95
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.81-4.81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.81
German Translation
[1]  Immer bin ich betrunken Vom Hauche deiner krausen Locken, Immer bin ich verstöret Vom Blicke deines Zauberauges.
[2]  Nach so vieler bestandner Geduld, o Herr! kann ich nicht einstens Auf der Brauen Altare Verbrennen meines Auges Kerze!
[3]  Sorgsam halt' ich in Ehren Den schwarzen Apfel meines Auges, Weil er gleichsam ein Abdruck Vom schwarzen Maal ist, für die Seele.
[4]  Wenn du wünschest, auf einmal Das ew'ge Leben uns zu zeigen, O so sage dem Ostwind: Daß er den Wangenschleier lüfte.
[5]  Wenn du wünschest, auf einmal Die Welt entkörpert ganz zu schauen, Lös' die Locken, es hangen An jedem Härchen tausend Seelen
[6]  Beide, ich und der Ostwind, Sind ein Paar verwirrter Thoren; Ich vom Zauber des Auges, Und er von dem Geruch des Haares.
[7]  Hoher Geist ward Hafisen! Von dieser Welt , und von der andern Springet nichts ihm ins Aug', als Der Staub der Schwelle deiner Thüre.
198
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.99-10.99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.99
German Translation
[1]  Ich sprach: Wann wird dein Mund Theilhaftig mich des Wunsches machen? Er sprach: er würd' es nach dem Wort, Das du den Augen sagest, machen.
[2]  Ich sprach: dein Mund begehrt Den Zoll vom Zuckerrohr Aegyptens, Er sprach: dies ist bekannt, Wer wird darob viel Redens machen?
[3]  Ich sprach: wer hat zum Punkt, Von deinem Mund den Weg gefunden? Er sprach: dieß eben ist der Punkt, Den Pünktliche zur Fabel machen.
[4]  Ich sprach: o treibe nicht Abgötterei, und liebe Wahrheit, Er sprach: Im Haus der Liebe kann Man jenes und auch dieses machen.
[5]  Ich sprach: die Lust nach Wein Entfernet aus dem Herzen Kummer. Er sprach: Beglückt diejenigen, Die stets sich frohe Tage machen.
[6]  Ich sprach: Das Ordenskleid, Der Becher reimen schlecht zusammen, Er sprach: Das sind zwey Dinge, die Beim Wirth sich keinen Eintrag machen.
[7]  Ich sprach: Was nützet wohl Dem Alten der Rubin der Lippen, Er sprach: Daß sie mit einem Kuß Ihn wiederum zum Jüngling machen.
[8]  Ich sprach: Wann ists dem Herrn Vergönnt, um deinen Kopf zu gehen? Er sprach: Zur guten Stunde, wo Der Mond und Zeus ein Bündniß machen.
[9]  Ich sprach zuletzt: es tragt den Wunsch, Für dein Gedeihn Hafis im Herzen, Er sprach: Das ist derselbe Wunsch, Den in dem Himmel Engel machen.
190
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.91-10.91
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.91
German Translation
[1]  Wenn sich dein Moschuskiel einmal an uns erinnert, Ist's gleich, als lös'test du zweyhundert Sklaven aus.
[2]  Der Bothe Selma's, (Heil sey über ihr beschieden) Was ist's, wenn er mit Gruß mein armes Herz erfreut,
[3]  Versuch' es, einen Schatz wird man zum Lohn dir geben, Wenn du ein wüstes Feld dem meinen gleich bebaust;
[4]  O Herr! wirf in das Herz Chosrus Schirinens Milde, Er schonet dann mit Huld Ferchadens armes Haupt.
[5]  Weit beßer ist's, der Fürst thut Recht in einer Stunde, Als wenn er hundert Jahr' nur in Betrachtung lebt.
[6]  Durch Schmeichelei'n hast du des Herzens Bau zerstört, Wenn's weise ist, was soll nun es von neuem bauen!
[7]  Dein reines Leben ist des Lobes nicht bedürftig, Schminkt wohl die Kräuslerin, die schlichte Schönheit der Natur?
