203
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.104-10.104
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.104
German Translation
[1]  Viel Jahre sind es, daß mein Buch Für rothen Wein verpfändet ist, Und daß der Schenke Ruhm und Glanz Durch mein Gebet gestiegen ist.
[2]  O sieh, wie gut der alte Wirth, Wie mild er sich erzeigt, Indem, was Böses wir gethan, Ein Schmuck in seinen Augen ist.
[3]  Auf! lustig! wascht die Bücher aus, Wascht alle aus mit rothem Wein, Ich hab' gesehen, daß das Loos Nur Gram den weisen Herzen ist.
[4]  Mein Herz! von Schönen fodre viel, Wenn du auf Schönheit dich versteh'st, Denn dieses hat ein Mann gesagt, Der in der Welt erfahren ist.
[5]  Gleich einem Zirkel sah ich, daß Mein Herz sich umgedrehet hat, Und daß es dann verwirrt im Kreis Der Liebe fest gestanden ist.
[6]  Der Sänger hat von Liebesschmerz Ein Lied so traurig angestimmt, Daß allen Weisen in der Welt, Von Wimpern Blut gefloßen ist.
[7]  Aus Freude bin ich aufgeblüht, Der jungen Frühlingsrose gleich, Als an dem Bach das Schattenbild Der Ceder mein geworden ist.
[8]  Mein rosenfarber Alter gab Den Blauen die Erlaubniß nicht, Was Böses zu begeh'n, weil sonst Das Auge gleich geschäftig ist.
[9]  Hafisens vielgewandtes Herz, Ist wahrlich nicht dazu gemacht, Daß es von dem, was Andere Dir Böses thun, ein Wißer ist.
360
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.52-28.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.52
German Translation
[1]  Wenn aus der Fremde ich vielleicht Einmal nach Haus soll gehen, So will ich mit verständ'gem Sinn Und wohlbedächtig gehen.
[2]  Und kehr' ich unbeschädigt heim Von dieser weiten Reise, So halte ich auch mein Gelübd, Ins Weinhaus hinzugehen.
[3]  Um kund zu thun der ganzen Welt, Was ich erfahren habe, Will ich mit meinem Saitenspiel Zur Seitenthüre gehen.
[4]  Und wird mein Blut am Liebespfad Von Freunden ausgetrunken, Ich wär' ein Elender, wenn ich Drob könnte klagen gehen.
[5]  Von nun gehöret mein das Haus, Was soll nach Lockenketten Mein Herz, das durchaus närrisch ist, Ob seinen Wünschen gehen?
[6]  Wenn ich des Freundes Augenbraun' Statt des Altares sehe, So will ich gern aus Dankbarkeit Zu dem Gebete gehen.
[7]  O gute Zeit, wenn, wie Hafis, In den Wesir verliebet, Und trunken aus der Schenke ich Zum Liebling werde gehen.
164
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.65-10.65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.65
German Translation
[1]  Der Morgenwind will nun Den Hauch des Moschusdufts verstreu'n, Die alte Erde will Ein andermal verjünget seyn.
[2]  Die Tulpe will ihr Glas Aus Onyx geben dem Jasmin, Und der Narziße Aug' Mit Anemonen sich erfreu'n.
[3]  Der harte Trennungsschmerz Der auf die Nachtigallen fällt, Wird in den Rosenhain In kurzem vorgedrungen seyn.
[4]  Wenn ich aus der Moschee Zur Schenke gehe, hadre nicht, Die Predigt ist so lang. Die Zeit wird bald vorüber seyn.
[5]  Mein Herz, wenn du die Lust Von heut auf Morgen stets verschiebst, Für das geborgte Gut, Wer wird Gewährsmann seyn?
[6]  Gieb in dem Mond Schaban Den Becher nimmer aus der Hand, Denn so was wird im Mond Des strengen Ramasans nicht seyn.
[7]  Sprich mit der Ros', ergreif', Ergreife die Gelegenheit, Hier kam sie auf, die Flur, Bald wird sie weggegangen seyn.
[8]  O Sänger, nun beginn dein Lied, Versammelt ist der Freunde Kreis, Das Lied: so war es einst, Und so wird es auch ferner seyn.
