186
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.87-10.87
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.87
German Translation
[1]  Wenn der Wirth, was noth ist, Trunk'nen macht, Ist's gewiß, daß Gott ihn selig macht.
[2]  Gieb den Wein uns mit gerechtem Maas, Weil der Armen Klagen Unheil macht,
[3]  Sicher werd' von Leiden ich befreyt, Nach Versprechen, die man mir gemacht.
[4]  Weiser, geht's dir schlecht und Andern gut, Schmähle nicht, denn dies hat Gott gemacht.
[5]  Hier, wo Tugend und Verstand nicht gilt, Nützt kein Großthun, das ein Schwacher macht.
[6]  Singe! Keiner starb noch ohne Loos, Wer nicht singt, hat es nicht recht gemacht.
[7]  Ich, erkrankt aus Liebe und aus Rausch, Werde durch Rubin gesund gemacht.
[8]  Ohne Geist verbrennet ist Hafis, Wo ist Jesus, der lebendig macht.
116
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.17-10.17
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.17
German Translation
[1]  Wer von dem Freund den Reiz des Flaums im Auge hat, Von dem ist es gewiß, daß er Geduld im Vorrath hat.
[2]  Wie eine Feder hab' ich mich nah hingelegt zum Flaum, Und bleib', bis mit dem Schwerdt er mich getrennet hat.
[3]  Wie Mücken zu dem Licht', so kömmt zu dem Genuß, Wer stets ein neues Haupt für deinen Degen hat.
[4]  Zu deinem Handkuß kommt nur jener, der den Kopf Der Pfortenschwelle gleich, stets an der Thüre hat. Der Nebenbuhler schoß in meine Brust den Pfeil, Weil meine Brust dein Pfeil nicht werth geachtet hat.
[5]  Mich eckelt längstens schon vor der Enthaltsamkeit, Bring Wein! weil vom Geruch mein Hirn Erfrischung hat.
[6]  Nützt dir zu Andrem nichts der Wein, ist's nicht genug, Daß er von dem Verstand dich heut entmündigt hat?
[7]  Wer sonst Enthaltsamkeit nie überschritt, ist nun Der Erste, der zur Schenk' den Weg gefunden hat.
[8]  Hafisens Herz will sich ergießen jetzt in Staub Wie eine Tulpe, die das Maal im Innern hat.
120
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.21-10.21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.21
German Translation
[1]  Mein Liebchen eine Rosenlaube Mit Hyacinth' umschattet hat, Sein Wangenglanz die zarte Weiche Vom Blut der Purpurblume hat.
[2]  Die Sonne seines Angesichts Ist von dem Flaum des Barts versteckt. O Herr verleih' ihm ew'ges Leben, Weil er die ew'ge Schönheit hat!
[3]  Verliebt sprach ich zwar zu mir selber: Ich habe meinen Wunsch erreicht. Ich wüßte nicht, was dieses Weltmeer Für blut'ge Wogenstürme hat.
[4]  Die Seel' entflieht nicht seinem Auge, Denn überall, wohin ich schau', Seh' ich, wie er im Hinterhalte Die Pfeile auf dem Bogen hält.
[5]  Der Freundinn Haarnetz wird vom Staube Verliebter Herzen rein gemacht, Der Schwätzer Ostwind plaudert immer, Statt daß er's im Geheimen hat. Was ist gefallen auf die Straße, Ich seh' viel Fürsten hohen Sinns, Von denen jeder auf die Schwelle Des Thors sein Haupt geleget hat.
[6]  Du gieß' den Hefen auf die Erde, Und schaue der Berühmten Loos, Du weißt, was man von Keichosrewen Und von Dschemschid für Sagen hat.
[7]  Wenn dir die Rose freundlich lächelt, O Nachtigall! so prahle nicht, Denn keiner darf der Rose trauen, Wenn sie auch Himmelsschönheit hat.
[8]  O Vogt des Freundeskreises fodre Bei Gott! von ihm, was mir gebührt, Indem mit andern er getrunken, Mit mir nur üble Laune hat.