[8]  Hafis fand seinen Wunsch nicht in Schirasens Mauern, Beglückt der Tag, an dem er einst nach Bagdad reis't.
24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.10-4.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.10
German Translation
[1]  Fordre ja nicht von mir Trunknem Pflichterfüllung, gute Werke, Denn am Tage der Bestimmung Ward zum Becher ich bestimmet.
[2]  Seit ich an dem Quell der Liebe Mich nach Brauch gewaschen habe, Hab' ich ja mit einem Worte Allem übrigen entsaget.
[3]  Gieb mir Wein, daß vom Geheimniß Meines Looses ich dir sage, Welches Angesicht ich liebe, Welcher Duft mich trunken machte.
[4]  Berge trugen diese Lasten Nicht so sicher wie die Ameis. Trinker, du verzweifle niemals An der Pforte der Erbarmung.
[5]  Ausser dem Narzißenauge (Gott bewahr's vor bösen Augen) Hat im blauen Himmelskreise Alles seine Ruh verloren.
[6]  Willig werde meine Seele Deinem Munde hingeopfert, In der Garten schöner Ansicht Blühet keine schönre Knospe.
[7]  Deine Liebe hat Hafisen Salomonen gleich gemacht, Denn es bleibt ihm vom Genuße Nichts als Wind in leeren Händen.
471
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.43-32.43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.43
German Translation
[1]  Wo ist Ostwind, der Both, um jenen nach Würden zu ehren, Der von meinem Freund liebliche Briefchen mir bringt,
[2]  Wisset, mit was der Verstand im Wege der Liebe vergleichbar? Mit dem Tröpfchen Thau, das in die Fluthen sich senkt.
[3]  Komm'! denn ist gleich mein Ordenskleid die Stiftung der Schenke, Keinen Pfennig doch wirst du darum finden bei mir.
[4]  Wie und warum, und alles zu wissen macht häufiges Kopfweh, Nimm den Becher, und ruh' wenig Minuten nur aus!
[5]  Was verstehen die Aerzte am Weg, die Leiden der Liebe? Du gestorbener Mann sieh' um den Heiland dich um.
[6]  Ha! mein Herz ist wider Trommel und Kutten im Aufruhr, Vor der Schenke Thür pflanzen die Fahne wir auf.
[7]  Komm'! die auf Zeit sich verstehen verhandeln Himmel und Erde Für zwey Becher Wein, und ein vertrautes Gespräch.
[8]  Immer genießen und schwelgen ist nicht die Gewohnheit der Liebe, Gehst mit uns du um, trinke die Hefen des Grams.
[9]  Klagen will ich nun nicht, allein die Milde des Freundes Feuchtete noch bisher durstige Herzen nicht an.
[10]  Ey warum kauft ein Zuckerrohr nicht von Freunden der Redner, Dessen süßem Kiel liebliche Rede entfließt.
[11]  Nichts besitzet Hafis, was deinen stattlichen Wuchs zahlt, Nichts als Abendgruß, nichts als Morgengebet.
265
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.8-13.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.8
German Translation
[1]  Nach den Lippen bleibt mein WunschUnerfüllt noch immer,Harrend deinem GlasrubinTrink' ich Gram noch immer.
[2]  An dem Tag des Looses stahlMir dein Haar den Glauben,Ach! ich harre auf das EndDieser List noch immer.
[3]  Schenke gib den Hefen mirDieses Feuerwassers.Denn in der gekochten KreisBin ich roh noch immer.
[4]  Ich verglich dein Haar bei NachtEinstens mit dem MoschusJedes Haar sticht mich dafürWie ein Schwert noch immer.
[5]  Deinen Schimmer sah bei mirEines Tags die Sonne,Seitdem geht dem Schatten gleichVon der Thür sie nimmer.
[6]  Eines Tags entfiel dem FreundUngefähr mein Name,Seht mein Name haucht seitdemSeelenduft noch immer.
