128
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.29-10.29
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.29
German Translation
[1]  In Schiras ist kein Schönheitsbild, Das mir Herz davon getragen, Wenn mir das Glück noch günstig ist, So will ich mich von hinnen tragen.
[2]  O saget an, wo ist ein Mann, Ein Trunkener, ein Gnadenschenker, Bei welchem mein verbranntes Herz Hat einen Lohn davon getragen?
[3]  O Gärtner! seit dem Herbste schon Seh' ich dich gleichsam halb verloren, O weh! des Tags, an dem der Wind Die Rosen hat davon getragen.
[4]  Des Schicksals Straßenräuber liegt Im Hinterhalt, du sollst nicht trauen, Denn was er heut davon nicht trug, Das wird er morgen mit sich tragen.
[5]  Ich spiel' mit eigenem Gebild Die Gaukelspiele der Begierden, Vielleicht wird doch ein weiser Mann, Sie anzuschau'n, dahin sich tragen.
[6]  Ich fürchte alle Wissenschaft, Seit vierzig Jahren schon gesammelt, Hat dieser trunkene Narziß In einem Raub davon getragen.
[7]  Die Zauberey, die Wunderkraft, Sie reimen sich nicht wohl zusammen, Wer ist Samir, hat Moses nicht Zuletzt den Sieg davon getragen.
[8]  Das goldne Weinglas ist der Damm Für die Beschwerniße des Herzens, Deswegen gieb's nicht aus der Hand, Sonst wird der Gram davon dich tragen.
[9]  Es ist der Weg der Liebe zwar Der Hinterhalt der Bogenschützen, Doch wer darauf sich klug benimmt, Wird sich gesund von dannen tragen.
[10]  Begehren deinen Geist, Hafis, Des Freundes trunkne Augenwimpern, So laße keinem andern Platz, Die Seele dir davon zu tragen.
242
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.143-10.143
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.143
German Translation
[1]  Komm'! die Fahnen des Schahs sind gekommen, Siege sind bis zur Sonne gekommen.
[2]  Ohne Schleier erscheinen die Siege, Und der Billigkeit Zeit ist gekommen.
[3]  Gute Zeiten verschafte der Mond uns, Jeder freut sich, der Schah ist gekommen.
[4]  Siehe! Jusuf, von Brüdern verfolgt, Ist von dem Brunnen zum Monde gekommen.
[6]  O abscheulicher Gleisner, wo bist du? Sage: die Wiege des Heils ist gekommen.
[7]  Durch die Seufzer und Gluthen des Busens, Was ist über mein Haupt nicht gekommen
[8]  Ob der Sehnsucht nach deinem Gesichte Bin vom Feuer zum Stroh ich gekommen.
[9]  Schlafe nicht, denn Hafisen gelang es, Weil er Abends und Morgens gekommen.
367
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.59-28.59
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.59
German Translation
74
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.60-4.60
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.60
German Translation
[1]  Aller Ertrag der Werkstatt des Seyns ist Nichts. Bringe mir Wein, die Güter der Welt sind Nichts.
[2]  Seele, wie Leib, begehren Genuß und Lust, Thäten sie's nicht, so wären sie beide Nichts.
[3]  Forsche nicht nach dem Tuba des Schattens, halb Schauest du recht, o Ceder! er sinkt in Nichts.
[4]  Glück ist nur das, was blutigen Schweiß nicht braucht, Denn mit Bemüh'n sind himmlische Fluren Nichts.
[5]  Wenn du verweilst fünf Tage, nur auf der Post, Ruhe dich aus, denn dieser Termin ist Nichts.
[6]  Schenke ich harr' am Rand des Verderbens, komm' Nütze die Zeit, von Lippen zum Mund ist Nichts. Denk' nicht an Schimpf und sey wie die Rose, froh, Kräfte der Welt, sie gehen vorbei, sind Nichts.
[7]  Klausner! o fürcht' den heiligen Eifergeist, Zwischen dem Weg der Schenk' und der Zell' ist Nichts.
[8]  Daß ich verbrannt mit Klagen und Wehgeschrey Allen die Noth bekenne, ist freilich Nichts.