[9]  Hafis kam deinethalb In dieses Daseyns Land allein, Geh' doch des Abschieds halb Zu ihm, bald wird er ferne seyn.
193
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.94-10.94
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.94
German Translation
[1]  Ueber meines Liebchens Aeugeln Staunen alle Unerfahrne, Ich bin so wie ich erscheine, Während sie es anders wissen.
[2]  Weise sind zwar sonst das Mittel, Von der ganzen Schöpfung Kreise; Doch die Liebe weiß, daß selbe In dem Kreise sich oft drehen.
[3]  Nicht mein Aug' allein betrachtet Die Liebkosungen der Wangen, Mond und Sonne machen immer Diesem Spiegel ihren Kreislauf.
[4]  Gott der Herr hat meine Tage An Süßlippichte gebunden, Ich bin ihr ergebner Sklave, Sie allein sind meine Herren.
[5]  Wir sind ganz zu Grund gerichtet, Wünschen dennoch Wein und Sänger, Ach! wenn die befleckte Kutte Nun der Wirth zum Pfand nicht nähme.
[6]  Zu dem Lichtgenuß der Sonne Kann ein Blinder nicht gelangen, Weil vor diesem Spiegel Seher Selbst verblendet niederfallen.
[7]  Was ist das, mit Liebe prahlen, Und zugleich auf Freunde schmählen, Solche Liebende verdienen, Mit der Flucht gestraft zu werden.
[8]  Jeder kann von deinen schwarzen Augen lernen einen Kunstgriff, Denn nicht Jeder kann im Rausche Die Enthaltsamkeit bewahren.
[9]  Wenn zum Sammelplatz der Geister, Deinen Hauch der Ostwind brauchet, Streuen sie Verstand und Seele, Als ob es nur Locken wären.
[10]  Freilich kann den Rausch Hafisens, Nicht der Eremit verstehen, Denn der Teufel flieht vor jenen Leuten, die den Koran beten.
[11]  Wenn von meinen Herzensplanen Schenkenjungen Nachricht hätten, Würden sie der Frommen Kutten Nimmermehr zum Pfande nehmen.
99
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:9.1-9.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:9.1
German Translation
[1]  Mein Herz verlangt nach dem Gesicht Farruch's,Es ist verwirret wie das Haar Farruch's,
[2]  Ich nehme aus sein Hindufarbes Haar,Sonst Niemand naht sich dem Gesicht Farruch's,
[3]  O dreymal glücklich ist er, dieser Schwarze,Er, der Begleiter und Gefährt' Farruch's,
[4]  Wie Weiden zittert die Cypreß' im Garten,Sobald sie sieht den hohen Wuchs Farruch's
[5]  Gieb mir den safranfarben Wein, o Schenke,Zum Angedenken der Narziß' Farruch's.
[6]  Aus Gram hat sich mein Leib gekrümmt zum Bogen,Zum Bogen wie die Augenbraun' Farruch's,
[7]  Den Moschushauch vom Tartarland beschämet,Der Hauch des Ambradufts vom Haar Farruch's.
[8]  Wenn jedes Herz sich neigt nach einer Seite,So neiget meines sich ganz zu Farruch.
[9]  Ich diene gern dem hohen Geist von Jenem,Der wie Hafis sich nennt ein Sklav Farruch's.
187
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.88-10.88
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.88
German Translation
[1]  Brenne mein Herz, es wird der Brand Dir vieles Unheil sparen, Bitten von einer halben Nacht, Entfernen hundert Uebel.
[2]  Wenn du die Schönen tadeln willst, So thu's mit süßen Worten, Augengekos't derselben kann Wohl hundertmal dich strafen.
[3]  Wer sich dem Dienst des Glases weiht, Worin die Welt sich spiegelt, Hebet den Schleier sicher auf, Der die Welten trennet.
[4]  Siehe, der Arzt der Liebe ist Ein Heiland süßen Odems, Wenn er dich aber krank nicht sieht, Wen soll er dann wohl heilen.
