65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.51-4.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.51
German Translation
[1]  Schöner's als Gartengespräch und Frühlings Vergnügen, was ists? Wo ist der Schenke, warum zaudert er, sage was ists?
[2]  Jede fröhliche Zeit, die dir sich biete, ergreife, Keiner erfuhr das Geschäft, und an dem Ende, was ists?
[3]  Siehe das Leben, es hängt an einem einzigen Haare, Friß den eignen Verdruß, frage nicht weiter: was ists?
[5]  Fromme und Trunkene sind die Kinder des nämlichen Stammes, Wem ergab ich mein Herz? Was ist zu wählen? Was ists?
[6]  Wie erkennet die Welt, was in dem Innern versteckt liegt? Gegner, was streitest du wohl mit dem Verborgnen? Was ists?
[7]  Wird auf des Dieners Versehn nicht einige Rücksicht genommen? Was ist Erbarmung alsdann? Was ist Verzeihung? Was ists?
[8]  Fromme begehren den Quell Keweser, ich begehre des Weines, Zwischen beider Wunsch, was ist dazwischen, was ists?
80
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.66-4.66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.66
German Translation
[1]  Aufs Paradies o Klausner laß Verzicht uns thun, Wir sind von Anfang her dazu Nicht eingeschrieben.
[2]  Wer Gott zu lieb auf dieser Welt Kein Körnlein pflanzet, Der wird mit keinem Körnlein auch Des Daseyns froh.
[3]  Dir ziemt Moschee und Rosenkranz Gebet und Tugend, Und mir die Schenk' und Glockenton Und Kirch und Kloster.
[4]  Du frommer Mann, o halte mich Nicht ab vom Weine, Es ward mein Staub am Schöpfungstag Mit Wein geknetet.
[5]  Der ist kein Weiser, der verdien't' Nicht himmelsfreuden, Wer in der Schenke nie sein Kleid Für Wein verpfändet.
[6]  Wer seines Freundes Kleidersaum Entschlüpfen lasset, Wird Edenslust, und Engelskuß Nie recht genießen.
[7]  Hafis wenn Gottes Gnade dich Mit Gunst bezeichnet, Scheu du die Hölle nicht, du bist Des Himmels sicher.
222
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.123-10.123
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.123
German Translation
[1]  Wer vom Ende deines Gaus Muß beschämt von hinnen geh'n Wird auch ohne seinen Zweck Und beschämt nach Hause geh'n.
[2]  Jenes Karawangefolg, Angeführet von dem Herren, Schlägt das Lager ruhig auf, Wird bequem von hinnen gehen.
[3]  Der Verliebte soll den Weg Mit dem Licht der Leitung suchen, Denn es kommt an keinen Ort, Wer da anfängt irr' zu gehen.
[4]  Nimm bei deines Lebens End', Einen Theil an Wein und Mädchen, Wehe! daß des Lebens Zeit Einmal muß von hinnen gehen.
[5]  Führer! gieb dem irren Sinn, Gieb ihm Hülf' um Gottes Willen, Denn der Fremde kann den Weg Nur mit deiner Leitung gehen.
[6]  Eingezogenheit und Rausch, Alles hängt am Ring des Looses, Keiner hat es noch erforscht, Wie zuletzt es ihm wird gehen.
[7]  Einen Becher nimm Hafis, In die Hand vom Quell der Weisheit, Dann wird die Unwissenheit Weg aus deinem Herzen gehen.
247
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.3-12.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.3
German Translation
[1]  Beim Verliebten, o Ostwind, gehe vorbei,Kunde bringe dem Liebenden,Verweigre mir's nicht!
[2]  Lieblich blühst du, o Rose, dankbar dafür,Einen Duft für die NachtigallVerweigre mir nicht.
[3]  Dein Verehrer war ich, o wachsender Mond,Einen Blick, nun du älter bist,Verweigre mir nicht.
[4]  Erdengüter sind leicht, und niederen WerthsDiese Kleinigkeit, WürdigenVerweigre sie nicht.
[5]  Wie der Kandel sind deine Lippen mir süß,Zucker spende dem PapageyVerweigre mir's nicht!
