten Dieser schwarze Verräther nicht.
[3]  Seitdem ich kleinlichen Herzens Locken-Bisam zusammen trag', Verlangt das Herz von entfernten Orten nicht nach der Heimath hin.
[4]  Vor ihrem Bogen und Pfeilen Hab ich Bitten und Flehen gewagt, Sie zog die Sehne des Bogens, Und verlieh ihr Gehör mir nicht.
[5]  Der Ostwind hauchet im Duften, Spezerei'n und Gewürze aus. Warum verwandelt der innre Sinn Veilchenerde in Moschus nicht?
[6]  Nun sind die Locken des Veilchens Aufgerißen vom Hauch des Osts. Warum erinnert mein Herz sich Dieses Bündnißzerreißers nicht.
[7]  Entbrannt von Gier nach deinem Genuße Traut der Seele das Herze nicht. Die Seele, dich nur verlangend, Dien't dem Leben des Körpers nicht.
[8]  Mein silberschenklichter Schenke, Schenket uns nur die Hefen ein! Wir wünschen ähnlich dem Glas ganz Mund zu werden; wer wünscht es nicht?
[9]  O zieh' zurücke die Hände, Meinen Wangen thu' nichts zu Leide! Der Tropfen Thaues wird ohne Meine Thränen zur Perle nicht.
[10]  Hafis befolgte dein Wort nicht, Deine Wimpern erstachen ihn Mit Recht! denn Jeder verdienet Tod, der freundlichem Rath nicht folgt.
95
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.81-4.81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.81
German Translation
[1]  Immer bin ich betrunken Vom Hauche deiner krausen Locken, Immer bin ich verstöret Vom Blicke deines Zauberauges.
[2]  Nach so vieler bestandner Geduld, o Herr! kann ich nicht einstens Auf der Brauen Altare Verbrennen meines Auges Kerze!
[3]  Sorgsam halt' ich in Ehren Den schwarzen Apfel meines Auges, Weil er gleichsam ein Abdruck Vom schwarzen Maal ist, für die Seele.
[4]  Wenn du wünschest, auf einmal Das ew'ge Leben uns zu zeigen, O so sage dem Ostwind: Daß er den Wangenschleier lüfte.
[5]  Wenn du wünschest, auf einmal Die Welt entkörpert ganz zu schauen, Lös' die Locken, es hangen An jedem Härchen tausend Seelen
[6]  Beide, ich und der Ostwind, Sind ein Paar verwirrter Thoren; Ich vom Zauber des Auges, Und er von dem Geruch des Haares.
[7]  Hoher Geist ward Hafisen! Von dieser Welt , und von der andern Springet nichts ihm ins Aug', als Der Staub der Schwelle deiner Thüre.
109
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.10-10.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.10
German Translation
[1]  Lange hat mir der Freund schon keine Botschaft gesendet, Lange hat er mir Brief, Worte und Gruß nicht gesandt.
[2]  Hundertmal schrieb ich, allein es hat mir der Führer der Reiter Keinen Bothen geschickt, keine Begrüßung gesandt.
[3]  Mir verwildertem Mann von halb verwirrtem Verstande Hat er keinen Mann, Fürsten vergleichbar, gesandt.
[4]  Ha! er wollte, daß mir der Vogel des Herzens entflöhe, Deßhalb hat er kein Netz von seinen Haaren gesandt.
[5]  Weh! es wußte der süße Schenk, ich wäre betrunken, Dennoch hat er mir nie Becher zum Labsal gesandt.
[6]  Und wiewohl er gewohnt, zu prahlen mit Wohlfahrt und Wohlthat, Dennoch hat er mir nirgend her Kunde gesandt.
[7]  Sey bescheiden Hafis, umsonst ist Klagen und Rechten, Wenn der gebietende Schah Dienern das Wort nicht gesandt.
