189
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.90-10.90
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.90
German Translation
[1]  Wenn der Vogel des Glücks bei mir nun wieder vorbei fliegt, Kommt mein Freund zurück, bleibt mir getreu im Genuß.
[2]  Zwar vermag mein Auge nicht mehr die Perlen zu schenken, Deshalb trinket es Blut, spendet in Thränen es aus.
[3]  Wird der Freundinn Rubin, so rief ich gestern, mich heilen? Ein verborgener Ruf scholl mir: er heilt dich gewiß.
[4]  Niemand vermag ihr Kunde zu bringen von meiner Geschichte, Als der Ostwind, wenn er lispelnd vorbeigeht beim Ohr.
[5]  Liefert den Falken des Aug's in die Obhut des traulichen Rebhuhns, Daß er belehret von ihm, lerne die Listen der Jagd.
[6]  Unsere Stadt ist nun entblößt und leer von Verliebten, Hie und da ist vielleicht Mancher verliebt in sich selbst.
[7]  Wo ist der Gnädige, der von seinem jubelnden Feste Einen Hefen mir giebt, welcher den Weindunst vertreibt?
[8]  Treue, Liebesgenuß, des Nebenbuhlers Verderben, Wirf nur einen, o Loos, dieser drey Würfe für mich.
[9]  Ist dir, Hafis, durchs Thor der Eingang verwehret, Harr', aus einer Eck' kommt sie vielleicht noch zu dir.
356
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.48-28.48
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.48
German Translation
[1]  Wenn es von mir abhängt beim Herzensfreund zu sitzen, Trink' ich vom Glas des Glücks, pflück' Rosen des Genußes.
[2]  Es reißt der bittre Wein den Bau der Ruhe um, Leg' Schenke deinen Mund auf meinen, raub' die Seele.
[3]  Ich werde rasend noch, indem bei Nacht und Tage Ich mit dem Monde sprech', im Traum Perien sehe.
[4]  Dein Aug' und Mund giebt Wein und Zucker Trunknen, Nur ich bin ganz beraubt von einem und von Anderen. Ich geh' vom Krankenbett geradewegs in Himmel, Wenn in dem letzten Zug du mir die Kerze haltest.
[5]  Der windentführte Staub ist schwer von deiner Anmuth, Gedenke auch an mich, ich bin ein alter Diener.
[6]  Nicht jeder Dichter singt begeisterte Gesänge, Mein schlauer Falke fängt des Liedes Rebhuhn sicher.
[7]  Glaubst du mir nicht, so geh' und frage Sina's Bilder, Ob Mani nicht den Strich von meinem Kiel sich wünsche. Es singt die Nachtigall: Auf Schenke! Guten Morgen. Noch braußt in meinem Kopf der Lautenton von gestern.
[8]  Nicht jedermann ist wahr, nicht Jedermann ist sicher, Ich bin der Sklav Dschelaleddin's des Großwesires.
[9]  Frag' nicht Hafisen, sondern mich um Rausch und Liebe; Denn Flasch und Gläser sind mir Mond, sind mir Plejaden.
464
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.36-32.36
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.36
German Translation
[1]  Deine Schönheit, meine Liebe, Beide sind vollkommen; Sey getröstet, meine Seele, Diese Schönheit stirbt nicht.
[2]  Ich begreife keinesweges, Daß noch größre Schönheit, Der Verstand in meinem Bilde, Mir entwerfen könnte.
[3]  Dann erst würde ich erlernen Den Genuß des Lebens, Wann nach meinem Wunsch mir einstens Dein Genuß zu Theil wird.
[4]  Bleibe ich bei dir, so scheinen Mir die Jahre Tage. Bin ich fern von dir, so scheinen Mir Minuten Jahre.
[5]  O Geliebte, sag', wie kann ich Seh'n dein Bild im Schlafe, Da ich von dem Schlafe selber Nur das Traumbild sehe.
[6]  Habe doch mit mir Erbarmen, Denn ob deinen Wangen Ist mein Leib so dumm geworden, Wie der Mond im Neuschein.
[7]  Wünsch'st du den Genuß des Freunds, O Hafis! so klag' nicht, Denn du hast noch mehr zu leiden, Als nur diese Trennung.