[7]  Vom Rubin der Lippen trankIch am Tag' des Looses,Von dem Hefen dieses TrunksTaumle ich noch immer.
[8]  Gieb die Seele, sprachst du mirDaß du ruhig seyest,Sieh' ich gab sie ab dem SchmerzRuhe fehlt noch immer.
[9]  Seit Hafisens Feder schriebVom Rubin der Lippen,Träuft des ewgen LebensquellAus der Feder immer.
11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.11-1.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.11
German Translation
[1]  Schenk! erleucht' mit dem Licht des Weins den Becher,Sänger singe; nun geht's nach unsern Wünschen.
[2]  Ich erblick im Pokal der Wangen Abglanz.Wiß es, der du nichts weißt vom Glück des Trinkens.
[3]  Wessen Zunge die Lieb' beseelet, stirbt nicht.Ewig bleibet mein Ruhm im Weltenbuche.
[4]  Dieser Schmächtigen Reiz gefällt so lang nur,Bis sich meine Cypreß mit Schwanken nahet.
[5]  Ostwind, gehst du vorbei beim Rosenhaine,Gieb doch Kunde von mir dem treuen Freunde.
[7]  Rausch und Trunkenheit ziemt dem Aug des Freundes;Deßhalb raubt mir der Rausch so Zaum als Zügel.
[8]  Ich befürchte, daß nicht am jüngsten TagePriesterbrod und der Wein von gleichem Werth sey.
[9]  O mein Auge verstreu' das Korn der Thränen,Daß sich fange im Netz der Wollust Vogel.
[10]  Du Aetherische Fluth, und du o Mondschiff,Ihr verschwindet zugleich in seiner Großmuth.
147
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.48-10.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.48
German Translation
[1]  Der Ostwind hat gestern mir Kunde gebracht, Es seyen die Tage des Lebens vollbracht.
[3]  O komme Geliebte, die vom Paradies Der Hüter für mich auf die Erde gebracht.
[4]  Wir geh'n nach Schiras mit der Hülfe des Freunds; Ein guter Gefährt, den das Glück mir gebracht!
[5]  O halte in Ehren das weiche Gemüth, Es hat oft die Krone des Königs gebracht.
[6]  Wie viele der Seufzer versandt' ich zum Mond, Seit ich meinen Mond in Erinnrung gebracht.
[7]  Hafis hob zum Himmel die Fahne des Siegs, Als er die Gedichte dem Schahe gebracht.
445
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.17-32.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.17
German Translation
[1]  Du, welche was hienieden Du immer wünschest, hast, Ich weiß nicht, welchen Schmerzen Du ob uns Armen hast.
[2]  Begehr' das Glas, und raube Das Herz dem Sklaven weg, Weil Freye zu beherrschen Du keinen Anstand hast.
[3]  Du kennest keine Mitte, Daher verwundr' ich mich, Wie in der Schönen Mitte Du stets das Mittel hast.
[4]  Es ist der Wangen Weiße, Gemalt nach den Huris, Indeß du schwarze Zeilen Auf Purpurblättern hast.
[5]  O trinke Wein, es gehet Dir alles leicht von Hand, Zumal im Augenblicke, Wo du den Schwindel hast.
[6]  Hör' auf, mich auszuschelten, Doch tränke stets mein Herz, Thu' was dir nur beliebet, Weil du die Vollmacht hast.
[7]  Lanzetten hunderttausend Gebrauch nach deiner Lust, Wenn ob dem Blut des Kranken Du einen Zweifel hast.
[8]  Vergiß die Nebenbuhler, Sey heitern frohen Muths, Denn leicht sind alle Dinge, Wenn einen Freund du hast.
[9]  Wenn du zu dem Genusse Des Freundes einst gelangst, So weiß'st du, daß du alles, Was du nur wünschest, hast.
[10]  Hafis, nimm Ros' und Becher, Nimm um die Mitte sie, Weil auf des Gärtners Launen, Du nicht zu schauen hast.
