288
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.17-16.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.17
German Translation
[1]  Bacchusufer, Stämme der Weiden, Singkraft,Freunde treu, und in der Gesellschaft lieblich,Herzgeliebte, Schenken mit RosenwangenUnd dabei lieblich.
[2]  Merke auf mein Schicksal, erkenn' der ZeitenGanzen Werth, in denen du dies genießest,Wohl bekomme dieses Vergnügen dir, dieTage sind lieblich.
[3]  Jeder, der in seinem Gemüthe eineLast der Liebe für den Geliebten traget,Werf' sie in das Feuer, damit sein HandelnFrey sey und lieblich.
[4]  Von dem Schmucke meiner Gedanken hab' ichMeiner Seele Braut ein Geschmeid' geschenket,Einstens entsteiget eine Gestalt den ZeitenGlänzend und lieblich.
[5]  Eine Beute seyen die Nachtgespräche;Fodre nun die Rechtsgebühr froher Herzen!Denn der Mondesschimmer erhellt die Herzen,Bäche sind lieblich.
[6]  Wein entglänzt und perlet im Becher vor demAug' der Schenken. Wahrlich ein Namen Gottes!Er berauschet selbst die Vernunft und macht denRebensaft lieblich.
[7]  Sorglos ward das Leben Hafis versplittert,Komm', nun komm' zur Schenke mit uns, damit duLernest dieser lieblichen Sitte, denn ihrAnstand ist lieblich.
153
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.54-10.54
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.54
German Translation
[1]  Morgens als die Fahne der Sonne Aufgesteckt war auf den Bergen, Sieh da kam der Liebling des Herzens Aus Erbarmung an die Thüre.
[2]  Weil der Morgen deutlich erblickte, Was da sey des Glückes Liebe, Fieng er an im Ernste zu lachen Ueber jene, die d'rauf stolz sind.
[3]  Gestern als mein Schöner zum Tanze Aufgestanden war im Kreise, Löst' er auf die Bande der Locken, Warf dieselben auf die Freunde,
[4]  Als sein Wein ergründendes Auge, Die Vernünftigen zu rufen, Wusch ich über Frieden und Ruhe In dem Herzensblut die Hände.
[5]  Saget, welches eiserne Herz hat Diese List ihn wohl gelehret, Daß er so vor allem beginn't Nachtdurchwacher auszurauben?
[6]  Einen Reiter sah ich im Traume, Armes Herz! du war'st verloren, Herr, bewahr's vor allen Gefahren, Mitten unter Reiter fiel es.
[7]  Für den Glanz von seinem Gesichte, Wurden Blut und Geist geopfert, Doch erfüllt er einmal die Wünsche, Danken es ihm die Entseelten.
[8]  Ha! wie soll ich denn mit der Kutte Eine Locke Haar's erobern, Deren einz'le Härchen auf Straßen Tapfre Männer ganz ausrauben.
[10]  Seit der Stunde, da er das Weinglas Nahm zuerst in seine Hände, Gab die Zeit den Becher der Freude Allen Trinkern in die Hände.
[11]  Von dem Goldverspendenden Schwerte, Strahlte Sieg an jenem Tage, Als Er, wie die Sonne der Sterne, Tausende allein geschlagen.
[12]  Seines Lebens, seiner Regierung Dauer fleh', o Herz! vom Herren, Denn die Münze ward von dem Loose Nach dem Laufe der Zeit geschlagen.
[13]  Meines Muthes Loos ist gebunden An des Schahes Glück und Segen, Sey vergnügt Hafis, denn die Losung Ist auf's Beste ausgefallen.
307
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:27.6-27.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:27.6
German Translation
[1]  O weh! daß mir die Freundinn nichtZu ihr zu gehn erlaubte,So sehr von allen Seiten auchIch Stoff und Anlaß suchte.
[2]  Es sprach ein jeder, der mein WortZu Ihrem Lobe hörte,Das hat er recht und gut gethan,Es möge Gott ihm's lohnen!
[3]  Zwar schien es Anfangs mir so leichtZu trinken und zu lieben,Doch meine Seele ist zuletztIn dieser Kunst verbrennet.
[4]  Gar schön sprach jüngst vom Dach herabDer Reiniger der Wolle:O fragt den Schafiiten nichtUm Ausschluß dieser Fragen.