37
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.23-4.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.23
German Translation
[1]  Komm! es ruht der Pallast der Hoffnung auf lustigen Pfeilern, Komm und bringe mir Wein, unsere Tage sind Wind.
[2]  Gerne weih' ich als Sklav mich jenem muthigen Geiste, Der auf der weiten Welt aller Verbindung entsagt.
[3]  Soll ich dir sagen, wie gestern der Lichtboth himmlischer Freuden In die Schenke zu mir heimliche Kunde gebracht.
[4]  O hochfliegender Falk! du wohnst auf dem Baume des Lebens, Dieser Winkel des Grams ziemet dir übel zum Nest.
[5]  Horch! sie rufen auf dich herab von den Zinnen des Himmels, Wahrlich ich weiß nicht, was hier in dem Netze dich hält.
[6]  Ich ertheile dir Rath, merk' ihn, und handle nach solchem, Denn ich habe das Wort selber vom Meister gelernt.
[7]  Kümmere dich nicht um die Welt, und meine Lehren vergiß nicht; Diesen verliebten Scherz ließ mir ein Wandrer zurück.
[8]  Gieb dich in das, was geschehn, enthülle die Stirne von Locken, Weder mir noch dir hat man gegeben die Wahl.
[9]  Such' nicht Glauben und Treu' bei der Welt der leichtfertigen Dirne, Tausend Werber ja hat diese verrufene Braut.
[10]  Weder Dauer noch Treu' bezeichnet das Lächeln der Rose Liebende Nachtigall klag'! Stoffes zu Klagen genug!
[11]  Was beneidest du Hafisens strömende Verse? Wiß' es hat ihm ein Gott Anmuth der Rede verliehn.
409
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.5-30.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.5
German Translation
[1]  Das Blutgeld für den Moschus aus Sina Ist deiner Füße Staub. Die Sonne selbst sie wurde genähret Im Schatten deines Orts.
[2]  O sieh! wie die Narzissen es treiben Mit ihren Schmeichelei'n; O zeig dich, und sie opfern die Seele Dem Nicken deines Augs.
[3]  O trinke kühn mein Blut, denn es waget Zu deiner Schönheit sich Kein Engel in die Nähe, daß selber Aufmerke deine Schuld.
[4]  Du bist die Ursach', daß hier auf Erden Die Menschen ruhig sind. Deßwegen ist mein Herz, und mein Auge Zum Wohnort dir geweiht.
[5]  Ich habe jede Nacht mit den Sternen Mein eigenes Geschäft, Aus Sehnsucht nach dem strahlenden Glanze Von deinem Mondgesicht.
[6]  Die Freunde, die vereiniget waren, Sind alle nun getrennt, Ich aber blieb als Schwelle der Zuflucht Vor deinem Glück zurück.
[7]  Hafis! verzweifle nicht an der Gnade Von deinem Gott und Herrn, Es wird des Grames Scheune verbrennen Bei deinem Seufzerrauch.
240
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.141-10.141
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.141
German Translation
[1]  Der May ist gekommen, der Frühlingswind weht, Ich wünsche mir Wein und den Sänger dazu.
[2]  Die Schönen liebkosen, der Beutel ist leer, O Himmel, wie lange noch bleib' ich beschämt.
[3]  Verkauf' nicht die Ehre in theuerer Zeit, Ums Ordenskleid kaufe dir Rosen und Wein.
[4]  Es werden die Wünsche vielleicht noch gewährt, Ich betete gestern, der Morgen entglomm;
[5]  Die Rosen erscheinen mit lächelndem Mund, Vielleicht durch den Duft des Gerechten gelockt,
[6]  Was ist's, wenn der Saum dir im Busche zerriß, Zerreiße dir selber des Rufes Gewand.
[7]  Wer lobte, wie ich, die Rubinen des Munds, Wer ward von den Locken mißhandelt wie ich?
[8]  Erkundigt sich nicht nach Verliebten der Fürst, So thue der Fromme auf Ruhe Verzicht.
[9]  Wer schoß in den Busen Hafisens den Pfeil, Von seinen Gesängen entträufelt das Blut,
44
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.30-4.30
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.30
German Translation
[1]  Jetzt da die Rose das Glas Des reinsten Weins hält, Nachtigallengesang Entschallt den Büschen.
