180
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.81-10.81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.81
German Translation
[1]  Ey Geliebter! was hast du gelächelt nun über den Zucker, Lächle, denn es sehnt mich nach dem Zucker fürwahr,
[2]  Siehe, Tuba vermag von deinem Wuchs nicht zu sprechen. Gehe darüber hinaus, lang ist die Sage davon.
[3]  Wenn du verlang'st, daß dem Aug' nicht blutige Thränen entströmen, Wähle zu Liebchen nicht Schönen von hohem Geblüth;
[4]  Immer sey dir erlaubt, zu zürnen oder zu spotten, Denn ich bin kein Mann nur in mich selber verliebt.
[5]  Ha! wie kann ein verirrtes Gemüthe begreifen, Dessen Herz nicht einst ähnliche Banden ertrug.
[6]  Meine Begier entbrennt, wo ist die Kerze der Wangen, Daß ich Seele und Herz weihe der Gluth des Gesicht's.
[8]  Weil du, Hafis, von kosenden Wangen der Türken nicht absteh'st, Schickt Choweresen, Chodschend sich noch am besten für dich.
25
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.11-4.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.11
German Translation
[1]  Die rothe Rose blühet auf, Die Nachtigall ist trunken, Nun laßt dem Trinken freyen Lauf, Ihr Weinverehrer!
[2]  Der Bau der Reu', er schien so fest, Als wär' er ganz von Steine, O seht, wie das kristallne Glas Ihn schon zerschlagen.
[3]  Er bringet Wein, denn vor dem Thron Der unsern Wunsch erhöret, Gilt Weiser gleich, und Trunkenbold Und Fürst und Wächter.
[4]  Da ich einmal verlassen muß Dies Gasthaus mit zwey Pforten, So gilt es gleich, mein Lebenslauf Sey hoch, sey niedrig.
[5]  Es ist nicht möglich ohne Gram Und ohne Leid zu leben, Denn an dem Tag des Looses ward Uns Leid beschieden.
[6]  Um Seyn und Nichtseyn sorg' dich nicht, Sey immer frohen Herzens, Das Ende jeder Treflichkeit Ist die Vernichtung.
[7]  Die Pracht, Aßaff, der Ostwindgaul, Der Vögelsprache Kunde, Ist alles in den Wind zerstiebt, Und nützte nichts dem Herrn.
[8]  Du schwing' dich vom geraden Weg Nicht in die Luft mit Flügeln, Der Pfeil fliegt in die Höh', und fällt Alsdann zur Erde.
[9]  Wie kann die Zunge deines Kiels Dafür Hafisen danken, Daß deine Worte stets von Mund Zu Munde fliegen.
169
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.70-10.70
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.70
German Translation
[1]  Nirgends kann ich Freunde schauen, Was ist aus ihnen geworden? Wo ist Freundschaft? wo die Freunde? Was ist aus ihnen geworden?
[2]  Trübe ist des Lebensquelle, Wo ist der reinliche Chiser? Umgekehrt sind Wind und Rosen, Was ist aus ihnen geworden?
[3]  Keiner redet von den Freunden, Die Wort und Treue bewahren, Dankbarkeit, wohin entfloh sie? Was ist aus Freunden geworden?
[4]  Aus der Mine ihrer Gnaden Entsteigen nicht mehr Rubinen, Windepfleg' und Sonnenwärme Was ist aus ihnen geworden?
[5]  Diese Stadt war sonst der Wohnort Der Fürsten und der Verliebten, Was befiel denn die Verliebten? Was ist aus Fürsten geworden?
[6]  Gottesleitung, Himmelsgnade Ward uns als Spende geworfen, Keiner tummelt auf dem Platz sich, Was ist aus Reitern geworden?
[8]  Sohre singet nicht mehr lieblich, Hat sie die Leier verbrennet? Niemand freut sich mehr des Rausches, Was ist aus Trinkern geworden?
[9]  Schweige still Hafis, denn Niemand Erspäht Geheimniße Gottes, Welchen fragst du von dem Zeitlauf, Was ist aus selbem geworden?
388
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.7-29.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.7
German Translation
[1]  Frühling und Rosen erwecken die Lust; magst brechen die Reue! Reißen aus trauriger Brust fröhlich die Wurzeln des Grams.