137
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.38-10.38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.38
German Translation
[1]  Mein Herz hat sie davon geführt, Und sich davon gemacht, O Gott! O Gott! mit wem wird denn Das harte Spiel gemacht?
[2]  Des Morgens wirkte Einsamkeit, Auf meine Seele ein, Allein des Liebchens Phantasie Hat mich ganz froh gemacht.
[3]  Warum soll ich nicht Tulpen gleich Von blut'gem Herzen seyn! Es hat ja die Narzisse mir, Den Kopf so schwer gemacht.
[4]  Wem kann ich es wohl anvertrau'n. Daß, statt die Schmerzensgluth Zu lindern, ärger mir der Arzt Die Schmerzen hat gemacht.
[5]  Er hat mich einer Kerze gleich, So jammervoll verbrennt, Daß laut die Flasche drüber weint, Die Laute Seufzer macht.
[6]  Gieb Ostwind her die Arzeney, Gieb her, jetzt ist die Zeit, Denn bis zur Seele hat der Schmerz, Sich einen Weg gemacht.
[7]  Wem kann ich von dem trauten Freund Erzählen Freudenkund', Er hatte so und so gesag't, Er hatte dies und das gemacht.
[8]  Die ärgsten Feinde hätten dir, Hafis nie angethan, Was Bogen, und was Augenpfeil Des Freundes dir gemacht.
396
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.15-29.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.15
German Translation
[1]  Schenke, Morgen ist's! Fülle den Becher mit Wein, Eile, eil', denn es harret die Zeit nicht auf uns.
[2]  Schenk'! eh' daß noch die nichtige Erde zerfällt Wollen selber wir fallen in röthlichen Wein.
[3]  Sieh! es steigt aus dem Becher die Sonne des Weins. Wenn nach Lust dich verlanget, verkürze den Schlaf.
[4]  Krüge werden aus unserem Thon nicht geformt, Füllt, o füllet dann unsere Schädel mit Wein.
[5]  Was bekümmre ich mich um Zellen und Reu', Rede, rede mich an mit dem Becher voll Wein.
[6]  Weinverehrung, Hafis, ist ein gutes Geschäft, Stehe auf und verwend' dich zum guten Geschäft.
361
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.53-28.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.53
German Translation
[1]  Ha! er zertrat mich, er hat mich zum Staube des Weges erniedrigt. Aber ich küsse den Staub, fleh' um Vergebung den Fuß.
[2]  Ueber dich beklag' ich mich nicht, bewahre der Himmel! Denn ich bin dein Sklav, wünsche dir Segen als Knecht.
[3]  Meine Hoffnung ist an die langen Haare geheftet, O verkürze du mir nimmer die Hände der Lust!
[4]  Ich bin ein Stäubchen des Staubs, bei dir ist's mir so behaglich, Doch ich fürchte, mein Freund, daß mich der Wind nicht entführt.
[5]  Morgens hat mir der Wirth das Glas der Welten gegeben, Und von deinem Reiz mir dazu Kunde gebracht.
[6]  Freilich gehör' ich sonst zum Kloster der höheren Welten, Aber mein Unterpfand ist jetzt in dem Schenkengelag'.
[7]  Auf! mit mir, der am Wege ich sitze, wir gehen zur Schenke, Daß du Zeuge seyst, was mir für Ehre gebührt.
[8]  Trunken giengst du vorbei, und dachtest nicht deines Hafisens. Wehe! wenn mein Ach! etwa ergriffe dein Kleid.
[9]  Angenehm war's, als am Morgen der Größte der Fürsten selbst sagte: Samt der Herrschaft bin ich Turanschahs Diener und Knecht.
436
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.8-32.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.8
German Translation
[1]  Hätte dieser schwarze Bart Mir ein Wort geschrieben, O das Blatt von meinem Seyn Wäre aufgeschrieben!