[2]  Nimm die Gedichte zur Hand, Und geh' auf Felder, Denn jetzt ist nicht die Zeit Der Schularbeiten.
[3]  Gestern betrank sich der Probst, Und gab das Fetwa: Besser sey noch der Wein Als Stiftungsgelder.
[4]  Lauterer, hefichter Wein Ist alles Eines, Was der Schenke mir giebt, Ist bloße Gnade.
[5]  Flieh die Bewohner der Welt, Dem Anka folge, Denn vom Kafe zum Kaf Erschallt der Klausner Namen.
[6]  Wer da vergleicht ein Gedicht Von andern, meinem! Der vergleicht das Gold Mit Binsenflechten.
[7]  Schweige Hafis und bewahr' Wie Gold das Wörtlein: Nimm dich fleißig in Acht, Denn es giebt Wuchrer.
69
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.55-4.55
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.55
German Translation
[1]  Keiner ist, der nicht in diese doppelte Locke gefallen, Wo ist ein Weg, den nicht Netze des Unglücks umziehn?
[2]  Da dein Auge sogar frömmsten Klausnern das Herz raubt, Ists dir nachzuzieh'n keine Beschimpfung für mich?
[3]  Dein Gesicht ist vielleicht ein Spiegel des göttlichen Lichtes, Wahrlich! wahrlich! so ist's, keine Verstellung ist dieß. Dein Gesicht zu bereun, hat mir der Klausner befohlen, Schämt er sich nicht vor Gott, schämt er sich auch nicht vor dir! Unseren bitteren Schmerz bewein' o Kerze des Moschus, Denn die heimliche Gluth zehret an mir wie an dir! Zeuge sey mir Gott, und Gott genügt mir als Zeuge, Diese Thränen sind köstliches Martyrerblut.
[4]  Sieh die Narzisse verlangt nach deinem liebkosenden Auge, Welch ein Aug'! Es hat weder Erfahrung noch Glanz.
[5]  Ich beschwör' dich bey Gott, du sollst nicht kräuseln die Locken, Denn ich schlag' mit dem Ost jegliche Nacht mich herum.
[6]  Komm zurück, denn ohne das Herzen erleuchtende Antlitz Ist die Freude verbannt, aus dem geselligen Kreis.
[7]  Sieh! für Fremde zu sorgen war sonst die löblichste Sitte, Ist vielleicht das Gesetz fremde in Euerer Stadt?
[8]  Gestern gieng sie weg, ich sprach, vollzieh' das Versprechen, Ach! du irrest, sprach Sie; Zeiten der Treu' sind vorbei.
[9]  Da der alte Wirth zu unserem Jünger geworden, Kommt auf jegliches Haupt Gottes Geheimniß herab. Männer von Einsicht wissen es wohl, es zieme dem Blöden Nicht zu der Sonne zu schreyn: ich bin die Quelle des Lichts.
[10]  Treffen muß den Verliebten der Pfeil des Schimpfes und Tadels, Wider des Schicksals Pfeil decket die Helden kein Schild.
[11]  In des Klausners Gemach, und in der Zelle des Sofi's Giebt es keinen Altar als die Winkel der Brau'n.
[12]  Wenn du die Hand eintauchst in Hafisens geronnenes Herzblut, Fürchte du dich vor Gott, daß er nicht räch' den Koran.
232
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.133-10.133
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.133
German Translation
[1]  Ich sinn darauf, daß mir etwas gelinge, Woraus dann meinem Gram sein Ende komme;
[2]  Das Herz ist nicht für Gegner, denn es scheint, Daß wenn ein Teufel geht, ein Engel komme.
[3]  Die Dränger halten Rath in Finsternissen, Du bitt', daß Licht der Sonne, daß es komme.
[4]  Du kannst am Thor der harten Menschen sitzen, Und warten, daß zuletzt der Hausherr komme.
[5]  Du bettle zu kannst einen Schatz noch finden, Vielleicht daß dir ein Blick vom Weg herkomme.
[6]  Der Treue und der Lügner bieten Waaren, Ich möchte wissen, wem der Kauf zukomme.
[7]  O Nachtigall, du liebst, begehre Leben, Wohl möglich, daß ein grünes Zweiglein komme,
[8]  Hafis ist faul, es ist natürlich, Daß man aus Schenken trunken komme.