[9]  Löblichen Ruf zwar hat sich Hafis verdient, Aber es nützet ihn bei Betrunk'nen Nichts.
291
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.20-16.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.20
German Translation
[1]  Mein Glück hab' ich in dieser Stadt versucht,Nun muß ich schnell mich aus dem Wirbel retten.
[2]  Ich seufzte, in den Finger biß ich michUnd legte meinem Körper Feuer unter.
[3]  Ich hörte gestern eine Nachtigall,Die Rose neigte hin ihr Ohr vom Busche.
[4]  Sie sang: Sey frohen Muthes, denn der MannVon hartem Sinn verhört des Glückes Stimme.
[5]  Soll Hartes, Leichtes nicht zu Herz dir gehen,Nimm Andrer Hartes Leichtes nicht zu Herzen.
[6]  Wenn an den Himmel schlägt des Schicksals Fluth,So wird der Weise sich doch nicht benetzen.
[7]  Hafis! Gäb's einen ewigen Genuß,So hätte nicht Dschemschid den Thron verlassen.
211
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.112-10.112
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.112
German Translation
[1]  Gestern kam der Wein, die Wangen waren entflammet, Ach wie lange noch wirst, elendes Herz, du verbrannt!
[2]  Liebender Mord, und die Kunst, die Städte in Aufruhr zu bringen, Sind ein Ehrenkleid, meinem Geliebten geweiht.
[3]  Seelen der Liebenden sind für ihn ein Schleier der Wangen, Dieser Funke hat mehreres Feuer entflammt:
[4]  Wenn er öffentlich spricht, ich will dich Armer ermorden, Seh' ich doch, wie er dabei manchmal verstohlen herblickt,
[5]  Zwar ergreift sein ungläubiges Haar die Pfade des Glaubens, Aber vom Herzen aus Stein sprangen mir Funken heraus.
[6]  Blut erwarb sich das Herz, vom Aug' ward's wieder vergoßen, Gott! mein Gott! was verlor und was gewinn' ich zuletzt.
[7]  Du verkaufe den Freund um alle Güter der Welt nicht, Denn mit nichten gewann, wer einst Jusufen verkauft.
[8]  Geh', verbrenne dein Kleid Hafis, so sprach der Geliebte, Herr! wo hat er so viel Herzenserfahrung gelernt.
440
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.12-32.12
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.12
German Translation
[1]  Des Morgens sprach ich von Begier zum Morgenwind, Er sprach: vertraue fest auf deines Herren Huld!
[2]  Das Morgen- und das Nachtgebet enthüllt den Schatz, Geh' so nur fort, daß du zuletzt zum Liebchen kommst.
[3]  Damit er Nichts von Liebe sprech', ist stumm der Kiel, Weil die Beschreibung der Begier unmöglich ist.
[4]  Aegyptischer Joseph, dich beschützet jetzt das Reich, Den Vater frag', wie sehr er liebet seinen Sohn. Die Kranken heilest du mit Wimpernschmerz, Mit deinem Moschuchaar beruhigst du das Herz.
[5]  Die Welt mit zwei Gesichtern kennet keine Huld, Was traust und bauest du auf ihren hohen Werth?
[6]  Wie lang sucht noch ein Aar wie du nach dem Gebein! O weh! des Schattens, der auf Unverdiente fällt.
[7]  Wo zu gewinnen ist, gewinnt es der Derwisch, Verleih' mir Herr Derwischenbrauch, Zufriedenheit.
[8]  Gieb nicht dein Herz den Schönen ohne Treu, Hafis! Sie machen's dir wie mit Charesm, Samarkand.
486
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.58-32.58
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.58
German Translation
[1]  Noch gestern hielt die Nachtigall, Hoch auf Cypressenästen, Im Dialekte Pehlewi Kollegien der Liebe.
[2]  Sie sprach: o komm', die Rose brennt Jetzt mit dem Feuer Moses; O komm, daß du vom Rosenstrauch Vernehmest Sinn der Einheit.
[3]  Der Gärten Vögel singen jetzt In abgemeßnen Tönen, Damit bei Pelewigesang Auch der Wesir jetzt trinke.
[4]  Des Glases Ruhm ist in der Welt Allein von Dschem geblieben, Ich bitte dich, o bind' dein Herz Nicht an der Erde Güter!