[5]  Traue dem Herrn in deinem Thun, Und sey dann frohen Herzens, Wenn sich auch keiner dein erbarmt, So wird sich Gott erbarmen.
[6]  Ueber das umgestürzte Glück Bin ich mit Rechten traurig, Aber vielleicht gedenkt man mein, In dem Morgensegen.
[7]  Wehe! Hafis ist verbrannt, es kam Kein Duft aus Freundes Locken, Aber vielleicht verweis't der Ost Mich zu diesem Glücke.
394
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.13-29.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.13
German Translation
[1]  Dein Mondgesicht, o Liebchen! ist Ein Frühlingstag der Schönheit. Es ist dein Flaum, es ist dein Maal Der Mittelpunkt der Schönheit.
[2]  In deinem Funkelauge ist Ein Zauberspruch geschrieben, In den verwirrten Locken liegt Beständigkeit der Schönheit.
[3]  Ein Mond, dir ähnlich, gieng nie auf Am Himmel der Vollendung. Und keine Zeder, die dir gleicht, Wuchs je am Strom der Schönheit.
[4]  Der Lebenslauf der Schönen wird Erfreut durch deine Anmuth. Durch deine Lieblichkeit wird froh, Der Weltenlauf der Schönheit.
[5]  Die Locken sind ein Netz, es ist Das Maal ein Korn der Lockung, Darum ist jeder Vogel stets Die Beute deiner Schönheit.
[6]  Der Anmuth Amme nähret dich In unsrer Seelen Mitte, Sie nähret dich mit Schmeichelei'n Am Busenrand der Schönheit.
[7]  Um deine Lippen blüht so frisch Die Veilchensaat des Flaumes, Weil sie das Lebenswasser trinkt Frisch aus dem Quell der Schönheit.
[8]  Es hofft Hafis nun nimmermehr Dein Angesicht zu sehen. Denn außer deinen Wangen giebt Es Nichts im Land der Schönheit.
90
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.76-4.76
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.76
German Translation
[1]  Morgenwind, o Hudhud! nach Saba will ich dich schicken Siehe woher und wohin wir dich schicken!
[2]  Schad' ists, daß ein Vogel wie Du in Wüsten des Grams lebt, Laß dich ins Netz der Beständigkeit schicken.
[3]  Nichts ist nah und Nichts ist ferne dem Pfade der Liebe, Oeffentlich will ich Wünsche dir schicken.
[4]  Morgens und Abends werd' ich Karawanen guter Gebete Kosend aus Osten und Westen dir schicken.
[5]  Daß von dem Heere des Grams des Herzens Ruh nicht zerstört werd' Will ich die Seele als Herold dir schicken.
[6]  Du so ferne dem Blick, und meinem Herzen so nahe, Täglich will ich Gebete dir schicken.
[7]  Schau in deinem Gesicht ein göttliches Wunder, ich werde Einen Spiegel Gottes dir schicken.
[8]  Daß von meiner Sehnsucht die Sänger Kunde dir geben Will ich die Lieder mit Tönen dir schicken.
[9]  Schenke komm! es bracht ein heimlicher Bothe dir Kunde Duld' ich will Arzneyen dir schicken.
[10]  Unsre Gesellschaft Hafis ist mit deinem Lobe beschäftigt Pferd und Kleider will ich dir schicken.
293
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:21.2-21.2
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:21.2
German Translation
[1]  Hafis steh Sklaven gleich an seiner Thür beständig,Denn er gehorchet Gott, und ich gehorch' dem Schahe.
[2]  Des Morgens, als aus dem geheimen Köschk des AufgangsDie Sonne Strahlen Pfeile schoß auf alle Seiten,
[3]  Als aus dem Sack den Spiegel zog der Kreis des HimmelsUnd als darin die Welt erschien in tausend Formen;
[4]  Als in dem Hoch-Pallast des himmlischen DschemschidsDer Sohre Orgel schlug, gleich meiner Lauten Tönen,
[5]  Da scholl die Leyer laut: Wo ist der Liebesläugner?Da lächelte das Glas: Wer kann es mir verwehren?
[6]  O Schenke schau' den Gang der Welt ergreif' die Freude,Für jeden Fall ist dies das beste Thun und Lassen.