277
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.6-16.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.6
German Translation
[1]  Wenn die Begierde nicht die RuhIn deiner Seele störet,So findest du den Weg gewißZu ihrem Angesichte.
[2]  Es sinnt die Nachtigall, wie sieDie Rose zur Freundinn mache,Die Rose aber sinnt daraufDie Nachtigall zu kränken.
[3]  Der Mörder eines LiebendenIst noch kein Herzensräuber,Wer um die Dienerschaft sich sorgtIst wahrhaft ein Gebieter.
[4]  Es ist gerecht, daß der RubinIm Herzen blutig schäume,Wenn rothe Glaskorallen ihnIm Handel überwiegen.
[5]  Die Nachtigall hat den GesangGelernet von der Rose,Woher denn sonsten das GeschwätzDas Kosen ihres Schnabels?
[6]  Du, der vorbeigehst an dem HausVon dem geliebten Freunde,Gieb Acht, daß an der Mauer duDen Kopf dir nicht verschlagest.
[7]  O Gott! gieb dem gereißten Freund,Dem Hundert KarawanenDer Herzen folgen, gieb ihm stets,Wo er auch seyn mag, Wohlseyn!
[8]  O Herz! wie wohl dir das GesprächDes wahren Heils gefallen,Verlaß' du doch die Liebe nichtDenn sie ist hoch zu ehren.
[9]  Der Sofi, der im Rausche krummDie Mütze aufgesetzet,Zerwühlet (trinkt er noch ein PaarVon Gläsern) seinen Turban.
206
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.107-10.107
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.107
German Translation
[1]  Einstens ist in dir mehr Sinn Für die Liebenden gewesen, Deine Liebe gegen uns Ist gar weit berühmt gewesen.
[2]  Eingedenk bin ich der Nacht, Wo mit Schönen süßer Lippen Süße Liebeszauberei'n In dem Zauberkreis gewesen.
[3]  Vor des Himmels grünem Dom Vor dem blauen Luftgewölbe Sind schon ihre Augenbrau'n Meines Blickes Gewölb gewesen.
[4]  Von dem ersten Morgen an, Bis zur letzten Nacht der Nächte, Ist die Liebe immer gleich, Und die Treue gleich gewesen.
[5]  Wenn des Liebchens Schatte fällt Auf den Liebenden, was ist es? Er ist dessen dürftig, Sie Sehnsuchtsvoll darnach gewesen.
[6]  Raubte ihre Schönheit gleich Mit dem Herzen mir den Glauben, Bin ich denn doch mehr verliebt In der Sitte Reiz gewesen.
[7]  An des Freundes Thüre hat Mir ein Bettler angesagt: Wo ich immer saß am Tisch, Ist mein Nährer Gott gewesen.
[8]  Brach des Rosenkranzes Schnur Mir entzwei, halt' mich entschuldigt, Meine Hand ist bei dem Arm Silberschenklichter gewesen.
[9]  That ich in der heil'gen Nacht Einen Trunk, so sage nichts, Denn in meines Freundes Hand Ist ein volles Glas gewesen.
[10]  Deine Lieder, o Hafis, Sind einst in dem Paradiese, Auf den Blättern des Jasmins Und des Rosenstrauchs gewesen.
68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.54-4.54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.54
German Translation
[1]  Die Stadt verließ seit einer Woche Mein Mond, mir scheints ein Jahr; Du kennest nicht der Trennung Leiden, Wie schwer sie sind.
[2]  Ich sah von meinen schwarzen Augen Auf ihr den Wiederschein, Und meint', es sey auf ihren Wangen Ein Moschusmaal.
[3]  Es träufelt Milch von ihren Lippen, Süß wie das Zuckerbrod, Doch sind die Wimpern, wenn sie koset, Ein Todespfeil.
[4]  Du, die ob ihrer Seelengüte Mit Fingern zeigt die ganze Stadt, Warum bekümmerst du so wenig Um Freunde dich?