[5]  Ich sprach zur Freundinn: wann wirst DuDich meiner denn erbarmen?Sie sprach: am Tag wo Seelen einstSich ohne Schleier schauen.
[6]  Ich hab' mein Herz an einen Schelm,An eine zarte Schönheit,An eine Freundinn frommer Art,Und guten Sinns gegeben.
[7]  Ich zog' in Winkel mich zurück,Gleich deinem trunknen Auge,Und zu den Trunknen hab' ich michWie deine Braun geneiget.
[8]  Es zeigten meine Thränen mirWohl tausendmal die Sündfluth,Und doch ward aus der Brust dein BildKein einz'gesmal verwischet.
93
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.79-4.79
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.79
German Translation
[1]  Was für eine seltne Gnade War es, welche deiner Feder Alle Dienste unsrer vor'gen Freundschaft aufgezählet hat?
[2]  Mit der Spitze dieser Feder Hast du einen Gruß geschrieben, Nie soll das Gebäu der Erde Bleiben ohne deine Schrift! &#
[3]  Nimmer sag' ich: du hast Unrecht, Meiner dich noch zu erinnern, Denn es wird dir vom Verstande Nie ein Fehler aufgemerkt.
[4]  Dankbar für des Himmels Leitung Darfst du mich noch nicht verachten, Weil das Schicksal dich vor Allen Angesehn und groß gemacht.
[5]  Komm, ich will mit deinen Locken Auf beständig mich verbinden, Wenn ich dann den Kopf verliere, Hanget er an deinem Fuß.
[6]  Labe meine durst'ge Seele, Nur mit einem Tropfen Hefen, Weil man dich aus Dschemschid's Becher Mit den Fluthen Chiser's tränkt. Sieh! mein Herz steht vor der Thüre, Halt' es doch in Preis und Ehren, Schon deßhalben weil der Himmel Keine Qualen dir geschickt. Ueberall sind Hinterhalte, Gehe du nicht zu verwegen Von der Straße des Verderbens Flieget sonst der Staub dir an.
[8]  Ostwind; gleich dem Herren Jesus, Fröhlich seyen deine Zeiten! Denn Hafisens wunde Seele Ward durch deinen Hauch geheil't.
[150]  ;
302
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:27.1-27.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:27.1
German Translation
[1]  Gott behüte dich Bothe der Freude,Sey willkommen, willkommen, o komm!
[2]  Ostwind bringe mir fröhliche Kunde,Denn es kommt die Zeit des Genußes,
[3]  Ohne Ende sind Liebesgeschichten,Hier verstummet die Sprache der Worte.
[4]  Was macht Selma, und Alle von Salem?Was die Nachbarn, und wie ist ihr Wohlseyn?
[5]  Nach dem Bau verfiel das Gebäude,Fragt um seine Gestalt die Ruinen.
[7]  Deine Schönheit entflammt mich mit SehnsuchtGott behüt' vom genaueren Aug' dich,
[8]  Ausgeleeret sind die Plätze des Festes,Angefüllet hingegen die Becher.
[9]  Nacht der Trennung du streckest die Schatten,Nachtgesichter was spielet ihr dorten?
[10]  Keinem wendet das Liebchen den Blick zuO des Stolzes! der Größe! des Hochmuths!
166
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.67-10.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.67
German Translation
[1]  Aus ist die Flucht, die Nacht der Trennung! Ich los'te, und die Sterne sprachen: Nun ist's zu Ende.
[2]  Wie sehr der Herbstwind kos't und schmeichelt, Sobald des Frühlings Odem wehet, Ist es zu Ende.
[3]  Gedankt sey Gott! durch's Blatt der Rose Ist Dornenstolz, und Windehochmuth Endlich zu Ende.
[4]  Sag' zu der lang versteckten Hoffnung, Des Morgens komm' heraus, die Schatten Sind nun zu Ende.
[5]  Der Nächte, und des Herzens Leiden Sind in dem Schatten deiner Locken Endlich zu Ende. Wiewohl die Locken mich verwirrten, So ist die Lösung durch die Wangen Doch nun zu Ende. Mit Trommeln geh' ich nun zur Schenke, Der kurze Gram des Thors der Freundinn Ist nun zu Ende. Der Lauf der Zeiten macht mich zweifeln, Ob wohl die Trennung von dem Freunde Schon sey zu Ende.