[6]  Deine Tugenden führt zum Kafe das Lied,Reisezehrung dem Liedermund,Verweigere du nicht.
[7]  Wer verherrlicht seyn will, höre dies Wort:Gold und Silber ist Liederpreis,Verweigert es nicht.
[8]  Gram und Schmerzen vergeh'n, und beßer wird's einst,Deine Thränen auf jenem Pfad,Verweig're sie nicht.
108
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.9-10.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.9
German Translation
[1]  Fürst! des Himmels Kugel soll Unter deinem Schlägel seyn! Und das Feld der Zeit, des Raums Soll für dich der Rennplatz seyn! Alle Länder hat erfüll't, Und in alle Winde gieng Deines Edelsinnes Ruf, Soll die Wach' und Obhut seyn.
[2]  Sieh das Haar der Braut des Siegs Ist im Roßschweif ganz verstrickt, Der Erobrung Auge soll Stets verliebt in selben seyn.
[3]  Deinen Ruhm und deine Macht Singt im Himmel nur Merkur; Der Verstand der Rose soll Deines Siegels Diener seyn.
[4]  Ueber deinen Cederwuchs Zürnt des Paradieses Baum; Deines Vorhofs weitem Raum Soll der Himmel neidig seyn.
[5]  Nicht nur Thür und Baum und Stein, Sondern was nur in der Welt Sonsten noch bestehen mag, Soll dir unterthänig seyn. Sieh der Eifer deines Lobs Warf Hafisen auf das Bett, Deine große Güte soll Deines Lobers Heilkraft seyn.
149
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.50-10.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.50
German Translation
[1]  Der Mondgesichter Liebe ist Die Straße, die mein Herz ergreift, Ich gab ihm fleißig meinen Rath, Doch seh' ich, daß er's nicht begreift.
[2]  O Prediger! o sag' bei Gott! Ein Wort von meines Schenken Flaum, Indem die Fantasie kein Bild Mit Feuersinn wie dies ergreift.
[3]  Vom alten Wirth der Schenke hab' Ich viel erfahren, Gutes viel, Ich weiß, daß er die Gleißnerei Nicht für ein Glas voll Weins ergreift.
[4]  Ich trag' die Flasche unterm Arm, Die Leute haltens für ein Buch, Ein wahres Wunder, wenn das Buch Des Trugs das Feuer nicht ergreift.
[5]  Ich will zuletzt doch eines Tags Verkaufen dieses bunte Kleid; Indem der Wirth dafür ein Glas Voll Weines aus dem Keller greift.
[6]  Wer reines Herzens ist, genießt Am rothem Weine so viel Lust, Weil diesen rothen Edelstein Nur der gerade Sinn ergreift.
[7]  Das schöne Haupt! das schöne Aug'! Du sagest, thu' darauf Verzicht, Doch diese Predigt ohne Sinn, Ist's nicht, was mein Gefühl ergreift.
[8]  Ich seh', daß dieser Trunkenbold, Der immer spricht von gutem Rath, Auf Gottes ew'gen Rathschluß zürnt, Wer weiß, ob er um's Glas wohl greift.
[9]  Ich weine und ich lach' zugleich, Wie es der Kerzen Sitte ist, Und meine Zunge ist von Gluth, Doch zweifl' ich, ob sie was ergreift.
[10]  Was für ein wahrer Jäger bist Du trunknes Aug', ich opfre dir Mein Herz, indem kein Jäger sonst Als du, den wilden Vogel greift.
[11]  Ich hab' des Worts wahrhaftig Noth, Doch von der Freundinn wird's entbehrt, Allein was nützt der Zauberdunst, Wenn er die Schöne nicht ergreift?
[12]  Ich will einst Alexandern gleich Den Spiegel nehmen in die Hand, Es sey nun, daß mich seine Gluth Ergreifet, oder nicht ergreift.
[13]  Erbarme dich, o Gütiger! Erbarme dich, denn der Derwisch Kennt nur dein Haus, kennt keinen Weg, Wenn er den deinen nicht ergreift.
