5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:1.5-1.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:1.5
German Translation
[1]  Meiner Hand ist das Herz entflohen ihr Herzenbesitzer!Wehe! bey Gott! Weh mir! denn das Geheimniß ist weg!
[4]  Gestern tönte so schön von Wein und Rosen AodiBringet den Morgenwein, o ihr Betrunkenen her!
[5]  Gnädiger Herr! aus schuldigem Dank für blühenden WohlstandFraget doch eines Tags, wie es Derwischen ergeht.
[6]  Ruhe hienieden und dort verbürgen diese zwey Worte:Liebreich begegne dem Freund, Feinden begegne mit Gunst.
[7]  Mir ward Eintritt ins Land des guten Namens versaget.Tadler, gefällt es dir nicht, änd're das ewige Loos.
[8]  Dieser bittere Saft, dem Weisen die Mutter der LasterSchmeckt viel lieblicher mir als ein jungfräulicher Kuß:
[9]  In unfreundlicher Zeit genieß, und freu dich des Rausches!Dieser Alchymiker macht Bettler wie Karun beglückt.
[10]  Sträube dich nicht, sonst wirst du wie Kerzen in Gluthen verflammen,In der Geliebten Hand werden die Steine zu Wachs.
[11]  Schau in das Glas! es ist der Spiegel des griechischen Königs,Alle Plane Daro's wirst du erspähen darinn
[12]  Persische Schönen verleihn mit ihren Worten das Leben,Greisen und Frömmlingen gieb Schenke die Kunde davon!
[13]  Ach nicht mit Willen besudelt Hafis die Kleider mit Weinfleck.Frommer Lehrer verzeih! O du verzeihest es ihm.
267
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:15.1-15.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:15.1
German Translation
[1]  Wenn du vorbeigehst Ost am Ufer des AraxesSo küß' den Staub des Thals, durchwürze deine Seele.
[2]  Da wirst du Selma's Platz, den hundertfach ich küßteVoll vom Geschrey und Lärm der Karawanen finden.
[3]  Dort küße das Gepäck der Freundin, seufze klagend:Ich bin durch Flucht verbrannt, o helfe mir Geliebter!
[4]  Ich, dem eh guter Rath wie Lautenton verklungenMag jetzt durch Trennung klug denselben gerne hören.
[5]  Du schwärme bei der Nacht, denn in der Stadt der LiebeSind Schwärmer wohl bekannt dem Obersten der Wache.
[6]  Ganz eigen ist das Spiel der Liebe, setz den Kopf ausWenn du im Spiel verlangst den Ballen fortzuschlagen.
[7]  Mein Herz hat sich dem Aug des Freundes überlassenWiewohl Vernünftige sich Keinem überlassen.
[8]  Es schwelgt der Papagey im Zuckerfeld mit WohlbehagenDie arme Ameis schlägt aus Leid die Händ' zusammen.
[9]  Ich fleh' die Majestät des Schahes um Nichts Anders,Als daß Hafisens Nam' dem Kiel des Freundes entfließe.
484
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.56-32.56
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.56
German Translation
[1]  Sitz' nicht voll Begier dort an den Ufern des Wassers, Widerfährt dir was, wahrlich allein hast du Schuld.
[2]  Ich beschwör' dich bei Gott, der dich vor andern erwählet, Zieh' dem Armen nicht andere Fremdlinge vor. Künftig will ich mich durchbetteln die Straße der Liebe. Es ist Demuth dort Pilgern der einzige Pfad.
[3]  Rett' ich den Glauben, und rett' ich mein Heil, so ist nichts zu fürchten, Ohne Gefühl wär's leicht, ohne den Glauben nicht so.
[4]  Schaam und Sitte hat dich zur Fürstinn der Schönen erkohren, Lob und Preis sey dir, weil du die Herrschaft verdienst.
[5]  O der Milde der Huld! du Rose sitzest mit Dornen, Aber doch ist's gewiß, daß du dort Alles vollbringst.
[6]  Was zu thun, wenn ich den Nebenbuhler nicht dulde, Liebenden bleibt zuletzt nichts als Verachtung zur Wahl.
[8]  Siehst du, wie mit den Flaschen ich spiel' zur Rechten, zur Linken, Schau, in meinem Aug' harret die Seele auf dich.
