267
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.1-15.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.1
German Translation
[1]  Wenn du vorbeigehst Ost am Ufer des AraxesSo küß' den Staub des Thals, durchwürze deine Seele.
[2]  Da wirst du Selma's Platz, den hundertfach ich küßteVoll vom Geschrey und Lärm der Karawanen finden.
[3]  Dort küße das Gepäck der Freundin, seufze klagend:Ich bin durch Flucht verbrannt, o helfe mir Geliebter!
[4]  Ich, dem eh guter Rath wie Lautenton verklungenMag jetzt durch Trennung klug denselben gerne hören.
[5]  Du schwärme bei der Nacht, denn in der Stadt der LiebeSind Schwärmer wohl bekannt dem Obersten der Wache.
[6]  Ganz eigen ist das Spiel der Liebe, setz den Kopf ausWenn du im Spiel verlangst den Ballen fortzuschlagen.
[7]  Mein Herz hat sich dem Aug des Freundes überlassenWiewohl Vernünftige sich Keinem überlassen.
[8]  Es schwelgt der Papagey im Zuckerfeld mit WohlbehagenDie arme Ameis schlägt aus Leid die Händ' zusammen.
[9]  Ich fleh' die Majestät des Schahes um Nichts Anders,Als daß Hafisens Nam' dem Kiel des Freundes entfließe.
147
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.48-10.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.48
German Translation
[1]  Der Ostwind hat gestern mir Kunde gebracht, Es seyen die Tage des Lebens vollbracht.
[3]  O komme Geliebte, die vom Paradies Der Hüter für mich auf die Erde gebracht.
[4]  Wir geh'n nach Schiras mit der Hülfe des Freunds; Ein guter Gefährt, den das Glück mir gebracht!
[5]  O halte in Ehren das weiche Gemüth, Es hat oft die Krone des Königs gebracht.
[6]  Wie viele der Seufzer versandt' ich zum Mond, Seit ich meinen Mond in Erinnrung gebracht.
[7]  Hafis hob zum Himmel die Fahne des Siegs, Als er die Gedichte dem Schahe gebracht.
268
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.2-15.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.2
German Translation
[1]  Eine rosichte Wang' vom Rosenbeete genügt mir,Und der Wuchs der Cypreß' von dieser Wiese genügt mir.
[2]  Ferne sey es von mir, mit Gleißnern mich zu besprechen,Von dem Gewichte der Welt ein einziges Rotel genügt mir.
[3]  Edens Pallast ward als Lohn für gute Gaben gegeben.Ich bin arm, und trunken des Wirthes Schenke genügt mir.
[4]  Sitz' an dem Ufer des Stroms, und sieh wie das Leben vorbeifließt;Dieses Zeichen vom Unbestand der Zeiten genügt mir.
[5]  Sieh' die Münze der Welt, und sieh' die grämliche Waare;Wenn Euch dieser Kauf und Verkauf nicht genügt, er genügt mir.
[6]  Schicke mich nicht von deinem Thore nach Eden hinüber,Raum und Zeit ist genug, ein einziger Winkel genügt mir.
[7]  Klag' nicht Hafis daß ungerecht die Theilung vor sich gieng;Deine Natur und Verse die fließen wie Wasser, genügt dir.
386
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.5-29.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.5
German Translation
[1]  Beim Herren! geselle dich nicht zu dem Mönch, Verhülle die Wangen vor Trunkenen nicht.
[2]  Befleckt ist die Kutte nur leider zu viel, Gesegnet die Zeiten der Kleider voll Weins!
[3]  Mir thaten die Weiseren nie was zu Leid, Die Freude der Trinker sey niemals getrübt.
[4]  Du bist von zu zarter und feiner Natur, Ertragest der Kutten Beleidigung nicht.
[5]  Du hast mich berauschet, verstecke mich nicht, Eröffne die Lippen, das trunkene Aug'! Es brauset der Wein aus Verlangen nach dir,
[6]  O schau, wie von diesen Bedrückern bedrängt, Die Flasche voll Blut ist, das Barbiton stürmt.
[7]  Nimm dich vor der Hitze Hafisens in Acht! Es brauset gleich siedenden Töpfen sein Herz.
252
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.8-12.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.8
German Translation
[1]  Komm' ich noch einmal in's Leben,Geh' ich in die Schenke wieder,Will alsdann nichts anders thun, alsTrunkene bedienen wieder.
[2]  Dreymal fröhlich ist die Stunde,Wo mit thränenvollen AugenIch zur Schenke gehen werde,Wasser auszugießen wieder.
[3]  Herr mein Gott! es haben dieseLeute nicht die kleinste Kenntniß,Meine Edelsteine will ichAndern Käufern bieten wieder.
[4]  Wenn mein Freund von dannen gehet,Alter Bande sich erinnernd,Gott behüt' mich, daß ich sollteAndre Freunde suchen wieder.
[5]  Wenn des blauen Himmels KreislaufMich ein wenig hier beängstigt,Werd' in einem andern ZeitlaufMeinen Freund ich finden wieder.