[7]  Betrug und Schlingen sind die Locken der Geliebten,Die Weisen sind zu klug in Streit sich einzulassen.
[8]  Wenn du das Wohl der Erde wünschest, wünsch' dem KönigEin langes Leben, denn sein Körper ist allgnädig.
165
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.66-10.66
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.66
German Translation
[1]  Der schwarzen Augen Liebe wird Mir nie genommen werden, So ist einmal des Himmels Loos, Und anders wird's nicht werden.
[2]  Der Nebenbuhler giebt nicht Ruh, Macht tausend Zänkereien, Vielleicht daß meine Seufzer nicht In Himmel kommen werden.
[3]  Am Tage der Bestimmung gab Man mir das Loos des Rausches; Was da gegeben wurde, wird Nicht mehr, nicht minder werden.
[4]  Ich habe keine Kraft als die, Im Stillen ihn zu lieben, Wenn ich ihn nicht umarmen kann, Was wird wohl aus mir werden?
[6]  Zum Trunk Rubin, ein Ruheplatz, Und einen Freund zum Schenken. Mein Herz! ist es dir nun nicht wohl, Wann wird's dir beßer werden?
[7]  Ihr Thränen, waschet nicht den Gram Weg aus Hafisens Busen, Vom Schwerdt des Freundes ist hier ein Maal, Es wird von neuem blutig werden.
323
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.15-28.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.15
German Translation
[1]  Du hebst mich nicht auf vom Staube,Wenn ich auch blos Perlen weinte.Schmähe nicht auf meinen BlutdurstDenn ich lehre Moschushirschen.
[2]  Unter meiner Armuth seufz' ich,Schäme mich vor den Gewalt'gen
[3]  Haltet mich in Lockenbanden,Sonst ergreifet mich die Narrheit.
[4]  Frag' mich um den Lauf der WeltenIn der Nacht zähl' ich die Sterne,
[5]  Dankbar küße ich den BecherDenn er lehrte mich mein Schicksal.
[6]  Wenn ich die Betrunknen lobe,Ist's aus dankbarem Gemüthe,
[7]  Dankbar bin ich meinem Arme,Der kein Unrecht ausgeübet,
247
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.3-12.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.3
German Translation
[1]  Beim Verliebten, o Ostwind, gehe vorbei,Kunde bringe dem Liebenden,Verweigre mir's nicht!
[2]  Lieblich blühst du, o Rose, dankbar dafür,Einen Duft für die NachtigallVerweigre mir nicht.
[3]  Dein Verehrer war ich, o wachsender Mond,Einen Blick, nun du älter bist,Verweigre mir nicht.
[4]  Erdengüter sind leicht, und niederen WerthsDiese Kleinigkeit, WürdigenVerweigre sie nicht.
[5]  Wie der Kandel sind deine Lippen mir süß,Zucker spende dem PapageyVerweigre mir's nicht!
[6]  Deine Tugenden führt zum Kafe das Lied,Reisezehrung dem Liedermund,Verweigere du nicht.
[7]  Wer verherrlicht seyn will, höre dies Wort:Gold und Silber ist Liederpreis,Verweigert es nicht.
[8]  Gram und Schmerzen vergeh'n, und beßer wird's einst,Deine Thränen auf jenem Pfad,Verweig're sie nicht.
93
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.79-4.79
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.79
German Translation
[1]  Was für eine seltne Gnade War es, welche deiner Feder Alle Dienste unsrer vor'gen Freundschaft aufgezählet hat?
[2]  Mit der Spitze dieser Feder Hast du einen Gruß geschrieben, Nie soll das Gebäu der Erde Bleiben ohne deine Schrift! &#
[3]  Nimmer sag' ich: du hast Unrecht, Meiner dich noch zu erinnern, Denn es wird dir vom Verstande Nie ein Fehler aufgemerkt.
[4]  Dankbar für des Himmels Leitung Darfst du mich noch nicht verachten, Weil das Schicksal dich vor Allen Angesehn und groß gemacht.
[5]  Komm, ich will mit deinen Locken Auf beständig mich verbinden, Wenn ich dann den Kopf verliere, Hanget er an deinem Fuß.
