374
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.66-28.66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.66
German Translation
[1]  Komm' laß uns Rosen streuen, Und Wein in Becher werfen, Des Himmels Dach zertrümmern, Und neue Formen werfen.
[2]  Sobald des Kummers Heere, Der Treuen Blut vergießen, So will ich mit dem Schenken, Den Bau des Grams zerwerfen.
[3]  Wir wollen Rosenwasser In Weingeschirre gießen, Und Zucker in das Rauchfaß, Voll Moschusduftes werfen.
[4]  Dein Saitenspiel ist lieblich, O spiele süße Weisen, Damit wir Lieder singen, Und unsre Köpfe werfen.
[5]  Bring' Ost den Staub des Körpers, Zu jenem großen Herren, Daß wir auch unsre Blicke, Auf seine Schönheit werfen.
[6]  Der Eine prahlt mit Weisheit, Der Andere mit Tugend, Komm' laß uns diese Dinge Dem Richter unterwerfen.
[7]  Verlangest du nach Eden, So komm' mit mir zur Schenke, Wir wollen aus dem Weinfaß In den Kewßer Dich werfen.
[8]  Gesang und Kraft des Wortes Blüht in Schiras nicht weiter. O komm' Hafis, wir wollen Wo anders hin uns werfen.
239
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.140-10.140
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.140
German Translation
[1]  Freudige Kunde ist da, Der Frühling kommt, das Grün entsprießt, Kommt die Belohnung nur ein, Sie geh' auf Wein und Rosen auf!
[2]  Stimmen der Vögel sind da! Wo ist die Liegerstatt des Weins? Klagen versendet Bülbül, Wer riß der Rosen Schleier weg? Rosengefärbet sey nun Die blaue Kutte mit dem Wein, Weil der weinschenkende Greis Dafür nicht einmal Hefen gab.
[3]  Welchen Geschmack von der Frucht Des Paradieses hat der Mann, Der in den Apfel des Kinns Des Liebchens nie gebißen hat.
[4]  Klage nicht über den Schmerz, Denn auf dem Weg der Liebe hat Keiner gefunden die Ruh, Der nicht zuvor gelitten hat, Führer des innersten Wegs, Um Gottes willen komm' zu Hülf! Denn ich sehe kein End', In meiner Liebe Wüstenei'n, Trinke den Wein, und verschenk' Den goldnen Becher an Hafis, Weil ein König aus Huld Den Schuldigen verzeihen muß. Von des Geliebten Gesträuch Erhielt Hafis kein einz'ges Blatt, Ihm hat auf diesem Gefild Der Gnade Ostwind nicht geweht.
[5]  Sammle das Rosengeschlecht Vom Mondgesicht des Schenken ein, Weil in dem Umfang der Flur Der Veilchen Flaum so lieblich sprießt. Gehe den Weg nicht allein, Zum fernen Bau der Liebe hin, Sicher verlohren ist, wer Dahin sich ohne Führer wagt.
[6]  Durch die Gespräche des Freunds Ward ihm mein Herz so zugethan, Daß ich die Anderen nun Nicht hören und nicht sprechen mag. O mein Gefährte! der Weg Der Liebe hat der Wunder viele, Denn es verschrecket der Löw' Auf dieser Haid', der Hirschen viel.
67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.53-4.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.53
German Translation
[1]  Dieses seelenverbrennende Licht, von wo ist es? Es hat mein Herz verbrannt, Fraget seine Geliebte: Wer ist es?
[2]  Meines Herzens und Glaubens Gebäu ist zerstöret. Wer wird von Ihr umarmt? Und Ihr Zimmergenoße Wer ist es?
[3]  Ihrer Lippen Rubinengetränk sey nie ferne! Ihr Wein, wem giebt er Geist? Welchem reicht Sie den Becher? Wer ist es?
[4]  Fragt, o fraget doch Winde, wem wurde der Umgang Mit diesem hellen Licht Zugesaget vom Himmel? Wer ist es?
[5]  Schauet, Jeglichem winket der Reiz der Geliebten, Allein Ihr zartes Herz, Wer umstricket dasselbe? Wer ist es?
[6]  Jenes Mondengesicht mit der Stirne des Hespers, Wessen Schahes Sohn? Wessen einzige Perle Wohl ist es?