[9]  Hör' ein trauliches Wort von einem aufrichtigen Freunde, Du, auf dem das Aug' aller Erhabenen ruht.
[10]  Dir, o reines Herz, und reingesitteter Liebling, Wird's viel besser seyn, wenn du die Bösen vermeid'st.
[11]  Dieser Thränenstrom hat das Herz Hafisens zerschwemmet, Aus ist die Geduld, löse die Banden des Aug's.
[12]  Du, o lieblicher Knab! du leuchtende Kerze von Tschigil, Bist Dschelaleddins trauter Versammlungen werth.
228
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.129-10.129
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.129
German Translation
[1]  Pflück' ich aus deinem Garten eine Frucht, Beschau' ich meinen Fuß mit deinem Licht, was ist's?
[2]  O Herr, wenn ich nur einen Augenblick Verweil' im Schatten dieses hohen Baum's, was ist's?
[3]  O du mein theurer Siegelring Dschemschids, Fällt einst dein Schein auf meines Ring's Rubin, was ist's?
[4]  In Fürsten sind die Frommen hier verliebt, Erwähl' ich einer holden Schönen Gunst, was ist's?
[5]  Fort ist Verstand, und wenn der Wein dies thut, So weiß ich, wie es um den Glauben steht, was ist's?
[6]  Mein Leben gieng in Wein und Liebe auf, Ey wunderlich! was nutzt mir dies und das, was ist's?
[7]  Mein Herr weiß, daß ich lieb' und saget nichts, Ist's so, so weiß Hafis, was d'raus entsteht, was ist's?
444
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.16-32.16
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.16
German Translation
[1]  Voll von Zarten ist die Stadt, Ueberall sind Schönheitsbilder, Freunde fangt zu handeln an, Denn es ist die Zeit der Liebe.
[2]  Nie noch hat das Aug' der Welt Frisch're Jünglinge gesehen, Keinem ist ein schön'res Bild In die Hände je gefallen.
[3]  Habt sein Auge ihr geseh'n, Ganz aus Lebensgeist erschaffen? Niemals soll von diesem Staub' Seinen Saum ein Stäubchen drücken.
[4]  Wenn ich ganz zerschlagen bin, Wer kann sich darob wohl wundern? Hab' ich nicht umsonst geharrt Auf Umarmungen und Küsse.
[5]  Eile! sieh' der Wein ist rein, Nütze diese frohen Zeiten, Wer kann für das nächste Jahr Frühlingsfreuden dir versprechen?
[6]  Zwey Gesellen bleiben noch In dem Garten Ros' und Lilie, Beide halten hoch den Kelch Auf des Freundes Angedenken.
[7]  Wenn die Liebe sich entrollt, Das Geheimniß sich aufschließt, Fühl' ich Pein, o harte Pein, Fühl' ich Schmerz, o schwerer Schmerz!
[8]  Immer liegt Hafisens Haar In des Freundes Locken, Schwer ist's wahrlich, lange hier Auf der Wache auszuhalten.
64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.50-4.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.50
German Translation
[1]  Es ist zwar unverschämt, mit Tugenden Sich vor dem Freunde zu prahlen, O Zunge schweig! Wiewohl du von Reinem Arabischen strömst.
[2]  Des Angesichts Peri hat sich verstecket, Aber der Dive des Auges Hat mit des Staunens Flammen mich verbrannt. Ey wie das wunderbar ist!
[3]  Fürwahr! Noch keiner brach auf dieser Flur Ohne die Dornen die Rose, Und in die Lampen des Propheten sprühen Die Funken des Ebileheb.
[4]  Du frage nicht, warum des Himmels Kreis Niedrige Seelen begünstigt? Gerade Mangel des Verdienstes ist Ihm der genügende Grund.
[5]  Ich kauf nicht um ein halbes Gerstenkorn Kloster und Stiftsgebäu, Der Schenke Bank ist meines Dom's Gewölb, Meine Behausung das Glas.
[6]  In unsrem Augenlichte glänzet hell Tochter der Rebe! Dein Reiz Bald hüllt des Glases Schleierkleid, Bald Beerengewebe dich ein. Wenn du für deinen Gram ein Mittel suchst, Such', was die Herzen erfreuet. Du findest es in Flaschen voll Wein, Und in sinesischen Glas.
