219
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.120-10.120
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.120
German Translation
[1]  Jetzt da auf den Wiesen Rosen Aus dem Nichts in's Daseyn treten, Und die Veilchen sich vor ihnen Zur Anbetung niederwerfen,
[2]  Trink' ein Glas des Morgenweines, Zu dem Ton der Duff und Leyer! Küß' das Kinn des lieben Schenken, Bei dem Ton der Flöt' und Laute.
[3]  In der Zeit der Rosen sitz' nicht Ohne Wein und ohne Schönen. Denn sie gehen schnell vorüber, In dem Zeitraum einer Woche.
[4]  Sieh die Erd' ist wie der Himmel, Durch gestirnte Würzeblumen, Unter gutem Glücksgestirne Klar, und aufgehellet worden.
[5]  Aus der Hand von zarten Schönen, Deren Odem Wunderhauch ist, Trinke Wein und frag' mit nichten, Um Themud's und Aad's Geschichten.
[6]  Lilien und Rosen machen Aus der Welt ein ew'ges Leben, Doch was nütz't es uns, die dennoch Hier nicht ewig bleiben können.
[7]  Weil, wie Salomon, die Rose Auf des Ostens Rücken reitet, Und die Nachtigall des Morgens, Wie einst David, Psalmen singet.
[8]  Weck den Feuerdienst Sarduschten's, In dem Garten auf zum Leben, Jetzt da dorten Nimrods Feuer Tulpen angezündet haben.
[9]  Fodre vollgefüllte Becher, Trinke sie auf die Gesundheit Des Mahmud Amadeddines Rath's von Salomon dem Zweyten.
[10]  Such' Hafis in seinen Tagen Deine Wünsche zu erreichen, Denn der Schatten seiner Milde Reichet bis zur Ewigkeit hin.
116
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.17-10.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.17
German Translation
[1]  Wer von dem Freund den Reiz des Flaums im Auge hat, Von dem ist es gewiß, daß er Geduld im Vorrath hat.
[2]  Wie eine Feder hab' ich mich nah hingelegt zum Flaum, Und bleib', bis mit dem Schwerdt er mich getrennet hat.
[3]  Wie Mücken zu dem Licht', so kömmt zu dem Genuß, Wer stets ein neues Haupt für deinen Degen hat.
[4]  Zu deinem Handkuß kommt nur jener, der den Kopf Der Pfortenschwelle gleich, stets an der Thüre hat. Der Nebenbuhler schoß in meine Brust den Pfeil, Weil meine Brust dein Pfeil nicht werth geachtet hat.
[5]  Mich eckelt längstens schon vor der Enthaltsamkeit, Bring Wein! weil vom Geruch mein Hirn Erfrischung hat.
[6]  Nützt dir zu Andrem nichts der Wein, ist's nicht genug, Daß er von dem Verstand dich heut entmündigt hat?
[7]  Wer sonst Enthaltsamkeit nie überschritt, ist nun Der Erste, der zur Schenk' den Weg gefunden hat.
[8]  Hafisens Herz will sich ergießen jetzt in Staub Wie eine Tulpe, die das Maal im Innern hat.
332
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.24-28.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.24
German Translation
[1]  Verwunde nicht mein Herz mit Wimpernpfeilen, Vor deinem kranken Aug' muß ich sonst sterben.
[2]  Vollkommen ist der Reiz von deiner Schönheit. Bedürftig bin ich, thu' mir Armen Gutes.
[3]  Wie lang' betrügest du mich noch wie Kinder, Mit schönen Aepfeln, Milch, und Honigkuchen?
[4]  So sehr ist von der Freundinn voll der Busen, Daß Sorge für mich selbst daraus verbannt ist. Wenn je mein Schreiber eine Feder anrührt. So sey's, die Rechnung von dem Wein zu machen.
[5]  O füll' das Glas, ich bin im Glück der Liebe, Noch jung, wiewohl ich schon an Jahren alt bin.
