447
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.19-32.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.19
German Translation
[1]  Es ziemt sich nicht, daß wider mich Du einen Groll hast, Du der den langen Freundschaftsbund Mit mir gemacht hast.
[2]  O hör' genau auf diesen Rath, Denn diese Perle Ist besser als der Edelstein, Den du im Schatz hast.
[3]  Wie kannst du wohl dem Trunkenen Die Wangen zeigen, Du der von Sonne und von Mond Das Spiegelglas hast?
[5]  O Frommer, fürchtest du dich nicht Vor meinem Feuer? Vergaßest du, daß du ein Kleid Von Wollenstoff hast?
[6]  Um Gotteswillen komm' zu Hülf' Dem Fleh'n der Trunknen, Wenn du vom gestrigen Gelag' Noch Wein im Kopf hast.
[7]  Das schönste Lied, das ich je sah, Gehört Hafisen, Ich schwör' es beim Koran, den du In deiner Brust hast.
240
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.141-10.141
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.141
German Translation
[1]  Der May ist gekommen, der Frühlingswind weht, Ich wünsche mir Wein und den Sänger dazu.
[2]  Die Schönen liebkosen, der Beutel ist leer, O Himmel, wie lange noch bleib' ich beschämt.
[3]  Verkauf' nicht die Ehre in theuerer Zeit, Ums Ordenskleid kaufe dir Rosen und Wein.
[4]  Es werden die Wünsche vielleicht noch gewährt, Ich betete gestern, der Morgen entglomm;
[5]  Die Rosen erscheinen mit lächelndem Mund, Vielleicht durch den Duft des Gerechten gelockt,
[6]  Was ist's, wenn der Saum dir im Busche zerriß, Zerreiße dir selber des Rufes Gewand.
[7]  Wer lobte, wie ich, die Rubinen des Munds, Wer ward von den Locken mißhandelt wie ich?
[8]  Erkundigt sich nicht nach Verliebten der Fürst, So thue der Fromme auf Ruhe Verzicht.
[9]  Wer schoß in den Busen Hafisens den Pfeil, Von seinen Gesängen entträufelt das Blut,
234
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.135-10.135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.135
German Translation
[1]  Wenn die Sonne des Weins vom Osten des Bechers heraufkommt, Sieh! wie im Rosenbeet des Schenken die Tulpe herauskommt.
[2]  Auf den Rosen zerschlägt der Ostwind das Haar der Narziße, Wenn von der Mitte der Flur der Duft der Locken des Freunds kommt.
[3]  Die Geschicht' der Trennung fürwahr! ist wahre Geschichte, Deren kleinster Geruch in keinem Buche zur Sprach' kommt.
[4]  Geize niemals, mein Herz, nach dem niederen Tische des Schicksals, Weil mit hundert Beschwerden ein jeder Bißen hervorkommt.
[5]  Keiner gelangt' durch eigenen Fleis zu der Pforte des Wunsches, Freilich meint' ich, daß dies auch ohne Hülfe zu Stand kommt.
[6]  In des Grams Sündfluth bewähr' dich geduldig, wie Noe, Sey dann gewiß, daß dein Wunsch für tausend Jahre zu Stand kommt.
[7]  Geh'st du einstens vorbei am Grabe Hafisens, so wiße, Daß aus seinem Staub ein Tausend von Seufzern hervorkommt.
478
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.50-32.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.50
German Translation
[1]  Trinke einen Becher Weins Von zwölf Maaßen. Um aus Herzen so den Gram Zu entwurzeln.
[2]  Immer offen halt' das Herz Wie das Weinglas! Nicht verschlossen wie ein Faß Neu verspundet.
[3]  Trink' von Selbstvergessenheit Einen Rotel. Und du wirst die Selbstsucht gleich Niederschlagen.
[4]  Sey beständig wie der Stein, Nicht wie's Wasser. Das von Farben mannigfalt Kleider küsset.
[5]  Binde nur dein Herz an Wein Daß du männlich Brechen mögst den steifen Hals Aller Tugend.
7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.7-1.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.7
German Translation
[1]  Komm o Weiser und schau hinein in den Spiegel des Bechers,Schaue die Lust des purpurnen Weines!
[2]  Frag' um verborgenen Sinn die Eingeweihten des Bechers,Weil auch hievon die Frömmsten Nichts ahnen.