[7]  Wehe! Wehe dem närrischen herzen Hafisens! Mit Lächeln sprach Sie: Wer Hat es gemacht zum Narren? Wer ist es?
337
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.29-28.29
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.29
German Translation
[1]  Warum soll nach dem Vaterland Ich nicht begierig seyn! Warum soll ich im Freundegau Der Staub der Thür nicht seyn!
[2]  Da ich der Trennung Herzensleid Unmöglich tragen kann, Warum soll' ich in meiner Stadt Nicht selbst ein Kaiser seyn!
[3]  Ich will dort ein geheimer Rath, Von Liebe und Genuß, Ich dort der ergebne Sklav Von meinem Herzen seyn.
[4]  Des Todes Zeit ist ungewiß. Was kann ich Bessers thun, Als an dem Tage meines Tods Bei dem Geliebten seyn!
[5]  Wenn mir das blinde Glück im Schlaf Nicht meinen Willen thut, So werde ich in's Künftige Selbst mein Vertrauter seyn.
[6]  Verliebt seyn, und Betrunkenheit War immer mein Gebrauch, Nun will ich eifrig mich bemüh'n, Beschäftiget zu seyn.
[7]  Es weiset die des Ew'gen Huld Vielleicht den Weg Hafis, Wenn nicht, so wirst du ewig fort Deßhalb verbannet seyn.
188
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.89-10.89
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.89
German Translation
[1]  Dieser Aufsprudelnde, der das Geheimniß verachtet, Schmähet auf mich, weil ich berauscht und verliebt bin.
[2]  Schau' auf des Liebenden Tugend, und nicht auf seine Gebrechen, Denn wer selber nicht tugendhaft ist, der schauet auf Fehler.
[3]  Wenn der Schenke vom Staube der Thür ein Ambragemisch macht, Kommt ein Geruch vom Duft der Huris als Würze zu mir her.
[4]  Unseres Schenken Gekos ergriff die Straße des Heiles, Gleichsam als wenn sich der Wein allein enthielte vom Rausche.
[5]  Leute von Herz bekommen den Schlüßel zum Schatze des Herzens, Keiner zweifle forthin an dieser verfeinerten Wahrheit.
[6]  Hirt im Thale der Ruh', dein Wunsch wird dann erst erfüllet, Wenn du mehrere Jahre dem Jethro des Herzens gedient hast.
[7]  Blut entträufelt dem Aug' Hafisens, als wär' er bezaubert, Wenn er als Greis sich auf die Tage der Jugend erinnert.
287
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.16-16.16
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.16
German Translation
[1]  Ha wie herrlich ist nicht deine Form!Dein Ort wie ist er lieblich!Von den Liebkosungen des Mund'sIst mir so im Herzen lieblich.
[2]  Gleich einem frischen RosenblattIst deines Daseyns Weise,Gleich der Cypreß' im ParadiesVom Fuß zum Kopfe lieblich.
[4]  Im Rosenbeet der Fantasie,Strahlt deiner Schönheit ZauberUnd meines Herzens WohlgeruchIst vom Jasmine lieblich.
[5]  Am Weg der Lieb' ist keine FurthIn dem Verderbnißstrome,Mir ist's im Innern des GemüthsDurch deine Freundschaft lieblich.
[6]  Vor deinem Aug' will ich vergeh'nAn dieser Krankheit sterben,Denn es wird aller Gram und SchmerzDurch Wangenglanz mir lieblich.
[7]  Ist in der Wüste gleich der WegUmringet mit Gefahren,So ist Hafisens Schritt dennochWenn er dort wandelt lieblich.
242
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.143-10.143
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.143
German Translation
[1]  Komm'! die Fahnen des Schahs sind gekommen, Siege sind bis zur Sonne gekommen.
[2]  Ohne Schleier erscheinen die Siege, Und der Billigkeit Zeit ist gekommen.
[3]  Gute Zeiten verschafte der Mond uns, Jeder freut sich, der Schah ist gekommen.
[4]  Siehe! Jusuf, von Brüdern verfolgt, Ist von dem Brunnen zum Monde gekommen.
[6]  O abscheulicher Gleisner, wo bist du? Sage: die Wiege des Heils ist gekommen.
[7]  Durch die Seufzer und Gluthen des Busens, Was ist über mein Haupt nicht gekommen
[8]  Ob der Sehnsucht nach deinem Gesichte Bin vom Feuer zum Stroh ich gekommen.