[14]  Da du so lieblich singst Hafis, So wundert es mich sehr fürwahr, Daß dich dein König nicht mit Gold Und Schätzen um und um ergreift.
356
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.48-28.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.48
German Translation
[1]  Wenn es von mir abhängt beim Herzensfreund zu sitzen, Trink' ich vom Glas des Glücks, pflück' Rosen des Genußes.
[2]  Es reißt der bittre Wein den Bau der Ruhe um, Leg' Schenke deinen Mund auf meinen, raub' die Seele.
[3]  Ich werde rasend noch, indem bei Nacht und Tage Ich mit dem Monde sprech', im Traum Perien sehe.
[4]  Dein Aug' und Mund giebt Wein und Zucker Trunknen, Nur ich bin ganz beraubt von einem und von Anderen. Ich geh' vom Krankenbett geradewegs in Himmel, Wenn in dem letzten Zug du mir die Kerze haltest.
[5]  Der windentführte Staub ist schwer von deiner Anmuth, Gedenke auch an mich, ich bin ein alter Diener.
[6]  Nicht jeder Dichter singt begeisterte Gesänge, Mein schlauer Falke fängt des Liedes Rebhuhn sicher.
[7]  Glaubst du mir nicht, so geh' und frage Sina's Bilder, Ob Mani nicht den Strich von meinem Kiel sich wünsche. Es singt die Nachtigall: Auf Schenke! Guten Morgen. Noch braußt in meinem Kopf der Lautenton von gestern.
[8]  Nicht jedermann ist wahr, nicht Jedermann ist sicher, Ich bin der Sklav Dschelaleddin's des Großwesires.
[9]  Frag' nicht Hafisen, sondern mich um Rausch und Liebe; Denn Flasch und Gläser sind mir Mond, sind mir Plejaden.
12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.12-1.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.12
German Translation
[1]  Der Mond der Schönheit borgt sein LichtVon deiner Wangen Strahlen,Der Glanz der Anmuth strahlet ausVon deines Kinnes Grübchen.
[2]  Des Sinnes dich zu schauen kamMein Geist auf meine Lippen,Soll er entfliehn? Soll er zurück?Was ist dein Herrscherwille?
[3]  Was nützet die EnthaltsamkeitDem, der dein Auge sah?Viel besser ists, die NüchternheitDem Trunknen nicht verkaufen.
[4]  Mein träges Glück, das lange schlief,Ist endlich aufgewachet,Der Schimmer deines AngesichtsHat ihm ins Aug' geblitzet.
[5]  Der Ostwind bring' mir einen StraußVom Rosenbusch der Wangen,Vielleicht wird mir dann sein GeruchVom Staube deines Gartens.
[6]  Ihr sollet leben, Euer WunschWerd' stets erfüllt ihr Schenken!Wiewohl mein Glas zu Eurer ZeitNicht einmal voll geworden.
[7]  Verwaiset ist mein Herz, o gebtHievon den Freunden Kunde!O Freunde! meine Seele istMit Euern Seelen Eines.
[8]  Kann mein versammeltes GemüthMit deines Haares Locken,Die ganz zerstreuet sind, o Gott!Sich je zusammen finden.
[9]  Gehst du vorbey, heb' auf den SaumVom Blute und vom Staube,Denn viele deiner Opfer sindAuf diesem Weg gefallen.
[10]  O Morgenwind zieh hin nach JesdSag denen, die dort wohnen,Der Kopf deß, der nicht dankbar istSey Eurer Ballen Schlägel.
[11]  Zwar bin ich weit von Euch entfernt,Doch ist mein Geist nicht ferne,Ich bin der Diener Eures SchahsUnd Euer Loberedner.
[12]  Ich habe Muth, ich fleh bey Gott!O höchster Schah der Schahe!Ich küß die Erde deines ZeltsWie das Gewölb des Himmels.
[13]  Horcht auf! es betet nun Hafis.Sagt Amen, denn er betet.Herr! gieb uns unser täglich BrodVom Zucker ihrer Lippen.
436
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.8-32.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.8
German Translation
[1]  Hätte dieser schwarze Bart Mir ein Wort geschrieben, O das Blatt von meinem Seyn Wäre aufgeschrieben!