[7]  O holder Schenke, füll' den Becher, Mein Rausch ist nun durch deine Sorge Gänzlich zu Ende.
[8]  Wiewohl kein Mensch Hafisen achtet, Dankt er doch Gott, sein Schmerz und Leiden Ist nun zu Ende.
327
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.19-28.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.19
German Translation
[1]  Ich schloß ein Bündniß mit dem Liebchen, Daß ich, so lang ich Leben habe, Die Liebenden, die sie besuchen, So werth, wie meine Seele habe.
[2]  Hiemit sey kund: daß meine Freuden Durch diese Tschügilskerze leuchten, Daß ich das Licht des Aug's, des Herzens Von diesem Monde Chotens habe.
[3]  Wenn ich nach meines Herzens Wünschen Mich in der Einsamkeit befinde, Was ist's, was ich von bösen Zungen Der Neider dann zu fürchten habe?
[4]  In meinem Haus steht eine Ceder, In deren hohen kühlen Schatten, Ich weder Cedern noch Cypreßen, Noch Buchs und Ahorn nöthig habe.
[5]  Wenn wider mich im Hinterhalte Sich hundert Heere Schöner lagern, So dank' ich Gott, daß ich ein Liebchen, Das hundert Heere tödtet, habe.
[6]  Es ziemt sich, daß an ihrem Ringe Die Kräfte Salomons ich preise, Ich weiß nicht, was mit diesem Namen Vom Satan ich zu fürchten habe.
[7]  O du verständ'ger guter Alter, O halte mich nicht ab von Schenken, Weil ich im Punkt der Becher-Untreu, Ein kitzliches Gewissen habe. Mir perlet süßer Wein in Bechern, Ein Liebchen habe ich zum malen, Ich weiß wohl, es besitzet Keiner Ein Liebchen, wie ich eines habe.
[8]  Bey Gott dem Herrn! o Nebenbuhler, Schließ diese Nacht durch deine Augen, Weil ich mit ihrem Mundrubin Viel Heimliches zu sprechen habe.
[9]  Wenn ich in ihrem Rosenbeete Herumgeh', so ist Gott mein Zeuge Daß ich nach Tulpen, nach Narzißen, Nach Lilien kein Verlangen habe.
[10]  Es lebte lang Hafis im Stillen, Nun kennet ihn die Welt als Trinker, Was fürchte ich, so lang' ich Schönheit Auf dieser Welt zum Hüter habe.
297
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:24.1-24.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:24.1
German Translation
[1]  Wer brachte denn zuerst die Trennung auf die Erde?Auf immer bleibe schwarz das Haus der Flucht, der Trennung.
[2]  Der Feder Zunge spricht nicht aus den Schmerz der Trennung,Sonst hätt' ich dir erklärt die Sagen von der Trennung.
[3]  Des Lebens Zeit verfloß in Hoffnung des Genusses,O Weh! und noch nicht ist zu End' die Zeit der Trennung.
[4]  Ich heb' den Kopf mit Stolz bis an des Himmels Giebel,Und aus Geradheit lieg' ich auf die Schwell' der Trennung.
[5]  Wie kann ich fliegen mit dem Wunsche des Genusses?Entfiedert ward der Aar der Brust im Nest der Trennung.
[6]  Der Nachen der Geduld fiel auf dem Meer der Leiden,In einen Wirbel mit dem Segeltuch der Trennung.
[7]  Noch wenig fehlt, so wird des Lebens Schiff versinken,In Sehnsuchtsfluthenschwall im weiten Meer der Trennung.
[8]  Wenn ich die Trennung erwische, fürwahr! ich will sie ermorden,Und mit Thränen bezahl' ich dann die Blutschuld der Trennung.
[9]  Ich ziehe voll Geduld mit ihres Bildes Heeren,Ich wandle auf der Gluth der Flucht, im Schmerz der Trennung.
[10]  Wie kann die Seele fodern des Genusses Freuden?Mein Herz erliegt dem Loos, den Leib umfaßt die Trennung,
[11]  Der Sehnsucht Gluth hat längst mein armes Herz verbrennet,Vom Freunde ferne trink' ich Blut am Tisch der Trennung,
328
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.20-28.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.20
German Translation
[1]  Ha! wer bin ich, daß dieses Gemüth sich meiner erinnert, Du bist zu gut, mich krönt dein Staub.