[3]  Keiner hat erjagt den Simurg, o zieh die Garne zusammenDenn es schwillt nur vom Winde das Netz auf.Auf! Genieße die Zeit, und gedenke: dem Vater der MenschenBlieb in Elisiums Fluren der Trunk nicht.
[4]  Leere der Becher ein Paar, beym Feste des Lebens und fort dann!Geiz' nicht hienieden nach stätem Genuße.
[5]  Hin ist die Jugend! o Herz, und keine Blume gepflücket,Nach Namen und Tugend streb nun im Alter:
[8]  Ostwind höre! Hafis ist ein treuer Jünger des BechersGeh und grüß mir den Herrn vom Weinhaus.
273
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.2-16.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.2
German Translation
[1]  Hast du einen trauten FreundTreu in Worten sey.So im Bad als RosenbeetSein Begleiter sey.
[2]  Gieb des durchgewühlten Haar'sKrause nicht dem Wind',Daß nicht der Verliebten SinnGanz zerrüttet sey!
[3]  Wünschest du allein zu seynUnd mit Chiser gut.Du für Alexandern dannLebenswasser sey!
[4]  Nicht ein jeder Vogel singtSüßen Liebeston,Komm' und für die NachtigallEine Rose sey!
[5]  Uebertrage mir die PflichtTreu zu seyn als Knecht,Uebertrag' sie mir bey Gott!Und du Kaiser sey!
[6]  Zieh' nicht noch einmal das SchwertIn dem Heiligthum;Und für das was du gethanGanz zerknirschet sey!
[7]  Eine Zunge und ein HerzHaben unsre Kerzen.Sieh' des Schmetterlings Bemüh'n,Ob es nicht zum Lachen sey.
[8]  Aller Reiz und Schönheit liegtIn dem Minnespiel'.Du daher in diesem SpielUnerreichbar sey!
[9]  Schweig' Hafis und klage nichtUeber Freundes Schuld,Wer befahl, daß ihr GesichtAnzustaunen sey!
46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.32-4.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.32
German Translation
[1]  Rosen am Busen! Wein in der Hand, Die Liebste nach Willen! Dann sind Kaiser meine Sklaven
[2]  Weg mit den Lichtern, traget sie weg! In dieser Versammlung Scheinet heut der Liebsten Vollmond.
[3]  Wein ist erlaubt nach unserm Gesetz; Doch ohne dein Antlitz
[4]  Lautengetön erfreut das Ohr Das Auge verweilet Auf den Lippen, auf dem Glase.
[5]  Rosenceder ists verbothen. Rosengeruchs bedürfen wir nicht, Es duften die Seelen Vom Geruche deiner Locken.
[6]  Rede mir nicht vom Zuckergebäck! Der Zucker der Lippen Ist der höchste meiner Wünsche.
[7]  Seit im verstörten Busen der Schatz Des Kummers verwahrt liegt, Liege ich verstört in Schenken.
[8]  Sprich von Schimpf nicht, Schimpf ist mein Ruhm. Was fragst du vom Ruhme? Ruhm ist mir zum Schimpf geworden.
[9]  Rauschig und taumelnd schmachtenden Blicks Durchzieh' ich die Straßen, Zeige sich, der mir nicht gleichet!
[10]  Saget hievon der Obrigkeit nichts Begabet mit Trinklust Ist sie selber anzuschauen.
[11]  Bleibe nicht ohne Liebchen und Wein Hafis bei dem Feste Zu der Zeit der Rosenblüthe.
312
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.4-28.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.4
German Translation
[1]  Komm' o Schenke jetzt sind die Tage der Rosenzeit,Jetzt sind die Tage der Freude.Bring' den Becher heraus, weiters bekümmreDich ums minder und mehr nicht.
[2]  Frohe Kunde, das Heil ist nun gegönnt mit RechtDen Bewohnern von SalemWer die mächtige Huld dankbar erkennt und schätztLobt und preiset den Herren.
[3]  Wo? o wo ist der Both', welcher hievon heut unsFreudenkunde gegeben?Daß statt Silber und Gold hin auf die Erde ichStreuen möge die Seele.
[4]  Welche schönre Gestalt nehmen die Dinge nunDa der Kaiser zurückkehrt.Was der Feind durch Betrug Arges geschmiedet hat,Ist zu Wasser geworden.
[5]  Wer Verträge zerstört wird vom gerechten Loos,Scharf gezüchtiget werden.Von Vernünftigen ward Bund und Vertrag von jeHoch und heilig gehalten.