[2]  Bringet Trennung gleich zuletzt Früchte des Genusses, Besser wär's, man hätte jetzt Nicht verpflanzt den Samen. Deine Feder hört nie auf Zucker auszuströmen! Doch du zeigtest Liebe nicht, Schriebest keine Antwort. Hätte dich der Architekt Liebe nicht gebauet, Wär' mit Liebe Menschenthon Nicht geknetet worden?
[3]  Sage mir vom Paradies Nichts, du frommer Klausner, Denn mein Mädchen ist Huri, Und mein Haus ist Eden.
[4]  Nimmer ruht es sich bequem Auf der Liebe Soffa. Mangeln goldne Polster nur, Thun's auch Strohtapeten.
[5]  Gieb nicht für den Prunk Schebads, Für den Garten Erems, Eine Flasche voll von Wein, Eine Saat der Lippen. Was ist für ein Unterschied Zwischen unserm Wissen, Wer nicht sieht, was weiß er wohl, Was da schön und mild sey. Nicht allein in meinem Sinn Ist ein Götzentempel, Ueberall steht ein Alatr, Ueberall Idole.
[6]  Weises Herz, wie lang wirst du Leiden auf der Erde? Weh des Schönen, welches sich Hat verliebt in Wilde.
[7]  Von dem Kleid mit Wein befleckt, Rühret her das Unglück, Sage, wo ist wohl der Mann Deines Sinns und Herzens.
[8]  Warum ließ Hafis dein Haar Wohl aus seinen Händen, So ward es ihm einst bestimmt, Konnt' er anders handeln?
32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.18-4.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.18
German Translation
[1]  Gott hat deiner Augenbrauen Schöne Formen gebunden, Er hat meines Lebens Freude An dein Lächeln gebunden.
[2]  Er hat mich und die Cypreße In die Erde gesenket, Seit er den Narzißenstiel nach Deinem Wuchse gebunden.
[3]  Hundert Herzensrosen werden Durch den Ostwind eröffnet, Die durch Sehnsucht verbunden.
[4]  Deine Banden trag' ich, und der Himmel ist es zufrieden, Doch umsonst! der Faden ist an Deinen Willen gebunden.
[5]  O zerdrück' mein armes Herz nicht, Wie den Beutel des Moschus, Denn es ist mit deinen Locken Kraft Verträgen verbunden.
[6]  Ach du schenkest auch andern Leben, Zarter Hauch des Genusses, Sieh den Irrthum, sieh ich glaubte Mich an Treue gebunden.
[7]  Deiner Strenge müde sprach ich: Aus der Stadt will ich fliehen, Flieh Hafis, so sprachst du lächelnd, Flieh, dein Fuß ist gebunden.
123
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.24-10.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.24
German Translation
[1]  Ey Wunder! was der Liebe Sänger Für Melodieen hat, Indem ein jedes der Gesänge Verschiedne Weisen hat.
[2]  Es sey der Weise wohl erfahren; Im Liebesjammerton, Indem derselbe eigne Reize, Und eignen Zauber hat.
[3]  Es thut zwar nichts der Weinverkaufer Mit Gold, und mit Gewalt, Doch gut ist's, daß er einen Herren Voll Huld und Milde hat.
[4]  O halte du mein Herz in Ehren, Weil diese Zuckerameis, Seit daß sie dein verlanget, Flügel Von Edens Vogel hat.
[5]  Es ist wahrhaftig nicht zuwider Dem Recht, der Billigkeit, Wenn seines Nachbars, sey's ein Bettler, Ein Kaiser Sorge hat.
[6]  Ich habe meine blut'gen Thränen Den Aerzten vorgezeigt, Sie sagten: dies ist Liebesfieber, Das Brandkur nöthig hat.
[7]  O lerne nicht von Augenwimpern Die Ungerechtigkeit, Denn jedes Ding wird in der Liebe Belohnet und bestraft.
[8]  Mein Christenabgott aus der Schenke Sprach dieses Wort zu mir, Trink die Gesundheit jenes Mannes, Der frohe Mienen hat.