[2]  Bringet Trennung gleich zuletzt Früchte des Genusses, Besser wär's, man hätte jetzt Nicht verpflanzt den Samen. Deine Feder hört nie auf Zucker auszuströmen! Doch du zeigtest Liebe nicht, Schriebest keine Antwort. Hätte dich der Architekt Liebe nicht gebauet, Wär' mit Liebe Menschenthon Nicht geknetet worden?
[3]  Sage mir vom Paradies Nichts, du frommer Klausner, Denn mein Mädchen ist Huri, Und mein Haus ist Eden.
[4]  Nimmer ruht es sich bequem Auf der Liebe Soffa. Mangeln goldne Polster nur, Thun's auch Strohtapeten.
[5]  Gieb nicht für den Prunk Schebads, Für den Garten Erems, Eine Flasche voll von Wein, Eine Saat der Lippen. Was ist für ein Unterschied Zwischen unserm Wissen, Wer nicht sieht, was weiß er wohl, Was da schön und mild sey. Nicht allein in meinem Sinn Ist ein Götzentempel, Ueberall steht ein Alatr, Ueberall Idole.
[6]  Weises Herz, wie lang wirst du Leiden auf der Erde? Weh des Schönen, welches sich Hat verliebt in Wilde.
[7]  Von dem Kleid mit Wein befleckt, Rühret her das Unglück, Sage, wo ist wohl der Mann Deines Sinns und Herzens.
[8]  Warum ließ Hafis dein Haar Wohl aus seinen Händen, So ward es ihm einst bestimmt, Konnt' er anders handeln?
139
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.40-10.40
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.40
German Translation
[1]  Mein Gesicht lag auf dem Weg, Keinen Schritt hat er vorbeigethan. Viel des Süßen harrte sein, Keinen Blick hat er auf mich gethan.
[2]  Meine Thränen konnten nicht Schwemmen aus dem Herzen seinen Groll, Regentropfen haben nie Wirkung auf den Marmorstein gethan.
[3]  Herr! bewahr' in deiner Huth Diesen Jüngling, der die Herzen raubt, Welcher keine Gegenwehr Wider Seufzerpfeile hat gethan.
[4]  Meiner Klagen Wehgetön, Ließ nicht ruhen Vögel, Fische nicht. Aber sieh! das Schelmenaug' Hat vom Schlaf kein Auge aufgethan.
[6]  Meine Seele, sage: wo Ist das fühlungslose Herz aus Stein, Das sich wider seinen Pfeil Nicht als Schild hat gern hervorgethan.
[7]  Deine Lieder, o Hafis, Sind so schön, daß, wer sie kennt, sie lernt. Einmal dem Gedächtniß eingeprägt, Werden sie durch nichts mehr ausgethan.
173
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.74-10.74
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.74
German Translation
[1]  Beim Gebet sind mir Deine Brau'n in Gedanken gekommen. Vom Altare her Ist mir Klagen und Wehe gekommen.
[2]  Du verlang' von mir Herzensruh', und vernünftige Art nicht. Alles, was du sahst, Haben Winde zum Spiele bekommen.
[3]  Rein ist nun der Wein, Und die Vögel der Flur sind betrunken. Liebesodem weht Und die Lieb' ist in Vorschein gekommen.
[4]  Ich vernehme nun Guten Duft von dem Laufe der Zeiten, Rosen bringen Lust, Und der Ostwind ist fröhlich gekommen.
[5]  Du beklage nicht Neuvermählte der Tugend! dein Schicksal, Schmück' dein Kämmerlein, Denn der Bräutigam ist nun gekommen.
[6]  Jene Mädchenschaar Die zum Reiche der Pflanzen gehöret, Ist in sich verhüllt, Meine Schöne ist offen gekommen.
[7]  Alle Bäume sind Mit der Bürde der Zweige belastet, Schön ist die Cypreß, Die mit Freyheit davon ist gekommen.
[8]  Sänger sing' ein Lied, Von den lieblichen Liedern Hafisens, Daß ich sagen kann: Lust sey mir in Erinnerung gekommen.
43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.29-4.29
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.29
German Translation
[1]  Des Gartens fröhliche Flur, Der Freunde Gespräch ist lieblich. Den Rosenhainen Heil! sie sind für Trinkende lieblich.
