167
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.68-10.68
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.68
German Translation
[1]  Es ist ein Stern vom Himmel gefallen, Und ist zum Mond des Kreises geworden, Er ist zum Freund, und zum Vertrauten Von meinem scheuen Herzen geworden.
[2]  Mein Liebchen hat nie Schulen besuchet, Mein Liebchen hat nie schreiben gelernet, Und doch ist es durchs Winken der Augen Ein grundgelehrter Meister geworden.
[3]  Durch den Geruch des Herzens erkrankten Dem Morgenwinde gleich die Verliebten, Sie sind den Hyacinthen ein Opfer, Ein Opfer den Narzißen geworden.
[4]  O seht, wohin die Freundinn mich setzet, Sie setzt mich auf die Stelle der Ehren, Und so ist nun der Bettler der Straßen Zum Fürsten unsres Kreises geworden.
[5]  Er bildete sich viel von dem Quelle Des Lebens ein, vom Becher Keichorews, Er ist begierig nach dem Getränke Des Schahs, des Herrn der Reiter geworden.
[6]  Erfreuet euch! der Freude Palläste, Sie werden nun von neuem erbaut, Seitdem die Bogenbrauen des Freunds Zu Meistern sind im Bauen geworden.
[7]  O reinige von Tropfen des Weins Um Gottes willen Lippen und Hände, Von tausend Sünden, tausend Gebrechen Ist mein Gemüth verwirrt geworden.
[8]  Du reichtest mit Liebkosung Verliebten So einen Wundernektar zu trinken, Daß alle Kenntniß verlohren gegangen, Daß der Verstand ist sinnlos geworden.
[9]  Ja freylich werden alle Gesänge Hafisens gleich dem Golde geschätzet. Denn durch die Gunst des Herren des Glückes Sind sie zum Stein der Weisen geworden.
[10]  Freunde, Freude lenkt den Zügel Vom Weg ab, der zu Schenken euch führet, Hafis, der diese Straße gegangen, Ist bankerott auf selber geworden.
122
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.23-10.23
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.23
German Translation
[1]  Wer auf die Treuen Acht giebt, Der sey versichert, daß der Herr Auf seine Diener Acht giebt,
[2]  Des Freundes Sag' erzähl' ich Dem Freund, weil aufs bekannte Wort Nur der Bekannte Acht giebt.
[3]  So sollst du immer leben, Daß, wenn du strauchelst, aufs Gebet Dein Engel auf dich Acht giebt. Ihr Tapfern, ehr't den Herren, Daß auch er seinerseits auf Euch, Wie auf die Seele Acht giebt.
[4]  Wer Treue wünscht vom Liebchen, Behalt' den Faden, weil sonst nicht Das Liebchen auf ihn Acht giebt.
[5]  Wenn du im Haare Ostwind, Mein Herz erblick'st, sag' ihm mit Huld, Daß auf den Platz es Acht geb'.
[6]  Ich sprach zu ihm: Bewahre Mein Herz; Er sprach: was nützt es wohl, Wenn Gott auf Diener Acht giebt.
[7]  Ich opfre Herz und Seele, Und Haupt und Gold dem Liebling auf, Der auf die Worte Acht giebt.
[8]  Wo ist der Staub des Weges, Daß d'rauf Hafis, wie auf ein Maal Des Morgenwindes Acht giebt.
214
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.115-10.115
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.115
German Translation
[1]  Ich träumte, daß in meiner Hand ein Becher war, Daß all' mein Seyn dem Schicksal überlassen war;
[2]  Durch vierzig Jahre litt ich Gram und Schmerz, Bis daß ein Wein, zwey Jahre alt, die Heilkraft war.
[3]  Ihr wißt, daß, was ich von dem Schicksal mir erbat, In Moschus Haar, des Abgotts meiner Liebe war;
[4]  Ich war betäubt vom Morgenrausch, da lächelte Das Glück, so süß, daß wieder Wein im Becher war. Ich trinke Blut, und ich beklage mich doch nicht, Weil einst vom Tisch der Gnaden dies die Nahrung war;
[5]  Ich trinke Blut dort an der Schenke Thür', Von Ewigkeit mir dieses vorbestimmet war. Ich geh' mit Fleh'n und Weinen zu der Thür', Weil auf mein Fleh'n die Thüre sonst mir offen war.
[6]  Wer liebelos, der Schönheit Blume nie gepflückt, Gleicht jenem, der im Wind der Tulpen Hüter war.
