57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.43-4.43
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.43
German Translation
[1]  Schau den Schwarzen nur an, Der die Welt versüßt! Augen glühen, Lippen lachen Herzen sind fröhlich durch ihn.
[2]  Zuckermündige sind Zwar die Herr'n der Welt, Aber Salomon ist jener, Welcher den Siegelring hat.
[3]  Er ist schön von Gesicht. Rein und tugendvoll. Beider Welten reine Seelen Geben darum ihm Geleit.
[4]  Dieses schwärzliche Maal Auf den weißen Wangen, Lehrt uns dieses sey das Körnlein Welches einst Adam verführt.
[5]  Weise sinnet der Freund, Freunde helft bey Gott! Wie wird's gehen dem wunden Herzen? Denn die Arzney ist bei Ihm.
[6]  Wem kann ich es vertrauen? Dieser Mörder hat Mich erschlagen, ob er gleich den Hauch des Meßias besitzet.
[7]  Zähle deinen Hafis Stets den Frommen zu, Denn es wandeln viele Geister Seliger Freunde mit ihm.
33
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.19-4.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.19
German Translation
[1]  Wer die Einsamkeit wählt, was hat er vonnöthen des Gaffens? Ist er im Winkel des Freunds, hat er der Felder nicht noth.
[2]  Ich beschwör' dich bei Gott! Hast du vonnöthen des Himmels, Frag mich ein einzigesmal, frage mich, was ist dir noth?
[3]  Fürst der Schönheit, bei Gott! Ich bin aus Liebe verbrennet; Frag' mich endlich doch: haben die Bettler wohl noth?
[4]  Viel sind unsere Nöthen, jedoch wir sparen der Bitten, Denn bei ihrem Gemüth haben wir Flehen nicht noth.
[5]  Forderst du meinen Geist, was hat es Erklärung vonnöthen, Dir gehört mein Gesicht, hat es des Raubens wohl noth?
[6]  Meiner Freundin Gemüth ist der weltenzeigende Spiegel; Ach sie hat des Berichts, daß was dir noth ist, nicht noth.
[7]  Einige Zeit ertrug ich die Last der Qualen des Schiffes, Seit die Perlen mein sind, hab' ich des Meeres nicht noth.
[8]  Du Vielfodernder flieh, ich habe mit dir nichts zu schaffen; Meine Freunde sind da, hat es der Feinde wohl noth?
[9]  Bettler! Es kennt der Freundin seelenvergeudende Lippe Deine Ford'rung, sie hat keiner Erläuterung noth.
[10]  Siegte Hafis dein Wort, von selbst erscheinet die Tugend. Zank und leerer Streit sind mit dem Gegner nicht noth.
121
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.22-10.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.22
German Translation
[1]  Es ist gewiß, wer den Sinn Im Freund versammelt hat, Das gute Glück zur Folgemagd Und zur Gefährtinn hat.
[2]  Weit höher ist, als der Verstand, Der Liebe Kabinet, Die Thüre küßt nur, wer die Seel In seinem Aermel hat.
[3]  Es ist der Mund des Freund's vielleicht Das Siegel Salomons, Das unter des Rubinens Macht Die Welt zu Diensten hat.
[4]  Mein Freund hat einen Moschusflaum, Und Lippen wie die Gluth, Ich will dem Schönen schmeicheln fein, Der dies und jenes hat.
[5]  Wohlhabender, die Armen schau' Nicht mit Verachtung an; Indem der Ehren erster Platz Viel arme Sitzer hat.
[6]  Weil du noch auf der Erde bist, Benütz' Gelegenheit, Indem das Grab unendlich viel Unnützer Zeiten hat.
[7]  Es schirmt von Uebeln Seel' und Leib Der Armen Herzgebet, Indeß, wer sich vor Armen schämt, Kein gutes Ende hat.