[6]  Mein Gemüth sucht längstens Ruhe,Wenn nur jenes Schelmenauge,Jene losen SternenlockenSchon vorüber wären wieder.
[7]  Mein verborgenes GeheimnißIst die Fabel aller Leute,Mit dem Pfeile, mit der TrommelGeht es auf den Marktplatz wieder.
[8]  Alle Augenblicke klag' ichUeber Leiden, denn der HimmelZielt auf mich mit jeder Stunde,Daß er mich verwunde wieder.
[9]  Du Hafis bist nicht vereinzelt,Viele sind in dieser Wüste,Viele sind zu Grund gegangen,"Sag' ich zu mir selber wieder.
434
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.6-32.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.6
German Translation
[1]  O Lieb' und trinke stets mein Herz! Dann ist dir Seyn und Nichtseyn gleich.
[2]  Siehst du die Frommen, schau' auf dich, Denn Selbstsucht ist das Böseste.
[3]  Freue dich mit deiner Schwäche Wie der Ostwind erfreue dich, Denn die Krankheit ist hienieden Besser als die Gesundheit.
[4]  Die Kälte zeigt von wenig Treu, Der Rausch ist listig und gewandt,
[5]  Du bist unwissend wenn du prahlst, O glaube, liebe dich nicht selbst.
[6]  An den Himmel denke immer In dem Kreis der Geliebten, Denn du fällst vom Glückesgipfel Sonst hinab in Verachtung.
[7]  Zwar verletzen mich diese Dornen, Dennoch verlang' ich Rosen, Bitterkeit des Weins ist lieblich In der Süße des Rausches.
[8]  Mönche trinken aus dem Becher Und Hafis aus den Flaschen, O ihr kurzen Aermel, wann, wann Werden kürzer die Hände.
272
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.1-16.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.1
German Translation
[1]  Komme zurück und sey des Herzens Seelenvertrauter,Sey der geheime Rath meines vertrauten Gemüths.
[2]  Von dem Weine, der in der Schenke der Liebe verkauft wirdSchenke Gläser mir ein, wenn's in der Fasten auch ist.
[3]  Weiser Gefährte, der du die Mönchenkutte verbrannt hast,Wende Mühe darauf, immer betrunken zu seyn.
[4]  Zu dem Freunde, der spricht: mein Herz hat deiner geharret,Sage: Lieber ich komm'! harre mit Sicherheit mein.
[5]  Aus Begier des Rubins ist mein Herz zu Blute geworden.Immer o Kästchen der Lieb' trage dies Zeichen an dir.
[6]  Daß dem Herzen des Freund's vom Gram anfliege kein Stäubchen.Fließet ihr Thränen dem Brief, fließet in Strömen ihm nach.
[7]  Du verlangest Hafis den Welten zeigenden Spiegel,Halte dich an den Wesir unseres anderen Dschems.
143
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.44-10.44
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.44
German Translation
[1]  Viel Jahre sind vorbei, seitdem mein Herz umsonst, Sich nach dem Glas Dschemschides sehnte, Daß es um einen Schatz, den es doch selbst besaß, Nachforschungen bey Fremden machte,
[2]  Daß es an elende verbrannte Liebende, Die weinend an dem Meere weilen, Die Foderung von Perlen, wie in Muscheln nie Bisher gefunden worden, machte.
[4]  Ich sah, er hielt mit Lachen, und mit heitern Muth, Den Becher voll mit Wein in Händen, Dies war sein Glas, in dem er sich Geheimnisse, Nach Hunderten zu schauen, machte.
[5]  Ich sprach zu ihm: sag' mir, o Weiser! wer hat Dir Dies Weltenperspectiv gegeben? Er sprach: der Schöpfer, an dem Tag', als Er Den Schmelz des himmlischen Gewölbes machte.
[6]  Der herzbetrübte Mann, er wußte nicht daß Gott In seiner Lage ihn umschwebte. Daher geschah's, daß er, der Gott nicht sah, mit ihm Von ferne nur Bekanntschaft machte.
[7]  Die Gaukeleien, welche die Vernunft allhier Begann vor unsrem Angesichte, Sind wie die Gaukelei'n, die einst der Stab Samirs Vor Moses Wunderstabe machte.
[8]  Und weiter sprach er von dem Herrn: Er ist es, der Gewalt der Herrschenden erhöhte, Er ist es, der durch seine Körperwelt uns das Geheimniß kund und offen machte;
[9]  Ein Jeder, dem der Both des Herren Gabriel, Zu seinen Werken Hülfe sendet, Wird leicht im Stande seyn, zu thun ein Wunderwerk, Wie der Herr Jesus selbe machte.
[10]  Ich fragte meinen Wirth, warum ist denn das Haar Der Schönen einer Kette ähnlich? Er sprach: dein närrisch Herz zu fesseln, o Hafis! Weil man darüber Klagen machte.
127
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.28-10.28
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.28
German Translation
[1]  Vor deinem Angesicht Der Mond nicht Schimmer hat, Die Rose keine Glanz Vor deinen Wangen hat.