[2]  Sieh der Morgenwind weht, und alle Knospen der Rosen Haben zerrissen ihr Hemd, billig der Sinnen beraubt.
[3]  Lern', o Herz! die Reinheit der Sitten vom perlenden Wasser, Von der Geradheit stell' Cedern als Muster dir auf.
[4]  Siehe, wie hat der Räuber der Ost die Locken zerstöret, Hyacinthen zerstreut um das Jasminengesicht.
[5]  Ha! die Braut der Knospen, sie raubt mit schmeichelndem Lächeln Auf die schöneste Art uns so den Glauben als Herz.
[6]  Trauergesänge Bülbüls und Philomelens Geweine Kommen der Rose zu Lieb aus dem Gemache des Grams.
[7]  Dir erzählte das Glas Hafis den Umlauf der Dinge nach des Sängers Spruch, und nach des Wirths Fetwa.
135
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.36-10.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.36
German Translation
[1]  Wie der Ostwind will ich einen Besuch Dem Haus des Freundes machen. Meinen Geist will ich durch seinen Geruch Durchschwärzt mit Moschus machen.
[2]  Ohne Wein und ohne Liebesgenuß Verfloß bisher mein Leben, Aber meinem Kaltsinn will ich von heut Gewiß ein Ende machen.
[3]  Meines Angesichts verlornen Glanz, Meine Wissenschaft und Glauben, Will ich alle zu dem Staube der Thür Von meinem Liebling machen.
[4]  Wie der Glanz der Morgenkerze ist mir Der Vorsatz klar geworden: All mein Leben will ich nur zum Geschäft Von seiner Liebe machen.
[6]  Ha wo ist der Ostwind? wo ist er denn? Ich will mein Herz, das blutet, Einem einz'gen Würzehauch des Haars Zum Brandesopfer machen.
[7]  Heuchelei Hafis verleihet dir nicht Die heitre Ruh' des Herzens, Beßer ist's zu meiner Straße den Pfad Von Lieb' und Wein zu machen.
99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:9.1-9.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:9.1
German Translation
[1]  Mein Herz verlangt nach dem Gesicht Farruch's,Es ist verwirret wie das Haar Farruch's,
[2]  Ich nehme aus sein Hindufarbes Haar,Sonst Niemand naht sich dem Gesicht Farruch's,
[3]  O dreymal glücklich ist er, dieser Schwarze,Er, der Begleiter und Gefährt' Farruch's,
[4]  Wie Weiden zittert die Cypreß' im Garten,Sobald sie sieht den hohen Wuchs Farruch's
[5]  Gieb mir den safranfarben Wein, o Schenke,Zum Angedenken der Narziß' Farruch's.
[6]  Aus Gram hat sich mein Leib gekrümmt zum Bogen,Zum Bogen wie die Augenbraun' Farruch's,
[7]  Den Moschushauch vom Tartarland beschämet,Der Hauch des Ambradufts vom Haar Farruch's.
[8]  Wenn jedes Herz sich neigt nach einer Seite,So neiget meines sich ganz zu Farruch.
[9]  Ich diene gern dem hohen Geist von Jenem,Der wie Hafis sich nennt ein Sklav Farruch's.
254
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.10-12.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.10
German Translation
[1]  Horchet die Nachtigall sing't nun wieder vom Zweig' der Cypreße.Böses Auge sey fern, fern von der Rose Gesicht!
[2]  Rose, aus Dank dafür, daß du bist der Schönheit SultaninnZeig' in der Liebe dich nicht gegen die Nachtigall stolz.
[3]  Klagen will ich fürwahr! nicht über deine Entfernung,Wer die Entfernung nicht kennt, kennt nicht der Gegenwart Glück.
[4]  Andern ist Freude und Lust der Quell des fröhlichen Sinnes,Mir ist der Liebe Gram Quelle von Freuden und Lust.
[5]  Hoffen die Frommen auf Köschk' und Mädchen im himmlischen Garten,Hab' ich hienieden schon Mädchen und Köschk in der Schenk'!
[6]  Trinke Wein bei der Laute Getön und wenn sie dir sagenEs ist verboten, so sag': Gott ist es, welcher verzeiht!
[7]  Sage Hafis was klagst du über die Trennung?Dann aus Finsterniß kömmt Licht und aus Trennung Genuß.