[8]  O sprich von meiner Liebe doch Zum Schah der Schönen Ost! Zu ihm, der Keichosrew, Dschemschid Zu seinen Dienern hat.
[9]  Sagt er, ich will nicht, daß in mich Hafis verliebet sey, So sage, daß die Bettler selbst Der Fürst zu Freunden hat.
192
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.93-10.93
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.93
German Translation
[1]  Warum, o schwankende Ceder Neigest du dich zur Wiese nicht! Warum vertraust du der Rose, Und gedenk'st der Narziße nicht!
[2]  Ich klagte über die Locken Und den Zauber derselben laut, Sie sprach: es folgt mir im Guten Dieser schwarze Verräther nicht.
[3]  Seitdem ich kleinlichen Herzens Locken-Bisam zusammen trag', Verlangt das Herz von entfernten Orten nicht nach der Heimath hin.
[4]  Vor ihrem Bogen und Pfeilen Hab ich Bitten und Flehen gewagt, Sie zog die Sehne des Bogens, Und verlieh ihr Gehör mir nicht.
[5]  Der Ostwind hauchet im Duften, Spezerei'n und Gewürze aus. Warum verwandelt der innre Sinn Veilchenerde in Moschus nicht?
[6]  Nun sind die Locken des Veilchens Aufgerißen vom Hauch des Osts. Warum erinnert mein Herz sich Dieses Bündnißzerreißers nicht.
[7]  Entbrannt von Gier nach deinem Genuße Traut der Seele das Herze nicht. Die Seele, dich nur verlangend, Dien't dem Leben des Körpers nicht.
[8]  Mein silberschenklichter Schenke, Schenket uns nur die Hefen ein! Wir wünschen ähnlich dem Glas ganz Mund zu werden; wer wünscht es nicht?
[9]  O zieh' zurücke die Hände, Meinen Wangen thu' nichts zu Leide! Der Tropfen Thaues wird ohne Meine Thränen zur Perle nicht.
[10]  Hafis befolgte dein Wort nicht, Deine Wimpern erstachen ihn Mit Recht! denn Jeder verdienet Tod, der freundlichem Rath nicht folgt.
313
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.5-28.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.5
German Translation
[1]  O Morgenwind, wenn du durchhauchstDie Moschuslocken,So sollst du meiner EifersuchtJa nicht vergessen.
[2]  Komm' Schenke, denn ich möchte dirSo gerne dienen,Ich sehne mich nach deinem Dienst,Und wünsche deinen Segen.
[3]  Vom Orte wo dein Becher strahlt,Mich zu entfernen,Dünkt mir so finster als das LandDer Finsterniße.
[4]  Bin ich auch hundertmal versenktIn's Meer der Sünden,So wird mir doch verziehn, wenn ichDie Liebe kenne.
[5]  O Frommer! schmäh' nicht meinen RauschUnd bösen Namen,Denn dieses war von EwigkeitMir so bestimmt.
[6]  O trinke Wein, die Lieb' ist nichtIn meiner Willkühr,Von Ewigkeit her gab man sieMir zum Geschenke.
[7]  Nie gieng ich aus dem VaterlandIn meinem Leben,Doch sieh', ich gehe dir zu liebNun in die Fremde.
[8]  Auf meinem Weg liegt Berg und Meer,Ich bin erkranket,O Chiser, du Gesegneter,Komm' mir zu Hülfe.
[9]  Zwar bin ich fern dem Anschein nachVon deiner Pforte,Allein ich bin mit Geist und HerzStets gegenwärtig. Ich führe meinen BlickpfeilVon meinen BrauenZum Ohre der Vernunft hinan,Und laure dorten.
395
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.14-29.14
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.14
German Translation
[1]  Verhüll' mit Moschushyacinthen Die Rosenblätter, Das ist die Wangen mit den Locken, Verheer' die Welten.
[2]  Ström' Schweiß von deinem Angesichte, Füll' an die Gärten, Wie die Pokale unsrer Augen, Mit Rosenwasser.