[9]  Schlafe nicht, denn Hafisen gelang es, Weil er Abends und Morgens gekommen.
467
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.39-32.39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.39
German Translation
[1]  Wir sind zwar in der Fasten, Doch gieb mir nur ein Glas, Von jenem Wein der Liebe, Der Rohes kocht.
[2]  Viel Tage schon verflossen, Seit daß ich nicht Ergriff des Buchses Schenkel, Der Schönen Wuchs.
[3]  Mein Herz! es ist die Fasten, Ein hoher Gast, Wohl, wenn sie bleibt, doch besser, Wenn sie sich hebt.
[4]  Ein schlauer Vogel fliegt nicht Zur Kloster-Thür', Die Prediger sie stellen Jetzt Netze auf.
[5]  Ich klag' nicht über Klausner, So ist's ihr Brauch, Denn auf den Morgen folget Der Abend auch.
[6]  Geht, um die Flur zu sehen, Hinaus mein Freund, So bring' ihm von mir Kunde, O Morgenwind!
[7]  Sag' ihm, ein Mensch, der trinket Bei Tag und Nacht, Kann er sich wohl erinnern Auf Andrer Gram?
[8]  Hafis! wenn dir der Richter Nicht Recht erweis't, So kömmst mit deinem Dünkel Du schwer zum Ziel.
251
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.7-12.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.7
German Translation
[1]  Die heilge Nacht ist da und weg die FluchtHeil dir, Heil dir! bis an das Morgenroth
[2]  Mein Herz sey froh, in treuem LiebesdienstO bleibt nichts unbelohnt auf diesem Pfad.
[3]  Niemals will ich die Trunkenheit bereu'nUnd harrte mein die Flucht, der Fluch;
[4]  O komm' herauf bei Gott! du junger TagIn dem die Nacht der Flucht so finster war.
[5]  Mein Herz ist weg, ich sah nicht sein Gesicht.Ach welche Pein und welche Grausamkeit!
[6]  Verlangst du Treu' Hafis erdulde LeidIm Kaufe ist Gewinn und ist Verlust.
256
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.12-12.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.12
German Translation
[1]  Sagt ich nicht o Herz! vor den Locken hüt' dich,Denn es werden Winde drinnen gefesselt.
[2]  Einen Rath will ich dir ertheilen, hör' michKeine Ausflucht, was dir der Freund sagt, thue.
[3]  Mache zum Gewinn den Genuß der Schönen;Denn das Schicksal lauert im Hinterhalte.
[4]  Erd' und Himmel gilt bei Verliebten wenig;Denn der Preis ist groß und die Waare winzig.
[5]  Einen Trauten wünsch' ich und eine Flöte,Daß ich beiden meine Gefühle klage.
[6]  Nimmer Wein zu trinken entschlossen bin ich,Wenn nur auch das Loos den Entschluß begünstigt
[7]  Da das Schicksal uns nicht um Rath gefragt hat,Will ich, wenn es mir nicht behagt, nicht schmälen.
[8]  Gieß' mir Moschuswein in den Becher Schenke!Daß aus meinem Innern dein Maal nicht schwinde.
[9]  Bring' des Wein's Rubin, des Sorbets Perlen,Sag' zum Neid: betrachte die Großmuth, sterbe!
[10]  Reuig setzt ich oft den Becher nieder;Doch der Schenke hört nicht auf zu schmeicheln.
[11]  Wein von zwey und Mädchen von vierzehn JahrenSind mein Umgang, Alte und Junge sprech' ich.
[12]  Wer vermag zu halten mein Herz! nun so schreyt denn:Aufgeschaut! ein Rasender ist entlaufen. Wer vergleicht meinen Gedichten Selman'sVerse? Sie besingen Soheir's Lieder.
454
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.26-32.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.26
German Translation
[1]  Vom Gau des Freundes kömmt der Hauch des neuen Festes, Fach' an, wenn's dir gefällt, damit des Herzens Lampe.
[2]  Hast du wie Rosen Gold, bei Gott! verwend's auf Liebe. Das Gold hat in Ruin Karunen nicht gestürzet.
[4]  Geh' auf die Flur, und lern' von Nachtigallen Liebe, Komm' in den Freundenkreis, und lern' Hafisens Lieder.
