359
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.51-28.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.51
German Translation
[1]  O froher Tag! an dem aus diesem Zerstörten Haus ich werde gehen! An dem ich Seelenruhe suchen, Und nach der Freundinn werde gehen.
[2]  Wiewohl ich weiß, daß diese Straße Zu Nichts den fremden Wandrer führet, So will ich doch nach Wohlgerüchen, Der tief verwirrten Locken gehen.
[3]  Ein Schrecken hat mein Herz ergriffen, In diesem Kerker Alexanders. Ich werde nun mein Bündel schnüren, Zum Thron der Salomonen gehen.
[4]  Ich will mit meinem kranken Herzen, Und mit dem kräftelosen Körper Dem Ostwind gleich, blos aus Begierde Nach dieser schwanken Ceder gehen.
[5]  Und müßt' ich wie die Schreibefeder Sogar auf meinem Kopfe gehen, Ich würde doch mit wundem Herzen, Mit Thränen in den Augen gehen.
[6]  Ich that ein heimliches Gelübde, Wenn ich von diesem Scherzen einstens Befreiet bin, mit frohem Herzen Und Sang zur Schenke hinzugehen.
[7]  Aus Lust zu ihr und aus Begierde, Vermöchte ich wie Sonnenstäubchen Bis an den Rand des Aug's der Sonne Im Tanz und Glanz hineinzugehen.
[8]  Weil jene leicht geschnüret sind, Die auf arabischen Hengsten reiten, So wollen wir zu frommen Männern, Ganz leicht und frohen Muthes gehen.
[9]  Und wenn ich wie Hafis die Straße Nicht finden kann aus Trennungswüsten, So will ich immer mit dem Heere Des Großwesir's der Zeiten gehen.
446
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.18-32.18
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.18
German Translation
[1]  Morgenwind hast einen Duft Von den Moschuslocken? Komm' und bleibe fein bei mir, Mich ganz durchzudüften.
[2]  Das Geheimniß meiner Brust, Lieb' und Schönheitskunde, Kann ich, findest du's für gut, Deiner Hand vertrauen.
[3]  Deine angeborne Huld Zeiget sich hierinnen, Daß du leidest mit Geduld, Nebenbuhlerinnen.
[4]  Wie kann wohl die Nachtigall Dir, mein Herz, gefallen! Wenn du des Verstandes Ohr Schwätzerzungen leihest.
[5]  Deine Hefen haben ganz Meinen Kopf berauschet, Sag', von welchem Faße ist Deiner Kanne Neige?
[6]  Stattliche Cypresse, Denn aus Schaam mußt du den Kopf Vor ihr niederbeugen.
[7]  Dir, der Mondgesichter Herrn, Ziemt es, wie der Sonne, In der Schönheit Lustrevier Durch und durch zu ziehen.
[8]  Nur dein Aeußres zeigen uns Deines Lob's Verkäufer, Denn von Rosen nimmst du an Farb' und Wohlgerüche.
[9]  Such' der Liebe Kleinod nicht In dem Zellenwinkel, Willst du's suchen, trag' Hafis Deine Füße weiter.
137
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.38-10.38
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.38
German Translation
[1]  Mein Herz hat sie davon geführt, Und sich davon gemacht, O Gott! O Gott! mit wem wird denn Das harte Spiel gemacht?
[2]  Des Morgens wirkte Einsamkeit, Auf meine Seele ein, Allein des Liebchens Phantasie Hat mich ganz froh gemacht.
[3]  Warum soll ich nicht Tulpen gleich Von blut'gem Herzen seyn! Es hat ja die Narzisse mir, Den Kopf so schwer gemacht.
[4]  Wem kann ich es wohl anvertrau'n. Daß, statt die Schmerzensgluth Zu lindern, ärger mir der Arzt Die Schmerzen hat gemacht.
[5]  Er hat mich einer Kerze gleich, So jammervoll verbrennt, Daß laut die Flasche drüber weint, Die Laute Seufzer macht.
[6]  Gieb Ostwind her die Arzeney, Gieb her, jetzt ist die Zeit, Denn bis zur Seele hat der Schmerz, Sich einen Weg gemacht.
[7]  Wem kann ich von dem trauten Freund Erzählen Freudenkund', Er hatte so und so gesag't, Er hatte dies und das gemacht.
[8]  Die ärgsten Feinde hätten dir, Hafis nie angethan, Was Bogen, und was Augenpfeil Des Freundes dir gemacht.