[6]  Freilich hatte der Feind auf der ErbarmungenWolken Hoffnung gegründet,Aber ausser der Fluth, welche den Augen entströmt,Hat er keine gesehen.
202
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.103-10.103
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.103
German Translation
[1]  Vielleicht mein Herz, daß sich der Schenke Thüren öffnen, Vielleicht daß sich die Knoten der Verwirrung öffnen.
[2]  Hat eines Gleisners Hand aus Selbstsucht dich gesperret, Sey muthig, dann man wird dich wegen Gott eröffnen.
[3]  Zur Lust der Trunkenen, die an frühem Morgen trinken, Wird manch' verschloßne Thür' durch das Gebet sich öffnen.
[4]  Wenn ihr den Bannbrief schreibt, für sie, der Rebe süße Tochter, So werden Augen sich mit blut'gen Wimpern öffnen.
[5]  Der Wein ist tod, hinweg nun mit der Laute Haar, Nun soll sich's Doppelhaar der Schenkediener öffnen.
[6]  O Gott! der Schenke Thür' ist wirklich zugesperret, Erlaube nicht, daß sie die Thür' des Truges öffnen.
[7]  Hafis! Am jüngsten Tag wirst du verwundert sehen, Was unter Kutten sich für seltne Gürtel öffnen.
88
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.74-4.74
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.74
German Translation
[1]  Ein Wörtlein hörte ich, das Jakob einst gesagt, Der Schmerz der Trennung von dem Freund wird nicht gesagt,
[2]  Was uns der Prediger vom jüngsten Tag erzählt, Hat er als Gleichniß nur vom Tag der Flucht gesagt.
[3]  Wer giebt mir Kunde von dem fortgereis'ten Freund, Der Ost hat alles so verwirret angesagt.
[4]  O weh! Der Freunde Feind, der liebelose Mond Hat ohne Müh' den Freunden Lebewohl gesagt.
[5]  Ich will getrost, selbst Nebenbuhlern dankbar seyn, Mein Herz, gewohnt an Schmerz, hat Arzney'n entsagt.
[6]  Vertreibt den alten Gram mit Wein, mit altem Wein, Dies macht das Herz vergnügt, so hat der schlaue Greis gesagt.
[7]  Vertrau nicht auf den Wind, selbst wenn er günstig bläst. Dies Sprichwort hat zu Salomon der Ost gesagt.
[8]  Giebt dir das Schicksal Frist, verlasse nicht den Weg, Wer sagt daß eine Metze dem Betrug entsagt?
274
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.3-16.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.3
German Translation
[1]  Ergreif' das Glas, wo Tulpen sindUnd lasse die Verstellung;Geselle dich dem Ostwind zu,Ob dem Geruch der Rose.
[2]  Ich sage dir ja nicht, daß duDas ganze Jahr durch trinkest,Ich sage: trink' drey MonateUnd bete die neun andern.
[3]  Wenn dich der viel erfahrne GreisDer Liebe trinken heißet,So trinke und erwarte dannDafür den Segen Gottes.
[4]  Verlangest du Geheimniße,Wie Dschem, einst zu errathen,So komm' geselle dich zum Glas,Worin du Welten schauest.
[5]  Wiewohl hier alles Knospen gleichZusammgeschnuret ist,So öffne du dennoch dein HerzDem Hauch des Frühlingswind's.
[6]  O suche keine Treue hier,Wenn meinem Wort du glaubest,Such' eher noch des Simorgs Nest,Such' eh' den Stein der Weisen.
[7]  Gesell' Hafis dich nicht zur SchaarDer jungen fremden Meister,Geselle dich vielmehr zur SchaarDer wohlbekannten Trinker.
438
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.10-32.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.10
German Translation
[1]  Leichten Schrittes gieng Selma am liebenden Herzen vorüber. Und es rief ihr zu jeglichen Tages, mein Geist!
[2]  Herzensgeliebter, o wirst du nicht mir Herzensverbrannten Schenken Arzney wider die Schmerzen des Feinds?
[3]  In den Schmerzen, worein mich deine Liebe versenket, Trau' ich nur Gott mich an, ihm dem Beherrscher der Welt.
[4]  Wenn du vielleicht noch läugnen sollst die Leidenschaft Leila's, Schaue mir in das Gesicht, daß deine Zweifel vergeh'n.
[5]  O mein Schönheitsgötz', ich ergreife so mancherlei Wege, Tief in Liebesgluth, tief ist versenket mein Herz.