[9]  Wenn du mich willst in Bande legen, Bei Gott! so fange mich geschwind, Weil nur Gefahr im Aufschub liegt, Und selbst der Fänger Schaden hat.
[10]  Beraube nicht des Freundes Auge Von deines Wuchses Cederstamm Verpflanz' sie in den Quell des Auges, Wo sie stets frisches Wasser hat,
[11]  Entfern' von mir die Furcht der Trennung, Wenn du die kleinste Hoffnung nähr'st, Daß wieder das Verschrey'n des Auges Dich Gott in seiner Obhut hat.
[12]  Was soll ich noch mein Loos entschuld'gen! Schlug dieses Schelmenauge nicht Mit Bitterkeit Hafisen nieder? Indeß im Mund' es Zucker hat.
38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.24-4.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.24
German Translation
[1]  Ohne deinen Wangenglanz Ist kein Tag für mich geblieben, Nichts als eine finstre Nacht Ist für mich zurückgeblieben.
[2]  Von dem vielen Thränennaß, So bei unsrer Trennung strömte, Ist mein Auge ohne Licht (Gott behüte dich!) geblieben.
[3]  Als dein Bild aus meinem Aug' Scheidend wanderte, da sprach es: Mir ist leid um diesen Ort Daß er leer und wüst geblieben.
[4]  Dein Genuß hielt meinen Tod Fern bis jetzt von meinem Haupte, Jetzt da wir getrennet sind, Ist er nicht mehr fern geblieben.
[5]  Sieh! es nahet sich die Zeit, Wo einst sagt mein Nebenbuhler: Nah' an deiner Thür ist krank Der Verwiesene geblieben. Was kann's nützen, daß der Freund Herzukommen sich bemühet, Wenn in meinem Körper einst Ist kein Odemzug geblieben.
[6]  Ach! ich weiß wohl, daß Geduld Deiner Trennung Schmerzen lindert, Aber zur Geduld ist mir Keine Kraft zurückgeblieben.
[8]  Ob des Weinens und des Klagens Kann Hafis nun nicht mehr lachen, Dem, der Trauerkleider traget, Ist kein Freudenkleid geblieben.
155
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.56-10.56
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.56
German Translation
[1]  Geh' ich ihr nach, so werden Zauberei'n entstehen, Verlaß ich sie, so wird sie wider mich aufstehen.
[2]  Und wenn auf ihrem Weg ich eine ganze Stunde, Auch ihrer harr', wie Staub wird sie, wie Wind entfliehen,
[3]  Und wenn ich einen Kuß zur Hälfte nur begehre, Wird ihr der Spott vom Mund wie Zucker fallen.
[4]  Die Schelmerei'n, die ich von dem Narziß gesehen, Vergoßen in den Staub viel Wasser guten Rufes, Wenn ich zum Freunde sag', was machst du bei dem Volke, So treibt er es so arg, daß Blut die Thränen mischet.
[5]  Der Liebe Berg und Thal sind voll von Unglücksnetzen, Wo ist ein Löwenherz, das sich davor nicht scheue,
[6]  Du wünsche dir Geduld, und Leben denn der Himmel Wird dir noch mancherlei von Wunderdingen zeigen.
[7]  O leg' Hafis, leg' auf die Schwelle der Ergebung Dein Haupt, und dulde still die Ungerechtigkeiten.
245
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.1-12.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.1
German Translation
[1]  Immer sey der Verstand die baare Münze des Lebens,Gilt er doch nichts beim Golde der Liebe.
[2]  Ha! o Papagey, der von der Liebe Geheimnissen schwätzet,Nie fehl's deinem Schnabel an Zucker!
[3]  Immer grüne dein Haupt, und immer sey fröhlichen Herzens,Bist mir ein Bild von den Flaumen des Freundes.
[4]  Ein verborgenes Wort hast du zu den Freunden gesprochen,Gott! heb' auf vom Räthsel den Schleier!
[5]  Günstiges Glück! bespreng' mich mit Rosenwasser vom Becher,Denn mein Auge ist beflecket vom Schlafe.