365
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.57-28.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.57
German Translation
[1]  Wir haben hundertmal das Angesicht Vor dir in Staub geleget, Wir haben allen Trug und Gleisnerey Vor dir beiseit geleget. Den guten Namen von so manchem Jahr, Und selbst von unsern Ahnen, Wir haben ihn des Schenken Mondgesicht Zu Liebe weggeleget.
[2]  Der hohen Schule Säulengang und Saal Und allen Streit von Tugend, Wir haben Alles auf den Liebesstand Der Schönen hingeleget. Wir legten keine allzugroße Last Auf unser Herz, das schwach ist. Wir haben, was wir treiben, was wir thun, Nie auf ein Haar geleget.
[3]  Wir haben diesen zwey Narzissen längst Empfohlen unsre Seele, Wir haben auf die süßen Zaubereien Der Liebe Grund geleget.
[5]  Wir haben nicht mit unserm eignen Heer Des Feindes Reich erobert, Und unsrer Herrschaft Krone haben wir Nicht selber abgeleget.
[7]  Wir haben unser ungeliebtes Haupt Erfüllet von Begierde, Und liebberauschet wie Narzissen hin Auf's Knie zur Ruh geleget. Hafis! bemühe Dich um Freund' und Sang, Denn des Verstandes Summe Ist alle auf das schöne lange Haar Des Freundes angeleget.
[8]  Wir haben in der Hoffnung letzten Eck, Gleich Sehern nach dem Monde, Des Wunsches Sehrohr auf den Brückenbau Der Brauen angeleget.
[9]  Du sagtest: O Hafis! wo ist dein Herz, Das sich so sehr empöret? Wir haben's sorgsam in die Ringelein Von jenem Haar geleget.
442
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.14-32.14
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.14
German Translation
[1]  Zu entreißen wäre möglich, Wenn er nicht in trautem Umgang Mit des Morgens Sänger wäre.
[2]  Dann nur würde man erkennen Ganz den Werth des Staub's der Füße, Wenn derselbe für das ew'ge Leben hingegeben wäre.
[3]  Längstens hätte die Cypresse Ihren hohen Wuchs verkündigt; Wenn sie, wie der Lilie Zunge, Im Besitz von Sprachen wäre.
[4]  Wenn ich sie im Traume sehe, Kann ich sie doch nicht genießen, Da mir dieses nicht geworden, Wollt' ich, daß es jenes wäre.
[5]  Wenn mein Herz an ihre Locken Fest nicht angebunden wäre, Wüßt' ich nicht, wie ich beständig Hier auf dieser Staubbahn wäre.
[6]  Bei den Wangen! deren Schimmer Alle Himmel überstrahlet, Ach! daß doch mein Herz ein Stäubchen Dieser Weltensonne wäre!
[8]  Dem Hafis den Klageschleier
193
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.94-10.94
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.94
German Translation
[1]  Ueber meines Liebchens Aeugeln Staunen alle Unerfahrne, Ich bin so wie ich erscheine, Während sie es anders wissen.
[2]  Weise sind zwar sonst das Mittel, Von der ganzen Schöpfung Kreise; Doch die Liebe weiß, daß selbe In dem Kreise sich oft drehen.
[3]  Nicht mein Aug' allein betrachtet Die Liebkosungen der Wangen, Mond und Sonne machen immer Diesem Spiegel ihren Kreislauf.
[4]  Gott der Herr hat meine Tage An Süßlippichte gebunden, Ich bin ihr ergebner Sklave, Sie allein sind meine Herren.
[5]  Wir sind ganz zu Grund gerichtet, Wünschen dennoch Wein und Sänger, Ach! wenn die befleckte Kutte Nun der Wirth zum Pfand nicht nähme.
[6]  Zu dem Lichtgenuß der Sonne Kann ein Blinder nicht gelangen, Weil vor diesem Spiegel Seher Selbst verblendet niederfallen.
[7]  Was ist das, mit Liebe prahlen, Und zugleich auf Freunde schmählen, Solche Liebende verdienen, Mit der Flucht gestraft zu werden.
[8]  Jeder kann von deinen schwarzen Augen lernen einen Kunstgriff, Denn nicht Jeder kann im Rausche Die Enthaltsamkeit bewahren.
[9]  Wenn zum Sammelplatz der Geister, Deinen Hauch der Ostwind brauchet, Streuen sie Verstand und Seele, Als ob es nur Locken wären.