[7]  Des Morgens gieng ich an dem Rosenbeet vorbei, Dort wo Bülbül in tiefem Schmerz versenket war.
[8]  Ich sah, daß wenn Hafis den Schah im Liede pries, Ein Vers mehr werth als hundert andre Lieder war.
[9]  Den großen Schah, vor welchem an dem Tag der Schlacht Die Sonn' im Leuen nichts anders als ein Hirsche war.
202
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.103-10.103
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.103
German Translation
[1]  Vielleicht mein Herz, daß sich der Schenke Thüren öffnen, Vielleicht daß sich die Knoten der Verwirrung öffnen.
[2]  Hat eines Gleisners Hand aus Selbstsucht dich gesperret, Sey muthig, dann man wird dich wegen Gott eröffnen.
[3]  Zur Lust der Trunkenen, die an frühem Morgen trinken, Wird manch' verschloßne Thür' durch das Gebet sich öffnen.
[4]  Wenn ihr den Bannbrief schreibt, für sie, der Rebe süße Tochter, So werden Augen sich mit blut'gen Wimpern öffnen.
[5]  Der Wein ist tod, hinweg nun mit der Laute Haar, Nun soll sich's Doppelhaar der Schenkediener öffnen.
[6]  O Gott! der Schenke Thür' ist wirklich zugesperret, Erlaube nicht, daß sie die Thür' des Truges öffnen.
[7]  Hafis! Am jüngsten Tag wirst du verwundert sehen, Was unter Kutten sich für seltne Gürtel öffnen.
359
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.51-28.51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.51
German Translation
[1]  O froher Tag! an dem aus diesem Zerstörten Haus ich werde gehen! An dem ich Seelenruhe suchen, Und nach der Freundinn werde gehen.
[2]  Wiewohl ich weiß, daß diese Straße Zu Nichts den fremden Wandrer führet, So will ich doch nach Wohlgerüchen, Der tief verwirrten Locken gehen.
[3]  Ein Schrecken hat mein Herz ergriffen, In diesem Kerker Alexanders. Ich werde nun mein Bündel schnüren, Zum Thron der Salomonen gehen.
[4]  Ich will mit meinem kranken Herzen, Und mit dem kräftelosen Körper Dem Ostwind gleich, blos aus Begierde Nach dieser schwanken Ceder gehen.
[5]  Und müßt' ich wie die Schreibefeder Sogar auf meinem Kopfe gehen, Ich würde doch mit wundem Herzen, Mit Thränen in den Augen gehen.
[6]  Ich that ein heimliches Gelübde, Wenn ich von diesem Scherzen einstens Befreiet bin, mit frohem Herzen Und Sang zur Schenke hinzugehen.
[7]  Aus Lust zu ihr und aus Begierde, Vermöchte ich wie Sonnenstäubchen Bis an den Rand des Aug's der Sonne Im Tanz und Glanz hineinzugehen.
[8]  Weil jene leicht geschnüret sind, Die auf arabischen Hengsten reiten, So wollen wir zu frommen Männern, Ganz leicht und frohen Muthes gehen.
[9]  Und wenn ich wie Hafis die Straße Nicht finden kann aus Trennungswüsten, So will ich immer mit dem Heere Des Großwesir's der Zeiten gehen.
441
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.13-32.13
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.13
German Translation
[1]  Ey, was wär' es, wenn das Herz Meiner Freundinn freundlich wäre, Meine Lage wär' nicht so, Glaubt mir's wenn sie anders wäre.
[2]  Was, so sprach ich, wären werth Meiner Freundinn Locken, Wenn an jeder Spitze Haars Tausend Eine Seele wäre.
[3]  Was der Werth des Staubes sey, Würde dann erst gänzlich klar seyn, Wenn des Lebens Kapital Ewighin verzinset wäre.
[4]  Wenn die Welt mich werth geschätzt Und in hohen Ehren hielte, Ist's doch sicher, daß mein Thron Ihrer Thüre Schwelle wäre.
[5]  Käm' heraus vom Schleierzelt, Meiner Freundinn, wie die Thränen, O so wüßt' ich, daß sie dann Meiner Augen Fürstinn wäre.
[6]  Wenn der Weg zum Liebeszirkel Nicht der Welt verschlossen wäre, Glaube mir, daß dann Hafis Dennoch stets im Mittel wäre.
171
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.72-10.72
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.72
German Translation
[1]  Von dem Aßaf ist Gestern Kunde gekommen, Es sey vom König Salomon Zur Lust Erlaubniß gekommen.