[6]  Ich schloß mit Weinverkäufern dieses Bündniß, Daß mein der Schenke sey am Tag des Grames.
[8]  Im Lärmen fraget keiner um den Andern, Ich nehme Gnaden an von meinem Wirthe,
[9]  O gute Zeit, wo ich, im Rausch begraben, Entbehren kann des Schahs und des Wesirs.
[10]  Ich bin der Vogel, der so früh als Abends Nur auf dem Dach des Himmels niedersitzet.
[11]  Es liegen viel Schätze mir im Busen, Wiewohl der Nebenbuhler arm mich glaubet, Mein Herz hab' ich Hafisen dann entwendet, Als insgeheim den Schenken ich geliebet.
286
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.15-16.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.15
German Translation
[1]  Gestern sagte zu mir ein Vielverständiger heimlich:Nimmer birgst du vor mir heimliche Dinge des Wirths.
[2]  Weiteres sprach er zu mir: Erleichtere Alles dir selber,Denn es fällt ja diese Welt immer den Schweren zu schwer.
[3]  Einen Becher gab er mir dann, von dessen GefunkelVenus zu tanzen begann; trinke, so sagt' er dazu.
[4]  Blutet dein Herz, doch lächle die Lippe dir ähnlich dem Glase,Ist dein Inneres wund, tanze mit Lautengetön!
[5]  Du erfährst kein Geheimniß bis du nicht Freundschaft beginnest,Denn in Unheilige dringt himmlische Kunde nicht ein.
[6]  Trinke, höre den Rath, mein Sohn, daß die Welt dich nicht kümmre;Wohl ein köstliches Wort, wenn du's zu fassen vermagst.
[7]  In dem Gemach der Liebe geziemt es sich nimmer zu sprechen,Jedes der Glieder sey dorten nur Auge, nur Ohr.
[8]  In dem Kreise der Weisen, sich selbst zu loben geziemt nicht;Du sey kundig des Worts, oder erzeige dich stumm.
[9]  Schenke gieb mir den Wein, Hafisens Trunkenheit kennetEr, der den Koran besitzt, Er, der gelinde Wesir.
485
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.57-32.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.57
German Translation
[2]  Die Dinge behalten nicht einerlei Farb' und Gestalt, Deßwegen wasch' mit Wein die Kutten aus.
[3]  Die Welt ist so niedrig, du traue der Schmeichelnden nicht, Erfahrener! such' bei Niederen nicht Bestand,
[4]  O höre den doppelten Rath, und bereichere dich dann, Geh' durch der Liebe Thür, thu Schlechtes nicht.
[5]  Wir haben nun Frühling, der Himmel sey deßhalb gelobet! Thu' Gutes, und die Leitungsrose riech'!
[6]  Begehrst du die Freundinn, so reiche den Scheitel ihr hin, Narziß' und Rosen keimen nicht aus Stahl. Bevor du zum Staube der Schwelle der Thüre dich machst, Versteck' in Schenken ein Paar Tage dich.
[7]  Eröffne die Ohren, es weinet die Nachtigall nun, Die Leitungsrose riech', ermangle nicht!
[8]  Du sagtest, der Durst der Verstellung umgebe Hafis, Ey brav! wie trefflich ist nicht dein Geruch!
317
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.9-28.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.9
German Translation
[1]  Erstens sag ich es laut, und freue mich dann des Gesagten.Ich bin der Liebe Sklav, frey in dem Leben, im Tod.
[2]  Ich bin ein Vogel der höheren Welt, was soll ich erklären,Wie in dieses Netz, gählinger Weile ich fiel.
[3]  Einstens war ich ein Engel, und wohnte hoch in dem Himmel,Vater Adam hat mich in die Wüste geführt.
[4]  Doch den edenischen Baum, die Fluth Selsebils und die Huris,Alles, alles vergaß ich aus Erinn'rung an Dich.
[5]  In dem Herzen steht nur die Eins des Freundes geschrieben,Was zu thun? ich ward sonst nichts vom Meister gelehrt.