[6]  Erreichet wird dein Wunsch, wenn du dich selbst verläugnest, Dir wird der Freiheitshut, wenn Allem du entsagest.
[7]  Ich spreche ja verhüllt, o komm' heraus wie Rosen. Es währet ja das Fest nur fünf der flücht'gen Tage.
[8]  Ich weiß nicht, was am Strom die Turteltaube girret, Vielleicht ist sie wie ich bei Tag und Nacht in Schmerzen.
[9]  Ich habe reinen Wein, auf den der Fromme schmählet, O Gott! den Weisen soll nichts Widriges begegnen!
[10]  Es floh' dein süßer Freund, nun bleib' allein, o Kerze! So ist das Loos, nun sey geduldig, oder brenne.
[11]  Bewundern und zugleich entbehren ist verboten, Komm' Schenk'! der Dumme wird um so viel mehr jetzt heucheln. Trink' Wein, berausche Dich, o Herz! laß Gleißnereien, Es wunderte mich sehr, wenn du was Bessers wüßtest.
4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.4-1.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.4
German Translation
[1]  Sage Morgenwind mit SchmeichelnJener lieblichen Gaselle,Auf die Berge, in die WüstenHat die Liebe mich getrieben.
[2]  Warum frägt der Zuckerhändler(Herr erhalte ihm das Leben)Warum frägt er nicht ums WohlseynSeines Zucker Papageyes?
[3]  Wisse Rose dir geziemt esNicht so stolz zu seyn, auf SchönheitDaß aus Stolz du nach der irrenNachtigall nicht einmal fragest.
[4]  Nur mit guter Art und WeiseWirst du den Geliebten fangen,Denn es gehen kluge VögelNicht ins Netz und in die Schlinge.
[5]  Wer belehrt mich, warum dieseDunkeln Augen, hohe FormenDiese vollen MondsgesichterMir so gar nicht hold seyn wollen!
[6]  Wenn du bey dem Liebchen sitzestWein an seiner Seite trinkest,O erinnre dich der Freunde,Die umher gleich Winden irren.
[7]  Deiner Schönheit fänd' ich wahrlichGar nichts anders auszusetzen,Als daß insgemein die SchönenNichts von Treu' und Liebe wissen. Für den Umgang mit den Freunden,Für die Gunst des Glückes dankbar,Sey auch eingedenk der Fremden,Die durch Heid' und Wüsten streifen.
[8]  Was ists Wunder wenn im Himmel,Durch Hafisens Lied gewecket,Zu dem Lautenspiele Suhre'sDer Messias Reigen tanzet?
330
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.22-28.22
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.22
German Translation
[1]  Du bist der Morgen, ich die Lampe, O lächle nur und ich vergehe,
[2]  Gebrannt hat mich die Veilchenlocke, Daß Veilchen meinem Grab entblühen.
[3]  Mein Kopf lag auf der Hoffnung Schwelle, Du hast mir deinen Blick entzogen.
[4]  Wie dank ich dir o Herr des Schmerzens, Du bleibst bei mir am Sterbetage.
[5]  Ich bin der Sklav' des Augeapfels, Der über meine Leiden weinet.
[6]  Mein Abgott liebeäugelt immer, Doch Keiner schauet, was ich schaue.
[7]  Hafis besucht dein Grab die Freundinn, Das Leichentuch wirst du zerreißen.
401
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.20-29.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.20
German Translation
[1]  Wenn ich der Staub der Freundinn bin, So reinigt sie den Saum von mir, Und wenn ich sage: kehr' dein Herz So kehret sie sich ab von mir.
[2]  Sie zeigt ihr schönes Angesicht Der ganzen Welt den Rosen gleich, Und wenn ich sage: deck' es zu, So decket sie es zu vor mir.
[3]  Ich sprach zu meinem Aug', o schau', Sie einmal an mit einem Blick; Mein Auge sprach zu mir: Willst du Es fließ' ein blut'ger Strom von mir.
[4]  Sie dürstet stets nach meinem Blut, Nach ihren Lippen dürste ich, Erhalte ich vielleicht mein Ziel, Rächt sie sich wohl vielleicht an mir.
[5]  Entflöhe mir aus Bitterkeit Die Seele, wie Ferhaden einst, So macht es nichts, es bleiben einst Der süßen Sagen viel von mir.