[2]  Des Herzens Posten sind Der Augen hohe Brau'n; Solch einen schönen Ort Kein Fürst und König hat.
[3]  Was thut des Herzens Rauch Den Wangen denn zu Leid? Du weißt, ein Spiegel nichts Vom Hauch zu fürchten hat.
[4]  Wie frech ist die Narziß', Daß sie vor dir noch blüh't, Daß mit zerriß'nem Aug', Sie wenig Sitte hat.
[5]  Ich sehe, daß das schwarze Aug' Das dir im Kopfe rollt, Auf keinen alten Freund Die kleinste Rücksicht hat.
[6]  Herold, der Schenke gieb Mir nur ein Rotel Wein's, Auf's Wohlseyn unseres Scheihs Der keine Pfründe hat.
[7]  Du trinke Blut und schweig', Indem das zarte Herz, Für solche Klagen nicht Geduld und Muße hat.
[8]  Geh' hin und wasch' mit Blut Den Aermel Jedermanns, Der nicht zur Schwell' der Thür', Den Weg gefunden hat.
[9]  Ich bin es nicht allein, Den dieses Haar verfolgt, Wer ist's, der in der Brust Kein Brandmaal hat?
[10]  Hafisen schmähle nicht, Er liegt anbetend da, Ein Freygeist in der Lieb' Auch keine Sünde hat.
443
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.15-32.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.15
German Translation
[1]  Wenn im Rosenbeete du Cedern ähnlich schwankest, Fressen Rosen alsogleich Eifersüchtig Dornen.
[2]  Jedes Ringel deines Haars Ist voll List und Truges, Deiner Augen Zauberei Machet nichts als Kranke.
[3]  Trunknes Auge meines Freund's Schlaf' nicht wie mein Glück ein, Ach und Wehe hält dich rings Wach' von allen Seiten.
[4]  Meiner Seele Münze streu' Ich im Staub' des Weg's hin, Aber diese baare Münz' Zahlet deinen Werth nicht.
[5]  Wandle nicht, mein Herz, den Weg Von den Lockensklaven, Wenn du blind den Weg verfolgst, Wie wird's dir gelingen!
[6]  Hingegeben ist mein Haupt, Ungethan die Hauptsach', Fortgeflohen ist mein Herz, Und kein Herz ergriff ich.
[7]  Einem Punkte bist du gleich, Sprach ich in dem Kreise, Lächelnd sprach sie, du Hafis Gleichest einem Kreise.
441
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.13-32.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.13
German Translation
[1]  Ey, was wär' es, wenn das Herz Meiner Freundinn freundlich wäre, Meine Lage wär' nicht so, Glaubt mir's wenn sie anders wäre.
[2]  Was, so sprach ich, wären werth Meiner Freundinn Locken, Wenn an jeder Spitze Haars Tausend Eine Seele wäre.
[3]  Was der Werth des Staubes sey, Würde dann erst gänzlich klar seyn, Wenn des Lebens Kapital Ewighin verzinset wäre.
[4]  Wenn die Welt mich werth geschätzt Und in hohen Ehren hielte, Ist's doch sicher, daß mein Thron Ihrer Thüre Schwelle wäre.
[5]  Käm' heraus vom Schleierzelt, Meiner Freundinn, wie die Thränen, O so wüßt' ich, daß sie dann Meiner Augen Fürstinn wäre.
[6]  Wenn der Weg zum Liebeszirkel Nicht der Welt verschlossen wäre, Glaube mir, daß dann Hafis Dennoch stets im Mittel wäre.
253
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.9-12.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.9
German Translation
[1]  Du, deren WangenglanzErfrischt das Tulpenbeet des Lebens,Komm'! ohne dein GesichtVerwelkt der Frühlingsglanz des Lebens.
[2]  Recht ist's, wenn Thränen mirWie Regen von den Augen fließen,Denn wie der Blitz verschwandIm Gram um dich die Zeit des Lebens.
[3]  In diesem AugenblickWo du des Glückes Antlitz schauest,Bereite dir dein Loos,Verborgen ist das Loos des Lebens.
[4]  Wie lang' noch Morgenwein!Wie lang' noch süßer Schlaf am Morgen!Erwach! erwach! vorbeiIst längstens schon die freye Wahl des Lebens.
[5]  Sie gieng bei mir vorbei,Doch ohne auf mich her zu sehen,O! armes Herz, das nichtsGenoß im Uebergang des Lebens.
[6]  Den grauen Schlund des NichtsWird jeder Glückliche verhöhnen,Der deines Mundes PunktErkohr zum Mittelpunkt des Lebens.
[7]  Von allen Seiten drohtIm Hinterhalt' ein Heer Gefahren,Verhängten Zaumes sprengtDavon der Reiter unsers Lebens.
[8]  Selbst lebenslos bin ichLebendig, dies soll dich nicht wundern,Wer zählt den TrennungstagWohl zu den Tagen seines Lebens.
[9]  Hafis, o sprich ein Wort,Denn auf der Erde weiter FlächeBleibt deiner Feder Bild,Ein Denkmal deines Lebens.
158
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.59-10.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.59
German Translation