[6]  Noch hat kein Sternenkundiger mir mein Schicksal enträthselt,Herr! o sage mir, was ist das Loos der Geburt?
[7]  Als ich ein treuer Sklave die Schenken der Liebe besuchte,Brachte jeglicher Tag neue Beschwerden für mich.
[8]  Blut beströmet den Stern des Aug's, und dieses wohl billig.Warum gab ich mein Herz anderen Herzen wohl hin!
[9]  Trockne Hafisens Gesicht mit den Spitzen der Locken des Haars ab,Sonsten führet der Strom ganz mein Gebäude hinweg.
273
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.2-16.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.2
German Translation
[1]  Hast du einen trauten FreundTreu in Worten sey.So im Bad als RosenbeetSein Begleiter sey.
[2]  Gieb des durchgewühlten Haar'sKrause nicht dem Wind',Daß nicht der Verliebten SinnGanz zerrüttet sey!
[3]  Wünschest du allein zu seynUnd mit Chiser gut.Du für Alexandern dannLebenswasser sey!
[4]  Nicht ein jeder Vogel singtSüßen Liebeston,Komm' und für die NachtigallEine Rose sey!
[5]  Uebertrage mir die PflichtTreu zu seyn als Knecht,Uebertrag' sie mir bey Gott!Und du Kaiser sey!
[6]  Zieh' nicht noch einmal das SchwertIn dem Heiligthum;Und für das was du gethanGanz zerknirschet sey!
[7]  Eine Zunge und ein HerzHaben unsre Kerzen.Sieh' des Schmetterlings Bemüh'n,Ob es nicht zum Lachen sey.
[8]  Aller Reiz und Schönheit liegtIn dem Minnespiel'.Du daher in diesem SpielUnerreichbar sey!
[9]  Schweig' Hafis und klage nichtUeber Freundes Schuld,Wer befahl, daß ihr GesichtAnzustaunen sey!
185
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.86-10.86
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.86
German Translation
[1]  Ist's denn wahr, daß man Will nach allem Silber greifen, Um auf böser That Fromme zu ergreifen?
[2]  Meine Meinung ist, Alle Freunde sollen Nichts als ihres Freund's Krauses Haar ergreifen.
[3]  Wenn das Unglück stürmt, Werden fest sich halten, Alle, die das Haar Ihres Freund's ergreifen. Wenn der Rab' sich nicht Schämt zu geh'n auf Rosen, Mag die Nachtigall Kühn den Dorn ergreifen.
[4]  Rühme deinem Freund Nicht des Armen Stärke, Denn Ein Mann genügt Vesten zu ergreifen.
[5]  Diese Türken, Herr! Was sind das für Schöne, Welche ihren Raub Mit den Brau'n ergreifen.
[6]  Schön ist Tanz beim Sang Und beim Ton der Laute, Wenn man eine schöne Hand dabey kann greifen.
[7]  Keine Huld, Hafis, Hat man für die Armen, Trachte einen Saum, Wie du kannst, zu greifen.
71
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.57-4.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.57
German Translation
[1]  Freilich begreifet mich nicht der außen frömmelnde Klausner; Ihm verarge ich nichts, was er auch über mich sagt.
[2]  Gut ist was auf dem Pfad des Gemüths vor Betrachtenden herzieht, Auf geradem Weg' hat sich noch keiner verirrt.
[3]  Wunderlich ist das Spiel, wir wollen den Bauer nur ziehen, Denn auf diesem Feld zieht der Betrunk'ne nicht Schah.
[4]  Kennt ihr das hohe Gewölb mit vielen seltnen Gemälden? Noch hat auf der Welt keiner das Räthsel gelößt.
[5]  Was für Ergebung o Herr, und Dulden vergleicht sich mit meinem? Sieh mir blutet das Herz, und es entflieht mir kein Ach!