[6]  Du empfehl' mir immer zum Heile der Seele die Reue, Ach! ich werde nicht klug durch der Erfahrungen Schein.
[7]  Siehe, dein Gram hat längst mir's Herz verzehrt und zerfressen, Und doch ruft man mich noch nicht zur edenischen Flur.
[8]  Sieh' Hafisens Herz steckt in der Krause des Haares, Und in finsterer Nacht leitet der Herr mich den Weg.
79
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.65-4.65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.65
German Translation
[1]  Jetzt da edenischer Hauch Vom Garten wehet, Trennet mich nichts von dem Wein, Von Himmelsmädchen.
[2]  Sollen die Bettler denn nicht Mit Herrschaft prahlen, Ist nicht der Himmel ihr Zelt, Die Flur ihr Tanzsaal?
[3]  Jetzo erzählet die Flur, Des Mays Geschichten, Wer sich mit Geld jetzt befängt, Der ist nicht weise.
[4]  Frische dein Herz auf mit Wein! Die Erd' ist nur ein Bau, zu dem unser Gebein Den Mörtel her giebt.
[5]  Suche beim Freunde nicht Treu Sie ist erstorben, Heiliges Feuer kömmt nicht Aus Kirchenlampen.
[6]  Du verschwärze mich nicht Ob meinem Rausche. Wem ist bekannt, was das Loos Schrieb auf die Stirne?
[7]  Wende die Schritte nicht ab Vom Grab Hafisens; Wenn gleich in Sünden versenkt, Harrt er des Himmels.
422
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.7-31.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.7
German Translation
[1]  Du der mit dem langen Haar' Wie mit eigenen Ketten gekommen, Dein sey die Gelegenheit, Weil du Narren zu schmeicheln gekommen.
[2]  Eine Stunde zeig' dich mild Und verändre deine Gewohnheit, Weil nur jene, welche fleh'n, Du zu fragen und forschen gekommen.
[3]  Sey's im Frieden, sey's im Krieg, Immer bin ich geweiht dir zum Opfer, Denn in jedem Zustand bist Du mit lieblichem Kosen gekommen.
[4]  Gluth und Wasser sind vermischt In den schwellenden Lippenrubinen, Böse Augen seyen fern! Als ein Gaukler bist du gekommen.
[5]  Lob sey deinem weichen Herz, Um ein löbliches Werk zu verrichten, Betest du für alle Todten, Welche du mit den Wimpern gemordet.
[6]  Sag', was meiner Tugend nützt, Daß du Schätze des Herzens zu plündern, Ganz betrunken und verwirrt In mein stilles Gemach bist gekommen.
[7]  Sieh Hafis! sprach sie zu mir, Deine Kutte mit Mackeln beflecket, Bist du wohl von dieser Zunft Endlich einmahl zurückgekommen.
4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.4-1.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.4
German Translation
[1]  Sage Morgenwind mit SchmeichelnJener lieblichen Gaselle,Auf die Berge, in die WüstenHat die Liebe mich getrieben.
[2]  Warum frägt der Zuckerhändler(Herr erhalte ihm das Leben)Warum frägt er nicht ums WohlseynSeines Zucker Papageyes?
[3]  Wisse Rose dir geziemt esNicht so stolz zu seyn, auf SchönheitDaß aus Stolz du nach der irrenNachtigall nicht einmal fragest.
[4]  Nur mit guter Art und WeiseWirst du den Geliebten fangen,Denn es gehen kluge VögelNicht ins Netz und in die Schlinge.
[5]  Wer belehrt mich, warum dieseDunkeln Augen, hohe FormenDiese vollen MondsgesichterMir so gar nicht hold seyn wollen!
[6]  Wenn du bey dem Liebchen sitzestWein an seiner Seite trinkest,O erinnre dich der Freunde,Die umher gleich Winden irren.
[7]  Deiner Schönheit fänd' ich wahrlichGar nichts anders auszusetzen,Als daß insgemein die SchönenNichts von Treu' und Liebe wissen. Für den Umgang mit den Freunden,Für die Gunst des Glückes dankbar,Sey auch eingedenk der Fremden,Die durch Heid' und Wüsten streifen.
[8]  Was ists Wunder wenn im Himmel,Durch Hafisens Lied gewecket,Zu dem Lautenspiele Suhre'sDer Messias Reigen tanzet?