[6]  Welchen Ton hat der Sänger zu seiner Weise gewählet,Daß die Trunknen und Nüchternen tanzen!
[7]  Siehe die Wirkung des Moschus, den der Schenk' in den Wein hat geworfen,Kopf und Dulbend geh'n beide verlohren.
[8]  Alexandern ward nicht verlieh'n das Wasser des Lebens,Gold und Gewalt erzwingen nicht solches.
[9]  Komm' und höre mir an der Betrübten traurige Lage,Worte sind wenig, und viel ist der Inhalt.
[10]  Sina's Götzenbilder, sie sind die Feinde des Glaubens,Herr! bewahre mein Herz und den Glauben.
[11]  Nüchtern sag' und erzähle du nie das Geheimniß des Rausches,Seelenkunde frag' nicht von den Gemälden.
[12]  In den Reichen der Dichtkunst weht Hafis als die FahneDurch des Schahes schützende Gnade.
323
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.15-28.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.15
German Translation
[1]  Du hebst mich nicht auf vom Staube,Wenn ich auch blos Perlen weinte.Schmähe nicht auf meinen BlutdurstDenn ich lehre Moschushirschen.
[2]  Unter meiner Armuth seufz' ich,Schäme mich vor den Gewalt'gen
[3]  Haltet mich in Lockenbanden,Sonst ergreifet mich die Narrheit.
[4]  Frag' mich um den Lauf der WeltenIn der Nacht zähl' ich die Sterne,
[5]  Dankbar küße ich den BecherDenn er lehrte mich mein Schicksal.
[6]  Wenn ich die Betrunknen lobe,Ist's aus dankbarem Gemüthe,
[7]  Dankbar bin ich meinem Arme,Der kein Unrecht ausgeübet,
311
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.3-28.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.3
German Translation
[1]  In einen frischen Jüngling bin ich verliebt,Ich habe von Gott mir diesen Gram erbeten;
[2]  Ich bin berauscht, verliebt, und sage es laut,Damit du hieraus erkennest meine Tugend.
[3]  Ich schäme mich des Weins beflecket mit Wein,Ich hab es mit Listen und mit Trug geflicket.
[4]  O Kerze! brenn' gelind vor Schmerzen bei ihm,Ich habe mich selber diesem Amt geeignet.
[5]  Ich staunte, und es floh von mir mein Gewinn,An Schmerzen gewann ich, was am Geist entflohen.
[6]  Daß mich vielleicht der frische Jüngling umarmt,Will ich Hafisen gleich die Schenken besuchen.
50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.36-4.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.36
German Translation
[1]  In deinem Locken-Netz hat sich mein Herz verstricket, Durchbohr's mit einem Blick, es hat es wohl verdienet.
[2]  Wenn meines Herzens Wunsch von deinen Händen kommet, Sey schnell, es ist das Gute hier an seinem Orte.
[3]  An deiner Seite schwör' ich es, mein süßer Abgott, Wie Kerzen will ich mich des Nachts für dich verbrennen.
[4]  Als du auf Liebe sannst, Bülbül hab' ich gesprochen: Thu's nicht, denn selbstisch sorgt die Rose ihretwegen.
[5]  Der Moschus Sina's braucht nicht erst des Rosenduftes, Die Blase nimmt den Wohlgeruch vom eignen Kleide.
[6]  Geh' nicht in den Pallast empfindungsloser Herren, Der Schatz des Heiles liegt zu deinen eignen Füßen.
[7]  Verbrannt ist zwar Hafis, allein im Bund der Liebe Hält er stets fest, was Treue sich bedinget.
477
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.49-32.49
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.49
German Translation
[1]  Zwey schelmische Mädchen, zwey Eimer voll Wein, Die Muße, ein Buch, und ein Winkel im Haus,
[2]  Dies gieb um das andere Leben ich nicht, Und stünden auch Schaaren zu dienen bereit.
[3]  Wer ruhige Winkel für Schätze hingiebt, Verkauft den aegyptischen Joseph für Nichts.