[6]  Unser Wesir fehlt wider den Styl, und die Formen des Diwans Denn die Formel durch Gott fehlet auf seinem Ferman.
[7]  Komme wer will, und Jeglicher sprech' nach seinem Belieben Freundlich und liebreich sind Pförtner und Hüter des Thors.
[8]  In die Schenke geht ein Ihr Reinen von Herzen und Geiste, Prahler und Gleisner gehört nicht auf der Trunkenen Weg.
[9]  Steht es nicht recht, so ist an meinem Wuchse der Fehler; Denn es ist dein Kleid Keinem der Andern zu kurz.
[10]  Dienen will ich dem Herrn der mir beständig gewogen, Nicht wie der Klausner und Scheih, bald mir gewogen, bald nicht.
[11]  Ehrenstellen verschmäht Hafis aus höherem Sinne: Gold und Ehre reizt liebende Herzen nicht viel.
330
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.22-28.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.22
German Translation
[1]  Du bist der Morgen, ich die Lampe, O lächle nur und ich vergehe,
[2]  Gebrannt hat mich die Veilchenlocke, Daß Veilchen meinem Grab entblühen.
[3]  Mein Kopf lag auf der Hoffnung Schwelle, Du hast mir deinen Blick entzogen.
[4]  Wie dank ich dir o Herr des Schmerzens, Du bleibst bei mir am Sterbetage.
[5]  Ich bin der Sklav' des Augeapfels, Der über meine Leiden weinet.
[6]  Mein Abgott liebeäugelt immer, Doch Keiner schauet, was ich schaue.
[7]  Hafis besucht dein Grab die Freundinn, Das Leichentuch wirst du zerreißen.
277
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.6-16.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.6
German Translation
[1]  Wenn die Begierde nicht die RuhIn deiner Seele störet,So findest du den Weg gewißZu ihrem Angesichte.
[2]  Es sinnt die Nachtigall, wie sieDie Rose zur Freundinn mache,Die Rose aber sinnt daraufDie Nachtigall zu kränken.
[3]  Der Mörder eines LiebendenIst noch kein Herzensräuber,Wer um die Dienerschaft sich sorgtIst wahrhaft ein Gebieter.
[4]  Es ist gerecht, daß der RubinIm Herzen blutig schäume,Wenn rothe Glaskorallen ihnIm Handel überwiegen.
[5]  Die Nachtigall hat den GesangGelernet von der Rose,Woher denn sonsten das GeschwätzDas Kosen ihres Schnabels?
[6]  Du, der vorbeigehst an dem HausVon dem geliebten Freunde,Gieb Acht, daß an der Mauer duDen Kopf dir nicht verschlagest.
[7]  O Gott! gieb dem gereißten Freund,Dem Hundert KarawanenDer Herzen folgen, gieb ihm stets,Wo er auch seyn mag, Wohlseyn!
[8]  O Herz! wie wohl dir das GesprächDes wahren Heils gefallen,Verlaß' du doch die Liebe nichtDenn sie ist hoch zu ehren.
[9]  Der Sofi, der im Rausche krummDie Mütze aufgesetzet,Zerwühlet (trinkt er noch ein PaarVon Gläsern) seinen Turban.
189
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.90-10.90
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.90
German Translation
[1]  Wenn der Vogel des Glücks bei mir nun wieder vorbei fliegt, Kommt mein Freund zurück, bleibt mir getreu im Genuß.
[2]  Zwar vermag mein Auge nicht mehr die Perlen zu schenken, Deshalb trinket es Blut, spendet in Thränen es aus.
[3]  Wird der Freundinn Rubin, so rief ich gestern, mich heilen? Ein verborgener Ruf scholl mir: er heilt dich gewiß.
[4]  Niemand vermag ihr Kunde zu bringen von meiner Geschichte, Als der Ostwind, wenn er lispelnd vorbeigeht beim Ohr.
[5]  Liefert den Falken des Aug's in die Obhut des traulichen Rebhuhns, Daß er belehret von ihm, lerne die Listen der Jagd.