[9]  O Fürst, Hafis sitzt in der Erde, Und betet Fatiha Er weiß, daß er von deiner Zunge Den Lohn zu hoffen hat.
398
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.17-29.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.17
German Translation
382
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.1-29.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.1
German Translation
[1]  Bet', wenn du zum Kranken kommst, ein kleines Gebetlein, Oeffne deinen Rubin, daß er beseele den Leib.
[2]  Wer da kommt zum Besuch, ein Fatiha betet und gehet, Sag' ihm: Habe Geduld; siehe dann folget der Geist.
[3]  Du der Herzen Arzt, beschäme das Aeußre des Herzens, Meine Zunge beschwert Seufzer und Rauch von der Brust.
[4]  Fieberhitze verbrennt das Gebein, doch geht sie von hinnen, Liebesfieber verbrennt, aber es gehet nicht fort.
[5]  Wie das verbrannte Maal ist das Herz im Feuer zu Hause, Deinem Auge gleich schmachtet deßhalben der Leib.
[6]  Lösche nun wieder aus die Gluth mit den Thränen der Augen, Greife mir den Puls, zeiget er Leben noch an?
[7]  Jener, der mir zum Trunk die Flasche der Liebe gegeben, Sage, warum trägt er immer die Flasche zum Arzt.
[8]  Dein Gesang, o Hafis, hat mich mit dem Leben getränket, Laß den Arzt, und komm, singe vielmehr mir ein Lied.
163
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.64-10.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.64
German Translation
[1]  Rosen sind ohne Rosenwangen nicht lieblich, Ohne den Wein sind Frühlingstage nicht lieblich.
[2]  Reize der Flur, und laue Lüftchen des Hains sind Ohne der Tulpenflur der Wangen nicht lieblich.
[3]  Siehe der Tanz der Ceder, die Ruhe der Ros' ist Ohne den Laut der Nachtigallen nicht lieblich.
[4]  Mädchen mit Rosenwuchs und zukrigem Mund sind Ohne Umarmung, ohne Küße nicht lieblich.
[5]  Mag der Verstand Gemälde betrachten, Ist's nicht das Bild des Liebchens, nimmer ist's lieblich. Lieblich sind Flur, und Wein und Rosen; doch wiße Ohne Gespräch der Freundinn sind sie nicht lieblich.
[6]  Seelen, Hafis, so kleine winzige Münze Vor den Geliebten auszustreu'n ist nicht lieblich.
117
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.18-10.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.18
German Translation
[1]  Fluren entbehrt mein Herz im Umgang mit ihrem Gesichte, Wie Cypreßen geformt, hat sie wie Tulpen ein Maal.
[2]  Keinem Bogen der Braun hat je mein Kopf sich verneiget, Denn es thun auf die Welt Zellenbewohner Verzicht,
[3]  Unruh giebt mir das Veilchen, es haucht die Düfte der Locken, Sieh den Schwarzen nur an, was für ein Hirnegespinst!
[4]  Geh' auf die Fluren hinaus, und schau' auf dem Throne die Rose, Tulpen stehen vor ihr, Diener mit Bechern bereit. Bei dem Glanze der Wangen bestiehlt dein Haupthaar die Herzen, Welch ein seltener Dieb, der bei dem Fackelglanz stiehlt.
[5]  Schatten der Nacht! und Schrecken der Wüste, was seyd ihr im Stande, Wenn die Fackel der Wang' unsere Straßen erhellt!
[8]  Nach der Schule der Liebe verlangt die Seele Hafisens, Deßhalb sehnet sie sich weder nach Aussicht noch Flur.
246
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.2-12.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.2
German Translation
[1]  Heut ist das Fest, die Rosen sind fort, und die Freund' in Erwartung,Schaut in Schenkengesicht Mondenglanz, bringet mir Wein!
[2]  Längstens hatte mein Herz Verzicht gethan auf die Rosen,Aber frommes Gebet rettete einige noch.
[3]  Schenke dein Herz nicht der Welt, und frage einen Betrunknen,Um's wohlthätige Glas, um die Geschichte Dschemschids.