[4]  Herein! denn es fehlt nicht herinnen an Raum, Für Fromme wie du, und für Sünder wie ich. Am Tage des Kummers vertraut euch dem Wein, Denn keinem sonst trauet in unserer Zeit. Sitz ruhig im Winkel, betrachte das Ding, Denn keiner gedenket so seltenen Streit; In niedrigen Händen erblick' ich mein Bild, So lohnet der Himmel den redlichen Dienst.
[5]  Die Stürme der Zeiten erlauben es nicht, Zu seh'n ob ein Schöner in Schiras noch sey.
[7]  O Wunder! es blies auf der Flur der Samum, Es blies doch Jasminen- und Rosengeruch.
[8]  O Herz sey geduldig, es rettet dich Gott, Ein Salomons-Ring in den Händen des Diw's.
[9]  Die Welt ist verderbt durch Uebel Hafis, Wo ist der Brahman, und wo ist der Arzt.
332
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.24-28.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.24
German Translation
[1]  Verwunde nicht mein Herz mit Wimpernpfeilen, Vor deinem kranken Aug' muß ich sonst sterben.
[2]  Vollkommen ist der Reiz von deiner Schönheit. Bedürftig bin ich, thu' mir Armen Gutes.
[3]  Wie lang' betrügest du mich noch wie Kinder, Mit schönen Aepfeln, Milch, und Honigkuchen?
[4]  So sehr ist von der Freundinn voll der Busen, Daß Sorge für mich selbst daraus verbannt ist. Wenn je mein Schreiber eine Feder anrührt. So sey's, die Rechnung von dem Wein zu machen.
[5]  O füll' das Glas, ich bin im Glück der Liebe, Noch jung, wiewohl ich schon an Jahren alt bin.
[6]  Ich schloß mit Weinverkäufern dieses Bündniß, Daß mein der Schenke sey am Tag des Grames.
[8]  Im Lärmen fraget keiner um den Andern, Ich nehme Gnaden an von meinem Wirthe,
[9]  O gute Zeit, wo ich, im Rausch begraben, Entbehren kann des Schahs und des Wesirs.
[10]  Ich bin der Vogel, der so früh als Abends Nur auf dem Dach des Himmels niedersitzet.
[11]  Es liegen viel Schätze mir im Busen, Wiewohl der Nebenbuhler arm mich glaubet, Mein Herz hab' ich Hafisen dann entwendet, Als insgeheim den Schenken ich geliebet.
452
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.24-32.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.24
German Translation
[1]  Menschen und Feen sind ungebetene Gäste der Liebe, Zeige mir Willenskraft, sicher entführst du das Glück.
[2]  Suche keinen Genuß, wenn du nicht im Stand bist zu schauen, Denn der Spiegel Dschemschids nützet den Sehenden nur.
[3]  Morgentrunk und Morgenschlaf, wie lange noch währt dieß? Sinn' auf Entschuldigung, höre das Morgengeschrey.
[5]  Tausend heilige Seelen, sie sind entbrennet voll Eifer, Weil du Abends und früh Anderen haltest das Licht.
[7]  Komm', ich habe so viel aus langer Erfahrung gelernet, Welcher das Weinglas leert, leeret die Sorgen auch aus.
[8]  Niemals sey der Wipfel von deiner Cypresse gekrümmet, Denn wahrhaftig du bist würdig der Krone des Throns.
[9]  Rosen und Ostwind kommen und gehen mit Glanz und Gerüchen, Diese vom Dufte des Haars, jener vom Licht des Gesichts.
[11]  Winkelsitzergebet verhütet Schaden und Unglück. Warum blickest du nicht mir nach dem Winkel des Aug's? Was soll ich thun, verwirrt von der Trennung, und von dem Genuße? Immer bist du im Aug', aber von Angesicht fern.