[6]  Unsere Stadt ist nun entblößt und leer von Verliebten, Hie und da ist vielleicht Mancher verliebt in sich selbst.
[7]  Wo ist der Gnädige, der von seinem jubelnden Feste Einen Hefen mir giebt, welcher den Weindunst vertreibt?
[8]  Treue, Liebesgenuß, des Nebenbuhlers Verderben, Wirf nur einen, o Loos, dieser drey Würfe für mich.
[9]  Ist dir, Hafis, durchs Thor der Eingang verwehret, Harr', aus einer Eck' kommt sie vielleicht noch zu dir.
258
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.1-13.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.1
German Translation
[1]  Die Schwermuth die auf mein GesichtDein Gram ausgoß,Könnt ich erläutern mein Aßaf!Ein ganzes Jahr.
[2]  Viel tausend Dank, daß ich dich sahNach meinem Wunsche,Daß mit AufrichtigkeitDu mein Vertrauter bist.
[3]  Ins Unglück geh'n die Waller aufDem Weg des Heiles.Ein Reisender er denkt nicht anBerg auf, Berg ab.
[4]  Den Gram des Liebchens forsche nichtder Neider aus,Wer Groll im Busen führt, bewahrtGeheimniß schlecht.
[5]  Bedarf gleich deiner Schönheit ReizDer Liebe nicht,So kehr' doch ich nicht mehr zurückVom Liebesspiel.
[7]  Wie soll ich dir beschreiben wohlDes Innern Brand,Frag' meine Thränen, denn ich binKein Schwätzermund.
[8]  Aus Dank weil dich die GegenwartDes Freund's erhellt,Verbrenn' der Kerze gleich im WehUnd sey vergnügt.
[9]  Das Glück Mahmuds bedarf des HaarsAjasen's nichtLiebkosung ist der einz'ge ZweckVon ihrem ein Bund.
252
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.8-12.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.8
German Translation
[1]  Komm' ich noch einmal in's Leben,Geh' ich in die Schenke wieder,Will alsdann nichts anders thun, alsTrunkene bedienen wieder.
[2]  Dreymal fröhlich ist die Stunde,Wo mit thränenvollen AugenIch zur Schenke gehen werde,Wasser auszugießen wieder.
[3]  Herr mein Gott! es haben dieseLeute nicht die kleinste Kenntniß,Meine Edelsteine will ichAndern Käufern bieten wieder.
[4]  Wenn mein Freund von dannen gehet,Alter Bande sich erinnernd,Gott behüt' mich, daß ich sollteAndre Freunde suchen wieder.
[5]  Wenn des blauen Himmels KreislaufMich ein wenig hier beängstigt,Werd' in einem andern ZeitlaufMeinen Freund ich finden wieder.
[6]  Mein Gemüth sucht längstens Ruhe,Wenn nur jenes Schelmenauge,Jene losen SternenlockenSchon vorüber wären wieder.
[7]  Mein verborgenes GeheimnißIst die Fabel aller Leute,Mit dem Pfeile, mit der TrommelGeht es auf den Marktplatz wieder.
[8]  Alle Augenblicke klag' ichUeber Leiden, denn der HimmelZielt auf mich mit jeder Stunde,Daß er mich verwunde wieder.
[9]  Du Hafis bist nicht vereinzelt,Viele sind in dieser Wüste,Viele sind zu Grund gegangen,"Sag' ich zu mir selber wieder.
366
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.58-28.58
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.58
German Translation
[1]  Ob Pracht und Größe bin ich nicht Zu dieser Thür gekommen. Mich zu verwahren vor dem Loos, Bin ich hierher gekommen.
[2]  Ich wandle auf der Liebe Pfad, Und von des Nichtseyns Gränzen Bis in das Land des Seyns bin ich Hieher des Wegs gekommen.
[3]  Ich sah den grünen Flaum des Barts, Und bin vom Paradiese, Zu pflücken dieses seltne Kraut, Ganz eigens hergekommen.