[4]  Seelengold ist alles Vermögen, o bringet den Wein her,Daß ich auch diesen verspend', süßeren Lohnes gewiß.
[5]  Glücklich ist das Reich, und gnädig unser Beherrscher,Vor den Gefahren der Zeit schirme, beschütz' ihn o Herr!
[6]  Seines Dieners Gesang entström' den Kehlen bei'm Weine,Glänzende Perlen verleih'n Gläsern den herrlichsten Glanz.
[7]  Ist das Frühmal vorbei, so hat es nichts zu bedeuten,O ihr Freunde des Freund's brechet die Fasten mit Wein!
[8]  Gerne verhüllt dein edeler Sinn die Fehler mit Schleiern,Zürne mir nicht, denn mein Herz ist von zu leichtem Gehalt.
[9]  Wahrlich ich fürchte mit Recht, es geh'n am Tag' des GerichtesEinstens Hand in Hand Trinker und Scheiche den Weg.
[10]  Nun ist die Fasten vorbei, die Rosen Hafis gehen zu Ende.Trinke du immerhin Wein, beßeres ist nicht zu thun.
203
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.104-10.104
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.104
German Translation
[1]  Viel Jahre sind es, daß mein Buch Für rothen Wein verpfändet ist, Und daß der Schenke Ruhm und Glanz Durch mein Gebet gestiegen ist.
[2]  O sieh, wie gut der alte Wirth, Wie mild er sich erzeigt, Indem, was Böses wir gethan, Ein Schmuck in seinen Augen ist.
[3]  Auf! lustig! wascht die Bücher aus, Wascht alle aus mit rothem Wein, Ich hab' gesehen, daß das Loos Nur Gram den weisen Herzen ist.
[4]  Mein Herz! von Schönen fodre viel, Wenn du auf Schönheit dich versteh'st, Denn dieses hat ein Mann gesagt, Der in der Welt erfahren ist.
[5]  Gleich einem Zirkel sah ich, daß Mein Herz sich umgedrehet hat, Und daß es dann verwirrt im Kreis Der Liebe fest gestanden ist.
[6]  Der Sänger hat von Liebesschmerz Ein Lied so traurig angestimmt, Daß allen Weisen in der Welt, Von Wimpern Blut gefloßen ist.
[7]  Aus Freude bin ich aufgeblüht, Der jungen Frühlingsrose gleich, Als an dem Bach das Schattenbild Der Ceder mein geworden ist.
[8]  Mein rosenfarber Alter gab Den Blauen die Erlaubniß nicht, Was Böses zu begeh'n, weil sonst Das Auge gleich geschäftig ist.
[9]  Hafisens vielgewandtes Herz, Ist wahrlich nicht dazu gemacht, Daß es von dem, was Andere Dir Böses thun, ein Wißer ist.
196
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.97-10.97
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.97
German Translation
[1]  Jene, die mit einem Blick Goldstaub aus dem Staube machen, Kann es wohl geschehn, daß sie Einen Blick auf mich her machen?
[2]  Beßer zugedeckt den Schmerz, Als um einen Arzt zu schicken, Denn man kann mir noch vielleicht Ein geheimes Mittel machen.
[3]  Sieh mein Liebchen, lüftet nicht Von dem Angesicht den Schleier, Daher kommts, daß sie von ihr Allerhand Beschreibung machen.
[4]  Da das Heil nicht in dem Rausch Nicht in Klausnerzellen lieget, Ist das Beste, seinen Grund Auf des Herrn Wort zu machen.
[5]  Sey nicht ohne Wissenschaft, Weil im Besestan der Liebe Weise nur mit ihres Gleichen Freundschaft und Bekanntschaft machen.
[6]  Jeder thut nun, was er will, Heimlich unter seiner Decke; Hebt man einst die Decke auf, Sag', was werden sie dann machen?
[7]  Wenn bei dem, was ich erzähl', Steine selber Thränen weinen, Wiß', ein Mann, der Herz hat, muß Rührend die Erzählung machen.
[8]  Trinke Wein, denn beßer ists, Heimlich hundertmal zu singen, Als einmal vor aller Welt Eine Gleißnerey zu machen.