[2]  Sprich, o Mädchen, wer hat dich gelehret, dem Sklaven zu schmeicheln? Den Neidern sag' ich hievon Nichts.
[3]  Vogel aus Eden! o gieb mir deinen Muth zum Geleite, Der Weg ist lang, ich bin noch neu.
[4]  Morgenwind, o bringe doch meine Grüße zu ihr hin, Vergiß den Morgensegen nicht.
[5]  Selig der Tag, an dem ich einstens wandre von hinnen, Wo man um dich mich einstens fragt. Zeige mir doch den Weg zu deinem innren Gemache, Ich trink' und kümm're mich um Nichts.
[6]  Um die Perle der Wonne zu fischen, Hafis, ist's erlaubet, Daß du das Aug' zum Meere machst.
[7]  Siehe das Wort! es erobert die Welt, o dem Schahe von Ormus Sag': mit Perlen den Mund mir gefüllt.
226
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.127-10.127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.127
German Translation
[1]  Ich fürchte, daß durch meine Thränen Der Schleier zerrissen wird, Daß mein versiegeltes Geheimniß Den Leuten entdecket wird.
[2]  Man sagt, daß durch Geduld der Kiesel, Zuletzt zum Rubin wird, Wohl wahr! daß durch das Blut des Herzens Er röthlich gefärbet wird.
[3]  Ich will mit Weinen und Flehen Nun einmal zur Schenke geh'n, Vielleicht daß von der Hand des Grams Die Seele befreyet wird.
[4]  Von allen Seiten flogen Pfeile Von meinem Gebete ab, Vielleicht daß einer von denselben Doch etwas erzielen wird. Die Schwelle des Pallasts der Herrschaft, Die du, o mein Mond! bewohnst, Sie ist die Werkstatt, wo aus Köpfen Der Mörtel zubereitet wird.
[5]  O Seel', erzähle unsre Sage Von neuem dem süßen Freund, Doch sag' ihm so, daß nichts davon Vom Ostwind gehöret wird. Wenn alles nicht nach Wunsche gehet, So kümmere du dich nicht, Ich danke Gott, daß, statt des Bösen Nichts Böseres auf dich kömmt. Mein Herz, geduldig trage Alles, Betrübe dich nicht, weil doch Zuletzt aus diesem Abend Morgen, Und Licht aus dem Schatten wird.
[6]  Es ward durch deinen Stein der Weisen Mein Antlitz in Gold verkehrt, Indem durch deine Huld selbst Erde In Goldstaub verwandelt wird.
[7]  Der Stolz des Nebenbuhlers bringt mich In Staunen und Aengstlichkeiten, O Herr! verhindre, daß ein Bettler In Ehren gehalten wird. Du hohe Ceder, bist so störrig, Du pochest auf deinen Wuchs, Zu dem von meinen kurzen Händen Nie eine gelangen wird.
[10]  Ist seiner Locken Moschusschleier In deinem Besitz, Hafis, So schweige still, weil sonst vom Ostwind Die Nachricht vernommen wird.
481
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.53-32.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.53
German Translation
[1]  Höre den Rath, daß du dich selber vom Grame befreyest, Blut trinkst du, wenn du Anderen neidest ihr Glück.
[2]  Einstens wirst du zum Thon der Kannegießer und Töpfer, Denk' an Kannen daher, welchen entbrauset der Wein.
[3]  Bist du unter denjenigen, die nach Eden verlangen, Trinke zuvor mit dem, der den Perlen entstammt.
[4]  Stütze dich nicht auf Prahlereien und Worte der Großen, Trachte selber vielmehr, daß du zur Größe gelang'st.
[5]  Herr Süßlippigter! dir gebühret Belohnung und Dankpreis, Wenn du einen Blick schenkst dem gefallenen Ferhad.
[6]  Wann wird dein Gemüth mit Ziffern der Milde beschrieben? Wann vereinest du Blätter der Seele zerstreut.
[7]  Wenn du alles, Hafis, der Gnade des Herren vertrauest, Wie viel Freude wird dir noch durch das Schicksal bescher't.
[8]  In den Dienst Dschelaleddins begebe dich Ostwind, Daß du geben mögst Lilien, Jasminen der Welt.
493
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.65-32.65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.65
German Translation
[1]  Herr der Schönen! Recht und Hülf' Wider Eisamkeit! Ohne dich entflieht der Geist, Zeit ist's, daß du kömmst.