[2]  Das Morgenlüftchen erquickt, Die Seele mit frischen Düften, Fürwahr, fürwahr! verliebter Seelen Düfte sind lieblich.
[3]  Die Ros' ist unaufgeknospt Der Flur zu entfliehen willens, O klag' Bulbbul! der wunden Herzen Klagen sind lieblich.
[4]  Viel Glück dem Sänger der Nacht Im Liebesgebieth! die Klagen Verliebter so die Nacht durchwachen Dünken ihm lieblich.
[5]  Vergnügten Herzens allhier Ist Keiner, und wird es Einem, So wird es nur dem Schelmischen und Trunknen lieblich.
[6]  Der freyen Lilie Zung Ertheilte mir diese Kunde: Der Leichtgeschürzten Thun auf dieser Erden ist lieblich.
[7]  Der Welt entsagen Hafis, Dies leitet zur Herzensfreude. Du meine nicht, es sey der Stand der Mächtigen lieblich.
245
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.1-12.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.1
German Translation
[1]  Immer sey der Verstand die baare Münze des Lebens,Gilt er doch nichts beim Golde der Liebe.
[2]  Ha! o Papagey, der von der Liebe Geheimnissen schwätzet,Nie fehl's deinem Schnabel an Zucker!
[3]  Immer grüne dein Haupt, und immer sey fröhlichen Herzens,Bist mir ein Bild von den Flaumen des Freundes.
[4]  Ein verborgenes Wort hast du zu den Freunden gesprochen,Gott! heb' auf vom Räthsel den Schleier!
[5]  Günstiges Glück! bespreng' mich mit Rosenwasser vom Becher,Denn mein Auge ist beflecket vom Schlafe.
[6]  Welchen Ton hat der Sänger zu seiner Weise gewählet,Daß die Trunknen und Nüchternen tanzen!
[7]  Siehe die Wirkung des Moschus, den der Schenk' in den Wein hat geworfen,Kopf und Dulbend geh'n beide verlohren.
[8]  Alexandern ward nicht verlieh'n das Wasser des Lebens,Gold und Gewalt erzwingen nicht solches.
[9]  Komm' und höre mir an der Betrübten traurige Lage,Worte sind wenig, und viel ist der Inhalt.
[10]  Sina's Götzenbilder, sie sind die Feinde des Glaubens,Herr! bewahre mein Herz und den Glauben.
[11]  Nüchtern sag' und erzähle du nie das Geheimniß des Rausches,Seelenkunde frag' nicht von den Gemälden.
[12]  In den Reichen der Dichtkunst weht Hafis als die FahneDurch des Schahes schützende Gnade.
226
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.127-10.127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.127
German Translation
[1]  Ich fürchte, daß durch meine Thränen Der Schleier zerrissen wird, Daß mein versiegeltes Geheimniß Den Leuten entdecket wird.
[2]  Man sagt, daß durch Geduld der Kiesel, Zuletzt zum Rubin wird, Wohl wahr! daß durch das Blut des Herzens Er röthlich gefärbet wird.
[3]  Ich will mit Weinen und Flehen Nun einmal zur Schenke geh'n, Vielleicht daß von der Hand des Grams Die Seele befreyet wird.
[4]  Von allen Seiten flogen Pfeile Von meinem Gebete ab, Vielleicht daß einer von denselben Doch etwas erzielen wird. Die Schwelle des Pallasts der Herrschaft, Die du, o mein Mond! bewohnst, Sie ist die Werkstatt, wo aus Köpfen Der Mörtel zubereitet wird.
[5]  O Seel', erzähle unsre Sage Von neuem dem süßen Freund, Doch sag' ihm so, daß nichts davon Vom Ostwind gehöret wird. Wenn alles nicht nach Wunsche gehet, So kümmere du dich nicht, Ich danke Gott, daß, statt des Bösen Nichts Böseres auf dich kömmt. Mein Herz, geduldig trage Alles, Betrübe dich nicht, weil doch Zuletzt aus diesem Abend Morgen, Und Licht aus dem Schatten wird.