[5]  Ich zweifle nicht mehr, ob es eine Karfunkelperle giebt? Dein Mund beweiset zur Genüge Die Wahrheit mir.
[6]  Du würdest, hieß die frohe Kunde, Bey mir vorübergehn, Verwirf nicht den Entschluß, er ist Ein gutes Loos.
[7]  Wie trägt Hafis? die Felsenbürde Von deinem Trennungsleid, Er, der durch Klagen und durch Weinen Zusammenschwand.
161
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.62-10.62
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.62
German Translation
[1]  Kann ein trübes Gemüth sich freun an fröhlichen Liedern, Laßt uns sagen ein Wort, sey es nun, was es auch sey.
[2]  Fänd' ich nur einen Ring, verfertigt aus deinen Rubinen, Wäre mir hundertmal unterthan Salomons Reich.
[3]  Du betrübe dich nicht, mein Herz, wenn die Neider dein spotten, Denn es liegt vielleicht manches des Guten darinn.
[4]  Wer den Sinn nicht versteht von meinem beseelenden Pinsel, Macht kein gutes Gemäld', wär' er ein Maler aus Sin.
[5]  Herzensblut und Wein, ein jedes ward Einem gegeben, Solchergestalt wird im Kreis unseres Schicksals getheilt.
[6]  Sehr ist verschieden das Loos des Rosenwassers der Rose, Jenes sitzet zu Markt, diese im Winkel versteckt.
[7]  Ha! es wird nicht geschehn, daß Hafis vom Rausch sich ernüchtre, Denn von ewig her ward dieser zum Loos ihm bestimmt.
438
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.10-32.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.10
German Translation
[1]  Leichten Schrittes gieng Selma am liebenden Herzen vorüber. Und es rief ihr zu jeglichen Tages, mein Geist!
[2]  Herzensgeliebter, o wirst du nicht mir Herzensverbrannten Schenken Arzney wider die Schmerzen des Feinds?
[3]  In den Schmerzen, worein mich deine Liebe versenket, Trau' ich nur Gott mich an, ihm dem Beherrscher der Welt.
[4]  Wenn du vielleicht noch läugnen sollst die Leidenschaft Leila's, Schaue mir in das Gesicht, daß deine Zweifel vergeh'n.
[5]  O mein Schönheitsgötz', ich ergreife so mancherlei Wege, Tief in Liebesgluth, tief ist versenket mein Herz.
[6]  Du empfehl' mir immer zum Heile der Seele die Reue, Ach! ich werde nicht klug durch der Erfahrungen Schein.
[7]  Siehe, dein Gram hat längst mir's Herz verzehrt und zerfressen, Und doch ruft man mich noch nicht zur edenischen Flur.
[8]  Sieh' Hafisens Herz steckt in der Krause des Haares, Und in finsterer Nacht leitet der Herr mich den Weg.
456
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.28-32.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.28
German Translation
[1]  Frühlings ist's! höre mich, sey' nun fröhlich; Rosen blüh'n noch einst, wenn du Rasen bist.
[2]  Soll ich dir sagen, mit wem zu trinken, Da du selber es weißt und weise bist?
[3]  Höre den Rath, den die Leier tönet, Doch er nützet nur, wenn du fähig bist!
[4]  Jegliches Blatt ist ein Buch der Weisheit, Schade, daß du so träg' und sorglos bist!
[5]  Hin ist die Summe des Lebens, Wenn du Tage und Nächte durch verlegen bist.
[6]  Voll von Gefahr ist der Weg zum Freunde, Leicht ist's, wenn du der Posten kundig bist!
[7]  Wenn dich das Glas, o Hafis! begünstigt, Kanns seyn, daß du der Raub des Falken bist!
211
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.112-10.112
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.112
German Translation
[1]  Gestern kam der Wein, die Wangen waren entflammet, Ach wie lange noch wirst, elendes Herz, du verbrannt!