[10]  Freilich kann den Rausch Hafisens, Nicht der Eremit verstehen, Denn der Teufel flieht vor jenen Leuten, die den Koran beten.
[11]  Wenn von meinen Herzensplanen Schenkenjungen Nachricht hätten, Würden sie der Frommen Kutten Nimmermehr zum Pfande nehmen.
258
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:13.1-13.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:13.1
German Translation
[1]  Die Schwermuth die auf mein GesichtDein Gram ausgoß,Könnt ich erläutern mein Aßaf!Ein ganzes Jahr.
[2]  Viel tausend Dank, daß ich dich sahNach meinem Wunsche,Daß mit AufrichtigkeitDu mein Vertrauter bist.
[3]  Ins Unglück geh'n die Waller aufDem Weg des Heiles.Ein Reisender er denkt nicht anBerg auf, Berg ab.
[4]  Den Gram des Liebchens forsche nichtder Neider aus,Wer Groll im Busen führt, bewahrtGeheimniß schlecht.
[5]  Bedarf gleich deiner Schönheit ReizDer Liebe nicht,So kehr' doch ich nicht mehr zurückVom Liebesspiel.
[7]  Wie soll ich dir beschreiben wohlDes Innern Brand,Frag' meine Thränen, denn ich binKein Schwätzermund.
[8]  Aus Dank weil dich die GegenwartDes Freund's erhellt,Verbrenn' der Kerze gleich im WehUnd sey vergnügt.
[9]  Das Glück Mahmuds bedarf des HaarsAjasen's nichtLiebkosung ist der einz'ge ZweckVon ihrem ein Bund.
81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.67-4.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.67
German Translation
[1]  Morgens sprach der Vogel der Flur zur entknospeten Rose, Hör' auf, spröde zu thun, viel sind der Rosen wie du.
[2]  Lächelnd sprach die Rose hierauf, du redest die Wahrheit, Aber ein hartes Wort ziemet den Liebenden nicht.
[3]  Eh' du zum Rubin des goldnen Bechers gelangest, Werden von Wimpern gar viel Perlen der Thränen gebohrt.
[4]  Wer mit den Wangen nie den Staub der Schenke gekehrt hat, Athmet ewig nicht ein Freundschafts- und Liebesgeruch.
[5]  Gestern im Blumenbeet beim lieblich wehenden Ostwind War des Hyacinths Haar lieblich vom Winde verwirrt.
[6]  Thron Dschemschid's; so sprach ich zum Garten, wo ist das Weltglas? Leider! sprach er zu mir: dieses Geschenk ist vorbei.
[7]  Was den Zungen entströmt, das ist nicht Rede der Liebe, Schenke, bring' uns Wein, kürze das leere Geschwätz.
[8]  Sieh! Hafisens Vernunft geht unter in Fluten der Thränen, Was ist zu thun? Der Gram Liebender birget sich nicht.
190
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.91-10.91
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.91
German Translation
[1]  Wenn sich dein Moschuskiel einmal an uns erinnert, Ist's gleich, als lös'test du zweyhundert Sklaven aus.
[2]  Der Bothe Selma's, (Heil sey über ihr beschieden) Was ist's, wenn er mit Gruß mein armes Herz erfreut,
[3]  Versuch' es, einen Schatz wird man zum Lohn dir geben, Wenn du ein wüstes Feld dem meinen gleich bebaust;
[4]  O Herr! wirf in das Herz Chosrus Schirinens Milde, Er schonet dann mit Huld Ferchadens armes Haupt.
[5]  Weit beßer ist's, der Fürst thut Recht in einer Stunde, Als wenn er hundert Jahr' nur in Betrachtung lebt.
[6]  Durch Schmeichelei'n hast du des Herzens Bau zerstört, Wenn's weise ist, was soll nun es von neuem bauen!
[7]  Dein reines Leben ist des Lobes nicht bedürftig, Schminkt wohl die Kräuslerin, die schlichte Schönheit der Natur?
[8]  Hafis fand seinen Wunsch nicht in Schirasens Mauern, Beglückt der Tag, an dem er einst nach Bagdad reis't.
209
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.110-10.110
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.110
German Translation
[1]  Mein Loos war's nicht, Von deinem Degen ermordet zu werden; Doch lag die Schuld Nicht an dem Zauber der Wimpern der Augen.
[2]  Ich Närrischer! Von Lockenbanden befreyt' ich mich selber; Nun ist's wohl recht, Daß ich in Ketten gefesselt erscheine.