[6]  Es ward durch deinen Stein der Weisen Mein Antlitz in Gold verkehrt, Indem durch deine Huld selbst Erde In Goldstaub verwandelt wird.
[7]  Der Stolz des Nebenbuhlers bringt mich In Staunen und Aengstlichkeiten, O Herr! verhindre, daß ein Bettler In Ehren gehalten wird. Du hohe Ceder, bist so störrig, Du pochest auf deinen Wuchs, Zu dem von meinen kurzen Händen Nie eine gelangen wird.
[10]  Ist seiner Locken Moschusschleier In deinem Besitz, Hafis, So schweige still, weil sonst vom Ostwind Die Nachricht vernommen wird.
10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.10-1.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.10
German Translation
[1]  Unser Scheich wallte gesternAus dem Bethaus in die Schenke.O ihr frommen Männer saget,Was ist uns forthin zu rathen?
[2]  Wie doch können wir die JüngerDas Gesicht zur Kaaba wenden,Wenn der alte Vater ScheichSelber in die Schenke gehet!
[3]  Ey so lasset mit dem WirtheUns gemeine Sache machen!Denn so wars von EwigkeitenIn das Schicksalsbuch geschrieben. Sieh ein Windhauch in die LockenHat die Welt für mich verfinstert!Dieses also ist der NutzenDen mir deine Locken bringen. Ruhe hatte sich mein HerzIn dem Netze aufgefangen,Sieh da rollten auf die Locken,Und entflohen war die Beute.
[4]  Wüßte der Verstand, wie seligHerzen in den Locken ruhen,O! es würden die Verständ'genUnsrer Bande wegen närrisch.
[5]  Einen Vers vom SchönheitskoranHat mir dein Gesicht enthüllet.Deßhalb athmen meine VerseHohe Schönheit, reine Anmuth.
[6]  Können meine FeuerseufzerUnd die Gluthen meines Busens,So die ganze Nacht durch brennenNicht dein steinern Herz bewegen!
[7]  Sieh Hafisens Seufzer-PfeileSind zum Himmel aufgeflogen,Haben Mitleid mit demselben,Fürchte dich vor meinen Pfeilen.
469
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.41-32.41
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.41
German Translation
[1]  Düfte des Weins sind gekommen, und meine Begier ist gewachsen, Für den Staub der Thür' werde geopfert mein Geist.
[2]  Immer ist es ein Glück zu vernehmen Kunde vom Freunde, Ha! wer bringt von mir freundliche Grüße zu Saad!
[3]  Komm' am Abend der Fremden, und schau' mein Auge voll Thränen, So schwimmt reiner Wein in dem kristallnen Gefäß.
[4]  Wenn ich bräche den Mund und hin nach Eden mich sehnte, Fliehe von mir der Schlaf, fliehe der schmeichelnde Traum!
[5]  Lang' ist's wahrlich nicht mehr bis zu dem Tage der Trennung, Denn ich erblickte schon über den Hügeln das Zelt.
[6]  Selig der Augenblick, wo ich dich einstens begrüße, Wo ich dir sage: gegrüßt! Sey mir von Herzen gegrüßt! Weinet der Vogel des Glücks im Garten genannt Sileroki, Wird die Taube doch nicht weinen im Garten von Saad.
[7]  Ferne bin ich von dir, und irre herum in der Fremde, Ob ich gleich den Mond niemals im Vollschein geseh'n.
[8]  Wenn ich gleich Nichts besitze, das werth ist des Umgangs der Fürsten, So erlaube mir doch, daß dein Bedienter ich sey.
[9]  Bald, o bald, so hoff' ich, erblick' ich ein besseres Schicksal, Herrschen erfreuet dich, mich dir gehorsam zu seyn.
[10]  Deine Verse, Hafis, sind Perlen süßer Sorbete, Uebertreffen gar manchmal die Verse Nisami's.