[2]  Liebender Mord, und die Kunst, die Städte in Aufruhr zu bringen, Sind ein Ehrenkleid, meinem Geliebten geweiht.
[3]  Seelen der Liebenden sind für ihn ein Schleier der Wangen, Dieser Funke hat mehreres Feuer entflammt:
[4]  Wenn er öffentlich spricht, ich will dich Armer ermorden, Seh' ich doch, wie er dabei manchmal verstohlen herblickt,
[5]  Zwar ergreift sein ungläubiges Haar die Pfade des Glaubens, Aber vom Herzen aus Stein sprangen mir Funken heraus.
[6]  Blut erwarb sich das Herz, vom Aug' ward's wieder vergoßen, Gott! mein Gott! was verlor und was gewinn' ich zuletzt.
[7]  Du verkaufe den Freund um alle Güter der Welt nicht, Denn mit nichten gewann, wer einst Jusufen verkauft.
[8]  Geh', verbrenne dein Kleid Hafis, so sprach der Geliebte, Herr! wo hat er so viel Herzenserfahrung gelernt.
198
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.99-10.99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.99
German Translation
[1]  Ich sprach: Wann wird dein Mund Theilhaftig mich des Wunsches machen? Er sprach: er würd' es nach dem Wort, Das du den Augen sagest, machen.
[2]  Ich sprach: dein Mund begehrt Den Zoll vom Zuckerrohr Aegyptens, Er sprach: dies ist bekannt, Wer wird darob viel Redens machen?
[3]  Ich sprach: wer hat zum Punkt, Von deinem Mund den Weg gefunden? Er sprach: dieß eben ist der Punkt, Den Pünktliche zur Fabel machen.
[4]  Ich sprach: o treibe nicht Abgötterei, und liebe Wahrheit, Er sprach: Im Haus der Liebe kann Man jenes und auch dieses machen.
[5]  Ich sprach: die Lust nach Wein Entfernet aus dem Herzen Kummer. Er sprach: Beglückt diejenigen, Die stets sich frohe Tage machen.
[6]  Ich sprach: Das Ordenskleid, Der Becher reimen schlecht zusammen, Er sprach: Das sind zwey Dinge, die Beim Wirth sich keinen Eintrag machen.
[7]  Ich sprach: Was nützet wohl Dem Alten der Rubin der Lippen, Er sprach: Daß sie mit einem Kuß Ihn wiederum zum Jüngling machen.
[8]  Ich sprach: Wann ists dem Herrn Vergönnt, um deinen Kopf zu gehen? Er sprach: Zur guten Stunde, wo Der Mond und Zeus ein Bündniß machen.
[9]  Ich sprach zuletzt: es tragt den Wunsch, Für dein Gedeihn Hafis im Herzen, Er sprach: Das ist derselbe Wunsch, Den in dem Himmel Engel machen.
466
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.38-32.38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.38
German Translation
[1]  Versetze ich mein Ordenskleid, so ist es besser, Und senke ich das Buch in Wein, so ist es besser,
[2]  Als ich verschwendete die Lebenskräfte, sah ich, In Schenkenwinkeln sey es wahrlich um viel besser.
[3]  All' die Geschäfte sind entfernet von Derwischen; Die Brust voll Gluth, das Aug' voll Thränen ist weit besser.
[4]  Ich will des Mönches Thun dem Volk nicht offenbaren, Mit Lautenspiel es kund zu machen ist weit besser.
[5]  So lang des Himmels Thun noch ohne Hand und Fuß ist, So ist die Schenkenlieb' und reiner Wein viel besser.
[6]  Ein Liebchen, wie du bist, kann ich vom Sinn nicht bannen, Und leid' ich Pein, so ist die Pein der Locken besser.
[7]  Du bist nun alt, Hafis, geh' fort nun von der Schenke, Im Jugendalter ist der Rausch, die Liebe besser.