407
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.3-30.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.3
German Translation
[1]  Siehe die grünende Flur des Himmels, die Sichel des Mondes, Sie erinneren mich an meine Saaten und Ernten.
[2]  Auf! so sprach ich zum Glück, du schläfst, und schon leuchtet die Sonne Ob dem Vergangnen, so sprach's, verzweifle du nicht an der Zukunft.
[3]  Fahrst du von allem Irdischen rein in den Himmel, wie Jesus, Hundert Strahlen verleiht dann deine leuchtende Sonne.
[4]  Traue du nicht zu viel dem Gestirne des nächtlichen Diebes, Denn er stahl die Krone von Kaus, und von Chosrewen den Gürtel.
[5]  Wenn gleich Rubin und Gold dein Ohr als Gehänge beschweret. Höre du immer den Rath, und wisse, die Schönheit vergehet.
[6]  Weit von deinem Maal sey die Bosheit der Augen entfernet, Denn es hat an Schönheit den Mond, die Sonne bestohlen.
[7]  Sage dem Himmel: o rühme dich nicht mit solchem Getöse, Um ein Körnlein verkauft die Liebe dem Mond die Plejaden.
[8]  Siehe die Heuchlergluth wird zuletzt den Glauben verbrennen. Wirf, Hafis! das wollende Kleid weg, gehe von hinnen.
415
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.11-30.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.11
German Translation
[1]  Bote der Gnaden, gieb Kunde vom Freunde, Singe von Rosen der Nachtigall vor.
[2]  Säume dich nicht, denn wir sind die Vertrauten, Sage dem Freunde die Rede des Freunds.
[4]  Jeder, der saget: ihr Staub ist ein Balsam, Sage dies Wörtlein vor unserem Aug'.
[5]  Sage dem Frommen, der trinken verbiethet, Dieses erkläre du uns vor dem Wirth. Wenn von der Kanne der Fromme verführt wird, Sage: schenk' ein, mit dem Glas in der Hand.
[6]  Geh'st du vorbei an der Thüre des Glückes, Sprich nach entrichtetem Gruß und Gebet: Arme und Reiche vermischet die Liebe, König der Schönheit! den Bettler sprich an!
[7]  Bin ich auch böse, so schilt mich nicht deßhalb, Fürstlich verhehle des Bettlers Vergeh'n.
[8]  Lies dem Verarmten des Mächtigen Schreiben, Sprich zu dem Bettler von Königsgewalt. Da die Geliebte die Herzen verstreut hat, Sage dem Sinn, was in Lüften geschah.
[9]  Als die zwei Spitzen der Locken sich schlugen, Ha! wie ich brannte, verkünd' es, o Wind!
[10]  Worte der Weisen sind Nahrung der Seele, Gehe und frag' und erzähle uns dann.
[11]  Kommst du, Hafis, in des Fürsten Gesellschaft, Laß die Verstellung, und trinke den Wein.
200
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.101-10.101
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.101
German Translation
[1]  Begreifst du, was die Leier, was Die Laute dir für Lehren machen? Sie sagen: trinke heimlich Wein! Verdruß wird man dir sonsten machen.
[2]  Sie breiten aus der Liebe Ruhm Die Glorie der Verliebten. Sie fahren fort, so Alt als Jung Mit Schmähungen berühmt zu machen.
[4]  Sie sagen: sprecht und höret nichts Von den Geheimnissen der Liebe. Es ist ein allzu schweres Ding, Wovon sie die Beschreibung machen.
[5]  Ich weilte vor der Freundinn Thür, Mit tausendlei Betrug gelocket, Ich möchte wissen, was sie wohl Darin für einen Rathschlag machen.
[6]  Es geben diese Bettler nur Dem Wirthe Sorg' und Plage, Sie rauben seine Zeit, o sieh! Was sie dann mit dem Alten machen.
[10]  Trink' Wein, denn scheinet dir der Scheih, Der Vogt, und selbst Hafis, der Dichter Auf gutem Weg, so wisse, daß Sie alles mit Verstellung machen.
247
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.3-12.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.3
German Translation
[1]  Beim Verliebten, o Ostwind, gehe vorbei,Kunde bringe dem Liebenden,Verweigre mir's nicht!