[8]  Mein Meister! War ich eh' nicht an Verstand, Nicht eh' an Tugenden reich? Jetzt aber, da ich ganz betrunken bin, Lieb' ich den Mangel von Schaam.
[9]  Den Wein bring her! Denn dieses Eine ist, Welches Hafis sich erflehet, Wenn er des Morgens lange Klage weinet, Wenn er um Mitternacht fleht.
123
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.24-10.24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.24
German Translation
[1]  Ey Wunder! was der Liebe Sänger Für Melodieen hat, Indem ein jedes der Gesänge Verschiedne Weisen hat.
[2]  Es sey der Weise wohl erfahren; Im Liebesjammerton, Indem derselbe eigne Reize, Und eignen Zauber hat.
[3]  Es thut zwar nichts der Weinverkaufer Mit Gold, und mit Gewalt, Doch gut ist's, daß er einen Herren Voll Huld und Milde hat.
[4]  O halte du mein Herz in Ehren, Weil diese Zuckerameis, Seit daß sie dein verlanget, Flügel Von Edens Vogel hat.
[5]  Es ist wahrhaftig nicht zuwider Dem Recht, der Billigkeit, Wenn seines Nachbars, sey's ein Bettler, Ein Kaiser Sorge hat.
[6]  Ich habe meine blut'gen Thränen Den Aerzten vorgezeigt, Sie sagten: dies ist Liebesfieber, Das Brandkur nöthig hat.
[7]  O lerne nicht von Augenwimpern Die Ungerechtigkeit, Denn jedes Ding wird in der Liebe Belohnet und bestraft.
[8]  Mein Christenabgott aus der Schenke Sprach dieses Wort zu mir, Trink die Gesundheit jenes Mannes, Der frohe Mienen hat.
[9]  O Fürst, Hafis sitzt in der Erde, Und betet Fatiha Er weiß, daß er von deiner Zunge Den Lohn zu hoffen hat.
391
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.10-29.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.10
German Translation
[1]  Was kann wohl schöner als die Trinkgedanken seyn? Ich will nun sehen, was das End' hievon wird seyn,
[2]  Der Gram zerfrißt mein Herz, hinschwindet theure Zeit, Ist einst kein Herz, und keine Zeit, was wird dann seyn?
[3]  Du sag' dem armen Vogel, iß den eignen Gram, Kann bei dem Netzesteller wohl Erbarmung seyn?
[4]  Trink' Wein, nicht Gram, und hör' nicht auf der Künstler Rath, Was für ein Werth kann wohl im Wort des Pöbels seyn?
[5]  Weit besser ist's, du weihest deinem Wunsch den Schmerz. Du weißt, was, wenn den Wunsch du nicht erreichst, wird seyn.
[6]  Es gab der alte Wirth uns gestern Räthsel auf Von Becherschrift. Was wird hievon das Ende seyn?
[7]  Mit Liedern und mit Lauten ward Hafis verführt, Ey was wird wohl der Lohn des bösen Namens seyn!
112
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.13-10.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.13
German Translation
[1]  Wer deinen Wangen den Schmelz Der Tulp' und Rose gegeben, Ist auch im Stande Geduld Und Ruh mir Armen zu geben.
[2]  Wer deinem finstern Haar Die Grausamkeit hat gelehret, Ist auch im Stande, das Recht Mir wider selbes zu geben.
[3]  Ich gab die Hoffnung Ferhards Für immer auf von dem Tage, Da ich vernahm, daß sein Herz Er an Schirin abgegeben.
[4]  Zwar ward kein Schatz mir zu Theil, Doch bin ich reichlich zufrieden, Der Herr hat jenes dem Schah, Dieses dem Bettler gegeben.
[5]  Die Braut der Welt ist, fürwahr! Von außen herrlich gestaltet, Wer sie genießet, der muß Den Geist zur Mitgift ihr geben.
[6]  Am Fuß der Zeder, am Bach Erheb' ich freyer die Hände, Da nun das Wehen des Osts Vom May die Kunde gegeben,
[7]  Hafisens Herz ist in Blut Vom Arm des Schicksals verwandelt, Hassan, die Stütze des Glaubens, Sie ward ihm nicht mehr gegeben.
387
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.6-29.6
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.6
German Translation
[1]  Der Schah der Schlankgewachs'nen, Der Herr Süßmundichter, Der mit den Wimpern alle Herzen schlaget,
[2]  Vorüber gieng er trunken, Warf einen Blick auf mich, Und sprach: du Aug' und Lampe Süßberedter.