[2]  Mache vom Körper- Staub mit Thränen den Mörtel, Es ist für das verfallne Haus Die Zeit des Baues gekommen.
[3]  Vielerlei Worte Seine Reize zu loben, Sie sind ein Buchstab, der davon Nun ist zur Sprache gekommen.
[4]  Fleckige Kutte Verdecke unsere Fehler, Denn dieser Reine ist nur zum Besuch der Reinen gekommen.
[5]  Heute verlautet Was der Schönen Gehalt sey, Es ist der helle Mond des Kreises Zum Vorsitz herunter gekommen.
[7]  Auge der Ceder, Nimm den Glauben in Acht, Denn dieser Zaubrer Bogenschütz Ist nur zum Raube gekommen.
[8]  Armuth zu läutern, Suche Gnaden des Schahes, Denn seiner Großmuth reiner Stoff Ist, dich zu läutern, gekommen.
[9]  Seine Gesellschaft Ist ein Meer. Du ergreife Die Zeit! Gefallener! es ist Die Zeit des Handelns gekommen.
34
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.20-4.20
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.20
German Translation
[1]  Die Zelte meiner Augen Sind deinem Aufenthalt geweiht, O komm herab, sey gnädig, Denn meine Wohnung ist dein Haus.
[2]  Des Maals, der Flaumen Anmuth Hat Weisen selbst das Herz geraubt O sonderbare Weise, Sie dienen dir statt Netz und Korn.
[3]  In dem Genuß der Rose Erfreue dich o Nachtigall! Denn mit verliebten Klagen Erfüllest du allein die Flur.
[4]  Die Heilung meines Herzens Sey deinen Lippen heimgestellt, Die Kräfte des Rubines Sind deinem Schatze anvertraut.
[5]  Zwar bin ich nicht im Stande Dir körperlich zu nah'n, Doch bleibet meine Seele Der Staub der Schwelle deines Thors.
[6]  Ich spende nicht an jedes Verliebtes auch mein Seelengold, Dein Siegel und dein Zeichen Sind meinem Schatze aufgedrückt.
[7]  Mein holder süßer Ritter, Woher nahmst du die seltne Kunst, Daß du den Gaul des Himmels, Nach Wunsch mit deiner Geißel zähmst?
[8]  Wie soll denn ich Verliebter Den tausend Künsten wiederstehn, Den Gaukelei'n, mit welchen Du selbst den Himmel irre führst.
[9]  Es tanzen selbst die Sphären Im lichten Harmonienkreis Indem hiezu die Weise Das süße Lied Hafisens spielt.
424
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:31.9-31.9
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:31.9
German Translation
[1]  O trenn' dich nicht von mir Du bist mein Augenlicht, Du bist des Herzens Ruh', Du bist der Seele Trost.
[2]  Verliebte zieh'n die Hand Von deinem Saum leicht ab. Und doch zerreißest du Ihr Hemde der Geduld. Beängstige dich nicht, Du kommst noch zum Genuß, Wenn du gekostet hast Der Trennung bittres Gift.
[3]  Vom bösen Aug' der Welt Wachs' dir kein Schaden zu, An Lieblichkeit hast du Den höchsten Grad erreicht.
[4]  Von ihrer Liebe halt' Mich, o Mufti, nicht ab. Entschuldigt halt' ich dich, Weil du sie niemals sahst.
[5]  Hafis, daß dich der Freund So schmählt, ist nicht umsonst, Du hast den Fuß vielleicht Zu weit hinausgesetzt.
323
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.15-28.15
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.15
German Translation
[1]  Du hebst mich nicht auf vom Staube,Wenn ich auch blos Perlen weinte.Schmähe nicht auf meinen BlutdurstDenn ich lehre Moschushirschen.
[2]  Unter meiner Armuth seufz' ich,Schäme mich vor den Gewalt'gen
[3]  Haltet mich in Lockenbanden,Sonst ergreifet mich die Narrheit.
[4]  Frag' mich um den Lauf der WeltenIn der Nacht zähl' ich die Sterne,
[5]  Dankbar küße ich den BecherDenn er lehrte mich mein Schicksal.
[6]  Wenn ich die Betrunknen lobe,Ist's aus dankbarem Gemüthe,
[7]  Dankbar bin ich meinem Arme,Der kein Unrecht ausgeübet,
485
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:32.57-32.57
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:32.57
German Translation
[2]  Die Dinge behalten nicht einerlei Farb' und Gestalt, Deßwegen wasch' mit Wein die Kutten aus.