[3]  Des Lebens Tage geh'n vorüber Schnell wie die Rosen, O Schenke! eil' die Weinrubinen Herumzureichen.
[4]  Schließ auf die schlafende und trunkne Narziß liebkosend, Daß die Narzissen eifersüchtig Sich schlafen legen.
[5]  Mach' dich bekannt mit Veilchendüften, Schau' an die Locken, Schau' an der Tulpen Flor, begehre Das Glas zum trinken.
[6]  Seitdem die Liebenden zu morden, Dir ward zur Sitte, Reichst du den Becher hin den Feinden Und schmählest unser.
[7]  Siehst du das Weinglas, o so rolle Dein Aug' wie Blasen, Und schließ' aus Blasen auf den Zustand Des Weltgebäudes.
[8]  Hafis gieng auf dem Weg des Betens Nach dem Genusse; O Herr, erhöre die Gebete Der kranken Herzen.
297
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:24.1-24.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:24.1
German Translation
[1]  Wer brachte denn zuerst die Trennung auf die Erde?Auf immer bleibe schwarz das Haus der Flucht, der Trennung.
[2]  Der Feder Zunge spricht nicht aus den Schmerz der Trennung,Sonst hätt' ich dir erklärt die Sagen von der Trennung.
[3]  Des Lebens Zeit verfloß in Hoffnung des Genusses,O Weh! und noch nicht ist zu End' die Zeit der Trennung.
[4]  Ich heb' den Kopf mit Stolz bis an des Himmels Giebel,Und aus Geradheit lieg' ich auf die Schwell' der Trennung.
[5]  Wie kann ich fliegen mit dem Wunsche des Genusses?Entfiedert ward der Aar der Brust im Nest der Trennung.
[6]  Der Nachen der Geduld fiel auf dem Meer der Leiden,In einen Wirbel mit dem Segeltuch der Trennung.
[7]  Noch wenig fehlt, so wird des Lebens Schiff versinken,In Sehnsuchtsfluthenschwall im weiten Meer der Trennung.
[8]  Wenn ich die Trennung erwische, fürwahr! ich will sie ermorden,Und mit Thränen bezahl' ich dann die Blutschuld der Trennung.
[9]  Ich ziehe voll Geduld mit ihres Bildes Heeren,Ich wandle auf der Gluth der Flucht, im Schmerz der Trennung.
[10]  Wie kann die Seele fodern des Genusses Freuden?Mein Herz erliegt dem Loos, den Leib umfaßt die Trennung,
[11]  Der Sehnsucht Gluth hat längst mein armes Herz verbrennet,Vom Freunde ferne trink' ich Blut am Tisch der Trennung,
436
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.8-32.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.8
German Translation
[1]  Hätte dieser schwarze Bart Mir ein Wort geschrieben, O das Blatt von meinem Seyn Wäre aufgeschrieben!
[2]  Bringet Trennung gleich zuletzt Früchte des Genusses, Besser wär's, man hätte jetzt Nicht verpflanzt den Samen. Deine Feder hört nie auf Zucker auszuströmen! Doch du zeigtest Liebe nicht, Schriebest keine Antwort. Hätte dich der Architekt Liebe nicht gebauet, Wär' mit Liebe Menschenthon Nicht geknetet worden?
[3]  Sage mir vom Paradies Nichts, du frommer Klausner, Denn mein Mädchen ist Huri, Und mein Haus ist Eden.
[4]  Nimmer ruht es sich bequem Auf der Liebe Soffa. Mangeln goldne Polster nur, Thun's auch Strohtapeten.
[5]  Gieb nicht für den Prunk Schebads, Für den Garten Erems, Eine Flasche voll von Wein, Eine Saat der Lippen. Was ist für ein Unterschied Zwischen unserm Wissen, Wer nicht sieht, was weiß er wohl, Was da schön und mild sey. Nicht allein in meinem Sinn Ist ein Götzentempel, Ueberall steht ein Alatr, Ueberall Idole.