[6]  Labe meine durst'ge Seele, Nur mit einem Tropfen Hefen, Weil man dich aus Dschemschid's Becher Mit den Fluthen Chiser's tränkt. Sieh! mein Herz steht vor der Thüre, Halt' es doch in Preis und Ehren, Schon deßhalben weil der Himmel Keine Qualen dir geschickt. Ueberall sind Hinterhalte, Gehe du nicht zu verwegen Von der Straße des Verderbens Flieget sonst der Staub dir an.
[8]  Ostwind; gleich dem Herren Jesus, Fröhlich seyen deine Zeiten! Denn Hafisens wunde Seele Ward durch deinen Hauch geheil't.
[150]  ;
59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.45-4.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.45
German Translation
[1]  Ich hoffe Gnade von dem Freund, Ich habe zwar vor ihm gefehlt, Er aber wird mir verzeihen.
[2]  Ich weiß er übersieht die Schuld, Denn er ist schön wie die Peris Und doch auch gut wie ein Engel.
[3]  So viel hab' ich geweint um Ihn, Daß Jedermann zu mir gesagt: Woher die Ströme der Thränen? Ich spielte Ballen mit dem Kopf Vor deinem Haus; wer kennt das Haus, Die Ballen, wessen sie seyen?
[4]  Dein Mund ist nichts, ich seh ihn nicht, Und deine Mitte ist ein Haar. Ich weiß nicht welches der Haare.
[5]  Dein Bild im Auge wundert mich, Ich wasche es mit Thränen stets, Und doch wird's nimmer verwischet.
[6]  Dein Haar schlägt todt, und redet nicht. Wer wagt es wohl mit deinem Haar Noch Widerrede zu führen!
[7]  Vor vielen Tagen kam zu mir Von deinem Lockenschmuck ein Duft, Noch riecht das Herz von demselben.
[8]  Hafis! zerstört ist dein Gemüth - Doch sey es; ward es ja zerstört Vom Duft der Locken des Freundes.
147
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.48-10.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.48
German Translation
[1]  Der Ostwind hat gestern mir Kunde gebracht, Es seyen die Tage des Lebens vollbracht.
[3]  O komme Geliebte, die vom Paradies Der Hüter für mich auf die Erde gebracht.
[4]  Wir geh'n nach Schiras mit der Hülfe des Freunds; Ein guter Gefährt, den das Glück mir gebracht!
[5]  O halte in Ehren das weiche Gemüth, Es hat oft die Krone des Königs gebracht.
[6]  Wie viele der Seufzer versandt' ich zum Mond, Seit ich meinen Mond in Erinnrung gebracht.
[7]  Hafis hob zum Himmel die Fahne des Siegs, Als er die Gedichte dem Schahe gebracht.
106
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.7-10.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.7
German Translation
[1]  Nie dein Leib des Arzt's bedürftig sey! Allem Uebel fremd er sey!
[2]  Heil der Erde liegt in deinem Heil, Nie ein Fußfall dir beschwerlich sey!
[3]  Auf Gesundheit ruhet Schönheit, Reiz; Sie bei dir von auß', von innen sey!
[4]  Kömmt der Ost zu plündern auf die Flur, Vor den Cedern fern sein Stürmen sey!
[5]  Dort, wo deiner Schönheit Anmuth spielt, Böser Neid und Spott unmöglich sey!
[6]  Wer dein Mondgesicht mit bösem Aug' Schaut, der Gluth des Grams geopfert sey!
[7]  Zuckerwort Hafisens ist Arzney, Kandel und Julep nicht nöthig sey!
369
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.61-28.61
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.61
German Translation
[1]  Freundschaft hab' ich von Freunden erwartet, Leider! hab' ich hierin mich geirret.
[2]  Ach wann tragen die Bäume der Freundschaft, Jetzt erst hab' ich den Saamen gepflanzet.
[3]  Leere Rede geziemt nicht Derwischen, Was geschehen, ist einmal geschehen.