[3]  Wie lang von Gold und Silber Bleibt noch dein Beutel leer? Sey du mein Sklav und laß die Silbergötzen;
[4]  Gering wie Sonnenstäubchen, Verlier' nicht Lieb' und Lust, Daß zu der Sonne auf du kreisend steigest.
[5]  Die Welt ist keine Stütze, Du hast ein Glas voll Wein. O bring's schönstirnichten und zarten Schönen.
[6]  Es sprach's der alte Trinker. (Dafür ergeh's ihm wohl.) Er sprach: o hütet euch vor Bundesbrechern.
[7]  Ergreif' den Saum des Freunds, Sey unbesorgt um Feinde, Sey Gottes Mann und fürchte nicht den Teufel.
[8]  Ich sprach zum Wind des Ostens: Auf tulpenreicher Flur, Von welchem Märtyrer sind die blut'gen Leichentücher.
[9]  Er sprach: Hafis uns beiden Hat man es nicht vertraut; Erzähl' vom Weinrubin, vom Silberkinne.
37
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.23-4.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.23
German Translation
[1]  Komm! es ruht der Pallast der Hoffnung auf lustigen Pfeilern, Komm und bringe mir Wein, unsere Tage sind Wind.
[2]  Gerne weih' ich als Sklav mich jenem muthigen Geiste, Der auf der weiten Welt aller Verbindung entsagt.
[3]  Soll ich dir sagen, wie gestern der Lichtboth himmlischer Freuden In die Schenke zu mir heimliche Kunde gebracht.
[4]  O hochfliegender Falk! du wohnst auf dem Baume des Lebens, Dieser Winkel des Grams ziemet dir übel zum Nest.
[5]  Horch! sie rufen auf dich herab von den Zinnen des Himmels, Wahrlich ich weiß nicht, was hier in dem Netze dich hält.
[6]  Ich ertheile dir Rath, merk' ihn, und handle nach solchem, Denn ich habe das Wort selber vom Meister gelernt.
[7]  Kümmere dich nicht um die Welt, und meine Lehren vergiß nicht; Diesen verliebten Scherz ließ mir ein Wandrer zurück.
[8]  Gieb dich in das, was geschehn, enthülle die Stirne von Locken, Weder mir noch dir hat man gegeben die Wahl.
[9]  Such' nicht Glauben und Treu' bei der Welt der leichtfertigen Dirne, Tausend Werber ja hat diese verrufene Braut.
[10]  Weder Dauer noch Treu' bezeichnet das Lächeln der Rose Liebende Nachtigall klag'! Stoffes zu Klagen genug!
[11]  Was beneidest du Hafisens strömende Verse? Wiß' es hat ihm ein Gott Anmuth der Rede verliehn.
294
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:21.3-21.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:21.3
German Translation
[1]  Durch Treue bin ich berühmt bei Schönen wie die Kerze,Ich sitze bei der Nacht mit Trunknen, wie die Kerze.
[2]  Bei Nacht und Tage kommt kein Schlaf in meine Augen,Ich weine, und bin krank durch Trennung, wie die Kerze.
[3]  Den Faden der Geduld zerschnitt die Scheer des Grames,Ich lach' in der Gluth der Liebe, gleich der Kerze.
[4]  Wenn blut'ge Thränen nicht dem Auge heiß entströmten,So wär' der Welt nicht kund mein Innres wie die Kerze.
[5]  Mein weinend Herz, o schau' es zwischen Gluth und Wasser,Beständig klaget es, es jammert wie die Kerze.
[6]  Den Schmetterling der Lust send' in die Nacht der Trennung,Sonst werde ich die Welt verbrennen wie die Kerze.
[7]  Mein Tag ist finster ohne deine Weltenschönheit,Doch unvollkommen ist die Liebe wie die Kerze.
[8]  Der Felsen der Geduld zerschmilzt wie Wachs vor Schmerzen,Seit deine Liebe mich zerschmelzet wie die Kerze.
[11]  Ergriffen hat Hafisen deiner Liebe Flamme,Wann löschet Wasser diesen Brand aus wie die Kerze.