[6]  Weises Herz, wie lang wirst du Leiden auf der Erde? Weh des Schönen, welches sich Hat verliebt in Wilde.
[7]  Von dem Kleid mit Wein befleckt, Rühret her das Unglück, Sage, wo ist wohl der Mann Deines Sinns und Herzens.
[8]  Warum ließ Hafis dein Haar Wohl aus seinen Händen, So ward es ihm einst bestimmt, Konnt' er anders handeln?
235
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.136-10.136
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.136
German Translation
[1]  O der guten Zeit! Wenn der Freund zurückkommt, Wann nach der Betrübten Wunsch, Der sie kränkt, zurückkommt.
[2]  Nach dem Schah der Fantasie Sah ich heut mit halbem Schielen, Hoffend, daß der Reiterfürst Bald, sehr bald zurückkommt.
[3]  Wenn mein Kopf nicht willig ist, Seinem Schlägel sich zu fügen, Was soll sagen ich vom Kopf, Wer wohl über ihn noch kommt.
[4]  Ruhig saß ich, wie der Staub An dem Ende seines Weges Hoffend, daß auf diesem Pfad Er zu mir zurückkommt.
[5]  Glaube mir, in's Herz, das sich Mit Beständigkeit dem Saume Seiner Locken hat ergeben; Nie Beständigkeit zurückkommt. Meine Thränen werden nie Am Gestade Wogen schlagen, Wenn sein Wuchs so fein wie Haar, Mich zu retten, noch zurückkommt.
[6]  Was für Leiden tragen nicht In dem Winter Nachtigallen, In der Hoffnung, daß der Lenz Auf die Fluren bald zurückkommt.
[7]  O Hafis, ich hoffe wohl, Von dem Maler meines Schicksals, Daß von der Cypreß' ein Zweig In die Hände mir zurückkommt.
352
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.44-28.44
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.44
German Translation
[1]  Es ist schon lang, daß ich in Schenken Den Diener mache, Daß ich als Bettler die Geschäfte Der Reichen mache.
[2]  Bis in die Falle des Genußes Das Rebhuhn rennet, Will ich im Stillen Jagd auf gute Momente machen.
[3]  Der Prediger hat nie vernommen, Den Duft der Wahrheit, Ich sag' es laut, und will daraus kein Geheimniß machen.
[4]  Ich gehe, wie der Ostwind, schwankend Zum Gau des Liebchens, Da müßen Rosen und Jasminen Mir Hülfschor machen.
[5]  Die Erde deines Gaus kann nimmer Die Lasten tragen, Du bist gnädig! nun wir wollen Es leichter machen.
[6]  Ein Netz sind meines Liebchens Locken, Ein Pfeil die Wimpern, Behalte Herz in dem Gedächtniß Mein Lehren-machen.
[7]  O Gnädiger! verhüll' auf immer Dem Aug' des Bösen, Die Heldenthaten, die im Stillen Wir gelten machen. Behüte Gott, daß ich das jüngste Gericht nicht fürchte, Laß morgen geh'n, wir wollen heute Uns lustig machen. Selbst Gabriel, der Himmelshüter Wird Amen sagen, Wenn ich beginn' das Lob der Herrn Der Welt zu machen. O Herr! ich hoffe auf den Gipfel Des Himmelreichs, Das heißt, ich werde deine Schwelle Zum Kußort machen.
[8]  Hafis ist klug in einem Kreis, Im andern trunken, O sieh den Schelm, er weiß den Leuten Es weis zu machen.
172
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.73-10.73
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.73
German Translation
[1]  Deine Liebe ist's, die mir so wunderbar vorkommt, Dein Genuß, er ist's, der mir so wunderbar vorkommt;
[2]  Mancher sinkt im Meer, was ihm dann wunderbar vorkommt, Freuden fliehen, wenn's der Seele wunderbar vorkommt. Horch, wie überall der Schall so wunderbar vorkommt. Zeig' einmal ein Herz, dem gar nichts wunderbar vorkommt.