[5]  Hör' diese wunderbare Ding' Vom umgekehrten Schicksal, Ermordet ward ich von dem Freund' Durch seines Mundes Odem.
[6]  Die Zeit der Sicherheit der Ruh' Gedeihet wohl dem Armen, Denn für die Kaiserthronen ziemt Sich nicht die Lust und Freude.
[7]  Dein Auge hat mit Schmeichelei'n Der Leute Haus verbrennet, Berausch' dich nicht, es stehet dir Ein kleiner Rausch am besten.
[8]  Wie treffend sprach ein Alter nicht Das Wort zu seinem Sohne: Mein Augenlicht, du erntest nur, Was ich gesäet habe.
[9]  O Schenk', es hat vielleicht Hafis Dir gar zu viel gegeben, Denn sieh' des Mönches Bund und Haar Ist gänzlich in Verwirrung.
81
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.67-4.67
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.67
German Translation
[1]  Morgens sprach der Vogel der Flur zur entknospeten Rose, Hör' auf, spröde zu thun, viel sind der Rosen wie du.
[2]  Lächelnd sprach die Rose hierauf, du redest die Wahrheit, Aber ein hartes Wort ziemet den Liebenden nicht.
[3]  Eh' du zum Rubin des goldnen Bechers gelangest, Werden von Wimpern gar viel Perlen der Thränen gebohrt.
[4]  Wer mit den Wangen nie den Staub der Schenke gekehrt hat, Athmet ewig nicht ein Freundschafts- und Liebesgeruch.
[5]  Gestern im Blumenbeet beim lieblich wehenden Ostwind War des Hyacinths Haar lieblich vom Winde verwirrt.
[6]  Thron Dschemschid's; so sprach ich zum Garten, wo ist das Weltglas? Leider! sprach er zu mir: dieses Geschenk ist vorbei.
[7]  Was den Zungen entströmt, das ist nicht Rede der Liebe, Schenke, bring' uns Wein, kürze das leere Geschwätz.
[8]  Sieh! Hafisens Vernunft geht unter in Fluten der Thränen, Was ist zu thun? Der Gram Liebender birget sich nicht.
319
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.11-28.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.11
German Translation
[1]  Jahre lang hab' ich den SchülerDer Betrunkenen gemacht,Endlich hab' ich die BegierdeZum Gefangenen gemacht.
[2]  Ich trat nicht allein die ReiseZu dem Nest des Anka an,Denn ich habe mit dem VogelSalomon's den Weg gemacht.
[3]  Wirf auf's wunde Herz den Schatten,Meines Wunsches höchster Schatz!Denn es hat mein Haus die LiebeGanz dem Boden gleich gemacht.
[4]  Reuig bin ich, denn ich habeNicht geküßt des Schenken Mund,Dummen lieh ich Ohren, leider!Dieses hab' ich dumm gemacht.
[5]  Such' auf ungewohnten WegenZu erreichen deinen Wunsch,Denn zerstreute Locken habenMich versammelt erst gemacht.
[6]  Trinken oder mäßig lebenStehet nicht bei mir, bei dir.Was der Ewige befohlen,Dieses habe ich gemacht.
[7]  Sieh, von seiner ew'gen GnadeHoffe ich das Paradies,Wenn ich gleich an SchenkenthürenOft den Hüter hab' gemacht.
[8]  Daß noch meinem alten KopfeJusufs süßer Mund liebkos't,Ist ein Lohn, um den in ZellenIch mich hab' verdient gemacht.
[9]  Stehe auf am frühen Morgen,Suche, wie Hafis, dein Heil,Durch den Koran hab' ich allesWas mir je gelang, gemacht
[10]  Sitz ich im Diwan der LiebeOben an, so staune nicht.Jahre lang hab' ich den DienerVon des Diwans Herrn gemacht.
276
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.5-16.5
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.5
German Translation
[1]  Der Gärtner, dem fünf Tage langGespräch der Rosen ziemet,Er weiß wohl, daß der NachtigallDes Dornes Leiden ziemet.
[2]  In ihrer Locken Banden klag'Nicht über dein Verderben,Weil kleinen Vögeln in dem NetzKein Weheklagen ziemet.