220
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.121-10.121
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.121
German Translation
[1]  Des Herzens Blut von meinem Auge Auf das Gesicht herunter geht, Was soll ich sagen, was vom Auge Auf das Gesicht herunter geht.
[2]  Ich habe tief in meinem Busen Die Sehnsucht und Begier versteckt, Und diese Sehnsucht ists, durch welche Mein Herz einst in die Lüfte geht.
[3]  Sobald mein liebgewohnter Vollmond Daher in seinem Kleide geht.
[4]  Ich habe in den Staub des Weges Des Freundes mein Gesicht gelegt, Wohl billig ist, daß beim Gesichte Er als bekannt vorüber geht.
[5]  Der Augen Wasser ist ein Gießbach, Durch dessen Kraft ein jedes Herz, Und wär' es von dem härt'sten Steine, Von selbst aus seinem Platze geht.
[6]  Mit meines Auges Thränenstrom Hab' ich zu zanken Tag und Nacht, Ich frag' ihn aus, warum er immer Nach des Geliebten Wohnung geht.
[7]  Es geht Hafis mit reinem Herzen Und fröhlich zu der Schenke hin, Wie reinen Sinns ein frommer Mann In seine Zelle geht.
131
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.32-10.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.32
German Translation
[1]  O komm, des Himmels Türke hat Die Fastenzeit zum Raub gemacht, Ein Zeichen hat der neue Mond Zum Kreiselauf dem Glas gemacht.
[2]  Nur jenem gilt das gute Werk Der Wallfahrt, und der Fastenzeit, Der von dem Staub der Schenke her Der Liebe hat Besuch gemacht.
[3]  Der Winkel in der Schenke ist Das eigentliche Vaterland; Mit Gütern sey belohnt von Gott Der Mann, der diesen Bau gemacht. Wie lieblich ist nicht das Gebet, Wenn erst zuvor aus Herzensgram Der Liebende mit Thränenfluth, Mit Blut die Reinigung gemacht.
[4]  Was ist der Preis für den Rubin Des Weines anders als Vernunft? Komm! Es gewann ein jeder noch, Der diesen Waarentausch gemacht.
[5]  Vor dem Altare dieser Brau'n, Kann nur derjenige mit Recht Verrichten ein Gebet, der eh' Mit Blut die Reinigung gemacht. Wenn die Gemeinde heut vielleicht Noch dem Imame klagen soll, So geht ihr Nachricht, daß mit Wein Er Flecken in sein Kleid gemacht.
[6]  Schad'! daß die blinzende Narziß Vom Aug' des Scheihs unsrer Stadt, Auf alle Hefetrunkne heut Solch einen Seitenblick gemacht.
[7]  Sey dankbar deinem eignen Aug', Weil das Gesicht des Freund's du schaust, Das Auge hat, was es gemacht, Stets mit Behutsamkeit gemacht.
[8]  Du höre von Hafis, und nicht Vom Prediger, der Liebe Wort, Wiewohl er seine Predigten Sehr wohlberedt und künstlich macht.
468
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.40-32.40
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.40
German Translation
[1]  Wer bringt dem Schah von mir dem Bettler Kunde? Zweitausend Dscheme geh'n bei uns auf ein Glas Wein.
[2]  Wiewohl ich Hab' und Ruf verlor nähr' ich noch Hoffnung, Durch meiner Freunde Hülf' zu gutem Ruf' zu kommen.
[3]  Schau auf mein Herz, o du, der mit Chemie dich prahlest, Von Kapital entblöst hab' ich das Netz gespannt.
[4]  Es wundert mich gar sehr von des Geliebten Treue, Daß er sich nicht erkundigte durch Brief' und Grüße.
[5]  Bei ungegohrnem Wein, und ganz durchgohrnem Freunde Ist jener lieber mir um tausendmal als dieser.
[6]  O lock' mich Scheich nicht mit Betkorallen, Ein schlauer Vogel wird nicht in das Netz gelocket. Ihr Tugendhaften geht, denn weg ist meine Tugend, Ich schlürfte lautern Wein, verlor den guten Namen.
[7]  Ich sehne mich nach deinem Dienst; verkauf' mich nicht, Denn nimmer findest du so einen treuen Diener.
[8]  Wem soll ich klagen, wem soll dieses ich erzählen? Mein Leben ist der Mund, doch ist es ohne Dauer.
[9]  O mach' die Wimpern auf, vergieß das Blut Hafisens! An solchen Mördern hat noch Niemand sich gerächet.