492
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.64-32.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.64
German Translation
[1]  Ich sende einen Gruß, der nach Bekanntschaft duftet, Ich sende ihn an deinen lichten Augenapfel,
[2]  Ich sende einen Gruß wie Herzenslicht der Frommen, Ich send' ihn an das Licht der lautesten Versammlung.
[3]  Ich sehe keinen Freund an seinem wahren Platze, Mein Herz ist blutig ob dem Gram, wo bist du, Schenke?
[4]  O wende dein Gesicht nicht ab vom Gau der Schenken, Es werden dort verkauft die Schlüssel für das Schwere.
[5]  Der Lauf der Welt ist schwer, das muß ich zwar gestehen, Doch treibet sie's zu arg mit ihrer Treue Schwanken.
[6]  Mein Herz hat hohen Muth, es ist sehr schwer verwundet, Es bettelt dennoch nicht um Balsam bei den Harten.
[7]  Wo wird der Wein verkauft, der Fromme niederschmettert? Ich bin in Angst und Qual in dieses Heuchlers Händen.
[8]  Die Freunde haben so den Freundschaftsbund gebrochen, Daß man wohl zweifeln kann, ob sie auch Freunde waren.
[9]  O harte Seele! wenn du mir die Freiheit ließest, Durch betteln würde ich zum Kaiserthum gelangen.
[10]  Den Stein der Weisen selbst, das Glück will ich dich lehren, Das Ganze liegt darin zu flieh'n der Bösen Umgang.
389
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.8-29.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.8
German Translation
[1]  Deinem Geruche zu lieb, weil die Rose den Schleier zerreißet, Zerreiß' auch ich mein ganzes Kleid.
[2]  Auf den Fluren ersah dich die Rose, und ohne Besinnen Zerriß wie trunken sie ihr Kleid.
[3]  Schwer befrey' ich mein Herz aus der Hand der Schmerzen und Leiden, Und du befreiest so leicht dein Herz!
[4]  Ich verließ den Freund, von meinem Feinde beredet, O niemand sey den Freunden Feind.
[5]  Deinen Körper umhüllt das Gewand, wie den Nektar der Becher, Das Herz die Brust, das Gold der Stein.
[6]  Träufle, Kerze, herab! o träufle Thränen in Fluthen! Dein Herzensbrand sey allen kund!
[7]  Thue mir Nichts, sonst steigt von meinen verbrennenden Seufzern Der Rauch empor wie vom Kamin.
[8]  Brich nicht das arme Herz, und wirf es mir nicht vor die Füße, Es ist geknüpfet an dein Haar.
[9]  Da Hafis sein Herz an deine Locken geknüpft hat, So wirf es mir nicht vor den Fuß.
478
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.50-32.50
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.50
German Translation
[1]  Trinke einen Becher Weins Von zwölf Maaßen. Um aus Herzen so den Gram Zu entwurzeln.
[2]  Immer offen halt' das Herz Wie das Weinglas! Nicht verschlossen wie ein Faß Neu verspundet.
[3]  Trink' von Selbstvergessenheit Einen Rotel. Und du wirst die Selbstsucht gleich Niederschlagen.
[4]  Sey beständig wie der Stein, Nicht wie's Wasser. Das von Farben mannigfalt Kleider küsset.
[5]  Binde nur dein Herz an Wein Daß du männlich Brechen mögst den steifen Hals Aller Tugend.
114
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.15-10.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.15
German Translation
[1]  Der Vogel des Glücks ist in unser Netz gefallen, Sobald es bei uns dir vorbeizugeh'n gefallen.
[2]  Ich schleudre aus Freuden zum Himmel auf die Kappe, Sobald mein Glas des Gesichtes Glanz gefallen.
[3]  Geht einstens der Mond des Verlangens auf am Himmel, So wird auf die Hütte ein Strahl des Lichtes fallen.
[5]  Geopfert ist deinem Gesichte meine Seele, Vielleicht wird ein Tropfen der Lippen auf mich fallen.
[6]  Verzweifelnd verlaße die Thür nicht. Loose einmal! Vielleicht wird auf uns noch das Loos des Glückes fallen.
[7]  Wer immer Hafis! den Bezirk der Freundinn lobet, Dem wird von den Rosen des Geists ein Duft auffallen.