[3]  Was hat der Trunkene der WeltZu thun wohl mit Geschäften?Da Rath und tiefe UrtheilskraftZu dem Geschäfte ziemet.
[4]  Ungläubig ist, wer auf dem WegDer Lieb' und Tugend prahlet,Weil, wenn er Tausende auch hat,Ihm doch Vertrauen ziemet.
[5]  Mit solchen Wangen, solchem HaarZu spielen sey verboten,Wenn immer Hyacinthen HaarJasminenantlitz ziemet.
[6]  Der trunkenen Narziße ziemtLiebkosungen zu spenden,So lang dem wüsten Herz die LustDes dunkeln Haares ziemet.
[7]  O Schenke sag', was weigerst duDas Glas herum zu geben?Da den Verliebten in dem KreisEin stetes Drehen ziemet.
[8]  Wer ist Hafis, daß er den WeinNicht ohne Lärmen trinket;Wer sagt daß armen LiebendenSo vieler Aufwand ziemet? 
252
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:12.8-12.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:12.8
German Translation
[1]  Komm' ich noch einmal in's Leben,Geh' ich in die Schenke wieder,Will alsdann nichts anders thun, alsTrunkene bedienen wieder.
[2]  Dreymal fröhlich ist die Stunde,Wo mit thränenvollen AugenIch zur Schenke gehen werde,Wasser auszugießen wieder.
[3]  Herr mein Gott! es haben dieseLeute nicht die kleinste Kenntniß,Meine Edelsteine will ichAndern Käufern bieten wieder.
[4]  Wenn mein Freund von dannen gehet,Alter Bande sich erinnernd,Gott behüt' mich, daß ich sollteAndre Freunde suchen wieder.
[5]  Wenn des blauen Himmels KreislaufMich ein wenig hier beängstigt,Werd' in einem andern ZeitlaufMeinen Freund ich finden wieder.
[6]  Mein Gemüth sucht längstens Ruhe,Wenn nur jenes Schelmenauge,Jene losen SternenlockenSchon vorüber wären wieder.
[7]  Mein verborgenes GeheimnißIst die Fabel aller Leute,Mit dem Pfeile, mit der TrommelGeht es auf den Marktplatz wieder.
[8]  Alle Augenblicke klag' ichUeber Leiden, denn der HimmelZielt auf mich mit jeder Stunde,Daß er mich verwunde wieder.
[9]  Du Hafis bist nicht vereinzelt,Viele sind in dieser Wüste,Viele sind zu Grund gegangen,"Sag' ich zu mir selber wieder.
164
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.65-10.65
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.65
German Translation
[1]  Der Morgenwind will nun Den Hauch des Moschusdufts verstreu'n, Die alte Erde will Ein andermal verjünget seyn.
[2]  Die Tulpe will ihr Glas Aus Onyx geben dem Jasmin, Und der Narziße Aug' Mit Anemonen sich erfreu'n.
[3]  Der harte Trennungsschmerz Der auf die Nachtigallen fällt, Wird in den Rosenhain In kurzem vorgedrungen seyn.
[4]  Wenn ich aus der Moschee Zur Schenke gehe, hadre nicht, Die Predigt ist so lang. Die Zeit wird bald vorüber seyn.
[5]  Mein Herz, wenn du die Lust Von heut auf Morgen stets verschiebst, Für das geborgte Gut, Wer wird Gewährsmann seyn?
[6]  Gieb in dem Mond Schaban Den Becher nimmer aus der Hand, Denn so was wird im Mond Des strengen Ramasans nicht seyn.
[7]  Sprich mit der Ros', ergreif', Ergreife die Gelegenheit, Hier kam sie auf, die Flur, Bald wird sie weggegangen seyn.
[8]  O Sänger, nun beginn dein Lied, Versammelt ist der Freunde Kreis, Das Lied: so war es einst, Und so wird es auch ferner seyn.
[9]  Hafis kam deinethalb In dieses Daseyns Land allein, Geh' doch des Abschieds halb Zu ihm, bald wird er ferne seyn.
107
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.8-10.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.8
German Translation
[1]  Deine Schönheit stets vermehret sey! Deine Wange zu tulpenfärbig sey!