[3]  Die Welt ist so niedrig, du traue der Schmeichelnden nicht, Erfahrener! such' bei Niederen nicht Bestand,
[4]  O höre den doppelten Rath, und bereichere dich dann, Geh' durch der Liebe Thür, thu Schlechtes nicht.
[5]  Wir haben nun Frühling, der Himmel sey deßhalb gelobet! Thu' Gutes, und die Leitungsrose riech'!
[6]  Begehrst du die Freundinn, so reiche den Scheitel ihr hin, Narziß' und Rosen keimen nicht aus Stahl. Bevor du zum Staube der Schwelle der Thüre dich machst, Versteck' in Schenken ein Paar Tage dich.
[7]  Eröffne die Ohren, es weinet die Nachtigall nun, Die Leitungsrose riech', ermangle nicht!
[8]  Du sagtest, der Durst der Verstellung umgebe Hafis, Ey brav! wie trefflich ist nicht dein Geruch!
51
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:4.37-4.37
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:4.37
German Translation
[1]  Ein Rubin, der nach Blute dürstet, Sind die Lippen des Freundes, Sie beschaun und die Seele opfern Ist mein Geschäft.
[2]  Wer geseh'n, wie der Freund die Herzen Raubt, und mich dann noch schmähet, Schäm' sich hoch vor den Augen, vor den Wimpern des Freunds.
[3]  Leite Führer des Wegs! mich nicht zu Diesem Thore hinaus, Meines Geliebten Wohnort Liegt an dem Wege.
[4]  Ich bin meiner Bestimmung Sklave In der Theurung der Treu' Zog mich jenes betrunknen Sklaven Liebe zu sich.
[5]  Die Gewürze der Rose und ihr Ambra hauchender Kelch Sind von meinem Gewürzkrämer Nur ein Geruch.
[6]  Gärtner wehre mir nicht, den Eintritt In den Hain, wo dem Ost Seine Rosen entblühen durch Thränen Wie mein Granat.
[7]  Rosenwasser und Kandel bei des Freundes Lippen hat mir Angeschafft die Narzisse als des Siechenden Arzt.
[8]  Wißt, Hafis hat des Liedes Feinheit Und den Wohllaut gelernt, Von dem lieblichen, süße Rede Kosendem Freund.
353
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:28.45-28.45
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:28.45
German Translation
[1]  Wie kann ich denn Verzicht auf Liebe, Und auf den Schenken thun? Ich that wohl hundertmal schon Buße, Nun will ich nichts mehr thun.
[2]  Den Schatten Tuba's, Edens Garten, Und den Hurispalast Will ich mit meiner Freundinn Wohnung Gar nicht zusammen thun.
[3]  Ein einz'ges Zeichen giebt uns Kunde Von dem Betrachtenden. Einmal sprach ich davon ein Gleichniß, Ich will es immer thun.
[4]  Ich habe keine sichre Kunde Von meinem eignen Kopf, Bis ich im Stand bin in der Schenke Den Kopf empor zu thun. Es sprach zu mir im Spott der Rathsherr Verbothen ist der Wein! Glaubst du, so sprach ich, jedem Esel Soll ich Gefallen thun? Der alte Wirth spricht freilich immer Von Weisheit und Verstand. Entschuldigt bin ich, wenn ich trachte, Unmögliches zu thun.
[5]  Es sprach der Scheich zu mir im Zorne, Ey laß die Liebe steh'n. Ich sprach: zu was denn Zank, o Bruder, Das werde ich nicht thun. Ich bin nun schon genug bescheiden Wenn ich mit Schönen nicht Bei Hochaltären und auf Kanzeln Mich scheue schön zu thun.
[7]  Hafis des alten Wirthes Schwelle Ist ganz dem Glück geweiht. Ich will dieselbe gerne küßen, Und immer dieses thun.
125
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.26-10.26
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.26
German Translation
[1]  Derjenige ist noch nicht schön, Der seinen Wuchs, der Haarschmuck hat. Du sey ein Sklav desjenigen, Der dies und jenes hat.
[2]  Die Schmeicheleien der Huris Und der Peris sind liebevoll, Doch wahre Anmuth hat nur der, Der das Gewiße hat.
[3]  O Rose, lache du dem Groll Von meinem Auge freundlich zu, Indem dasselbe aus Begier Nach dir viel Wassers hat.