[7]  Unter Ehren stirbt, wem Größe wunderbar vorkommt. Bist ein Zweig Hafis, dem Liebe wunderbar vorkommt.
66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.52-4.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.52
German Translation
[1]  Klage, klage Bülbül, wenn du mein Freund bist, Wir sind beide verliebt, die Klage ziemt uns.
[2]  Wo die Locke des Freundes Geruch aushauchet, Was hat dorten zu thun die Moschusblase?
[3]  Bringet, bringet mir Wein, mein Kleid zu färben, Denn ich taumle von Stolz und heiße weise.
[4]  Unerfahrenen ziemt die Lust des Haar's nicht, Die Durchtriebenen schlägt der Vogt in Ketten.
[5]  Ein verborgenes Ding erregt die Liebe, Weder Lippen noch Flaum sind dieses Etwas.
[6]  Nicht die schöne Gestalt, nicht Maal und Wangen, Tausend Dingerchen sinds im Herzensraube.
[7]  Nicht ein Körnlein verwirft der wahre Weise Um den Atlas des Manns, der tugendleer ist.
[8]  Freylich ist es nicht leicht zu dir zu kommen, Schwer ists steigen hinauf zum Freudenhimmel.
[9]  Ihren Wonnegenuß fand ich im Schlafe, O des seligen Schlafs, ich neid' ihn wachend. Sieh das Ende der Qual ist angelanget, Doch ich fürchte das End' ist Kälteanfang.
[10]  Reiz mit Klagen Hafis! das Herz nicht, schweige, Denn das ewige Glück hat, wer nicht klaget.
401
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.20-29.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.20
German Translation
[1]  Wenn ich der Staub der Freundinn bin, So reinigt sie den Saum von mir, Und wenn ich sage: kehr' dein Herz So kehret sie sich ab von mir.
[2]  Sie zeigt ihr schönes Angesicht Der ganzen Welt den Rosen gleich, Und wenn ich sage: deck' es zu, So decket sie es zu vor mir.
[3]  Ich sprach zu meinem Aug', o schau', Sie einmal an mit einem Blick; Mein Auge sprach zu mir: Willst du Es fließ' ein blut'ger Strom von mir.
[4]  Sie dürstet stets nach meinem Blut, Nach ihren Lippen dürste ich, Erhalte ich vielleicht mein Ziel, Rächt sie sich wohl vielleicht an mir.
[5]  Entflöhe mir aus Bitterkeit Die Seele, wie Ferhaden einst, So macht es nichts, es bleiben einst Der süßen Sagen viel von mir.
[6]  Wenn ich wie Kerzen vor ihr steh', Lacht sie wie's Morgenroth zum Gram; Und wenn ich böse drüber bin, So zeiget sie sich böse mir.
[7]  Ihr Freunde! eines Kusses halb Gäb' ich die ganze Seele hin, Seht! wegen solcher Kleinigkeit Bleibt sie zurück im Lauf mit mir.
[8]  Versiegle doch dein Wort Hafis, Denn wenn du so die Liebe singst, So singet vor in jeder Eck' Die Liebe Zaubereien mir.
117
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.18-10.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.18
German Translation
[1]  Fluren entbehrt mein Herz im Umgang mit ihrem Gesichte, Wie Cypreßen geformt, hat sie wie Tulpen ein Maal.
[2]  Keinem Bogen der Braun hat je mein Kopf sich verneiget, Denn es thun auf die Welt Zellenbewohner Verzicht,
[3]  Unruh giebt mir das Veilchen, es haucht die Düfte der Locken, Sieh den Schwarzen nur an, was für ein Hirnegespinst!