[3]  Geliebter sag, Von was für einem Gestein ist dein Spiegel, Daß auch mein Ach! Auf ihn die Wirkung des Eindrucks verfehlet?
[4]  Ich hob erstaunt An Schenkenthüren den Kopf in die Höhe, Indem ich dort Nicht einen, der dich gekennet, gefunden.
[5]  Es sproßet nicht Auf Fluren eine Cypreße dir ähnlich. Auf dieser Welt Giebt es kein schöneres Gebild, als du bist.
[6]  Damit ich wie Der Ost zum Wuchse des Haares gelangte, Verbrachte ich Die Nacht von gestern mit Weinen und Klagen.
[7]  O Trennungsgluth, So viel hab' ich von dir schon vernommen, Daß Kerzen gleich Mir nichts, als selbst zu vergehen, erübrigt.
[8]  Es ist Hafis Von dir entfernet ein Beispiel der Strafe, Die zu verstehn, Wahrhaftig weitre Erklärung nicht noth ist.
189
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.90-10.90
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.90
German Translation
[1]  Wenn der Vogel des Glücks bei mir nun wieder vorbei fliegt, Kommt mein Freund zurück, bleibt mir getreu im Genuß.
[2]  Zwar vermag mein Auge nicht mehr die Perlen zu schenken, Deshalb trinket es Blut, spendet in Thränen es aus.
[3]  Wird der Freundinn Rubin, so rief ich gestern, mich heilen? Ein verborgener Ruf scholl mir: er heilt dich gewiß.
[4]  Niemand vermag ihr Kunde zu bringen von meiner Geschichte, Als der Ostwind, wenn er lispelnd vorbeigeht beim Ohr.
[5]  Liefert den Falken des Aug's in die Obhut des traulichen Rebhuhns, Daß er belehret von ihm, lerne die Listen der Jagd.
[6]  Unsere Stadt ist nun entblößt und leer von Verliebten, Hie und da ist vielleicht Mancher verliebt in sich selbst.
[7]  Wo ist der Gnädige, der von seinem jubelnden Feste Einen Hefen mir giebt, welcher den Weindunst vertreibt?
[8]  Treue, Liebesgenuß, des Nebenbuhlers Verderben, Wirf nur einen, o Loos, dieser drey Würfe für mich.
[9]  Ist dir, Hafis, durchs Thor der Eingang verwehret, Harr', aus einer Eck' kommt sie vielleicht noch zu dir.
299
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:25.1-25.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:25.1
German Translation
[1]  Auf gar wunderlichen Wegen,Führet den Verstand der Wein,Dies Gewölb' bleibt unzerstöretBis zum jüngsten Tag.
[2]  Trinkst du Wein, so schütt' die HefenAuf die Erde aus,Fürchte nicht die Sünde, welcheAndern Nutzen bringt.
[3]  Ohne Scheu genieße alles,Alles was du hast.Denn das Mörderschwert des Schicksals,Haut dich ohne Scheu.
[4]  Ich beschwöre dich o LiebchenBei der Füße Staub,Komm' an meinem Todestage,Komm' zu meinem Grab.
[5]  Ey! was Himmel oder Hölle!Engel oder Mensch,Die Enthaltsamkeit ist immerEine Ketzerey.
[7]  Unsere Erde hat des HimmelsBauherr eingeschränkt,So daß weiter aus derselbenKeine Straße führt.
340
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.32-28.32
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.32
German Translation
[1]  Ich gähre zwar von Herzensgluth, Wie eine Tonne Wein, Daß ich versiegele den Mund, Trink' Wein und schweige still.
[2]  Der Seele Vorsatz ist der Wunsch Nach meiner Freundin Mund, O sieh, wie meine Seele sich Zu diesem Zweck bemühet.
[3]  Wie soll ich mich befreyen denn Von Herzensleid und Gram, Wenn mich mit jedem Augenblick Das Haar in Fesseln legt.
[4]  Bewahre Gott! daß ich vertrau' Auf eigenes Verdienst, Ich weiß nur, daß ich leere aus Von Zeit zu Zeit ein Glas.
[5]  Ich hoffe, daß zum Trotz des Feinds Am Tage des Gerichts Der Herr aus Huld die Sündenlast Nicht auf mich legen wird.
[6]  Mein Vater hat das Paradies Zwey Körner werth geschätzt, Man schelte nicht daher, wenn ich Um eines es verspiel.