[4]  Deine Augen betrogen mit List uns, Doch wir meinten, dies wäre nur Friede,
[5]  Deine Schönheit betrog sich allein nicht, Mit betrogen ward muthiger Sinn auch.
[6]  Vieles spricht man, doch keiner beklagt sich, Denn wir haben die Huld nicht vergessen,
[7]  Mein, so sprach sie, Hafis, du bist mein nun, Keinen Sammelnden hab' ich bestellet.
212
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.113-10.113
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.113
German Translation
[1]  Ein Morgen war, wo mir ein Glas Von Wein ist zugefallen. Wo von dem Mund des Schenken Wein Mir auf den Gaum gefallen.
[2]  Der Jugend-Zeiten wollte ich Zurücke wieder führen, Ach leider! daß schon lange her Die Scheidung vorgefallen.
[3]  Wohin ich immer gieng und kam, Erfuhr ich, daß die Heilung Von seiner Blicke süßem Spiel Sehr weit entfernt gefallen.
[4]  O Schenke gieb den Becher her, Denn wer auf diesem Pfade Nicht wie Verliebte gehet, ist In Heuchelei verfallen.
[5]  Verkündigt Freudenkunde nun, Weil in dem Morgenschlafe Noch gestern in mein Kämmerlein Ein Sonnenstrahl gefallen.
[6]  In eine Ecke träumt' ich mich, Von seinem trunk'nen Auge, Ach leider! daß mir die Geduld Ob seinen Brau'n entfallen!
[8]  Vernehmet, daß Hafisens Geist, Als er dies Lied geschrieben, Gleich einem Vogel in das Netz Von der Begier gefallen.
341
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.33-28.33
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.33
German Translation
[1]  Wenn ich des Schmähns der Nebenbuhler denke, Verfliegt der Reiz der Trunkenheit des Rausches;
[2]  Der Pfad der Neubetrunknen ist gerade, Ich Bösberüchtigter! was denk ich Gutes!
[3]  O heisse mich nur kühn den Narrenkönig, An Mangel des Verstandes bin ich der Erste.
[4]  Mit meinem Blute mahle dir die Stirne, Es wisse Jedermann ich sey dein Opfer.
[5]  O glaube mir bei Gott! und geh vorüber, Schau nicht, wie wenig mir dieß Kleid geziemet.
[6]  Oft! lies mein blutiges Gesicht dem Freunde, Zur Ader ließ mir das Lanzet der Wimpern. Heb auf den Saum vor meines Blutes Tropfen, Es tropft auf dich, sobald die Wunde blutet.
[7]  Sey ich ein frommer Mann, sey ich ein Trunkner, Hafis kennt doch am besten seine Zeiten.
151
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.52-10.52
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.52
German Translation
[1]  Verliere keine Zeit mit Gram, Im Ganzen ist die Welt nichts werth, Verkauf das Ordenskleid um Wein, Es ist ja sonsten zu nichts werth. Des Freundes Land sey mir geehrt, Weil es die Männer schützt und schirmt, Wenn nicht, was nützt mir Farsistan, Es ist so vieler Müh' nicht werth.
[2]  Man giebt nicht einen Becher Wein Für meinen Teppich in der Schenke, Was für ein Teppich! seh't, er ist Nicht einen Becher Weines werth. Du wasche deine Aengstlichkeit Vom Ordenskleide reinlich aus, Denn alle Kuttenflecken sind Kein Glas von rothem Weine werth.
[4]  Die Königskron', die von der Höh' Des Scheitels Seelen Furcht einflößt, Ist zwar ein schöner Kopfschmuck', doch Nicht den Verlust des Hauptes werth.
[5]  Wie leicht scheint anfangs nicht die Fluth Des Meeres, aus Hoffnung des Gewinnes! Doch weit gefehlt! denn diese Fluth Ist nicht zehntausend Perlen werth.
[6]  Weit beßer ist es, wenn du dein Gesicht den Liebenden verbirgst, Denn die Erobrung einer Welt Ist nicht der Müh des Krieges werth.
[7]  Sey, wie Hafis, genügsam, thu' Wie er auf diese Welt Verzicht, Ein Gran von Niederträchtigkeit Ist nicht zweyhundert Tonnen werth.