[4]  Wer unterstände sich, den Ball Der Schönheit zu entwenden dir, Die Sonne selber ist kein Held, Der festen Zügel hat.
[5]  Mein Wort dringt in die Herzen ein, Seitdem du's angenommen hast; Ja! Ja! gewiß, das Liebeswort Auch seine Wirkung hat.
[6]  Der Bogen deiner Augenbrau'n Hat übertroffen in der Kunst Zu schießen, jeden Bogenschütz, Der einen Bogen hat.
[7]  Es ward noch Keiner auf dem Pfad Der Liebe wahren Sinns gewiß, Wiewohl nach seiner Faßungskraft, Ein Jeder etwas hat.
[8]  Verschwend' mit Ausgelaß'nen nicht, Die Worte der Freygebigkeit, Weil jedes Wort und jeder Spruch Auch seine Zeit und Stelle hat.
[9]  Ein schlauer Vogel singet nicht Die Liebeslieder auf der Flur Im Frühling, welcher einen Herbst Noch hinter sich her hat.
[10]  Den andern Dichtern sey Hafis: O prahlet nicht mit Eurer Kunst, Vergeßt nicht, daß Hafisens Lied Die Kunst der Rede hat.
216
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.117-10.117
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.117
German Translation
[1]  Der Freund, durch den mein Haus Die Wohnung der Perien war, Der von dem Fuß zum Kopf, Perien gleich untadlich war.
[2]  Es sprach mein Herz, ich will Mit seinem Duft verbleiben hier, Es wußte nicht mein Herz Daß Er, der Freund, auf Reisen war.
[3]  Der Schleier fiel nicht nur Von meinem Herzgeheimniß ab. So lang der Himmel steht, Weiß ich, daß so sein Handeln war.
[4]  Mein vielbetrachteter, Mein weisheitsvoller Mond, Der durch Liebkosungen Der Herr von allen Blicken war.
[5]  Ein böses Schicksal hat Gerißen ihn aus meiner Hand, Was sollt' ich thun, indem Die Frag' vom Mondenumkreis war.
[6]  O Herz, verzeih' dem Freund, Denn du warst immer ein Derwisch, Indessen in dem Reich Der Schönheit Er ein König war.
[7]  Das war die schöne Zeit, Die ich verlebte mit dem Freund, Indem die übrige Nur seelenlose Leere war.
[8]  Die Rose und das Grün Und Strömeufer sind wohl schön, Nur ewig Jammer ist's, Daß alles im Vorbeigehn war.
[9]  Es bringt die Nachtigall Aus Eifersucht sich selber um, Weil in der Morgenzeit Der Ost mit Rosen freundlich war.
[10]  Du wisse, daß der Schatz Des Glückes den Hafis erhielt, Die Frucht vom Nachtgebet Und von dem Morgensegen war.
389
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:29.8-29.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:29.8
German Translation
[1]  Deinem Geruche zu lieb, weil die Rose den Schleier zerreißet, Zerreiß' auch ich mein ganzes Kleid.
[2]  Auf den Fluren ersah dich die Rose, und ohne Besinnen Zerriß wie trunken sie ihr Kleid.
[3]  Schwer befrey' ich mein Herz aus der Hand der Schmerzen und Leiden, Und du befreiest so leicht dein Herz!
[4]  Ich verließ den Freund, von meinem Feinde beredet, O niemand sey den Freunden Feind.
[5]  Deinen Körper umhüllt das Gewand, wie den Nektar der Becher, Das Herz die Brust, das Gold der Stein.
[6]  Träufle, Kerze, herab! o träufle Thränen in Fluthen! Dein Herzensbrand sey allen kund!
[7]  Thue mir Nichts, sonst steigt von meinen verbrennenden Seufzern Der Rauch empor wie vom Kamin.
[8]  Brich nicht das arme Herz, und wirf es mir nicht vor die Füße, Es ist geknüpfet an dein Haar.
[9]  Da Hafis sein Herz an deine Locken geknüpft hat, So wirf es mir nicht vor den Fuß.
241
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.142-10.142
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.142
German Translation
[1]  Freunde, seyd des Nachtfreund's eingedenk, Seiner treuen Dienste eingedenk!
[2]  Seyd beim Ton der Laute in dem Rausch Der Verliebten Seufzer eingedenk.
[3]  Wenn der Wein von Schenkwangen scheint, Seyd der Liebenden froh eingedenk!