381
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.73-28.73
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.73
German Translation
[1]  Wiewohl wir des Kaisers Diener sind, So sind wir doch Kaiser des Morgentrunks,
[2]  Im Aermel der Schatz! der Sack geleert! Der Spiegel der Welten! der Staub des Wegs!
[3]  Gesättigt von Lust, berauscht mit Stolz, Versink ich in Sünden in Einigkeit!
[4]  So oft mich der Freund des Glücks liebkos't, So spiegelt in mir er sein Mondgesicht,
[5]  An jeglichem Abend flehen wir Als Hüter der Krone des Schahs zu Gott.
[6]  O rechne mein Streben dir zum Glück, Ich war indessen du schlafen liegst,
[7]  Der siegende Schah, er weiß es wohl, Wohin ich gewendet des Muths Gesicht
[8]  Den Feinden aus Blut ein Leichentuch! Den Freunden das rühmliche Kleid des Siegs!
[9]  Ich berge mich nicht in Heuchelei, Ich sag', daß ich Schlange und Löwe bin,
[10]  O gebet Hafisen doch zurück Den Glauben, gestehet den Diebstahl ein.
329
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.21-28.21
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.21
German Translation
[1]  Morgens legten vor mir die Zwillinge nieder das Währhäng, Ha! ich schwöre, ich bin wahrlich der Diener des Schahs.
[2]  Komm' o Schenke komm! mit der Hilfe des wirkenden Glückes Sey der heiße Wunsch mir von dem Herrn gewährt!
[3]  Reich' mir das Glas, aus Freude des Schahes Antlitz zu sehen, Wird mein greises Haupt wieder von neuem verjüngt.
[4]  Höre mir auf zu beschreiben die Lebensquelle von Chiser, Aus den Hefen des Schahs trink' ich die Quelle Kewßer.
[5]  Schah! und wenn ich den Thron der Tugend zum Himmel erhöbe Blieb' an deiner Thür' immer ein Bettler ich noch.
[6]  Tausend Jahre hindurch war ich dein Bechergenoße, Kann vom Gnadenort ich mich entfernen vielleicht.
[7]  Wenn Du aber dem Wort des Dieners Dich weigerst zu glauben, Bringe ich von Kemal Probe und Sicherheit Dir.
[8]  Gieß' ich mein Herz von Dir, und sollt' ich die Liebe dir rauben, Wen beschenkt ich wohl? Welchem vergäb' ich mein Herz?
[9]  Ben Mohammed Manßur der Sieger ist mein Beschützer Seines Namens Kraft richtet die Feinde zu Grund.
[10]  Ich bin von Ewigkeit her bestimmt zur Liebe des Schahes, Wenn ich gleich hiedurch manchmal die Straße verlier'.
[11]  Sieh' sein Namen ist mit Plejaden an Himmel geschrieben, Wer besiegt mich im Lied? soll ich die Perlen nicht reihn?
[12]  Hab' ich Falken gleich aus der Hand des Schahes gegessen, Hat denn Rauben, und Jagd einigen Reiz noch für mich?
[13]  Schah! der Löwen ergreift! Sag' an, was hast du verloren, Deines Schattens Glück gönne uns Frieden und Ruh. Ohne Federn und Flügel bin ich, daher ist's zu wundern, Daß ich zum Simorg mich zu erschwingen befleiß'.
[14]  Hundert Herzen erobert durch dich die Kraft des Gesanges, Gleichsam als gliche mein Wort deinem erobernden Schwerdt.
[15]  Wenn ich vorübergeh' am Rosenbeet wie der Ostwind, Reizet mich die Cypreß, reiz't mich die Pinie nicht.
[16]  Deinen Geruch vernahm ich im Feld, und auf deine Gesundheit Reichten die Schenken der Lust einen zwey Becher mir her.
[17]  Meine Sache ist's nicht, nur ein zwey Tropfen zu trinken, Denn in Schenken ward ich ein erfahrener Greis.
[18]  Immer zank' ich mit dem Lauf des Himmels, der Sterne, Der gerechte Schah möge entscheiden den Streit.
[19]  Gott sey Dank, daß sogar am äußersten Giebel des Himmels, Gabriel an dem Thron meine Gesänge vernimmt.
[20]  Aus dem Buche der Liebenden sey mein Name vertilget, Wenn für Andere einst, Liebe die Brust mir entflammt.
[21]  Wüthend stürzte auf mich, um mich zu zerreißen der Löwe, Mager oder fett bin ich die Beute des Schahs.