[2]  Deiner Liebe Bild in meinem Kopf Täglich mehr und größer sey!
[3]  Aller Schönen Wuchs zu deinem Dienst Wie ein C gekrümmet sey!
[4]  Jedes Auge, daß du nicht verwirrest, Thränenquell ein Blutmeer sey!
[5]  Zu dem Herzensraub dein schelmisch Auge Zaubereienkundig sey!
[6]  Jedes Herz, worauf dein Gram gewirkt, Ohne Rast und Ruhe sey!
[8]  Jedes Herz, das Trennungsschmerz nicht kennt, Vom Genußring ferne sey!
[9]  Meine Seele, nämlich dein Rubin, Fern von niedren Lippen sey!
197
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.98-10.98
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.98
German Translation
[1]  Wenn die Schönen solchen Unsinn machen, Werden selbst die Frommen bald Einen Riß in ihren Glauben machen.
[2]  Wo dieß Zweiglein der Narziße blühet, Werden Rosenwangichte Zum Narzißenstock ihr Auge machen.
[3]  Jüngling mit dem Wuchse der Cypreße, Schlage selber du den Ball, Eh' sie deinen Wuchs zum Schlägel machen.
[4]  Keine Macht besitzen die Verliebten Ueber ihren eignen Kopf, Denn sie werden, was du heischest, machen.
[5]  Im Vergleiche mit der Fluth der Augen Ist ein einz'ger Tropfe nur Was sie alles aus der Sündfluth machen.
[6]  Wenn mein Freund beginnt sein Lied zu singen, Werden Engel von dem Thron Mit den Händen Beifallszeichen machen. Sieh des Glückes Sonne wird dir scheinen, Aber du must erst dein Herz Einem Spiegel gleich geglättet machen.
[7]  Meines Auges Apfel ist von Weinen In ein Meer von Blut getaucht, Sahst du irgend so ein Blutbad machen?
[8]  Herz erleichtre dir die Leiden, Weil die Eingeweihten sich, Selbst die Trennungszeit zu Nutzen machen.
[9]  Ziehe dich Hafis nicht von den Seufzern In der Mitternacht zurück, Bis sie hell dich, wie den Morgen machen.
97
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:6.1-6.1
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:6.1
German Translation
[1]  Wie knüpfst die Mitte du, mit einem einz'gen Haar.Wie lösest du so schön, den Leib aus Elfenbein!
[2]  Es ziemt, daß du von allen Schönen Steuer nimmst,Indem du in der Schönen Laube König bist.
[3]  Durch deine Augen ist ganz Turkistan empört,Und Sin und Hind bringt deinen krausen Locken Zoll.
[4]  Die Weisse des Gesichts ist heller als der Tag,Die Schwärze deines Haars ist finstrer als die Nacht.
[5]  Dein enger Mund verleiht, dem Quelle Chisers Dauer.Aegyptens Zuckerrohr, versteckt sich vor den Lippen.
[6]  Wie soll ich denn von dieser Krankheit Heilung finden,Wenn in mein Herz von dir, kein Heilungsmittel kömmt.
[7]  Warum zerschlägst du meine Seele, steinern Herz!Aus Zartheit bricht mein schwaches Herz wie Glas.
[8]  Dein Flaum ist Chiser, und dein Mund des Lebensquell,Der Wuchs ein Baum, die Mitt' ein Haar, der Busen Wachs.
244
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.145-10.145
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.145
German Translation
[1]  Freunde, öffnet einen Knoten Von den Locken der Geliebten, Schön ist die Nacht, verlängert sie Mit den schwarzen Locken.
[2]  Dies ist trauliche Gesellschaft, Alle Freunde sind versammelt, Leset die Zauberformeln ab, Les't mit hoher Stimme.
[3]  Lauten und Schalmeien tönen Hoch, sie schrey'n mit lauter Stimme: Neiget das Ohr von dem Verstande Zu den Eingeweihten.
[4]  Bei des Freundes Seele schwör' ich Nie wird euch der Schmerz erscheinen, Wenn ihr nur auf die Huld des Herrn Noch Vertrauen habet.