[4]  Der Hüter über solchen Schatz, Ist Gabriel der Engel, Als Bettler bin ich zu der Thür Des Schatzes hergekommen.
[5]  O Schiff der Leitung und der Huld! Wo ist der Güte Anker? Ich bin im Meere dieser Welt In die Gefahr gekommen.
[6]  O Regen, der die Sünden wäscht, Mein Wangenglanz verschwindet, Wasch' mich, ich bin durch meine Schuld In's schwarze Buch gekommen.
[7]  Hafis wirf weg das woll'ne Kleid, O wirf es in das Feuer, Denn hinter Karawanen her Bin ich mit Weh gekommen.
244
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.145-10.145
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.145
German Translation
[1]  Freunde, öffnet einen Knoten Von den Locken der Geliebten, Schön ist die Nacht, verlängert sie Mit den schwarzen Locken.
[2]  Dies ist trauliche Gesellschaft, Alle Freunde sind versammelt, Leset die Zauberformeln ab, Les't mit hoher Stimme.
[3]  Lauten und Schalmeien tönen Hoch, sie schrey'n mit lauter Stimme: Neiget das Ohr von dem Verstande Zu den Eingeweihten.
[4]  Bei des Freundes Seele schwör' ich Nie wird euch der Schmerz erscheinen, Wenn ihr nur auf die Huld des Herrn Noch Vertrauen habet.
[5]  Welch ein Unterschied ist zwischen Dem Verliebten und Geliebten, Koset mit dir die Freundinn, mußt Du dich flehend nahen.
[6]  Von dem Rath des Vielerfahr'nen, Ist der erste Buchstab dieser: Hüte vor einem Liebchen dich, Das nicht deines Stands ist."
[7]  Ueber Jeden, der im Hause Nicht lebendig ist von Liebe, Betet nach meinem Kirchenbuche Sterb- und Grabgebete.
[8]  Wenn Hafis einst eine Gnade Von Euch frey begehren sollte, Weiset die Gnad', ich bitt' euch, An des Freundes Lippen.
341
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.33-28.33
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.33
German Translation
[1]  Wenn ich des Schmähns der Nebenbuhler denke, Verfliegt der Reiz der Trunkenheit des Rausches;
[2]  Der Pfad der Neubetrunknen ist gerade, Ich Bösberüchtigter! was denk ich Gutes!
[3]  O heisse mich nur kühn den Narrenkönig, An Mangel des Verstandes bin ich der Erste.
[4]  Mit meinem Blute mahle dir die Stirne, Es wisse Jedermann ich sey dein Opfer.
[5]  O glaube mir bei Gott! und geh vorüber, Schau nicht, wie wenig mir dieß Kleid geziemet.
[6]  Oft! lies mein blutiges Gesicht dem Freunde, Zur Ader ließ mir das Lanzet der Wimpern. Heb auf den Saum vor meines Blutes Tropfen, Es tropft auf dich, sobald die Wunde blutet.
[7]  Sey ich ein frommer Mann, sey ich ein Trunkner, Hafis kennt doch am besten seine Zeiten.
404
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.23-29.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.23
German Translation
[1]  Wirf einen Blick auf Trunkne, Doch einen bessern, als diesen! Mach' eine Schritt zur Schenke, Doch einen bessern, als diesen.
[2]  Die Huld, die deinen Lippen Entsieht, ist ungemein lieblich, Doch wünsch' zu meinem Glück ich Noch eine beßre, als diese.
[3]  Sag' Jenem, der's versuchet, Durch Scharfsinn alles zu lösen, Wir fodern einen Scharfblick, Weit einen bessern, als diesen.
[4]  Es sagte mir mein Rathsherr: Was weiß er außer der Liebe? Ich sprach, giebt es von Tugend Wohl eine beßre, als diese.
[5]  Was kann ich bessers thun, Als ihm mein Herz zu verschenken, Es zeugt die Welt an Knaben Doch keinen bessern, als diesen.