[6]  Wenn ich wie Kerzen vor ihr steh', Lacht sie wie's Morgenroth zum Gram; Und wenn ich böse drüber bin, So zeiget sie sich böse mir.
[7]  Ihr Freunde! eines Kusses halb Gäb' ich die ganze Seele hin, Seht! wegen solcher Kleinigkeit Bleibt sie zurück im Lauf mit mir.
[8]  Versiegle doch dein Wort Hafis, Denn wenn du so die Liebe singst, So singet vor in jeder Eck' Die Liebe Zaubereien mir.
44
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.30-4.30
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.30
German Translation
[1]  Jetzt da die Rose das Glas Des reinsten Weins hält, Nachtigallengesang Entschallt den Büschen.
[2]  Nimm die Gedichte zur Hand, Und geh' auf Felder, Denn jetzt ist nicht die Zeit Der Schularbeiten.
[3]  Gestern betrank sich der Probst, Und gab das Fetwa: Besser sey noch der Wein Als Stiftungsgelder.
[4]  Lauterer, hefichter Wein Ist alles Eines, Was der Schenke mir giebt, Ist bloße Gnade.
[5]  Flieh die Bewohner der Welt, Dem Anka folge, Denn vom Kafe zum Kaf Erschallt der Klausner Namen.
[6]  Wer da vergleicht ein Gedicht Von andern, meinem! Der vergleicht das Gold Mit Binsenflechten.
[7]  Schweige Hafis und bewahr' Wie Gold das Wörtlein: Nimm dich fleißig in Acht, Denn es giebt Wuchrer.
371
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.63-28.63
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.63
German Translation
[1]  Wir haben die Lehren der Zauberei In Schenken niedergeleget, Wir haben den guten Erfolg des Flehn's Vor's Liebchen niedergeleget.
[2]  Wohl hundert vernünftige Köpfe setzt Das Maal des Liebchens in Flammen. Ich habe in's närrische Herz das Maal Mit Liebe niedergeleget.
[3]  Es hat mir der ewige Herr den Schatz Des Grams der Liebe gegeben, Seitdem ich auf diesem zerstörten Platz Die Stirne niedergeleget.
[4]  Ich öffne der Liebe der Schönen nun In meinem Herzen den Weg nicht, Ich habe das Siegel von ihrem Mund Auf meine Thüre geleget.
[5]  Unmöglich erreicht die Verstellungskunst In Kutten höhere Stufen, Ich habe den Grundbau des Ordenskleids Wie Trunkne niedergeleget. Es reichte der fromme Geselle mir Die Hände hin, sie zu küssen, Ich habe den Kuß auf den Becherrand Des Schenken niedergeleget.
[6]  Wie könnte dies störrige Schiff zuletzt Wohl weiter segeln im Meere? Ich habe mein Herz aus Begierde nach Den Perlen niedergeleget.
[7]  Gedankt sey's dem Herren, ich bin ein Wirth, Beraubt des Herzens und Glaubens, Allein die Verständigen habe ich Jedoch zur Erde geleget.
[8]  Mit Schatten begnüge ich mich von dir, Hierin Hafisen vergleichbar, Ich habe die bettelnde Art vor dir, O Herr! längst niedergeleget.
276
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.5-16.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.5
German Translation
[1]  Der Gärtner, dem fünf Tage langGespräch der Rosen ziemet,Er weiß wohl, daß der NachtigallDes Dornes Leiden ziemet.
[2]  In ihrer Locken Banden klag'Nicht über dein Verderben,Weil kleinen Vögeln in dem NetzKein Weheklagen ziemet.
[3]  Was hat der Trunkene der WeltZu thun wohl mit Geschäften?Da Rath und tiefe UrtheilskraftZu dem Geschäfte ziemet.
[4]  Ungläubig ist, wer auf dem WegDer Lieb' und Tugend prahlet,Weil, wenn er Tausende auch hat,Ihm doch Vertrauen ziemet.
[5]  Mit solchen Wangen, solchem HaarZu spielen sey verboten,Wenn immer Hyacinthen HaarJasminenantlitz ziemet.
[6]  Der trunkenen Narziße ziemtLiebkosungen zu spenden,So lang dem wüsten Herz die LustDes dunkeln Haares ziemet.
[7]  O Schenke sag', was weigerst duDas Glas herum zu geben?Da den Verliebten in dem KreisEin stetes Drehen ziemet.