[5]  Welch ein Unterschied ist zwischen Dem Verliebten und Geliebten, Koset mit dir die Freundinn, mußt Du dich flehend nahen.
[6]  Von dem Rath des Vielerfahr'nen, Ist der erste Buchstab dieser: Hüte vor einem Liebchen dich, Das nicht deines Stands ist."
[7]  Ueber Jeden, der im Hause Nicht lebendig ist von Liebe, Betet nach meinem Kirchenbuche Sterb- und Grabgebete.
[8]  Wenn Hafis einst eine Gnade Von Euch frey begehren sollte, Weiset die Gnad', ich bitt' euch, An des Freundes Lippen.
384
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.3-29.3
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.3
German Translation
[1]  Ich brenne von der Trennung, Wend' mein Gesicht von Leiden ab, Ein Unglück ist die Trennung, O wende, Herr! von mir das Unglück ab.
[2]  Sieh, wie der Mond erglänzet Auf grünem Gaul des Himmels-Plans, Damit er flieh' nach Westen. Wend' dich von seinem Glücke ab.
[3]  O staube aus die Locken; Trag' Hyacinthen selbst zum Trotz Des Wohlgeruches Rauchfaß Dem Ost gleich Fluren auf und ab.
[4]  Damit Vernunft und Glauben Von Liebenden geplündert sey, Erscheine du betrunken, Und wirf so Kleid als Haube ab.
[5]  O Augenlicht der Trunknen, Ich harre deiner voll von Begier, O schlag' die Laute, oder Gieb uns den Becher auf und ab.
[6]  Es schrieb der Lauf der Zeiten Auf deinen Wangen schöne Schrift, O Herr! von meinem Freunde, Wend' böse Schriften von ihm ab.
[7]  Hafis, du darfst von Schönen Erwarten nicht ein anders Loos, Wenn dies dir nicht behaget, So wend' den Spruch des Schicksals ab.
39
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.25-4.25
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.25
German Translation
[1]  Bedarf mein Garten wohl der Pinien, Cypreßen? Wem weicht der Buchs des Freundes genährt in meinem Schatten.
[2]  Bei deinem Haupt! o Knabe sag', weß Glaubens bist du, Daß unser Blut dir mehr als Muttermilch gedeiht!
[3]  Siehst du von weitem nur das Bild des Grames, trinke! Der Wunden Tiefe prüften wir, es hilft dies Mittel.
[4]  Warum soll ich mich von der Thür des Wirths entfernen? Hier wohnt das Glück, hier werden aufgethan die Wünsche.
[5]  Zerbrochne Herzen kaufet man auf unsrem Wege, Es wird der Handel hier auf andre Art getrieben.
[6]  Genuß versprach er mir, noch gestern bei dem Weine; Was sagt er heut, was lieget ihm denn wieder in dem Kopfe? Einförmig ist der Liebe Gram und seltsam ist er! Ich hörte keinen der sich wiederhohlet hätte.
[8]  O komm, es sehnet sich nach dir das Hoffnungsauge, Wie's Ohr der Fastenden nach dem Alla Ekber.
426
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.11-31.11
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.11
German Translation
[1]  Ich schrieb mit meinem Herzensblut Ein Briefchen an den Freund, Fürwahr durch deine Flucht ward mir Die Erde zum Gericht.
[2]  In meinem Auge trage ich Viel Zeichen von der Flucht, Doch meine Thränen sind davon Die einz'ge Kunde nicht.
[3]  Was ich auch immer noch versucht, Es nutzte mir doch nichts. Wer das Versuchte neu versucht, Beladet sich mit Reu.
[4]  Ich fragte einen Arzt um Rath Der Freundinn halb, er sprach: In ihrer Nähe harrt die Pein In der Entfernung Heil. Es hob der Ost von meinem Staub Den Schleier jählings auf, Es war als gieng die Sonne auf Aus Wolken in der Früh. Geh' ich herum um deinen Gau, So schmählet man mich aus. Bei Gott noch seh' ich Liebe, nicht Von andern ungeschmählt.
[6]  Hafis kam sehnsuchtsvoll zu dir, O reiche ihm ein Glas, Daß er von deiner milden Huld Noch koste einen Trunk.