[4]  Geh' auf die Fluren hinaus, und schau' auf dem Throne die Rose, Tulpen stehen vor ihr, Diener mit Bechern bereit. Bei dem Glanze der Wangen bestiehlt dein Haupthaar die Herzen, Welch ein seltener Dieb, der bei dem Fackelglanz stiehlt.
[5]  Schatten der Nacht! und Schrecken der Wüste, was seyd ihr im Stande, Wenn die Fackel der Wang' unsere Straßen erhellt!
[8]  Nach der Schule der Liebe verlangt die Seele Hafisens, Deßhalb sehnet sie sich weder nach Aussicht noch Flur.
23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.9-4.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.9
German Translation
[1]  Der Schatten deines Bilds Mir überall Geleitsmann ist, Und deiner Locken Hauch Der Seele angehauchet ist,
[2]  Daß jedem Läugner, der Aus Blindheit Hohn der Liebe spricht, Der Reiz des Angesichts, Die klarste Widerlegung ist.
[3]  O siehe! was zu uns Des Kinnes Apfel lächelnd spricht, Mehr als ein Jusuf schon In diesen Brunn gefallen ist.
[4]  Wenn des Verliebten Hand Zu deinen Locken nicht gelang't, So ist es, weil die Hand, Zu kurz, sein Loos zerstöret ist.
[5]  Dem Hüter sag' am Thor, Des innern heimlichen Gemach's: "Vernimm, daß dieser ein "Bewohner meines Staubes ist.
[6]  "Es weilt auf ihm der Blick "Des unbefangenen Gemüth's, "Wiewohl dem Scheine nach "Er weit davon entfernet ist.
[7]  "Und klopfet an dem Thor' "Hafis der Bettler, öffne selbes, "Weil er seit manchem Jahr "Nach meinem Mond begierig ist.
355
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.47-28.47
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.47
German Translation
[1]  Was mir am dienlichsten scheint bei diesen gefährlichen Zeiten, Ist in das Wirthshaus zu ziehn, lustiger Dinge zu seyn.
[2]  Mit dem Glas in der Hand, bin ich dort ferne von Heuchlern, Rein bewahr' ich mein Herz in dem Getümmel der Welt,
[3]  Keinen Freund verlang' ich mir dort, als das Buch und die Flasche, Daß ich vergeße der List, daß ich vergeße des Trugs.
[4]  Stolz wie Cypreßen erheb' ich mein Haupt hoch über die Menschen, Wenn mein Vorsatz gelingt mich zu entziehen der Welt.
[5]  Selbst in bemackeltem Kleid hab' ich noch mit Gutem geprahlet, Aber ich stehe dafür Schenken und Trunknen zum Spott.
[6]  Ach! der engen Brust, und ach! der Bürde der Leiden Solche Bürden des Grams trägt nicht das siechende Herz.
[7]  Sey' ich ein Trunkner vom Platz, und sey von der Stadt ich der Hüter, Sieh' ich bin wie ich bin, manchesmal schlechter vielleicht.
[8]  Gräme dich nicht mein Herz, ich bin der Sklav des Wesires, Klagte den Himmel ich an, ständ' er als Rächer mir bei.
[9]  Staub der Leiden verhüllt mein Herz, Gott soll es bewahren! Niemals seyen getrübt spiegelnde Herzen so rein.
447
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.19-32.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.19
German Translation
[1]  Es ziemt sich nicht, daß wider mich Du einen Groll hast, Du der den langen Freundschaftsbund Mit mir gemacht hast.
[2]  O hör' genau auf diesen Rath, Denn diese Perle Ist besser als der Edelstein, Den du im Schatz hast.
[3]  Wie kannst du wohl dem Trunkenen Die Wangen zeigen, Du der von Sonne und von Mond Das Spiegelglas hast?
[5]  O Frommer, fürchtest du dich nicht Vor meinem Feuer? Vergaßest du, daß du ein Kleid Von Wollenstoff hast?