[12]  Komm' und kaufe die Herrschaft von uns mit dem Schatze der Schönheit, Sorge dafür, daß du's nicht mögest verzehren umsonst. Höre den Meister, und sey nicht ganz entblößet von Liebe, Niemand kaufet den Knecht, wenn er nicht Tugenden hat. Jegliche Nachricht öffnet das Thor zu neuen Geschäften, Deßhalb bin ich berauscht, bin so verloren und irr'. Zeige mir doch den Weg in diesen finsteren Gängen. Schon tönt Morgengebet, tönet das Morgengeschrey.
[13]  Wunderlich ist der Weg der Lieb' und voll von Gefahren, Laßt uns flüchten zu Gott, daß er uns Sicherheit geb'. Siehe! sie kommen und gehen in Hoffnung des Duftes der Locken, Winde verstreuen das Roth, Rosen bedienen sich deß. Durch die Schmerzen der Freundinn bin ich auf ewig gebunden, Hin ist mein Leben durch sie, aber mich kümmert es nicht. Kennet der Unerfahrene wohl die heimlichen Freuden? Wollte Gott, ich hätt' Kräfte zu Freuden des Gau's! Mein Geheimniß, o Freund! ist durch die Thränen verrathen, Du erbarme dich mein, der zur Genüge mich kennt! Trockenen Mund's gieng ich vorbei am Wasser des Lebens, Hilf mir, Schenke, o hilf, reich' mir vom lautersten Trunk! Wenn Hafis für dich einst stirbt, an der Schwelle der Thüre Wird ihm durch den Tod ewiges Leben zu Theil.
193
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.94-10.94
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.94
German Translation
[1]  Ueber meines Liebchens Aeugeln Staunen alle Unerfahrne, Ich bin so wie ich erscheine, Während sie es anders wissen.
[2]  Weise sind zwar sonst das Mittel, Von der ganzen Schöpfung Kreise; Doch die Liebe weiß, daß selbe In dem Kreise sich oft drehen.
[3]  Nicht mein Aug' allein betrachtet Die Liebkosungen der Wangen, Mond und Sonne machen immer Diesem Spiegel ihren Kreislauf.
[4]  Gott der Herr hat meine Tage An Süßlippichte gebunden, Ich bin ihr ergebner Sklave, Sie allein sind meine Herren.
[5]  Wir sind ganz zu Grund gerichtet, Wünschen dennoch Wein und Sänger, Ach! wenn die befleckte Kutte Nun der Wirth zum Pfand nicht nähme.
[6]  Zu dem Lichtgenuß der Sonne Kann ein Blinder nicht gelangen, Weil vor diesem Spiegel Seher Selbst verblendet niederfallen.
[7]  Was ist das, mit Liebe prahlen, Und zugleich auf Freunde schmählen, Solche Liebende verdienen, Mit der Flucht gestraft zu werden.
[8]  Jeder kann von deinen schwarzen Augen lernen einen Kunstgriff, Denn nicht Jeder kann im Rausche Die Enthaltsamkeit bewahren.
[9]  Wenn zum Sammelplatz der Geister, Deinen Hauch der Ostwind brauchet, Streuen sie Verstand und Seele, Als ob es nur Locken wären.
[10]  Freilich kann den Rausch Hafisens, Nicht der Eremit verstehen, Denn der Teufel flieht vor jenen Leuten, die den Koran beten.
[11]  Wenn von meinen Herzensplanen Schenkenjungen Nachricht hätten, Würden sie der Frommen Kutten Nimmermehr zum Pfande nehmen.
438
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.10-32.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.10
German Translation
[1]  Leichten Schrittes gieng Selma am liebenden Herzen vorüber. Und es rief ihr zu jeglichen Tages, mein Geist!
[2]  Herzensgeliebter, o wirst du nicht mir Herzensverbrannten Schenken Arzney wider die Schmerzen des Feinds?
[3]  In den Schmerzen, worein mich deine Liebe versenket, Trau' ich nur Gott mich an, ihm dem Beherrscher der Welt.
[4]  Wenn du vielleicht noch läugnen sollst die Leidenschaft Leila's, Schaue mir in das Gesicht, daß deine Zweifel vergeh'n.