[8]  Wer ist Hafis, daß er den WeinNicht ohne Lärmen trinket;Wer sagt daß armen LiebendenSo vieler Aufwand ziemet? 
426
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.11-31.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.11
German Translation
[1]  Ich schrieb mit meinem Herzensblut Ein Briefchen an den Freund, Fürwahr durch deine Flucht ward mir Die Erde zum Gericht.
[2]  In meinem Auge trage ich Viel Zeichen von der Flucht, Doch meine Thränen sind davon Die einz'ge Kunde nicht.
[3]  Was ich auch immer noch versucht, Es nutzte mir doch nichts. Wer das Versuchte neu versucht, Beladet sich mit Reu.
[4]  Ich fragte einen Arzt um Rath Der Freundinn halb, er sprach: In ihrer Nähe harrt die Pein In der Entfernung Heil. Es hob der Ost von meinem Staub Den Schleier jählings auf, Es war als gieng die Sonne auf Aus Wolken in der Früh. Geh' ich herum um deinen Gau, So schmählet man mich aus. Bei Gott noch seh' ich Liebe, nicht Von andern ungeschmählt.
[6]  Hafis kam sehnsuchtsvoll zu dir, O reiche ihm ein Glas, Daß er von deiner milden Huld Noch koste einen Trunk.
48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.34-4.34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.34
German Translation
[1]  Der Weise hat im Glanz des Weins Verborgenes erkannt, Denn es wird Jedermanns Natur Durch diese Perl' erkannt.
[2]  Den Werth der Rose hat allein Die Nachtigall erkannt; Nicht jeder, der ein Blättchen liest, Hat auch den Sinn erkannt.
[3]  Die beiden Welten bracht' ich dar Dem vielerfahrnen Herz; Es hat nur deiner Liebe Werth, Den Rest für nichts erkannt.
[4]  Vorbei ist nun die falsche Schaam Vom Angesicht des Volks, Seit dem mich im Verborgenen Der Wächter hat erkannt.
[5]  Der Schöne meynte: daß für jetzt Nicht Zeit zur Ruhe sey; Deßhalb hat er dem armen Geist, Verläng'rung zuerkannt.
[6]  Die Rose und den Wein verkehrt Durchs Anschaun in Rubin, Wer nur den wahren Werth des Hauchs Der Seligkeit erkannt.
[7]  Du der vom Buche der Vernunft Die Liebe lernen willst, Ich fürchte, du hast diesen Punkt Nicht wie du sollst erkannt.
[8]  Bring' Wein! denn mit der Rose prahlt Kein Mensch auf dieser Welt, Der die Verwüstungen des Winds Im Herbste hat erkannt.
[9]  Hafis hat diese Perlenschnur So die Natur ihm gab, Für unläugbare Wirkungen Der Held Assafs erkannt.
175
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.76-10.76
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.76
German Translation
[1]  Dem alten Wirthe Glück zu wünschen, Ist der Ostwind gekommen, Es ist die Zeit der Lust und Freude, Und der Liebe gekommen.
[2]  Zum Heiland ist die Luft geworden, Moschus spendet die Erde. Der Vogelsang, das Grün der Bäume, Sind mitsammen gekommen.
[3]  Der Ost hat den Kamin der Tulpen Durch sein Wehen entflammet, Deßwegen ist der Schweiß auf Knospen, Glut auf Rosen gekommen.
[4]  Hör' meinen Rath mit klugem Ohre, Pflege der Liebe mit Sorgfalt, Denn das Wort ist vom Verborgnen, Heute Morgen gekommen.
[5]  O laße die Zerstreuung fahren, Bleibe beßer versammelt, Denn als der Diw davon gegangen, Ist der Engel gekommen. Soll ich ein holdes Wort dir sagen, Bring' geläuterten Wein her, Der Heuchler ist davon gegangen, Und der Schenk ist gekommen.
[6]  Ich weiß nicht, was die Lilie hat gehört, Von dem Sänger des Morgens, Daß sie begabt mit zehen Zungen Schweigend her ist gekommen.
[7]  Ist es erlaubt den Ungeweihten, Unsern Kreis zu besuchen, So decke zu, deck' zu den Becher, Heuchler sind nun gekommen.
[8]  Es geht Hafis heraus vom Kloster, Weh! er geht zur Schenke, Vielleicht ist er vom frommen Rausche Zum Verstande gekommen.