[22]  Mehr sind verliebet in dich als Stäubchen im Sonnenschein fliegen, Ich ein Sonnenstaub, o! wann gelang' ich zu dir.
[23]  Zeige mir an, wer hat je deine Schönheit geläugnet, Daß aus Eifersucht ich ihm das Auge zerhau'.
[24]  Siehe auf mich ist der Schatten der Sonne des Glückes gefallen, Nun bedarf ich des Scheins anderer Sonnen nicht mehr.
[25]  Keineswegs ist mein Sinn mit diesen Worten zu handeln, Ich verkaufe und kauf' solche Liebkosungen nicht. Immer liebet Hafis mit vollem Herzen den Propheten, Seine Familie giebt wahrlich das Zeugniß hievon.
67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.53-4.53
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.53
German Translation
[1]  Dieses seelenverbrennende Licht, von wo ist es? Es hat mein Herz verbrannt, Fraget seine Geliebte: Wer ist es?
[2]  Meines Herzens und Glaubens Gebäu ist zerstöret. Wer wird von Ihr umarmt? Und Ihr Zimmergenoße Wer ist es?
[3]  Ihrer Lippen Rubinengetränk sey nie ferne! Ihr Wein, wem giebt er Geist? Welchem reicht Sie den Becher? Wer ist es?
[4]  Fragt, o fraget doch Winde, wem wurde der Umgang Mit diesem hellen Licht Zugesaget vom Himmel? Wer ist es?
[5]  Schauet, Jeglichem winket der Reiz der Geliebten, Allein Ihr zartes Herz, Wer umstricket dasselbe? Wer ist es?
[6]  Jenes Mondengesicht mit der Stirne des Hespers, Wessen Schahes Sohn? Wessen einzige Perle Wohl ist es?
[7]  Wehe! Wehe dem närrischen herzen Hafisens! Mit Lächeln sprach Sie: Wer Hat es gemacht zum Narren? Wer ist es?
458
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.30-32.30
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.30
German Translation
[1]  Mein Herz! wenn du vom rothen Wein Zu Grund gerichtet bist, So wisse, daß du ohne Gold Reich wie Karun einst bist.
[2]  Wenn man die Ehrenstellen einst Den Armen wird verleih'n, So hoffe ich, daß du alsdann, Weit mehr als alle bist.
[3]  Auf Leila's Pfad, der voll Gefahr Und voll Beschwerde ist, Ist vor dem Andern Allem noth, Daß ein Medschnun du bist.
[4]  Ich zeigte dir der Liebe Punkt, Gieb acht und irre nicht, Daß du, indessen du hinsiehst, Nicht aus dem Zirkel bist.
[5]  Die Karawane ist schon fort, Du schlägst der Trägheit Schlaf, Wen fragest, und was machst du denn, Ey sage, wie du bist.
[6]  Du geizest nach dem Fürstenthron, Zeig deine Eigenschaft, Und wenn du aus dem Stamm Dschemschids Und Feridunens bist.
[7]  Du trink den Becher aus, und wirf Die Hefen himmelan, Weil du genug vom Gram der Zeit Mit Blut beflecket bist.
[8]  Hafis beklag' die Armuth nicht, Sind diese Lieder dein, So wird kein Edler zugesteh'n, Daß du betrübet bist.
199
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.100-10.100
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.100
German Translation
[1]  Die Priester, die mit Stuhl und Pult, In Kirchen gar so heilig thun, Sie werden in der Einsamkeit Das Gegentheil desselben thun.
[2]  Ich habe einen Zweifel, frag' Den Weisen der Gemeind' darum, Warum die Buße-Prediger Denn selbst so wenig Buße thun?
[3]  Nach allem Anschein glauben sie Nicht an die Stunde des Gerichts, Weil sie mit Trug und Gleisnerey So viel des Aergernißes thun.
[4]  Geleite diese Zunft, o Herr! Zu ihrem Eselstall zurück. Ihr Uebermuth rührt blos daher, Weil sie mit Striegeln Nichts zu thun.
[5]  O Bettler, springe schnell herbei, Ein Wasser, theilet man jetzt aus, Ein Wasser, das die Herzen stärkt, Die dann Verzicht auf alles thun. Mach rein dein Herz vom Götzendienst, Es sey nur des Geliebten Dach, Wiewohl die Allbegierigen Auch mehrere zusammen thun.