[4]  Seyd, wenn ihr des Wunsches Saum ergreift, Unserer Gespräche eingedenk!
[5]  Wenn das Pferd des Glückes frey sich fühlt, Treibet zu, seyd unsrer eingedenk!
[6]  Nie erfuhret ihr von Treuen Gram, Seyd der Zeiten Falschheit eingedenk!
411
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:30.7-30.7
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:30.7
German Translation
[1]  Veilchen brennet der Neid ob deinen Locken, Rosenschleier zerreißt dein holdes Lächeln.
[2]  Süße Rose verbrenn' die Nachtigall nicht, Welche Nächte hindurch für dich nur betet.
[3]  Ich, dem ehmals der Engel Hauch zur Last ward, Trage nun das Gerede deinetwegen. Deine Huld ist mein Loos, dein Staub mein Eden, Meine Ruh' dein Gebet, mein Seyn die Wangen.
[4]  Einen Schatz in dem Aermel tragen Bettler Deine Bettler gelangen schnell zur Herrschaft.
[5]  Zwar vereinen sich nicht der Wein, die Kutte, Doch vereine ich beide dir zu Liebe.
[6]  Wein und Liebegekos entflieh'n zur Stunde, Wo mein Haupt voll Begier zu deinem Staub wird.
[7]  Freund! gebrauche das Aug' als Erker; Laß es niemals allein, es ist ein Betort.
[8]  Wahrlich! schön ist der Wangen Flur, besonders Wenn Hafis der geliebte Sänger bleibt.
279
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:16.8-16.8
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:16.8
German Translation
[1]  Heil dir Schiras und deiner unvergleichlichen Gegend!Gott bewahr' dich vor dem Verfalle!
[2]  Hundertmal seyen gesegnet durch Ihn des Roknabads Fluthen,Weil sie Chisers Kristalle verspenden.
[3]  Zwischen Dschaferabad und dem weit berühmten MosellaWehet der Nordwind Ambragerüche.
[4]  Komm' nach Schiras und suche die Gaben des heiligen Geistes
[5]  Wer hat jüngst vom Kandelzucker Aegyptens gesprochenOhne daß Süßlippichte zürnten?
[6]  Ostwind bringst du mir von trunkenen Luliern Kunde?Welche Kunde von ihrem Befinden?
[7]  O mein Herz! wenn dein Blut das süße Mädchen vergießet,Soll es wie Muttermilch dir gedeihen.
[8]  Gott! erwecke mich nicht aus diesem Traum, denn es leistetMir das Bild des Liebchens Gesellschaft.
[9]  Wenn du Hafis die Leiden der Trennung befürchtest, o sag' mir,Dankst du nicht für die Zeit des Genußes?
179
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-far1:10.80-10.80
urn:cts:farsiLit:hafez.divan.perseus-eng1:10.80
German Translation
[1]  Freudenkunde kam zu mir: Tage des Grames werden nicht bleiben, Keine sind geblieben, ha! Keine derselben bleiben.
[2]  Zwar bin ich im Angesicht Meines Geliebten wenig geehret, Doch mein Nebenbuhler wird Höher geehrt nicht bleiben.
[3]  Da der Hüter mit dem Schwerdt Alle Besuche treibet von hinnen, Werden selbst die Tulpen nicht In dem Hareme bleiben.
[5]  Dieses, sagt man, war das Wort Von dem Gesellschaftskreise Hafisens: Bringet Wein, der Becher wird Nimmer hienieden bleiben.
[6]  Nimm als Beute an, o Licht! Jeden Genuß der Schmetterlingsliebe, Denn es wird am Morgen nichts Von dem Gekose bleiben. Des Verborgenen Bote hat Freudige Kunde heut mir gegeben: Wiß', es soll in dieser Welt Ewiger Gram nicht bleiben.
[7]  Reicher! nimm das arme Herz Deines Derwisches einmal zu Handen, Denn ihm wird fürwahr kein Schatz Goldes und Silbers bleiben.
[8]  Sieh auf dem smaragdnen Dom Stehet mit goldnen Zügen geschrieben: Außer guten Thaten wird Ewig hierorts nichts bleiben. In der Frühe gab der Ost, Ihren Genuß verheißend, mir Kunde: Daß in Kummer Niemand soll Ewig hienieden bleiben.
[9]  Auf der Freundinn Liebe hoff' Immer Hafis mit gläubigem Herzen, Denn es wird das Unrecht nicht Ewig hienieden bleiben.