[6]  Um Gotteswillen komm' zu Hülf' Dem Fleh'n der Trunknen, Wenn du vom gestrigen Gelag' Noch Wein im Kopf hast.
[7]  Das schönste Lied, das ich je sah, Gehört Hafisen, Ich schwör' es beim Koran, den du In deiner Brust hast.
315
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.7-28.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.7
German Translation
[1]  Außer daß so Glaub' als WissenMeiner Hand entfloh,Komm, und sag' ob ich durch LiebeAnderes gewann!
[2]  Zwar flog meines Lebens ScheuerAuf in Wind für dich,Doch beim Staub von deinen Füßen!Ich brach nicht den Bund.
[3]  Zwar bin ich ein Sonnenstäubchen,Unansehnlich klein,Fliege durch das Glück der Liebe,Wangensonnen zu.
[4]  Bringe Wein! jetzt sind die Tage,Lang' ist's, daß ich nichtIn des Seelenheiles Winkel,Voll von Liebe saß.
[5]  Du, der guten Rath ertheilest,Wenn du weise bist,Wirf das Wort nicht auf die Erde,Sieh! ich bin berauscht.
[6]  Kann aus Schaam den Kopf ich heben,Vor dem lieben Freund,Angenehmes hab' bisher ichIhm noch nicht gethan.
[7]  Flammen zehrten an Hafisen,Doch sie sagte nicht:Ihm will ich ein Pflaster schicken,Dem ich weh' gethan.
491
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.63-32.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.63
German Translation
[1]  Der Augenbrauen.
[2]  Ich hoffe, daß der Freiheitsbrief Des Liebespiels, Versiegelt wird mit dem Tugra,
[3]  Mein Kopf entfloh, mein Auge brennt Voll von Erwartung, In einen trauten Freundenkreis Geführt zu werden.
[4]  Betrübet ist mein Herz, ich will, Mein Kleid verbrennen, O kommet, kommet zu mir her Und schauet, schauet!
[5]  Macht, wenn ich sterbe, meinen Sarg Aus Cedernholze, Ich bin gestorben an dem Brand Von einer Ceder.
[6]  Ich habe meines Herzens Zaum Jemand gegeben, Der vor den Kronen, vor dem Thron, Nicht Scheu und Furcht hat.
[7]  Hier, wo die Schönen insgesammt Mit Schwertern morden, Sey nicht verwundert, wenn ein Kopf Hinfällt zum Fuße.
[8]  Ich, dessen Haus erleuchtet ist Vom Glanz des Mondes, Wie könnte ich denn tragen Scheu Vor Sternenschimmer?
[9]  Was ist die Trennung, was Genuß? Begehr' Erlaubniß, Denn jeder Wunsch, den du sonst thust, Geht in die Lüfte.
[10]  Die Fische streuen Perlen aus Aus Lust und Sehnsucht, Sobald das Schiff Hafisens sich Dem Meere nahet.
45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.31-4.31
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.31
German Translation
[1]  Heutigen Tags, wenn einen treuen Freund du wünschest, Nimm den Becher voll Wein und das Schiff des Liedes.
[2]  Geh' du allein, denn einzig ist der Paß der Rettung, Nimm das Glas, denn es ersetzt nichts den Werth des Lebens.
[3]  Thätigkeit fehlt mir nicht, ich klag' nicht ihren Mangel, Mancher Weise besitzt Kenntniß ohne Werke.
[4]  Schau' mit Vernunft auf diesen lärmenvollen Durchgang Alle Größe der Welt wird dir eitel scheinen.
[5]  Greif um das Haar des Monds, und laß das Sternendeuten, Von dem Neumonde Glück, vom Saturnus Unglück.
[6]  Auf den Genuß der Wangen hofft' ich einst unendlich, Doch es schneidet der Tod ab des Lebens Börse.
[7]  Unser Hafis kann nüchtern nie gefunden werden, Denn betrunken ist Er kraft des ewigen Looses.