164
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.65-10.65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.65
German Translation
[1]  Der Morgenwind will nun Den Hauch des Moschusdufts verstreu'n, Die alte Erde will Ein andermal verjünget seyn.
[2]  Die Tulpe will ihr Glas Aus Onyx geben dem Jasmin, Und der Narziße Aug' Mit Anemonen sich erfreu'n.
[3]  Der harte Trennungsschmerz Der auf die Nachtigallen fällt, Wird in den Rosenhain In kurzem vorgedrungen seyn.
[4]  Wenn ich aus der Moschee Zur Schenke gehe, hadre nicht, Die Predigt ist so lang. Die Zeit wird bald vorüber seyn.
[5]  Mein Herz, wenn du die Lust Von heut auf Morgen stets verschiebst, Für das geborgte Gut, Wer wird Gewährsmann seyn?
[6]  Gieb in dem Mond Schaban Den Becher nimmer aus der Hand, Denn so was wird im Mond Des strengen Ramasans nicht seyn.
[7]  Sprich mit der Ros', ergreif', Ergreife die Gelegenheit, Hier kam sie auf, die Flur, Bald wird sie weggegangen seyn.
[8]  O Sänger, nun beginn dein Lied, Versammelt ist der Freunde Kreis, Das Lied: so war es einst, Und so wird es auch ferner seyn.
[9]  Hafis kam deinethalb In dieses Daseyns Land allein, Geh' doch des Abschieds halb Zu ihm, bald wird er ferne seyn.
418
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.3-31.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.3
German Translation
[1]  Und regnet es Schwerter im Gau des Monds, So halte ich immer den Nacken hin.
[2]  Wir wissen nicht minder, was Sitte ist, Doch was ist mit bösem Gestirn zu thun!
[3]  Die Alten und Pred'ger versteh'n wir nicht, Den Becher und kurze Geschichten wohl.
[4]  Verliebt und betrunken nun Reue thun, Der Himmel bewahre, bewahre mich!
[5]  Von deinem Gesichte her schien kein Glanz, Ach Spiegelgesicht du bist zart und hell!
[6]  Das Dulden ist bitter, das Leben kurz, O fänd ich ein Mittel, zu ihr zu geh'n!
[7]  Was weinst du, Hafis, wenn du Liebe suchst? Muß es dir gefallen zu trinken Blut.
382
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.1-29.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.1
German Translation
[1]  Bet', wenn du zum Kranken kommst, ein kleines Gebetlein, Oeffne deinen Rubin, daß er beseele den Leib.
[2]  Wer da kommt zum Besuch, ein Fatiha betet und gehet, Sag' ihm: Habe Geduld; siehe dann folget der Geist.
[3]  Du der Herzen Arzt, beschäme das Aeußre des Herzens, Meine Zunge beschwert Seufzer und Rauch von der Brust.
[4]  Fieberhitze verbrennt das Gebein, doch geht sie von hinnen, Liebesfieber verbrennt, aber es gehet nicht fort.
[5]  Wie das verbrannte Maal ist das Herz im Feuer zu Hause, Deinem Auge gleich schmachtet deßhalben der Leib.
[6]  Lösche nun wieder aus die Gluth mit den Thränen der Augen, Greife mir den Puls, zeiget er Leben noch an?
[7]  Jener, der mir zum Trunk die Flasche der Liebe gegeben, Sage, warum trägt er immer die Flasche zum Arzt.
[8]  Dein Gesang, o Hafis, hat mich mit dem Leben getränket, Laß den Arzt, und komm, singe vielmehr mir ein Lied.
13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:2.1-2.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:2.1
German Translation
[1]  Schon lächelt der Morgen,Und Wolken ziehn herDen Wein! den Wein! Ihr Freunde!
[2]  Auf Wangen der TulpenEntglänzet der Thau,Den Trunk! den Trunk! Ihr Freunde!
[3]  Es wehet von FlurenEdenischer Hauch;Verbergt den reinen Wein nicht.
[4]  Schon sitzet die RoseAuf smaragdenem Thron,Bring feurige Rubinen.
[5]  Versperrt ist die Schenke,Ein anderesmalO thut Euch auf ihr Pforten!
[6]  Es bleibt den RubinenDes Mundes ihr RechtAuf die verbrannten Busen.
[7]  In Tagen des FrühlingsIst's wunderlich dochSo bald das Thor zu schließen!