[2]  Lieblich blühst du, o Rose, dankbar dafür,Einen Duft für die NachtigallVerweigre mir nicht.
[3]  Dein Verehrer war ich, o wachsender Mond,Einen Blick, nun du älter bist,Verweigre mir nicht.
[4]  Erdengüter sind leicht, und niederen WerthsDiese Kleinigkeit, WürdigenVerweigre sie nicht.
[5]  Wie der Kandel sind deine Lippen mir süß,Zucker spende dem PapageyVerweigre mir's nicht!
[6]  Deine Tugenden führt zum Kafe das Lied,Reisezehrung dem Liedermund,Verweigere du nicht.
[7]  Wer verherrlicht seyn will, höre dies Wort:Gold und Silber ist Liederpreis,Verweigert es nicht.
[8]  Gram und Schmerzen vergeh'n, und beßer wird's einst,Deine Thränen auf jenem Pfad,Verweig're sie nicht.
467
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.39-32.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.39
German Translation
[1]  Wir sind zwar in der Fasten, Doch gieb mir nur ein Glas, Von jenem Wein der Liebe, Der Rohes kocht.
[2]  Viel Tage schon verflossen, Seit daß ich nicht Ergriff des Buchses Schenkel, Der Schönen Wuchs.
[3]  Mein Herz! es ist die Fasten, Ein hoher Gast, Wohl, wenn sie bleibt, doch besser, Wenn sie sich hebt.
[4]  Ein schlauer Vogel fliegt nicht Zur Kloster-Thür', Die Prediger sie stellen Jetzt Netze auf.
[5]  Ich klag' nicht über Klausner, So ist's ihr Brauch, Denn auf den Morgen folget Der Abend auch.
[6]  Geht, um die Flur zu sehen, Hinaus mein Freund, So bring' ihm von mir Kunde, O Morgenwind!
[7]  Sag' ihm, ein Mensch, der trinket Bei Tag und Nacht, Kann er sich wohl erinnern Auf Andrer Gram?
[8]  Hafis! wenn dir der Richter Nicht Recht erweis't, So kömmst mit deinem Dünkel Du schwer zum Ziel.
468
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.40-32.40
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.40
German Translation
[1]  Wer bringt dem Schah von mir dem Bettler Kunde? Zweitausend Dscheme geh'n bei uns auf ein Glas Wein.
[2]  Wiewohl ich Hab' und Ruf verlor nähr' ich noch Hoffnung, Durch meiner Freunde Hülf' zu gutem Ruf' zu kommen.
[3]  Schau auf mein Herz, o du, der mit Chemie dich prahlest, Von Kapital entblöst hab' ich das Netz gespannt.
[4]  Es wundert mich gar sehr von des Geliebten Treue, Daß er sich nicht erkundigte durch Brief' und Grüße.
[5]  Bei ungegohrnem Wein, und ganz durchgohrnem Freunde Ist jener lieber mir um tausendmal als dieser.
[6]  O lock' mich Scheich nicht mit Betkorallen, Ein schlauer Vogel wird nicht in das Netz gelocket. Ihr Tugendhaften geht, denn weg ist meine Tugend, Ich schlürfte lautern Wein, verlor den guten Namen.
[7]  Ich sehne mich nach deinem Dienst; verkauf' mich nicht, Denn nimmer findest du so einen treuen Diener.
[8]  Wem soll ich klagen, wem soll dieses ich erzählen? Mein Leben ist der Mund, doch ist es ohne Dauer.
[9]  O mach' die Wimpern auf, vergieß das Blut Hafisens! An solchen Mördern hat noch Niemand sich gerächet.
114
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.15-10.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.15
German Translation
[1]  Der Vogel des Glücks ist in unser Netz gefallen, Sobald es bei uns dir vorbeizugeh'n gefallen.
[2]  Ich schleudre aus Freuden zum Himmel auf die Kappe, Sobald mein Glas des Gesichtes Glanz gefallen.
[3]  Geht einstens der Mond des Verlangens auf am Himmel, So wird auf die Hütte ein Strahl des Lichtes fallen.
[5]  Geopfert ist deinem Gesichte meine Seele, Vielleicht wird ein Tropfen der Lippen auf mich fallen.