[2]  Gartenrosen bleiben nicht Immer neu und frisch. Suche du die Schwachen auf In der Zeit der Kraft.
[3]  Ueber's Lockenhaar beklagt' Ich mich bei dem Ost; Weit gefehlt, sprach er zu mir, Laß die Lust vergeh'n.
[4]  Ganz in Ketten tanzt der Ost, Eingesperrt im Haar, Dieß ist's, merke dies mein Herz, Lauf' nicht Winden nach.
[5]  Sehnsucht und Entfernung hat Mich so ganz zerstört, Daß Geduld aus meinem Sinn Ganz entfliehen will.
[6]  Herr, wem soll ich in der Welt Anvertrau'n das Wort, Daß der Liebling Jedermanns Wangen mir gezeigt.
[7]  Ohne deine Wangen färbt Sich die Rose nicht. Buchs! nun wandle du einher Zu des Gartens Zier.
[8]  Ohne Willen ist dein Gram Für mich Arznei, Und dein Angedenken spricht Mir im Winkel zu.
[9]  In des Schicksals Kreise bin Ich der Mittelpunkt, Dir geziemt es, daß du denkst, Daß du uns befiehlst.
[10]  Trunkne, welche selbstisch sind, Giebts nicht auf der Welt, Selbstsucht ist bei dieser Zunft Aergste Ketzterei.
[11]  Sieh! wie blutet mir das Herz, Gieb mir, gieb mir Wein! Schwierigkeiten lös' ich auf Durch das blaue Glas.
[12]  Jetzt ist Trennungsnacht, Hafis, Dann kommt Morgenduft, Närrische Verliebter hör' Lust bekomm' dir wohl.
152
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.53-10.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.53
German Translation
[1]  Als in der Ewigkeit deiner Schönheit Schimmer entglänzte, ward die Liebe, Die mit Flammen die Welten ergriffen.
[2]  Strahlen entfloßen den Wangen; Sah'n es, und blieben unempfindlich; Zürnend wandte sie sich zu den Menschen.
[3]  Siehe! da bat der Verstand um einen Funken, die Leuchte anzuzünden, Eifersucht war der blitzende Funken.
[4]  Unsere Geheimniße zu erfahren, Wünschte der Nebenbuhler, eine Höhere Hand hält die Brust ihm verwirret.
[5]  Anderen brachte das Loos, das ihnen Einstens beschert ward, Liebe: meinem Gramen Herzen nur brachte es Kummer.
[6]  Selbst der belebende Geist der Welten Fiel in das Grübchen deines Kinnes, Faßte, um sich zu retten, die Locken.
[7]  Selbigen Tages, Hafis, verließest Du das Vergnügen in der Liebe, Triebst die Freude aus deinem Gemüth aus.
57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.43-4.43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.43
German Translation
[1]  Schau den Schwarzen nur an, Der die Welt versüßt! Augen glühen, Lippen lachen Herzen sind fröhlich durch ihn.
[2]  Zuckermündige sind Zwar die Herr'n der Welt, Aber Salomon ist jener, Welcher den Siegelring hat.
[3]  Er ist schön von Gesicht. Rein und tugendvoll. Beider Welten reine Seelen Geben darum ihm Geleit.
[4]  Dieses schwärzliche Maal Auf den weißen Wangen, Lehrt uns dieses sey das Körnlein Welches einst Adam verführt.
[5]  Weise sinnet der Freund, Freunde helft bey Gott! Wie wird's gehen dem wunden Herzen? Denn die Arzney ist bei Ihm.
[6]  Wem kann ich es vertrauen? Dieser Mörder hat Mich erschlagen, ob er gleich den Hauch des Meßias besitzet.
[7]  Zähle deinen Hafis Stets den Frommen zu, Denn es wandeln viele Geister Seliger Freunde mit ihm.
235
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.136-10.136
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.136
German Translation
[1]  O der guten Zeit! Wenn der Freund zurückkommt, Wann nach der Betrübten Wunsch, Der sie kränkt, zurückkommt.
[2]  Nach dem Schah der Fantasie Sah ich heut mit halbem Schielen, Hoffend, daß der Reiterfürst Bald, sehr bald zurückkommt.