[9]  Ach! ich fürchte, daß in's Hemd, Das mein Jusuf durchgewürzt, Seine Brüder aufgebracht, Einen Riß aus Neid mir machen.
[10]  Geh' der Schenke Thür vorüber, Daß diejenigen, die trinken, Ihre Zeit mit dem Gebet Dir zum Heil und Nutzen machen.
[11]  Ob den Neidern rufe mich Heimlich zu dir auf das Zimmer, Weil die, welche Gutes thun, Vieles ganz im Stillen machen.
[12]  Immerwährenden Genuß Giebt es nicht, Hafis, auf Erden Könige sind nicht gewohnt, Bettlern Schmeichele'n zu machen.
101
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.2-10.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.2
German Translation
[1]  Heimlich lieben und trinken, was ist's? ein lockeres Tagwerk. Ich mich zur Trunkenen schlag', sey es nun, was es auch sey.
[2]  Löse den Knoten des Herzens, und sorge dich weiter um's Loos nicht, Kein Geometer hat noch diese Verwirrung gelößt.
[3]  Ueber den Handel und Wechsel der Zeit sollst du dich nicht wundern, Aehnliche Zauberei'n haltet das Schicksal bereit.
[4]  Halte bescheiden das Glas, es ist zusammengesetzet, Aus den Schädeln Dschemschids, Keikobads und Behmens,
[5]  Wer lehrt uns, wohin Kaiwas und Nimrod gegangen? Wie der Thron Dschemschids endlich in Stücke zerfiel?
[6]  Siehe Ferhad, wie sehnet er sich nach den Lippen Schirinen's Aus der Thränenfluth sproßen die Tulpen vor ihm.
[7]  Siehe die Tulpe, sie kennt, wie treulos der Wechsel der Zeit ist, Denn sie gab das Glas niemals bisher aus der Hand.
[8]  Komm, ich will vom Weine berauscht und wüst seyn ein wenig, Denn ich finde vielleicht Schätz' im verwüsteten Bau.
[9]  Weder die Fluth Roknabads, noch der Hauch des Winds von Mosella, Geben mir Freiheit, von hier mich zu entfernen auf lang. Was mich traf von den Leiden der Liebe, das hat mich getroffen, Vor dem Bösen des Augs schütz' die Geliebte, o Herr!
[10]  Nimm nicht das Glas wie Hafis, du nimm's bei dem Schalle der Laute, Freude des Lebens hängt seidenen Faden entlang.
162
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.63-10.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.63
German Translation
[1]  Schön sind die Rosen fürwahr! Nichts schöner ist. Schön! wenn dir bei der Hand Der Becher ist.
[2]  Jetzt sind die Tage der Lust, Genieß, genieß! Weil in Muscheln nicht stets Die Perle ist. Welch ein seltener Pfad! Der Liebe Pfad, Wo der Führende selbst Verirret ist.
[3]  Auf und trinke den Wein Im Rosenbeet, Weil die Dauer der Ros' So flüchtig ist.
[4]  Du, der's goldene Glas Füllst mit Rubin, Gieb's dem Manne, dem fremd Das Gold sonst ist.
[5]  Komm o Scheih und trink Im Weinhaus hier Einen Wein, der im Quell Kewßer nicht ist.
[6]  Willst du leben mit uns, Wasch' aus dein Buch, Weil, was Liebe dich lehrt, Im Buch nicht ist.
[7]  Hör' mich, bringe dein Herz Der Schönen dar, Welche ohne Geschmeid' Die Schönste ist.
[8]  Einen leichteren Wein Gieb mir, o Herr! Dessen Ende kein Weh Des Kopfes ist. Sieh mein silberner Götz Ist schöner, als Jeder Götze, der in Den Tempeln ist.
[9]  Ganzer Seele bin ich Ownisens Knecht, Der zwar meiner sich nicht Erinnernd ist.
[10]  Bei der Krone des Schahs Schwör' ich den Schwur, Daß die Sonne so hell, So schön nicht ist.
[11]  Nur derjenige schmäht Hafisens Vers Welcher selbst von Natur Nicht edel ist.