111
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.12-10.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.12
German Translation
[1]  Ist der Wangen Wiederschein In des Glases Fluth gefallen, So sind Weise alsogleich Lächelnd durch den Wein gefallen.
[2]  Wegen einer Schmeichelei, Die du deinem Spiegel machtest, Sind in meines Herzens Glas Solche Bilder eingefallen.
[4]  Liebeseifer hat die Zung' Der Vertrauten abgeschnitten, Wie ist also dieses Wort Ihres Grams in's Volk gefallen.
[6]  Wie der Zirkel in dem Kreis Muß sich in die Runde drehen, Wer in dieser Zeiten Kreis In den Wirbel ist gefallen. Nimmer Meister wirst du mich Künftighin in Schenken sehen, Denn ich bin nun auf das Glas, Auf des Freundes Aug' gefallen.
[7]  Aus des Kinnes Grübchen griff Ich nach Ihres Haares Stricken, Ach! ich kam wohl aus dem Brunn, Aber bin in's Netz gefallen.
[9]  Unter ihrem Schmerzenschwert' Muß man immer tanzen geh'n, Nie für die Erschlagenen Ist das End' gut ausgefallen.
[10]  Immer neue Huld von ihr, Für mich armen Herzverbrannten, Sieh! wie ist der Bettler doch In des Fürsten Huld gefallen.
[11]  Alle Frommen trinken Wein, Alle seh'n die Schönen gerne, Deinem Herzen, o Hafis, Spott und Schand ist zugefallen.
452
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.24-32.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.24
German Translation
[1]  Menschen und Feen sind ungebetene Gäste der Liebe, Zeige mir Willenskraft, sicher entführst du das Glück.
[2]  Suche keinen Genuß, wenn du nicht im Stand bist zu schauen, Denn der Spiegel Dschemschids nützet den Sehenden nur.
[3]  Morgentrunk und Morgenschlaf, wie lange noch währt dieß? Sinn' auf Entschuldigung, höre das Morgengeschrey.
[5]  Tausend heilige Seelen, sie sind entbrennet voll Eifer, Weil du Abends und früh Anderen haltest das Licht.
[7]  Komm', ich habe so viel aus langer Erfahrung gelernet, Welcher das Weinglas leert, leeret die Sorgen auch aus.
[8]  Niemals sey der Wipfel von deiner Cypresse gekrümmet, Denn wahrhaftig du bist würdig der Krone des Throns.
[9]  Rosen und Ostwind kommen und gehen mit Glanz und Gerüchen, Diese vom Dufte des Haars, jener vom Licht des Gesichts.
[11]  Winkelsitzergebet verhütet Schaden und Unglück. Warum blickest du nicht mir nach dem Winkel des Aug's? Was soll ich thun, verwirrt von der Trennung, und von dem Genuße? Immer bist du im Aug', aber von Angesicht fern.
[12]  Komm' und kaufe die Herrschaft von uns mit dem Schatze der Schönheit, Sorge dafür, daß du's nicht mögest verzehren umsonst. Höre den Meister, und sey nicht ganz entblößet von Liebe, Niemand kaufet den Knecht, wenn er nicht Tugenden hat. Jegliche Nachricht öffnet das Thor zu neuen Geschäften, Deßhalb bin ich berauscht, bin so verloren und irr'. Zeige mir doch den Weg in diesen finsteren Gängen. Schon tönt Morgengebet, tönet das Morgengeschrey.
[13]  Wunderlich ist der Weg der Lieb' und voll von Gefahren, Laßt uns flüchten zu Gott, daß er uns Sicherheit geb'. Siehe! sie kommen und gehen in Hoffnung des Duftes der Locken, Winde verstreuen das Roth, Rosen bedienen sich deß. Durch die Schmerzen der Freundinn bin ich auf ewig gebunden, Hin ist mein Leben durch sie, aber mich kümmert es nicht. Kennet der Unerfahrene wohl die heimlichen Freuden? Wollte Gott, ich hätt' Kräfte zu Freuden des Gau's! Mein Geheimniß, o Freund! ist durch die Thränen verrathen, Du erbarme dich mein, der zur Genüge mich kennt! Trockenen Mund's gieng ich vorbei am Wasser des Lebens, Hilf mir, Schenke, o hilf, reich' mir vom lautersten Trunk! Wenn Hafis für dich einst stirbt, an der Schwelle der Thüre Wird ihm durch den Tod ewiges Leben zu Theil.