[7]  Ich trage nicht mein Ordenskleid Aus bloßem frommen Sinn, Ich trage es vielmehr darum, Weil Fehler es verbirgt.
[8]  Ich, der vom reinsten Rebensaft Nur trinkt, was soll ich thun? Was thun? wenn ich dem Wirthe nicht Zu folgen Willens bin.
[9]  Wenn unser Sänger solch ein Lied Zu seiner Weise wählt, Wenn er Hafisens Lieder singt, So komm ich ausser mir.
312
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.4-28.4
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.4
German Translation
[1]  Komm' o Schenke jetzt sind die Tage der Rosenzeit,Jetzt sind die Tage der Freude.Bring' den Becher heraus, weiters bekümmreDich ums minder und mehr nicht.
[2]  Frohe Kunde, das Heil ist nun gegönnt mit RechtDen Bewohnern von SalemWer die mächtige Huld dankbar erkennt und schätztLobt und preiset den Herren.
[3]  Wo? o wo ist der Both', welcher hievon heut unsFreudenkunde gegeben?Daß statt Silber und Gold hin auf die Erde ichStreuen möge die Seele.
[4]  Welche schönre Gestalt nehmen die Dinge nunDa der Kaiser zurückkehrt.Was der Feind durch Betrug Arges geschmiedet hat,Ist zu Wasser geworden.
[5]  Wer Verträge zerstört wird vom gerechten Loos,Scharf gezüchtiget werden.Von Vernünftigen ward Bund und Vertrag von jeHoch und heilig gehalten.
[6]  Freilich hatte der Feind auf der ErbarmungenWolken Hoffnung gegründet,Aber ausser der Fluth, welche den Augen entströmt,Hat er keine gesehen.
188
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.89-10.89
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.89
German Translation
[1]  Dieser Aufsprudelnde, der das Geheimniß verachtet, Schmähet auf mich, weil ich berauscht und verliebt bin.
[2]  Schau' auf des Liebenden Tugend, und nicht auf seine Gebrechen, Denn wer selber nicht tugendhaft ist, der schauet auf Fehler.
[3]  Wenn der Schenke vom Staube der Thür ein Ambragemisch macht, Kommt ein Geruch vom Duft der Huris als Würze zu mir her.
[4]  Unseres Schenken Gekos ergriff die Straße des Heiles, Gleichsam als wenn sich der Wein allein enthielte vom Rausche.
[5]  Leute von Herz bekommen den Schlüßel zum Schatze des Herzens, Keiner zweifle forthin an dieser verfeinerten Wahrheit.
[6]  Hirt im Thale der Ruh', dein Wunsch wird dann erst erfüllet, Wenn du mehrere Jahre dem Jethro des Herzens gedient hast.
[7]  Blut entträufelt dem Aug' Hafisens, als wär' er bezaubert, Wenn er als Greis sich auf die Tage der Jugend erinnert.
479
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.51-32.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.51
German Translation
[1]  Morgen ists; Thau entträufelt den Frühlingswolken, Grüße den Morgen, gieb mir ein Glas zu trinken.
[2]  Ueber das Ich und Wir bin verwirrten Sinns ich. Reiche mir Wein, das Ich und das Wir zu meiden.
[3]  Trinke des Bechers Blut, denn gerecht ist selbes. Erinnre dich nur der Freunde, dies heißet handeln. Sollte der Morgenrausch dir vielleicht in Kopf geh'n. Schaffe sogleich Geschämigkeit aus dem Kopfe.
[4]  Schenke sey nah', es lauert der Gram im Rücken, Horche dem Sänger, wo du auch wandeln mögest.
[5]  Reiche mir Wein, es sprach mir in's Ohr die Laute: Freu dich des Lebens, glaube dem Wort der Alten.
[6]  Nichts zu begehren ist, o Hafis, das Beste, Dies war der Wunsch, ertönet es dankbar dem Sänger.
404
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.23-29.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.23
German Translation
[1]  Wirf einen Blick auf Trunkne, Doch einen bessern, als diesen! Mach' eine Schritt zur Schenke, Doch einen bessern, als diesen.
[2]  Die Huld, die deinen Lippen Entsieht, ist ungemein lieblich, Doch wünsch' zu meinem Glück ich Noch eine beßre, als diese.
[3]  Sag' Jenem, der's versuchet, Durch Scharfsinn alles zu lösen, Wir fodern einen Scharfblick, Weit einen bessern, als diesen.