[5]  O mein Schönheitsgötz', ich ergreife so mancherlei Wege, Tief in Liebesgluth, tief ist versenket mein Herz.
[6]  Du empfehl' mir immer zum Heile der Seele die Reue, Ach! ich werde nicht klug durch der Erfahrungen Schein.
[7]  Siehe, dein Gram hat längst mir's Herz verzehrt und zerfressen, Und doch ruft man mich noch nicht zur edenischen Flur.
[8]  Sieh' Hafisens Herz steckt in der Krause des Haares, Und in finsterer Nacht leitet der Herr mich den Weg.
264
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.7-13.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.7
German Translation
[1]  Steh' auf! gieße mir fröhliches Naß in den goldenen BecherEhe dein Schädel zum Staube den Staub gießt.
[2]  Unsere Wohnung zuletzt ist die schweigende Wohnung der Gräber,Jetzt erhebe den Jubel zum Himmel,
[3]  Augen mit trübem Blick sind ferne vom Antlitz des FreundesSchau' ihn an mit der Reinheit des Spiegels.
[4]  Ich beschwöre dich Wuchs der Cypreße beim grünenden WipfelBin ich Staub beschatte mein Grabmal.
[5]  Meinen Lippen vom Pfeil der Schlangenlocken verwundetLeg Teriak aus dem heilenden Mund auf.
[6]  Alle Saaten der Erde vergehen das weißt du seit langenZünde die Welt mit dem Feuer des Weins an.
[7]  Thränen reinigen uns indem die Lehrer uns sagenSey erst rein, dann schaue den Reinen.
[8]  Herr! der selbstische Mönch, Er, welcher Gebrechen nur schauetWerde blind von dem Rauche der Seufzer.
[9]  Wie die Rose Hafis! zerreiß die Kleider vor ihremWohlgeruch, und verstreu' sie vor ihr hin.
20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.6-4.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.6
German Translation
[1]  Die Fasten ist vorbei! das Fest ist da, auf sind die Herzen, Im Fasse gährt der Wein, nun ist es Zeit zu fodern.
[2]  Vorbei ist jetzt die Zeit, der schweren Tugendprahler, Die Zeit der Wonn' und Lust, für Trunk'ne ist gekommen,
[3]  Verdienet der wohl Schimpf, der fröhlich, wie ich, trinket, Dies ist nicht schändlich, ist nicht dumm und schmählich.
[4]  Ein Trunkner ohne Falsch und ohne Gleisnerei, Ist besser als ein Schalk, in Kloster und in Zellen.
[6]  Was recht ist wollen wir, und Niemand Böses thun, Vom Uebrigen sey unser Spruch: Es ist erlaubet.
[7]  Der Wein kommt von dem Blut der Rebe, nicht von Eurem. Was soll's, wenn werden wir, der Gläser ein'ge leeren?
[8]  Dies ist nicht tadelnswerth, denn Keinem hat's geschadet, Und ist es tadelnswerth, wo ist der Tadelfreye? Geh' über Wann und Wo, Hafis hinaus und trinke, Was nützet Wann und Wie, beim ewigen Beschlusse.
375
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.67-28.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.67
German Translation
[1]  Komm' Weiser, laß uns dieses Kleid Des Trugs ausziehen. Laß über's Bild der Gleisnerey Den Schwamm uns ziehen.
[2]  Die Opfer und die Spenden laß Für Wein uns geben, Die Kutte laß uns durch den Bach Der Schenke ziehen.
[3]  Und sollte man das Paradies Uns dann verweigern, So wollen wir selbst die Huris Heraus uns ziehen.
[4]  Berauscht spring' aus der Zell hervor Vom Neiderfeste. Laß uns den Wein, laß Mädchen uns Beim Haar herziehen.
[5]  Wir wollen Nichts als Gutes thun, Sonst wird uns Schande, Am Tage, wo die Seele muß Von hinnen ziehen.
[6]  Und von dem tief verborgnen Loos, Das Keiner kennet, Laß uns den Schleier, der es deckt, Im Rausch wegziehen.