[6]  Ich sag' dir, nimm den Becher, Und küß' die Lippen der Schenken. Hast du von Rath gehöret, Je einen bessern, als diesen?
[7]  Es ist Hafisens Feder Ein Rohr voll Zucker, o brich es, Hast du geseh'n von Früchten Je eine süßer, als diese?
69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.55-4.55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.55
German Translation
[1]  Keiner ist, der nicht in diese doppelte Locke gefallen, Wo ist ein Weg, den nicht Netze des Unglücks umziehn?
[2]  Da dein Auge sogar frömmsten Klausnern das Herz raubt, Ists dir nachzuzieh'n keine Beschimpfung für mich?
[3]  Dein Gesicht ist vielleicht ein Spiegel des göttlichen Lichtes, Wahrlich! wahrlich! so ist's, keine Verstellung ist dieß. Dein Gesicht zu bereun, hat mir der Klausner befohlen, Schämt er sich nicht vor Gott, schämt er sich auch nicht vor dir! Unseren bitteren Schmerz bewein' o Kerze des Moschus, Denn die heimliche Gluth zehret an mir wie an dir! Zeuge sey mir Gott, und Gott genügt mir als Zeuge, Diese Thränen sind köstliches Martyrerblut.
[4]  Sieh die Narzisse verlangt nach deinem liebkosenden Auge, Welch ein Aug'! Es hat weder Erfahrung noch Glanz.
[5]  Ich beschwör' dich bey Gott, du sollst nicht kräuseln die Locken, Denn ich schlag' mit dem Ost jegliche Nacht mich herum.
[6]  Komm zurück, denn ohne das Herzen erleuchtende Antlitz Ist die Freude verbannt, aus dem geselligen Kreis.
[7]  Sieh! für Fremde zu sorgen war sonst die löblichste Sitte, Ist vielleicht das Gesetz fremde in Euerer Stadt?
[8]  Gestern gieng sie weg, ich sprach, vollzieh' das Versprechen, Ach! du irrest, sprach Sie; Zeiten der Treu' sind vorbei.
[9]  Da der alte Wirth zu unserem Jünger geworden, Kommt auf jegliches Haupt Gottes Geheimniß herab. Männer von Einsicht wissen es wohl, es zieme dem Blöden Nicht zu der Sonne zu schreyn: ich bin die Quelle des Lichts.
[10]  Treffen muß den Verliebten der Pfeil des Schimpfes und Tadels, Wider des Schicksals Pfeil decket die Helden kein Schild.
[11]  In des Klausners Gemach, und in der Zelle des Sofi's Giebt es keinen Altar als die Winkel der Brau'n.
[12]  Wenn du die Hand eintauchst in Hafisens geronnenes Herzblut, Fürchte du dich vor Gott, daß er nicht räch' den Koran.
78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.64-4.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.64
German Translation
[1]  Hast du geseh'n, wie hart die Freundinn mich gehalten, Bundsbrüchig hat sie nichts auf meinen Gram gehalten.
[2]  Herr! zürne nicht auf Sie, wiewohl Sie harten Herzens, Mein armes Taubenherz der Jagd nicht werth gehalten.
[3]  Das Leiden ist mir durch mein Loos zu Theil geworden Nicht weil Sie Ihre Huld mir Armen vorenthalten.
[4]  Doch einen Mann, der nicht von ihr hat Schmach gelitten, Hat nirgends noch die Welt in hoher Ehr gehalten.
[5]  O Schenke, bring das Glas, und sage nur dem Vogte: Er läugne, daß Dschemschid nie solch ein Glas gehalten,
[6]  Der Wandrer, der nicht bis in das Harem gelangte, Ist wie ein Pilger auf der Wallfahrt aufgehalten.
[7]  Hafis! schlag kühn den Ball des Wortes hin dem Gegner, Er weiß von Tugend nichts, hat nie darauf gehalten.