[4]  Es sagte mir mein Rathsherr: Was weiß er außer der Liebe? Ich sprach, giebt es von Tugend Wohl eine beßre, als diese.
[5]  Was kann ich bessers thun, Als ihm mein Herz zu verschenken, Es zeugt die Welt an Knaben Doch keinen bessern, als diesen.
[6]  Ich sag' dir, nimm den Becher, Und küß' die Lippen der Schenken. Hast du von Rath gehöret, Je einen bessern, als diesen?
[7]  Es ist Hafisens Feder Ein Rohr voll Zucker, o brich es, Hast du geseh'n von Früchten Je eine süßer, als diese?
92
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.78-4.78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.78
German Translation
[1]  Mein Fürst, schön gehest du einher, Zu deinen Füßen will ich sterben, Mein Türke, schön bewegst du dich, Vor deinem Wuchse will ich sterben.
[2]  Du sprichst: wann stirbst du denn vor mir? Was willst du denn mit solcher Eile? Sobald beschlossen ist mein Tod, Werd' nach Beschluß vor dir ich sterben.
[3]  Betrunken bin ich und verliebt, Wo ist der Abgott, wo der Schenke? O sag' ihm doch: Er schwanke her, Denn ihm zu Liebe will ich sterben.
[4]  Ihm, der seit langen Jahren her, Durch Flucht und Trennung mich gekränket. Ihm sage: schenk' mir einen Blick, Vor deinem Auge will ich sterben.
[5]  Es sagte deines Munds Rubin: Bald geb' ich Schmerz, bald wieder Heilung. Ich sprach: ich sterb' von deinem Schmerz Von deiner Heilung werd' ich sterben.
[6]  Dich wiegend gehst du schön einher, Entfernet sey das böse Auge, Ich nähr' im Kopf die Fantasie, Zu deinen Füßen einst zu sterben.
[7]  Wenn auch kein Ort Hafisen bleibt, Zu deinem himmlischen Genuße, Ein jeder Ort von dir ist schön, An jedem Orte will ich sterben.
236
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.137-10.137
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.137
German Translation
[1]  Wenn dieser Paradiesesvogel Zu meiner Thür zurückkommt, So weiß ich, daß vergangenes Leben Im Alter noch zurückkommt.
[2]  Ich hoffe von der Fluth der Thränen, Die aus den Augen regnet, Daß meines Glückes Wetterleuchten Ein andermal zurückkommt.
[3]  Denjenigen, der meine Scheitel Wie Staub zertritt mit Füßen, Will ich zum Kaiser machen, Wenn er zu mir zurückkommt.
[4]  Ich möchte hinter ihr her gehen, Indem auf diese Weise, Zu meinen Freunden doch die Kunde, Wenn nicht der Mann zurückkommt.
[5]  Göß' ich nicht aus der Seele Perlen, Zu meines Freundes Füßen, So wüßt' ich nicht, was für ein Nutzen Davon mir wohl zurückkommt.
[6]  Ich will den Lärm der Freude schlagen, Vom Dache meines Glückes, Sobald ich sehe, daß die Freundinn, Die fortgereis't, zurückkommt.
[7]  Der Morgenschlaf, der Ton der Laute, Dies hindert meine Freundinn, Die, wenn sie meine Seufzer höret, Gewiß zu mir zurückkommt.
[8]  Es sehnt Hafis sich gleich dem Monde Nach seines Schahes Wangen, Bemühet euch, daß er mit Wohlfahrt Zu meiner Thür zurückkommt.
118
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.19-10.19
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.19
German Translation
[1]  Wer in der Hand den Becher hat, Ist's, der das Reich Dschemschidens hat.
[2]  Der Quell der Chisern Leben schenkt, Such' in der Schenk', das Glas ihn hat.
[3]  Der Seele Leitseil gieb dem Glas, Weil dieses Kraft zu leiten hat.
[4]  Mir Wein, dem Mönch Enthaltsamkeit! Wozu der Freund Verlangen hat?
[5]  O Schenke, außer deinem Mund Kein Mensch den Wunsch befriedigt hat.
[6]  Die Schmeicheleien die Narziß' Vom trunknen Aug' gelernet hat.
[7]  Das Haar, die Wang' sind ein Gebet, Das stets mein Herz im Munde hat.
[8]  Für wunde Busen dein Rubin Das Salz darauf zu streuen hat.
[9]  Zweihunder Sklaven, wie Hafis, Der Brunn des Kinns gefangen hat.