[6]  Verzweifelnd verlaße die Thür nicht. Loose einmal! Vielleicht wird auf uns noch das Loos des Glückes fallen.
[7]  Wer immer Hafis! den Bezirk der Freundinn lobet, Dem wird von den Rosen des Geists ein Duft auffallen.
4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.4-1.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.4
German Translation
[1]  Sage Morgenwind mit SchmeichelnJener lieblichen Gaselle,Auf die Berge, in die WüstenHat die Liebe mich getrieben.
[2]  Warum frägt der Zuckerhändler(Herr erhalte ihm das Leben)Warum frägt er nicht ums WohlseynSeines Zucker Papageyes?
[3]  Wisse Rose dir geziemt esNicht so stolz zu seyn, auf SchönheitDaß aus Stolz du nach der irrenNachtigall nicht einmal fragest.
[4]  Nur mit guter Art und WeiseWirst du den Geliebten fangen,Denn es gehen kluge VögelNicht ins Netz und in die Schlinge.
[5]  Wer belehrt mich, warum dieseDunkeln Augen, hohe FormenDiese vollen MondsgesichterMir so gar nicht hold seyn wollen!
[6]  Wenn du bey dem Liebchen sitzestWein an seiner Seite trinkest,O erinnre dich der Freunde,Die umher gleich Winden irren.
[7]  Deiner Schönheit fänd' ich wahrlichGar nichts anders auszusetzen,Als daß insgemein die SchönenNichts von Treu' und Liebe wissen. Für den Umgang mit den Freunden,Für die Gunst des Glückes dankbar,Sey auch eingedenk der Fremden,Die durch Heid' und Wüsten streifen.
[8]  Was ists Wunder wenn im Himmel,Durch Hafisens Lied gewecket,Zu dem Lautenspiele Suhre'sDer Messias Reigen tanzet?
440
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.12-32.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.12
German Translation
[1]  Des Morgens sprach ich von Begier zum Morgenwind, Er sprach: vertraue fest auf deines Herren Huld!
[2]  Das Morgen- und das Nachtgebet enthüllt den Schatz, Geh' so nur fort, daß du zuletzt zum Liebchen kommst.
[3]  Damit er Nichts von Liebe sprech', ist stumm der Kiel, Weil die Beschreibung der Begier unmöglich ist.
[4]  Aegyptischer Joseph, dich beschützet jetzt das Reich, Den Vater frag', wie sehr er liebet seinen Sohn. Die Kranken heilest du mit Wimpernschmerz, Mit deinem Moschuchaar beruhigst du das Herz.
[5]  Die Welt mit zwei Gesichtern kennet keine Huld, Was traust und bauest du auf ihren hohen Werth?
[6]  Wie lang sucht noch ein Aar wie du nach dem Gebein! O weh! des Schattens, der auf Unverdiente fällt.
[7]  Wo zu gewinnen ist, gewinnt es der Derwisch, Verleih' mir Herr Derwischenbrauch, Zufriedenheit.
[8]  Gieb nicht dein Herz den Schönen ohne Treu, Hafis! Sie machen's dir wie mit Charesm, Samarkand.
328
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.20-28.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.20
German Translation
[1]  Ha! wer bin ich, daß dieses Gemüth sich meiner erinnert, Du bist zu gut, mich krönt dein Staub.
[2]  Sprich, o Mädchen, wer hat dich gelehret, dem Sklaven zu schmeicheln? Den Neidern sag' ich hievon Nichts.
[3]  Vogel aus Eden! o gieb mir deinen Muth zum Geleite, Der Weg ist lang, ich bin noch neu.
[4]  Morgenwind, o bringe doch meine Grüße zu ihr hin, Vergiß den Morgensegen nicht.
[5]  Selig der Tag, an dem ich einstens wandre von hinnen, Wo man um dich mich einstens fragt. Zeige mir doch den Weg zu deinem innren Gemache, Ich trink' und kümm're mich um Nichts.
[6]  Um die Perle der Wonne zu fischen, Hafis, ist's erlaubet, Daß du das Aug' zum Meere machst.
[7]  Siehe das Wort! es erobert die Welt, o dem Schahe von Ormus Sag': mit Perlen den Mund mir gefüllt.