[6]  Seht ihre Schönheit mordet stets Die Liebenden, ein Wunder ists, Daß ungeachtet dessen stets Noch Liebende hervor sich thun. Ich bin ein treuer Knecht des Wirths, Denn seine Jünger sind so reich, Daß sie nur eine Handvoll Staub Auf Reichthum und auf Schätze thun.
[7]  Ihr Engel an der Schenkenthür, Lobsinget Euern Preisgesang, Die Säuerung von Adams Stoff, Nichts anders ist der Trinker Thun.
[8]  Des Morgens schallte ein Getön Vom Himmel her: da sprach Vernunft: Die Engel lernen dich Hafis, Was könnten sie wohl Beßres thun?
117
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.18-10.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.18
German Translation
[1]  Fluren entbehrt mein Herz im Umgang mit ihrem Gesichte, Wie Cypreßen geformt, hat sie wie Tulpen ein Maal.
[2]  Keinem Bogen der Braun hat je mein Kopf sich verneiget, Denn es thun auf die Welt Zellenbewohner Verzicht,
[3]  Unruh giebt mir das Veilchen, es haucht die Düfte der Locken, Sieh den Schwarzen nur an, was für ein Hirnegespinst!
[4]  Geh' auf die Fluren hinaus, und schau' auf dem Throne die Rose, Tulpen stehen vor ihr, Diener mit Bechern bereit. Bei dem Glanze der Wangen bestiehlt dein Haupthaar die Herzen, Welch ein seltener Dieb, der bei dem Fackelglanz stiehlt.
[5]  Schatten der Nacht! und Schrecken der Wüste, was seyd ihr im Stande, Wenn die Fackel der Wang' unsere Straßen erhellt!
[8]  Nach der Schule der Liebe verlangt die Seele Hafisens, Deßhalb sehnet sie sich weder nach Aussicht noch Flur.
24
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.10-4.10
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.10
German Translation
[1]  Fordre ja nicht von mir Trunknem Pflichterfüllung, gute Werke, Denn am Tage der Bestimmung Ward zum Becher ich bestimmet.
[2]  Seit ich an dem Quell der Liebe Mich nach Brauch gewaschen habe, Hab' ich ja mit einem Worte Allem übrigen entsaget.
[3]  Gieb mir Wein, daß vom Geheimniß Meines Looses ich dir sage, Welches Angesicht ich liebe, Welcher Duft mich trunken machte.
[4]  Berge trugen diese Lasten Nicht so sicher wie die Ameis. Trinker, du verzweifle niemals An der Pforte der Erbarmung.
[5]  Ausser dem Narzißenauge (Gott bewahr's vor bösen Augen) Hat im blauen Himmelskreise Alles seine Ruh verloren.
[6]  Willig werde meine Seele Deinem Munde hingeopfert, In der Garten schöner Ansicht Blühet keine schönre Knospe.
[7]  Deine Liebe hat Hafisen Salomonen gleich gemacht, Denn es bleibt ihm vom Genuße Nichts als Wind in leeren Händen.
88
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.74-4.74
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.74
German Translation
[1]  Ein Wörtlein hörte ich, das Jakob einst gesagt, Der Schmerz der Trennung von dem Freund wird nicht gesagt,
[2]  Was uns der Prediger vom jüngsten Tag erzählt, Hat er als Gleichniß nur vom Tag der Flucht gesagt.
[3]  Wer giebt mir Kunde von dem fortgereis'ten Freund, Der Ost hat alles so verwirret angesagt.
[4]  O weh! Der Freunde Feind, der liebelose Mond Hat ohne Müh' den Freunden Lebewohl gesagt.
[5]  Ich will getrost, selbst Nebenbuhlern dankbar seyn, Mein Herz, gewohnt an Schmerz, hat Arzney'n entsagt.
[6]  Vertreibt den alten Gram mit Wein, mit altem Wein, Dies macht das Herz vergnügt, so hat der schlaue Greis gesagt.
[7]  Vertrau nicht auf den Wind, selbst wenn er günstig bläst. Dies Sprichwort hat zu Salomon der Ost gesagt.
[8]  Giebt dir das Schicksal Frist, verlasse nicht den Weg, Wer sagt daß eine Metze dem Betrug entsagt?