[3]  Wenn mein Kopf nicht willig ist, Seinem Schlägel sich zu fügen, Was soll sagen ich vom Kopf, Wer wohl über ihn noch kommt.
[4]  Ruhig saß ich, wie der Staub An dem Ende seines Weges Hoffend, daß auf diesem Pfad Er zu mir zurückkommt.
[5]  Glaube mir, in's Herz, das sich Mit Beständigkeit dem Saume Seiner Locken hat ergeben; Nie Beständigkeit zurückkommt. Meine Thränen werden nie Am Gestade Wogen schlagen, Wenn sein Wuchs so fein wie Haar, Mich zu retten, noch zurückkommt.
[6]  Was für Leiden tragen nicht In dem Winter Nachtigallen, In der Hoffnung, daß der Lenz Auf die Fluren bald zurückkommt.
[7]  O Hafis, ich hoffe wohl, Von dem Maler meines Schicksals, Daß von der Cypreß' ein Zweig In die Hände mir zurückkommt.
392
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.11-29.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.11
German Translation
[1]  Kennst du das Glück, des Freundes Angesicht zu seh'n, Bei ihm zu betteln lieber, als ein Fürst zu seyn?
[2]  Ein leichtes ist's, aus Seelen bannen die Begier, Die Seele fortzuscheuchen von dem Freund ist schwer.
[3]  Mit eignem Herzen geh' ich Knospen gleich einher, Und dort zerreiße ich des guten Namens Hemd,
[4]  Bald kos' ich heimlich mit den Rosen, wie der Ost, Bald hör' ich die Geheimnisse der Nachtigall.
[5]  Der Freunde Lippen küß', wenn du nur immer kannst, Sonst wirst du in die Lippen beissen voll von Gram.
[6]  Ergreife die Gelegenheit des Freundgesprächs, Wer weiß, begegnen wir uns wieder auf dem Weg.
[7]  Du sagst, Hafisens denkt nicht mehr der Schah Manßur, O stöß' ihm, Herr, für die Derwische Sorge ein.
216
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.117-10.117
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.117
German Translation
[1]  Der Freund, durch den mein Haus Die Wohnung der Perien war, Der von dem Fuß zum Kopf, Perien gleich untadlich war.
[2]  Es sprach mein Herz, ich will Mit seinem Duft verbleiben hier, Es wußte nicht mein Herz Daß Er, der Freund, auf Reisen war.
[3]  Der Schleier fiel nicht nur Von meinem Herzgeheimniß ab. So lang der Himmel steht, Weiß ich, daß so sein Handeln war.
[4]  Mein vielbetrachteter, Mein weisheitsvoller Mond, Der durch Liebkosungen Der Herr von allen Blicken war.
[5]  Ein böses Schicksal hat Gerißen ihn aus meiner Hand, Was sollt' ich thun, indem Die Frag' vom Mondenumkreis war.
[6]  O Herz, verzeih' dem Freund, Denn du warst immer ein Derwisch, Indessen in dem Reich Der Schönheit Er ein König war.
[7]  Das war die schöne Zeit, Die ich verlebte mit dem Freund, Indem die übrige Nur seelenlose Leere war.
[8]  Die Rose und das Grün Und Strömeufer sind wohl schön, Nur ewig Jammer ist's, Daß alles im Vorbeigehn war.
[9]  Es bringt die Nachtigall Aus Eifersucht sich selber um, Weil in der Morgenzeit Der Ost mit Rosen freundlich war.
[10]  Du wisse, daß der Schatz Des Glückes den Hafis erhielt, Die Frucht vom Nachtgebet Und von dem Morgensegen war.
53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.39-4.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.39
German Translation
[1]  Ich bins, der die Schenk' ins Kloster verkehrt, Worte des Wirths sind die Morgensegen.
[2]  Tönt die Laute keinem Morgengesang, Aergre dich nicht, mein Gesang ist Reue.
[3]  Lieber will ich seyn dein Bettler als Fürst, Daß du mich quälest, ist mir Ruhm und Ehre.
[4]  In Moscheen und Schenken ist dein Genuß Meine Begier; Gott ist Zeuge dessen!
[5]  Es zerstör' der Tod mein Lebensgezelt. Aber ich flieh' nicht vom Thor' des Glückes.
[6]  Auf der Sonne wohn' ich, seit mein Gesicht Unter der Thür' meiner Freundinn lieget,
[7]  Ist die Sünde gleich nicht unsere Wahl, Sage Hafis: Sünde dennoch ist es.