215
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.116-10.116
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.116
German Translation
[1]  Ey, ey! was in der Schenke heut, Des Morgens für ein Lärmen war, Wo Schenke, Liebchen, Fackel, Licht Im heftigsten Tumulte war.
[2]  Und wo (wiewohl Erklärungen Die Lieb'geschichte nicht bedarf) Die Flöte und die Trommel doch Im lautesten Getöse war.
[3]  Wer blos aus Lieb' zu Streit und Zank In diesem Kreis von Narren gieng, Wohl weit entfernet von dem Streit Der Schulen und der Kanzeln war.
[4]  Mein Herz war für Liebkosungen Des Schenken voll von Dankbarkeit, Wiewohl ich auf des Glückes Gunst Nicht allzugut zu sprechen war.
[5]  Ich schloß aus dem Vergangenen, Daß dieses böse Gaukleraug' Wie einst Samir dem Zauberer Voll böser Zauberstücke war.
[6]  Ich sprach zum Liebchen: weis mir an, Auf deine Lippen einen Kuß, Sie lächelte und sprach: hast du Gehört, daß dies je Sitte war?
[7]  Es leuchtet mir ein Glücksgestirn, Weil gestern zwischen dem Gesicht Von meinem Freunde und dem Mond Ein Gegensatz im Werke war.
[8]  O wehe! wie der Freundinn Mund, Der einzig nur Hafisen heilt, Zur Zeit der Gnaden, und der Huld So wunder eng und lieblich war.
283
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.12-16.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.12
German Translation
[1]  Morgens kam zu mir die KundeAus dem Dunkeln,Schah Schedschaa ists, der nun herrschet,Trinke wacker!
[2]  Ehmals giengen die VerliebtenLängs den Ufern:Tausend Worte auf der ZungeStumm von Lippen.
[3]  Zu dem Ton der Laute wallen,Wie sie erzählen,Was verheimlichet den BusenWallen machet.
[4]  Furcht ergreift den Herrn der SchenkeOb dem Vogte;Trinken laßt uns, laut aufschreiend:Trinket, trinket!
[5]  Auf den Schultern trug man gesternAus der SchenkeDen Imam, der auf den SchulternTrägt den Teppich.
[6]  Auf den Weg des Heiles will ichHerz dich führen,Prahle nicht mit deinen Sünden,Nicht mit Tugend.
[7]  Unsers Schahes Rath ist AusflußHöhern Lichtes,Sey erst, willst du dich ihm nahen,Reiner Absicht.
[8]  Wähl' den Wunsch für seine GrößeZum Gebete,Denn das Ohr von seinem HerzenSpricht mit Engeln.
[9]  Fürsten wissen das GeheimnißDer Geschäfte,Du Hafis bist nur ein Klausner,Laß die Sorgen.
474
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.46-32.46
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.46
German Translation
[1]  Deiner begehr' ich, o Freund, auch weiß ich, daß du es wissest, Denn du siehst und hörst ohne die Augen und Ohr'.
[2]  Wacker schmählst du auf das, was zwischen Liebenden vorgeht, Kann ein Blinder wohl heimliche Dinge versteh'n? Dein gekräus'tes Haar ist der Sammelplatz von den Herzen, Wehet der Wind, so wend' solche Zerstörung von uns.
[3]  Löse das Haar, und du bringst die Frommen zum Spiel' und zum Tanzen, Tausendfacher Reiz fällt dir aus jeglichem Ring.
[4]  Von dem Haar hängt Wunscherfüllung der schmachtenden Brust ab; Löse vor uns bei Gott! einen gekräuselten Ring.
[5]  Engel sahen in dir die übermenschliche Schönheit, Deßhalb fielen sie einst alle vor Adam auf's Knie.
[6]  Wind von den Locken des Freund's facht hell die Lampe des Aug's an, Gott bewahr'! daß der Wind diese Versammlung zerstör'!
[7]  Ach des nächtlichen Glücks! es zerrinnt mit dem Schlafe des Morgens, Lerne den Werth der Zeit jetzt in der bleibenden Stund.
[8]  Kundige Wandrer bekümmern sich um Gefährten der Reise, Durch die Erinn'rung des Freund's wird dir das Ungemach leicht.
[9]  Ein Haarring macht dir Hafis so viel zu schaffen, Sieh' umsonst ist's Bemüh'n nach dem Getriebe des Glücks.