[8]  Hafis du vor AllemBekümmere dich nichtDas Loos wird sich entschleiern.
78
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.64-4.64
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.64
German Translation
[1]  Hast du geseh'n, wie hart die Freundinn mich gehalten, Bundsbrüchig hat sie nichts auf meinen Gram gehalten.
[2]  Herr! zürne nicht auf Sie, wiewohl Sie harten Herzens, Mein armes Taubenherz der Jagd nicht werth gehalten.
[3]  Das Leiden ist mir durch mein Loos zu Theil geworden Nicht weil Sie Ihre Huld mir Armen vorenthalten.
[4]  Doch einen Mann, der nicht von ihr hat Schmach gelitten, Hat nirgends noch die Welt in hoher Ehr gehalten.
[5]  O Schenke, bring das Glas, und sage nur dem Vogte: Er läugne, daß Dschemschid nie solch ein Glas gehalten,
[6]  Der Wandrer, der nicht bis in das Harem gelangte, Ist wie ein Pilger auf der Wallfahrt aufgehalten.
[7]  Hafis! schlag kühn den Ball des Wortes hin dem Gegner, Er weiß von Tugend nichts, hat nie darauf gehalten.
85
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.71-4.71
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.71
German Translation
[1]  Keinen Sorbet von ihren Lippen genoß ich, Und Sie ist fortgegangen! Niemals erblickt' ich die Wangen dem Vollmond gleich, Und Sie ist fortgegangen!
[2]  Ist Sie vielleicht durch unsre Reden erzürnet, Weil Sie den Fuß gehoben? Ha! ich vermocht' zu ihrem Staub' nicht zu kommen, Und Sie ist fortgegangen!
[3]  Hab' ich nicht oft genug die frommen Gebetlein Singend herabgelesen, Fatiha bald, bald andre Suren gebetet, Und Sie ist fortgegangen!
[4]  Schmeichelnd versprach Sie, aus der inneren Kammer Wolle Sie nie entfliehen, Siehe zuletzt, wir glaubten ihrem Betruge, Und Sie ist fortgegangen! Meinen Genuß, wenn Ihr verlanget, so sprach Sie Trennet Euch von Euch selber; Selber vergaß ich mich in dieser Begierde, Und Sie ist fortgegangen.
[5]  Schaukelnd und schwank erschien die Schönheit auf Wiesen, Aber im Rosenbeete Mußte ich doch entbehren Ihres Genußes, Und Sie ist fortgegangen.
[6]  Nächte hindurch hab' ich geklagt und geweinet, Armer Hafis dir ähnlich, Leider gelangt zu ihrem Abschied ich nimmer, Denn Sie ist fortgegangen.
316
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.8-28.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.8
German Translation
[1]  O Schicksal sey nicht ungerecht,Daß man Hafisen nicht ermordet,Erzeige dich vielmehr mir gut,Daß ich Gerechtigkeit erfahre.
[2]  O löse nicht die Locken auf,Daß du mich nicht in Staub auflösest,O fange nicht zu kosen an,Daß du nicht meinen Bau zerstörest!
[3]  O trinke Wein mit Andern nicht,Sonst trinke ich das Blut des Herzens,Erinnre dich nicht Jedermanns,Damit ich Deiner mich erinnre.
[4]  O ringle deine Locken nicht,Sonst würdest du für stets mich fesseln,Und schmücke nicht dein Angesicht,Sonst richtest du mich ganz zu Grunde.
[5]  Den Fremden schenke nicht dein Herz,Damit ich noch bei Sinne bleibe.Um Andrer Leiden gräm' dich nicht,Daß du mich nicht zu viel betrübest.
[6]  Entflamme deiner Wangen Gluth,Der Rosen kann ich dann entbehren,Nicht deines Wuchses Höhe auf,Ich thu' Verzicht auf die Cypreßen.
[7]  Sey nicht in jedem Kreis das Licht,Sonst wird das Feuer mich verzehren,Und setze deinen Kopf nicht auf,Sonst schrey ich auf bis zu dem Himmel.
[8]  Mach' dich nicht allzuviel berühmt,Sonst muß ich in's Gebirge wandern.Liebkose mir nicht wie Schirin,Sonst wirst du zum Ferhad mich machen.