[7]  Wo sind die süßen Schmeichelei'n Von diesen Brauen, Daß wie der Mond den Himmelsplan Nach uns wir ziehen.
[8]  Hafis, es ziemet dir ja nicht, So viel zu prahlen, Und aus des Teppichs Kreis hinaus Den Fuß zu ziehen.
440
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.12-32.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.12
German Translation
[1]  Des Morgens sprach ich von Begier zum Morgenwind, Er sprach: vertraue fest auf deines Herren Huld!
[2]  Das Morgen- und das Nachtgebet enthüllt den Schatz, Geh' so nur fort, daß du zuletzt zum Liebchen kommst.
[3]  Damit er Nichts von Liebe sprech', ist stumm der Kiel, Weil die Beschreibung der Begier unmöglich ist.
[4]  Aegyptischer Joseph, dich beschützet jetzt das Reich, Den Vater frag', wie sehr er liebet seinen Sohn. Die Kranken heilest du mit Wimpernschmerz, Mit deinem Moschuchaar beruhigst du das Herz.
[5]  Die Welt mit zwei Gesichtern kennet keine Huld, Was traust und bauest du auf ihren hohen Werth?
[6]  Wie lang sucht noch ein Aar wie du nach dem Gebein! O weh! des Schattens, der auf Unverdiente fällt.
[7]  Wo zu gewinnen ist, gewinnt es der Derwisch, Verleih' mir Herr Derwischenbrauch, Zufriedenheit.
[8]  Gieb nicht dein Herz den Schönen ohne Treu, Hafis! Sie machen's dir wie mit Charesm, Samarkand.
35
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.21-4.21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.21
German Translation
[1]  Geh zu deinem Geschäft, o Prediger, lasse das Lärmen, Mein verirrtes Herz, sage, was geht es dich an!
[2]  Jene Mitte des Leibs, die Gott aus nichts hat erschaffen, Ist ein kitzlicher Punkt, keinem zu lösen verliehn.
[3]  Bis ich nicht meinen Wunsch an ihren Lippen erreiche, Ist der Rath der Welt meinem Gehör wie Wind.
[4]  Nicht acht Himmel bedürfen in deinem Dorfe die Bettler. Sklaven deines Haars, sind die Gefreyten der Welt.
[5]  Zwar durch den Rausch der Liebe bin ich schon gänzlich zerstöret, Aber mein Daseyn blüht aus der Zerstörung hervor.
[6]  Jammre nicht Herz, und klage nicht über die Härte der Freundinn, Was sie dir zuerkannt, Alles ist billig und recht.
[7]  Gehe Hafis, und lies nicht Zauberformeln und Wünsche, Aehnliche Zauberein kennt zur Genüge mein Herz.
269
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.3-15.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.3
German Translation
[1]  O Herz, das gute GlückSey als Gefährte dir genug!Der Hauch des Gartens von SchirasSey dir als Bot' genug.
[2]  Derwisch entfern' dich nichtDurch Reisen von des Liebchens Ort,Die Reise in Gedanken sey,Die Zelle dir genug!
[3]  Und stürmt der Schmerz auf dichHer aus des Herzenshinterhalt,So ist des Wirthes Hof für dichAls Zufluchtsort genug.
[4]  Komm' auf den ersten PlatzDes Schenkensoffa's trinke Wein,Denn statt der Ehren und des Gold'sDies zu gewinnen ist genug.
[5]  Verlange nicht zu vielUnd mache selbst dir Alles leicht,Denn eine Flasche voll mit Wein,Ein Mond ist dir genug.
[6]  Der Himmel giebt den ZaumDer Wünsche nur Unwissenden,Du bist gelehrt und tugendhaftDer Sünden ists genug.
[7]  Verlasse dich ja nicht HafisAuf Gnaden Anderer, es istFür beide Welten Gottes Gnad'Des Schahes Gnad' genug.
[8]  Für dich Hafis bedarf es wohlKein überflüßiges Gebet,Des Abends und des Morgens istDein Beten schon genug.