452
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.24-32.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.24
German Translation
[1]  Menschen und Feen sind ungebetene Gäste der Liebe, Zeige mir Willenskraft, sicher entführst du das Glück.
[2]  Suche keinen Genuß, wenn du nicht im Stand bist zu schauen, Denn der Spiegel Dschemschids nützet den Sehenden nur.
[3]  Morgentrunk und Morgenschlaf, wie lange noch währt dieß? Sinn' auf Entschuldigung, höre das Morgengeschrey.
[5]  Tausend heilige Seelen, sie sind entbrennet voll Eifer, Weil du Abends und früh Anderen haltest das Licht.
[7]  Komm', ich habe so viel aus langer Erfahrung gelernet, Welcher das Weinglas leert, leeret die Sorgen auch aus.
[8]  Niemals sey der Wipfel von deiner Cypresse gekrümmet, Denn wahrhaftig du bist würdig der Krone des Throns.
[9]  Rosen und Ostwind kommen und gehen mit Glanz und Gerüchen, Diese vom Dufte des Haars, jener vom Licht des Gesichts.
[11]  Winkelsitzergebet verhütet Schaden und Unglück. Warum blickest du nicht mir nach dem Winkel des Aug's? Was soll ich thun, verwirrt von der Trennung, und von dem Genuße? Immer bist du im Aug', aber von Angesicht fern.
[12]  Komm' und kaufe die Herrschaft von uns mit dem Schatze der Schönheit, Sorge dafür, daß du's nicht mögest verzehren umsonst. Höre den Meister, und sey nicht ganz entblößet von Liebe, Niemand kaufet den Knecht, wenn er nicht Tugenden hat. Jegliche Nachricht öffnet das Thor zu neuen Geschäften, Deßhalb bin ich berauscht, bin so verloren und irr'. Zeige mir doch den Weg in diesen finsteren Gängen. Schon tönt Morgengebet, tönet das Morgengeschrey.
[13]  Wunderlich ist der Weg der Lieb' und voll von Gefahren, Laßt uns flüchten zu Gott, daß er uns Sicherheit geb'. Siehe! sie kommen und gehen in Hoffnung des Duftes der Locken, Winde verstreuen das Roth, Rosen bedienen sich deß. Durch die Schmerzen der Freundinn bin ich auf ewig gebunden, Hin ist mein Leben durch sie, aber mich kümmert es nicht. Kennet der Unerfahrene wohl die heimlichen Freuden? Wollte Gott, ich hätt' Kräfte zu Freuden des Gau's! Mein Geheimniß, o Freund! ist durch die Thränen verrathen, Du erbarme dich mein, der zur Genüge mich kennt! Trockenen Mund's gieng ich vorbei am Wasser des Lebens, Hilf mir, Schenke, o hilf, reich' mir vom lautersten Trunk! Wenn Hafis für dich einst stirbt, an der Schwelle der Thüre Wird ihm durch den Tod ewiges Leben zu Theil.
349
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.41-28.41
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.41
German Translation
[1]  Gestern wollt' ich Begier der Wangen Aus dem Kopfe verbannen, Wo sind Bande, so sprach sie, wo nun Diesen Narren zu binden.
[2]  Einer Ceder verglich ich ihren Wuchs, sie wandte das Haupt ab, Wenn sie über die Wahrheit zürnet, Was soll, Freunde, ich machen?
[3]  Meine Schöne verzeihe! meinem Lobe mangelt Verhältniß. Durch Liebkosungen schenkst du meinem Ganzen Wesen Verhältniß.
[4]  Ihretwegen verkehrt sich meiner Wangen Farbe in's Gelbe, Gieb das Glas her, o Schenke, daß ich Roth, wie Rosen, mich färbe.
[5]  Morgenlüftchen von Leila's Wohnung, Ich beschwöre bei Gott dich, Sag! wie lange noch soll ich Wüsten Mit den Thränen begießen?
[6]  Bin ich endlich zum unermeßnen Schatz der Freundin gelanget, Will ich Bettler die arm wie ich sind In Karunne verwandeln.
[7]  Herr des Sternenvereins am Himmel, Mond, gedenke Hafisens! Daß ich meine Gebete weihe Deiner glänzenden Schönheit.